Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Mit MS Hanseatic in die Antarktis

2014 - 2015

Samstag 03.01.2015

Kap Hoorn - Puerto Williams - Ushuaia

Wir haben in der Nacht sehr gut geschlafen. Die See ist immer noch ruhig und Kapitän Gerke höchst persönlich weckt uns um 5.45 Uhr über die Bordlautsprecher aus unseren Träumen. Das Schiff hat Kap Hoorn erreicht und es ist immer noch gutes Wetter und ruhige See. Dem so heiß ersehnten Landgang steht nichts im Wege. Natürlich springe ich sofort aus dem Bett und lupfe das Rollo. Tatsächlich kann man seitlich Land sehen und das sogar bei Sonnenschein.
Jetzt hält uns nichts mehr. Nach einer kurzen Katzenwäsche sind wir auf dem Observation Deck und lassen hier unsere Kameras schnurren. Es ist tatsächlich Sonnenschein, nur einige wenige dunklere Wolken ziehen an der Insel vorbei. Wir sehen den Leuchtturm, das Albatrossdenkmal und die Landestelle mit der Holztreppe nach oben. Eine weitere Durchsage ertönt. Die erste Anlandung ist für 7.15 Uhr geplant und unsere grüne Gruppe ist die Erste. Wir haben also noch etwas Zeit und gehen ins Bistro Lemaire zum Frühstück. Da es bereits 7 Uhr ist, fällt das Frühstück sehr kurz aus. Eine Tasse Kaffee auf die Schnelle und ein Brötchen zum Mitnehmen auf die Kabine.
Bereits um 7.15 Uhr sitzen wir zum letzten Mal in voller Montur in der Kabine auf unseren Betten. Wir hatten die Sachen natürlich vorher bereits herausgelegt und alles war griffbereit. Keine Minute zu früh. Um 7.20 Uhr erfolgt der Aufruf zum Landgang und nur Sekunden später stehen wir am Sidegate. Wir sind tatsächlich die Ersten hier und können die Plätze vorn im Zodiac einnehmen. Es dauert eine kurze Weile, bis das Boot voll ist, die anderen Passagiere sind nicht so schnell wie wir. Nach 10 Minuten startet das Boot und braust mit Vollgas in Richtung Land. Unser Fahrer ist der Chief Mate, der erste Offizier Dolf Jenckel persönlich. Die Überfahrt dauert nur wenige Minuten und der Lektor Dr. Arne Kertelhein begrüßt uns mit dem Ortsschild persönlich im Wasser stehend. Wir klettern auch als Erste über die Wülste in die kalte See. Es ist steinig und sehr rutschig und die ersten Schritte ans Ufer sind gar nicht so einfach. Aber helfende Hände führen und stützen uns bis zum Steg, auf dem es besser voran geht.
Geschafft. Wir sind an Land und stehen am südlichsten Punk des amerikanischen Kontinents. Kap Hoorn, berühmt und gleichzeitig auch berüchtigt. Den Namen hat das Kap oder besser gesagt diese Insel von einer holländischen Expedition bekommen. Der niederländische Seefahrer Willem C. Schouten hat es am 29. Januar 1616 auf einer Expedition der Hoorner Autraalse Compagnie zuerst beschrieben und zu Ehren der Stadt Hoorn auf Capo Hoorn getauft. Auf den meisten Landkarten wird es aber als Kap Horn, Cape Horn oder Cabo de Hornos, also nur mit einem „o“ geschrieben. Erst nach Eröffnung des Panamakanals im Jahre 1914 verlor das Kap seine Bedeutung und seinen Schrecken. Heute ist das Kap nur noch ein Touristenmagnet und ein beliebtes Ziel für wagemutige Segler. Schätzungen zufolge sind rund um das gefährliche Kap an die 800 Schiffe gesunken und es haben über 10.000 Seeleute hier ihr nasses Grab gefunden.
Genug Geschichte, jetzt müssen wir erst einmal die rund 150 nassen Holzstufen vom Ufer hinauf zum Plateau bezwingen. Und das mit den Gummistiefeln und der einengenden, wasserdichten Bekleidung. Die erste Hälfte geht ohne Probleme. Aber dann wird doch bald die Luft knapp und die Pausen länger. Dennoch sind wir auch die Ersten oben an der Versorgungshütte auf dem Plateaurand. Hier warten die Lektorin Heike Fries und der Kommandant der chilenischen Station auf dem Kap auf die Gäste. Der freundliche Herr in militärischer Paradeuniform reicht uns sogar die Hand und begrüßt uns auf Spanisch. Glücklicherweise kann Heike Fries für uns übersetzen. Wir wechseln gedolmetscht einige belanglose Worte, was fällt einem auch spontan so schnell ein, und ziehen dann weiter.
Zuerst stapfen wir einen feuchten Holzbohlenweg entlang, der immer wieder über ungünstig geschnittene Stufen in Richtung Leuchtturm führt. Es fängt mittlerweile an zu nieseln und die Holzstege werden zunehmen rutschiger. Kurz vor dem Leuchtturm zweigt ein weiterer Holzbohlenweg mit Treppenstufen zum Albatrossdenkmal ab. Wir haben kurzfristig beschlossen, erst das Denkmal zu besuchen, da später hier ein großer Andrang sein wird und Aufnahmen ohne andere Passagiere dann kaum mehr möglich sind.
Das Albatrossdenkmal wurde zum Gedenken an die vielen Seeleute, die vor Kap Hoorn umkamen, am 5. Dezember 1992 errichtet. Es wurde vom chilenischen Künstler Jose´ Balcells geschaffen und stellt einen stilisierten Albatross dar. Das Denkmal war für Stürme bis zu 200 Km/h ausgelegt, wurde aber am 10. November 2014, also vor knapp 2 Monaten, beschädigt. Die linke, westliche Hälfte ist wahrscheinlich durch Korrosion umgeklappt und liegt am Boden. Erst am 27. Oktober 2015 wurde es repariert. Aber wir hatten das zweifelhafte Glück, es defekt fotografieren zu können. Nur ein weiterer Passagier ist hier am Denkmal und wir fotografieren uns gegenseitig und völlig ungestört. Vom Denkmal aus haben wir auch einen sehr schönen Blick auf das eigentliche Kap Hoorn. Es ist eine Landzunge südöstlich vom Denkmal und an deren Spitze ist nun Mal der südlichste Punkt dieses Kontinentes.
Wir haben viele Bilder gemacht und gehen jetzt die zahlreichen Stufen hinab und zurück in Richtung Leuchtturm. Wir haben sehr viel Gegenverkehr und müssen auf dem schmalen Bohlenweg immer wieder anhalten und ausweichen. An der Gabelung treffen wir auch auf viele Crewmitglieder, die natürlich auch gerne alle auf das Kap möchten. Martina, die Sängerinnen und viele Personen der Servicemannschaft sind dabei. Nach kurzem Fußweg sind wir am Leuchtturm. Davor liegt das Wohnhaus der Familie des Kommandanten auf der rechten Seite. Dieser muss sich verpflichten, ein Jahr ohne Unterbrechung auf dieser Insel zu verbringen.
Der Leuchtturm ist offen und es gibt sogar ein Büro. Hier steht ein Offizier unseres Schiffes mit allen Reisepässen der Passagiere und es werden fleißig Stempel hineingedrückt. Wir können weitere Stempel auf Postkarten käuflich erwerben und das tun wir auch. Das soll ein kleiner Nebenverdienst für die Kinder des Kommandanten sein. Ein etwa 10jähriger Junge drückt uns die Stempel auf die Postkarten und bekommt ein paar amerikanische Dollar von uns. Er ist zufrieden und wir haben auch noch schöne Erinnerungen in unserer Souvenirsammlung dieser Reise. Dann steigen wir die engen Stufen hinauf in den Leuchtturm. Dieser alte, sehr niedrige Metallturm erfüllt nur noch einen touristischen Zweck. Die vielleicht zwanzig Stahlstufen sind leicht zu bezwingen und hier oben hat man auch keinen wirklich schönen Ausblick. Überall und rundherum hängen Fahnen und Wimpel aus aller Herren Länder an den Scheiben. Hinterlassenschaft von Touristen aus aller Welt. Ich drehe zwei Runden um das Leuchtfeuer herum weil ich keine freien Aufnahmen machen kann. Na, dann eben Filmaufnahmen mit den Rücken der anderen Passagiere. Soll ja auch entzücken.
Anschließend werfen wir noch einen Blick in die Minikirche neben dem Leuchtturm. Hier hängt immer noch das Konterfei des polnischen Papstes Karol Wojtyla, Johannes Paul II. Vielleicht sind die Chilenen hier am Kap doch etwas beleidigt, dass ausgerechnet ein Argentinier der neue Papst ist. Aber dazwischen gab es doch noch einen Deutschen als Papst. Egal, scheinbar sind die neuesten Fotos des aktuellen Papstes hier unten am Ende der Welt sehr rar.
Die nassen Holzstufen hinunter zum Strand sind schneller geschafft als hinauf, ein Zodiac wartet bereits auf uns und so sind wir gegen 9 Uhr zurück an Bord. Gut 1 ½ Stunden auf Kap Hoorn reichte uns jetzt auch. Wir reinigen die Gummistiefel besonders gründlich und stellen sie in die Regalfächer des Umkleideraumes. Die Parkas sollen wir auf dem Flur vor den Kabinen ablegen und sie werden von der Crew eingesammelt. Um 9.20 Uhr stehe ich bereits unter der Dusche und merke, dass der Ausflug mit den vielen Treppen und Stufen doch anstrengend war. Anja geht nach mir in die Dusche und ich überspiele ein letztes Mal die Kameradaten. Für den Rest der Reise habe ich noch genug freie Chips im Handgepäck. Entweder liegt es an der kurzen Nacht oder an der Anstrengung beim Landausflug, ich liege bald auf meinem Bett und nicke kurz ein.
Heute gibt es kein Mittagessen im Restaurant. Die Küchencrew hat in der Explorer Lounge ein bayerisches Buffet mit allen Spezialitäten, die es in diesem Bundesland gibt, aufgebaut. Vom Spanferkel über Weißwürste, vom Sauerkraut bis zum Wurstsalat ist alles dabei. Und in den Landesfarben weiß-blau ist die Lounge auch noch geschmückt. Selbstverständlich spielt die Kapelle bayerische Volkslieder und im Nu ist das Buffet belagert. Wir sitzen wieder mit den Tischnachbarn zusammen und stellen uns sogar zwei Mal an. Das Spanferkel ist eine Wucht, zart und sehr lecker und die Klöße schmecken mit der braunen Soße herrlich dazu. Natürlich muss nach einem solch üppigen Mal ordentlich nachgespült werden. Leider sitzen wir an unserem Tisch strategisch ungünstig für die Getränkekellner. Im Nu haben wir an die 5 bis 6 Schnäpse eingeschenkt bekommen. Die wollen die schweren Flaschen nicht den weiten Weg zurück zur Bar schleppen und haben sie an unserem Tisch entleert. Zusammen mit der entsprechenden Anzahl an Bieren hat diese nasse Flut eine verheerende Wirkung auf uns alle. Nach gut zwei Stunden können wir nicht mehr und haben keine Ahnung, ob wir zu viel gegessen oder getrunken haben. Jedenfalls sind wir gegen 14.30 Uhr hinunter in die Kabine und haben erst einmal unseren Rausch ein wenig ausgeschlafen.
Leider muss ich um 16 Uhr zur Rezeption und einen orangefarbenen Kofferanhänger gegen einen blauen tauschen. Wir hatten uns umentschieden und wollten nun doch wenigstens einen unserer Koffer in Buenos Aires auf das Zimmer haben und nicht alle Koffer einlagern. Das Schiff liegt derzeit in Puerto Williams in Chile an der Pier und wird ausklariert. Gleich geht es zur letzten Etappe nach Ushuaia hinüber.
Ich bin halbwegs wieder nüchtern und sitze in der Explorer Lounge herum. Das Buffet ist abgeräumt und gleich gibt es die Entscheidung im Fotowettbewerb. Es ist wie es immer ist, wir haben nichts gewonnen. Bilder, die das gleiche Motiv wie unsere zeigen, bekommen einen Preis. Da entscheidet dann doch der Name und der Bekanntheitsgrad einen Wettbewerb. Was soll’s?
Gegen 19.20 Uhr sind wir zum Abendessen im Restaurant. Eigentlich haben wir keinen Hunger und wollen auch nicht viel zu uns nehmen, aber es ist das letzte Essen und wir wollen uns ganz herzlich von unseren Tischmädels und dem Maitre D’ Matthias Laue verabschieden und bedanken. Es ist 19.45 Uhr und unser Schiff ist im Hafen von Ushuaia angekommen. Es folgt das letzte Festmachen vor unserer Abreise. Beim Wendemanöver kann ich das Schiff Le Boreal am Pier erkennen. Ich beeile mich mit dem Nachtisch und bin gleich runter in die Kabine. Die Kameratasche ist eigentlich für die Abreise fertig gepackt, aber da muss ich nun doch noch einmal ran.
Über das Sidegate kann man das Schiff jetzt ganz leicht über einen Plankengang verlassen und es sind nur wenige hundert Meter bis zu dem Schiff der Reederei Compagnie du Ponant. Die haben insgesamt zurzeit vier Schiffe, davon zwei Expeditionsschiffe. Die Le Boreal ist ein Luxusliner, der auch in der Antarktis fahren kann und Zodiacs für Anlandungen an Bord hat. In der Silvesternacht sind wir diesem Schiff begegnet. Mich interessiert besonders die neuartig gestaltete Heckpartie des Schiffes. Die ist so tief herabgezogen, dass man von einer Plattform direkt in die Zodiacs einsteigen kann. Ein Sidegate und wackelige Treppen sind hier überflüssig.
Ich mache aber nicht nur von der Le Boreal Aufnahmen, unser Schiff muss jetzt im warmen Licht der untergehenden Sonne auch noch herhalten.
Aber nun wird es Zeit für mich. Es ist bereits 21 Uhr und die Koffer müssen noch gepackt und vor die Kabinentür auf den Flur gestellt werden. Nach 22 Uhr sind wir damit fertig und treffen uns mit den Tischnachbarn noch auf ein letztes Glas in der Observation Lounge. Auch Bordpfarrer Hasse kommt noch vorbei und verabschiedet sich ganz herzlich von uns. Um 23 Uhr zollen wir dem langen, ereignisreichen Tag unseren Tribut. Wir sind alle hundemüde und liegen 20 Minuten später in unseren Betten.

nächster Tag

 

 

 

 



Klick für große Bilder:

Vor Kap Hoorn

Das Kap in sichtweite

Chief Mate am Steuer

Lektorenbegrüßung

 

 

Treppe zum Himmel

 

 

Kommandant

 

 

Vor dem Denkmal

 

 

Das zerstörte Denkmal

 

 

Das eigentliche Kap

 

 

Auf Kap Hoorn

 

 

Wohnhaus und Leuchtturm

 

 

Im Leuchtturm

 

 

Hanseatic vor dem Kap

 

 

Bayerisches Buffet

 

 

Leckeres Buffet

 

 

Endstation Ushuaia

 

 

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