Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Mit MS Hanseatic in die Antarktis

2014 - 2015

Dienstag 30.12.2014

Paradiesbucht - Lemaire Kanal - Petermann Insel

Heute sind wir schon wieder früh auf. Unser Schiff ist noch in der Nacht in die windgeschützte Paradiesbucht gefahren und hat hier geankert. Dieser Naturhafen bietet hohe Gletscher, die direkt ins Wasser kalben und einige wenige flache Uferstellen, an denen auch Pinguine brüten. In einigem Abstand haben hier Chile und Argentinien Forschungsstationen gebaut. Es soll bereits ganz früh Ausbootungen zur argentinischen Station Almirante Brown geben. Diese Station wurde 1984 vom Stationsarzt angezündet und war abgebrannt. Langsam restaurieren die Argentinier die Station wieder und ausgerechnet heute sind sie mit einem Schiff hier und wollen eine neue Antenne installieren.
Da die Ausbootungen noch auf sich warten lassen, gehen wir um 6.30 Uhr erst einmal zum Frühstück und lauschen hier im warmen Restaurant den Borddurchsagen. Der Kaffee und die frischen Brötchen sind wie immer sehr gut und wir warten auf unsere Tischnachbarn. Aber heute früh warten wir vergebens.
Es ist uns heute einfach zu kalt draußen und wir beschließen, die angebotene Rundfahrt mit den Zodiacs nicht mitzumachen. Und diese Entscheidung war richtig, denn der Wind hat die Landestelle an der Station mit Eis zugetrieben und selbst die Argentinier haben ihr Vorhaben mit der Antenneninstallation aufgegeben und sich mit ihrem Schiff zurückgezogen. Unsere Tischnachbarn waren aber unterwegs und haben uns später von dieser Fahrt berichtet. Bereits nach einer Stunde sind alle Zodiacs wieder an Bord und die Hanseatic verlässt die Paradiesbucht.
Bis gegen 11 Uhr gammeln wir ganz entspannt in unserer Kabine herum. Ich sortiere meine Videoaufnahmen und mache erneut Bildschirmfotos von der aktuellen Schiffsposition. Zwischendurch sind wir mal auf der Brücke, da wieder Wale gesichtet wurden. Diesmal ganz nah und unmittelbar am Schiff. Die Hanseatic hat ja als Expeditionsschiff eine so genannte „Open Bridge“. Das bedeutet, dass die Brücke bis auf Notfälle oder schwierige Seeverhältnisse immer offen ist und man sich auch mit den Offizieren unterhalten kann. Bisher haben wir das noch nicht gemacht, aber jetzt ist eine sehr gute Gelegenheit dazu. Nach den Walaufnahmen verbringen wir wieder einige Zeit in der inzwischen gereinigten Kabine und sind um 12.20 Uhr im Bistro Lemaire zum Mittagessen.
Wir hatten es nicht mitbekommen, aber heute ist Bar-B-Que auf dem Außendeck hinter dem Bistro. Es gibt Steaks aller Fleischsorten, Bratwurst, Folienkartoffeln und alle möglichen Salate. Ich gönne mir als Nachtisch noch eine göttliche Haselnusscreme und freue mich, dass unsere Tischnachbarn auch wieder da sind. Der Mittagsschlaf wird heute später gehalten, MS Hanseatic steuert auf den Lemaire Kanal zu.
Es ist 13.20 Uhr, als unser Schiff den Kanal erreicht. Dieser Kanal ist eine ca. 6 Kilometer lange Wasserstraße zwischen der antarktischen Halbinsel und der Booth Insel. An der schmalsten Stelle ist sie nur 720 Meter breit und fast ganzjährig mit Eis bedeckt. Diese Passage gilt als der Höhepunkt einer Expeditionsreise in die Antarktis. Wegen der vielen Fotomotive wird er auch als „Kodak-Gap“ bezeichnet. Wenn der Kanal nicht eisfrei ist, müssen die Schiffe einen sehr weiten Weg um die Booth Insel herum zur Petermann Insel in Kauf nehmen.
Aber wir haben wie immer Glück. Der Kanal ist eisfrei und empfängt uns gleich am Anfang mit den Doppelgipfeln des Kap Renard. Seit 2008 wird er auch offiziell mit „Una Peaks“ bezeichnet. Inoffiziell wurde der Doppelgipfel viele Jahre lang mit „Una’s Tits“ bezeichnet. Die Bezeichnung geht auf Una Spivey, einer britischen "Personalbetreuerin" auf den Falklandinseln zurück.
Hinter dem Doppelgipfel erleben wir eine grandiose Landschaftsszenerie. An beiden Seiten des Kanals erheben sich steil die Berge direkt aus dem Wasser bis zu 1000 Meter in die Höhe. In dem spiegelglatten Wasser treiben Eisschollen und kleinere Eisberge ruhig umher und auf einzelnen Schollen liegen seelenruhig Robben herum. Einen Seeleoparden kann ich beim Verdauungsschlaf filmen. An den steilen Hängen kann man einzelne Pinguinpfade bis in die Höhen erkennen und die kleinen Gesellen herumklettern sehen. Ganz erstaunlich, was diese kleinen Vögel zu leisten im Stande sind.
Unsere Grenzen spüren wir auch recht schnell. Es ist kalt, sogar saukalt hier oben im Fahrtwind auf dem Observationsdeck. Die Filmer und die Fotografen haben sich friedlich geteilt. Die vordere Back ist auf und einige Unerschrockene stehen ganz vorn am Bug des Schiffes. Anja ist schon längst in der Kabine verschwunden und mir wird es nach 1 ½ Stunden auch langsam unerträglich kalt. Um 14.50 Uhr lasse ich dem Lemaire Kanal seine Ruhe und begebe mich zur selben in die Kabine. Selten habe ich das warme Oberbett so genossen wie jetzt.
Eine ganze Stunde habe ich die Wärme genießen dürfen, doch um 15.50 Uhr erschallt erneut eine Stimme aus den Lautsprechern. Das Schiff hat die Petermann Insel erreicht und die blaue und die rote Gruppe sollen ausbooten. Wir bleiben noch etwas liegen und ziehen uns dann langsam um. Es dauert ja doch eine ganze Zeit, bis man die Zwiebelhäute an Kleidung übergestreift hat. Ein Urlaub in der Südsee oder in der Karibik ist da wesentlich stressfreier. Endlich, um 16.50 Uhr, sind wir mit unserer grünen Gruppe dran.
Im Handumdrehen sind wir am Sidegate und dürfen auch gleich ins Zodiac. Wie es der Zufall so will, ist unser Fahrer von gestern wieder am Steuerhebel. Natürlich kann ich es nicht lassen und frage ihn, ob er auch getankt hat. Er hat Humor und lacht mit. Tatsächlich klappt die Überfahrt diesmal auch reibungslos und ohne Umsteigeaktion. Dafür ist die Landestelle mal wieder etwas bedenklich. Glatte und nasse Steine erwecken kein großes Vertrauen, aber die Lektoren und die Helfer vom Schiff sind auf Zack. Sie kennen die richtigen Griffe und auch die "klapprigste Oma" wird heil an Land gehievt.
Für uns beginnt hier aber eine Tortour. Wir wollen zu den Adeliepinguinen einen steilen Berg hinauf, aber es muss vor unserem Besuch tagelang geschneit haben. Die Fußstapfen der wenigen Passagiere, die es hinauf geschafft haben, sind fast unbrauchbar, dennoch wage ich einen Versuch. Fast bei jedem Schritt versinke ich bis zum Knie in dem weichen Schnee. Und jeder weitere Schritt ist ein Kampf, das Bein wieder herauszubekommen. Ich habe bereits aufgegeben und bin im Begriff umzukehren, als ein Passagier einer früheren Gruppe von oben an mir vorbeikommt und in den höchsten Tönen über die tolle Kolonie schwärmt. „Das müssen sie unbedingt sehen“, sagt er.
Ich drehe mich also wieder um und schätze die Situation noch einmal ein. Dann nehme ich mir vor, bereits benutzte Fußstapfen wieder zu benutzen und das funktioniert so einigermaßen. Dennoch benötige ich weit über 20 Minuten für die paar Meter hinauf zur Kolonie. Aber der andere Mann hatte recht. Als sich mein Atem wieder etwas beruhigt hat, gelingen mir sensationelle Videoaufnahmen der Adeliepinguine mit ihren süßen, kleinen, grauen, wonneproppigen Küken. Die kleinen Racker halten fordernd ihre Hälse mit den kleinen Schnäbeln nach oben und piepsen fordernd und bettelnd zugleich in Richtung Elterntier. Das Ganze ist deshalb so faszinierend, da wir kaum 2 Meter von den Tieren entfernt sind. Auch die schroffen und steilen Berge der Booth Insel im Hintergrund geben eine tolle Kulisse ab.
Natürlich wachen hier gleich 2 Lektoren darüber, dass wir den Tieren nicht zu nahe kommen, aber der Aufstieg lohnte sich wirklich. Anja hat es auch geschafft und gemeinsam gelingen uns sehr schöne Aufnahmen. Etwas blauen Himmel haben wir noch vermisst, aber man kann eben nicht alles haben. Der Abstieg fällt nicht nur schwer, er wird auch schwer. Es ist nicht mehr so einfach, bereits benutzte Tritte zu finden und immer öfter versinken wir im tiefen Schnee. Mit den dicken Klamotten und den klobigen Gummistiefeln wird der Rückweg zur Qual. Aber wir schaffen es bis zum Schlauchboot, sind total durchgeschwitzt und freuen uns auf unsere Dusche.
Um 18.15 Uhr gibt es in der Explorer Lounge ein weiteres PRECAP über Neko Harbour und über die antarktische Halbinsel am nächsten Tag. Danach sind wir im Restaurant zum Abendessen. Die Hanseatic hat gedreht und ist bereits wieder auf dem Rückweg und im Lemaire Kanal. Von unserem Tisch aus können wir die Durchfahrt und die Szenerie noch einmal genießen. Nach dem Abendessen sind wir noch oben in der Observation Lounge. Unsere Tischnachbarin Anne hat noch eine Flasche Champagner, die ausgetrunken werden muss. Na klar, ins Fluggepäck gehört so eine Flasche mit ihrem Gewicht nun gar nicht. Das Wetter bessert sich etwas und es gibt einen sehr schönen Sonnenuntergang gegen 22.30 Uhr. Vorher können wir wieder zahlreiche Buckelwale beobachten. Diesmal direkt und unmittelbar am Schiff. Einer dieser Burschen taucht auch direkt neben dem Schiff und darunter hindurch. Ganz toll, wie wir finden.
Gegen 23 Uhr sind wir in der Kabine und ich überspiele meine Daten. Danach ist dann Bettruhe.

nächster Tag

 

 

 

 



Klick für große Bilder:

Almirante Brown

Argentinisches Schiff

Offene Brücke

Kap Renard

 

 

Lemaire Kanal

 

 

Lemaire Kanal

 

 

Vordere Back

 

 

Adelie Pinguin 1

 

 

Adelie Pinguin 2

 

 

Adelie Pinguin 3

 

 

MS Hanseatic 1

 

 

MS Hanseatic 2

 

 

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