Anjas und Winfrieds Reiseseite
www.wurzelsreisen.de
 

 

Mit MS Hanseatic in die Antarktis

2014 - 2015

Donnerstag 01.01.2015 - Neujahr

Bransfield Strait - Süd-Shetland Inseln - Aitcho Islands

Die MS Hanseatic ist in der Nacht durch die Bransfield Strait und vorbei an Deception Island zu den Süd-Shetland Inseln gefahren. Hinter Greenwich Island steuerte das Schiff nordwärts bis zu den Aitcho Islands, in sichtweite von Roberts Island. Eines der Besatzungsmitglieder hatte scheinbar an Sylvester und zu Neujahr Dienst und durfte nicht mitfeiern. Diese Inselgruppe wurde 1935 kartographisch erfasst und wurde nach dem Hydrographischen Office der englischen Admiralität benannt. Abgekürzt bedeutet es H.O. = im englischen Aitch O = Aitcho Islands.
Wir sind auch etwas später aufgestanden und zum Frühstück ins Restaurant gegangen. Um 8.30 Uhr treffen wir unsere Tischnachbarn und frühstücken noch zusammen. Eine Durchsage ertönt aus den Bordlautsprechern. Das Schiff liegt vor den Aitcho Islands und es werden Zodiacfahrten zur Hauptinsel angeboten. Allerdings heute ohne jede Farbgruppenbindung. Wer Lust auf Landgang hat, darf zum Sidegate kommen und wird gefahren. Es ist die allerletzte Möglichkeit, in der Antarktis an Land zu gehen und noch einmal die süßen, kleinen Schwimmvögel aus der Nähe betrachten zu können. Also quälen wir uns ein letztes Mal in die wasserdichten Sachen und stapfen mit unseren Kameraausrüstungen zum Sidegate.
Gegen 9.30 Uhr sind wir auf der Hauptinsel, deren Namen uns allerdings verborgen bleibt, und werden von müden Lektoren begrüßt. Nur die Zügelpinguine und die Eselspinguine hatten wohl keine Sylvesterparty und sind munter wie eh und je. Sie wuseln bergauf und bergab von und zu ihren Nestern und Küken. Wir wollen auch die wenigen Meter hinauf zu den Kolonien etwas oberhalb eines mäßig steilen Berghanges. Aber das gestaltet sich erneut schwierig. Der Weg hinauf ist schnee- und eisfrei, und gerade das gestaltet sich als sehr mühsam. Der Boden ist nur einen oder vielleicht zwei Zentimeter aufgetaut und dadurch nass und glitschig. Hinzu kommt, dass die lieben kleinen und gefiederten Freunde keine Toilettenhäuschen kennen und die Wege mit stinkendem Kot bedeckt sind. Da kann man gleich mit den Gummistiefeln auf einer Eisfläche herumbalancieren. Im Randbereich des Pinguinpfades kommt man einigermaßen zurecht und schon bald sind wir abgekämpft auf der Anhöhe.
Aber die Mühe hat sich gelohnt. Hier oben hat man einen tollen Blick über die Insel und die Pinguinkolonien. Und auch unser Schiff liegt malerisch bei strahlender Sonne in der Bucht vor Anker. Die letzten Aufnahmen hier in der Antarktis werden wieder einmal sehr gut werden. Aber wir müssen leider wieder zurück und bergab ist es meist schwieriger als berauf. Es wird eine elende Rutschpartie an der Kante des Pfades wieder hinab. Kurz vor dem Wasser setzen wir uns erst einmal auf einen großen Stein und schnaufen durch. Wir können hier sehr schön die heranflitzenden und an Land springenden Pinguine beobachten. Es ist um uns herum eine tolle Stille – wenn nicht gerade ein Zodiac mit Außenbordmotor herangebrummt kommt. Wir hängen noch 15 Minuten hier in der schönen Sonne ab und dann soll es doch zurück zum Schiff gehen.
Um 10.30 Uhr sind wir zurück an Bord und reinigen im Serviceraum neben dem Sidegate erst einmal unsere Gummistiefel und die wasserdichten Hosen. Die sind mit dem roten Pinguinkot bedeckt und müssen dringend sauber gemacht werden. Für die Gummistiefel gibt es eine Waschanlage mit sprühendem Wasser und rotierenden Bürsten. Aber an die Hosen müssen wir mit Handbürsten ran. Auch das ist bald geschafft und nach dem Umziehen gehen wir hinauf in die Observation Lounge. Hier treffen wir auf die Tischnachbarn und ich gönne mir einen heißen Kakao. Anja nimmt eine Bouillon und wir unterhalten uns ein wenig.
Auf dem Weg zurück in die Kabine gehen wir noch zur Rezeption. Hier müssen wir ein Einreiseformular für Kap Hoorn und den Staat Chile unterschreiben. Wir sind um 12 Uhr in der Kabine und ich mache den Bordfernseher an. Dieser ist gleichzeitig ein Computer, mit dem man auch E-Mails versenden und empfangen kann. Aber wer soll uns an Neujahr um diese Zeit schon schreiben. Die liegen in der Heimat alle noch im Salz und lecken ihre Feierwunden. Auch das Bordkonto kann man einsehen und alle Buchungen von Getränken und Ähnlichem kontrollieren. Ich habe eine kleine Unstimmigkeit entdeckt und gehe noch einmal hinauf zur Rezeption, um das zu klären.
Auf dem Oberdeck im Außenbereich gibt es um 12.30 Uhr eine Pölserparty. Die Bordkapelle spielt, es gibt Freibier, Krapfen und natürlich den dänischen Pölser. Das ist im Original eine fein gekutterte Schweinefleischwurst im Darm, die mit einem Farbstoff rot gefärbt wird. In den skandinavischen Ländern ist das eine Wurstspezialität. Hier auf dem Oberdeck gibt es eine normale Brühwurst in einem Brötchen mit Zwiebeln und gehackten Gurken, also eine Art „Hot Dog“. Das Teil schmeckt ganz gut und das Freibier zischt geradezu die Kehle hinab. Aber es zieht uns dennoch hinunter ins Restaurant, weil es dort etwas Spezielles gibt. Leider habe ich ausgerechnet das nicht in mein Diktiergerät gesprochen und ich kann mich heute auch nicht mehr daran erinnern. So what!
Unser Schiff ist bereits wieder unterwegs in die berüchtigte Drakepassage, ein Schrecken aller Seefahrer. Aber noch schippern wir zwischen den schützenden Inseln von Süd-Shetland in der English Strait herum. Wir halten erst einmal eine Mittagsruhe und sehen uns dann im Bordfernsehen einen Vortrag von Peter von Sassen aus dem Vortragsraum an. Er referiert über das Rennen zum Südpol zwischen Scott und Amundsen. Um 18.30 Uhr gibt es in der Explorer Lounge ein letztes RECAP über unsere Besuche auf und um die antarktische Halbinsel und pünktlich um 19 Uhr sind wir im Restaurant zum Abendessen.
Wir haben noch eine Flasche Champagner übrig und die haben wir kalt stellen lassen. Mit unseren Tischnachbarn sind wir um 21 Uhr in der Observation Lounge. Unsere Frauen schwächeln heute aber etwas und ziehen sich nach dem Champagner in die Kabinen zurück. Ich bestelle für mich und Rainer noch ein leckeres, gezapftes Bier. So halten wir es tatsächlich noch bis 23 Uhr bei netten Gesprächen hier oben aus.
Zurück in der Kabine finde ich die Antarktis-Urkunden vor und überspiele noch kurz die Daten. Anja schläft bereits und ich bin auch kurze Zeit später im Bett.


nächster Tag

 

 

 

 



Klick für große Bilder:

Aitcho Insel

MS Hanseatic

Zügelpinguin

Eselspinguin

 

 

Pinguinkolonie

 

 

Schiffsband

 

 

Pölserparty an Deck

 

 

Abschied Antarktis

 

 

Navigationsbildschirm