Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Mit MS Hanseatic in die Antarktis

2014 - 2015

Montag 29.12.2014

Antarktische Halbinsel - Melchior Islands - Port Lockroy

Schon wieder flüstert die Stimme der Kreuzfahrtdirektorin Ulrike Schleifenbaum um 6.30 Uhr aus dem Lautsprecher. Draußen ist ein Traumwetter mit Traumbedingungen und einer Traumsicht. Ein kurzer Blick hinter das abdunkelnde Rollo überzeugt uns. Ganz schnell sind wir ungewaschen in unseren Klamotten und mit Kameras auf dem Observation Deck. Was wir jetzt erleben dürfen ist unbeschreiblich und kann kaum in Worte gefasst werden. Das warme Licht der tief stehenden Sonne zeigt bei wolkenlosem Himmel eine grandiose, antarktische Szenerie. Die Sicht beträgt an die 20 oder 30 Kilometer und zeigt uns eine tolle, verschneite Bergkulisse vor einer spiegelglatten See. Natürlich wird wieder geknipst und gefilmt was das Zeug hält. Um 7 Uhr werden die gelbe und die blaue Gruppe zu einer Zodiacfahrt aufgerufen. Wir filmen noch die namenlose, verlassene argentinische Forschungsstation und gehen dann hinunter in unsere Kabine.
Es ist noch viel Zeit bis zu unserer Ausbootung, denn vor uns ist noch die rote Gruppe dran. Daher sind wir frisch gewaschen um 7.30 Uhr im Bistro Lemaire zum Frühstück. Danach ziehen wir uns in der Kabine um und warten. Gegen 8.40 Uhr wird die rote Gruppe aufgerufen und wir erwarten noch eine längere Pause bis zu unserer Tour. Aber da haben wir falsch gedacht. Nur kurze 10 Minuten später werden wir zum Sidegate gerufen und haben noch einmal Glück. Wieder steuert Heike Fries unser Zodiac, was uns sehr erfreut. Wunderschöne und lange 75 Minuten fahren wir jetzt in dem Gummiboot zwischen den Melchior Islands herum. Zuerst steuert Heike uns zu der verlassenen Station auf Gamma Island, die wir bereits vom Oberdeck aus gesehen haben. Hier und in der unmittelbaren Umgebung können wir einzelne Adeliepinguine beobachten, die neugierig in unsere Richtung sehen. Danach geht aus der kleinen Bucht hinaus in die Inselwelt der Melchior Islands. Den Polarforschern sind hier die Namen und Personen ausgegangen, denn sie haben die Inseln einfach nach dem griechischen Alphabet benannt. So geht es nach der Gamma Insel zu Omega und weiter hinüber zu Eta, Lambda und Kappa Island.
Omega Island ist für unsere Reederei besonders interessant, da hier ein Zodiac der MS Bremen im Jahr 2003 eine Lücke im Eis zu der Insel entdeckte und hindurch fuhr. Diese nur für Zodiacs passierbare Flachstelle hat man aber ganz stolz "Bremen Kanal" genannt und wird nun jedem Gast eines Hapag Lloyd Schiffes gezeigt. Leider ist der Kanal noch voller Eis und für unser Zodiac heute unpassierbar. Weiter geht es um die Inseln und um die mächtigen Eisberge herum und wir liegen vor einer Eisscholle. Hier gibt es einen kurzen Zodiacstau, weil auf der Eisinsel einige Robben herumliegen. Natürlich wollen die Gäste und Passagiere diese hier in der Antarktis „seltenen“ Tiere gern fotografieren. Ich nehme eine Krabbenfresserrobbe, immerhin die am häufigsten vorkommende Robbenart, aufs Korn und das reicht mir dann auch. Die tolle und einmalige Szenerie um mich herum ist viel spektakulärer.
Gegen 10.05 Uhr ist die Tour für uns zu Ende und wir sind wieder an Bord. Leider ist unsere Kabine im Service und wir müssen noch warten. Anja zieht sich kurz um und geht in die Observation Lounge. Ich schiebe meinen Chip in das Ultrabook und kontrolliere schnell die Aufnahmen. Sie sind alle ganz toll gelungen und ich übertrage sie noch auf die Speichermedien. Danach gehe ich auch zu Anja in die Lounge und wir trinken einen sehr wohltuenden, heißen Kakao. Immer wieder stoppt die Hanseatic kurz. Hier zwischen den Melchior Islands und der Neumeyer Straße gibt es jede Menge Buckelwale zu sehen. Sie tauchen kurz auf, blasen und tauchen dann mit spektakulärem Tale wieder unter. Bei diesem Wetter macht das natürlich besonders viel Spaß beim Zusehen.
Auch während wir im Bistro Lemaire beim Mittagessen verweilen, sehen wir draußen Flandres Island im schönsten Sonnenschein vorbeiziehen und der mächtige, 2800 Meter hohe Mount Francais zeigt uns seinen wolkenlosen Gipfel. Dazwischen gibt es immer wieder auftauchende Buckelwale und sogar kleinere Orcafamilien zu beobachten. In unserer Mittagsruhe passiert die MS Hanseatic den Neumeyer Kanal und liegt um 15.30 Uhr vor Port Lockroy. Wir sind hier an der Westküste der Wiencke Insel im Palmer Archipel. Die auf der Westseite der Insel gelegene, englische Forschungsstation ist nach dem französischen Politiker Edouard Lockroy benannt und war bis 1962 in Betrieb. Erst 1996 wurden die Gebäude restauriert und dienen heute als Museum und als Postamt. Alle Sendungen, die hier abgegeben werden, müssen von den Schiffen über die Falkland Inseln transportiert werden. Wegen der immer noch herrschenden Spannungen fällt das argentinische Ushuaia als Hafen aus. Port Lockroy dürfen täglich nur 3 Kreuzfahrtschiffe anlaufen und die Besucherzahl ist auf 500 Menschen begrenzt.
Dennoch ist dieser Hafen mit der Station das beliebteste Ziel hier in der Antarktis. Wir werden auch hier eine Postkarte und eine Briefmarke kaufen und an uns selbst versenden. Dann haben wir je 1 Postkarte vom südlichsten Postamt der Welt und 2013 aus Ny Alesund auf Spitzbergen 1 Postkarte vom nördlichsten Postamt der Welt.
Nach der gelben, blauen und roten Gruppe sind wir in unserer grünen Gruppe endlich um 18.15 Uhr dran. Eigentlich schon viel zu spät, denn die Abfahrt der Hanseatic steht bereits um 19 Uhr an. Wir sind schnell am Sidegate und in einem Zodiac. Ein zurückkommender Gast hat mir ein Foto von einem Seeleoparden auf einer Eisscholle kurz vor der Station gezeigt. Toll. Ich bin schon ganz aufgeregt und halte meine Kamera bereit, aber wir sind noch lange nicht an der Station. Auf halbem Weg spuckt plötzlich der Motor und geht aus. Der asiatische Fahrer schaut im Bug des Zodiac in den Tank und muss erkennen, der Sprit ist alle. Über Funk ordert er Hilfe vom Schiff und zu aller Peinlichkeit kommt mit dem nächsten Boot der Kapitän als Fahrer vorbei und ruft herüber, dass ihn dieses Missgeschick ein Fass Bier für die Crew kosten wird. Nach 10 langen Minuten, in denen wir den neugierigen Pinguinen, die unser Boot umkreisen, zugesehen haben, kommt ein Ersatzzodiac. Aber leider wird unser Boot nicht getankt. Das scheint viel zu gefährlich hier auf offenem Wasser. Wir sollen, nein müssen, umsteigen. Na das hat uns gerade noch gefehlt. Das Aussteigen über die dicken Wülste der Schlauchboote ist schon mühsam genug, aber jetzt noch die Beine über das eiskalte Wasser auf eine zweite Wulst wuchten??? Wir lassen erst einmal den anderen Passagieren den Vortritt. Aber die Crew ist auch hierbei auf diese Situation sehr gut eingestellt und das gehört wohl zum Crewdrill dazu. Herzhaft schwingt man meine Beine nach oben, herum und vom anderen Boot werde ich von kräftigen Armen hinübergezogen. Zwei andere kräftige Crewleute halten die Boote an den dicken Schnüren auf der Wulst lückenlos zusammen. Mit Anja passiert das Gleiche und schnell geht die brausende Fahrt weiter. Leider hat der Bootsfahrer nun keinen Blick mehr für den Seeleoparden, der immer noch auf der Eisscholle liegt und sogar ein blutiges Pinguinskelett neben sich liegen hat. Ich sitze so unglücklich, dass ich die Kamera nur auf Verdacht in diese Richtung halten kann und die Aufnahmen sind natürlich unbrauchbar.
Gegen 18.35 Uhr betreten wir dann endlich die Insel und klettern den halb vereisten und felsigen Weg hinauf zur Station. Natürlich müssen wir zuerst die Station und die Schilder davor aufnehmen. Das Angenehme an unserer späten Ankunft ist, die meisten Passagiere sind bereits zurück auf dem Schiff. Nur noch zwei Zodiacs, also 16 Menschen und die Lektoren treiben sich hier herum. Wir kaufen gleich 3 Postkarten und 3 Briefmarken und setzen uns an den Tisch im Aufenthaltsraum der Station. Die Karten sind schnell geschrieben und danach filme ich in der Station ein wenig herum. Es gibt einen Funkraum, eine Küche, Schlafzimmer und eine gut ausgestattete Werkstatt. Zurück zum Ausgang komme ich noch am Souvenirshop vorbei und ich ärgere mich heute noch, keinen Sticker von Port Lockroy zum Aufnähen gekauft zu haben.
Draußen werden wir zurück zum Schiff gedrängt, aber wir haben noch keine Aufnahmen von den Eselspinguinen gemacht. Die hocken in riesiger Zahl auf ihren Nestern aus kleinen Steinchen auf ihren Eiern oder Küken. Hier hören wir auch zum ersten Mal, warum diese Art Eselspinguin heißt. Ihr Ruf ähnelt exakt dem I-Ah eines Esels. Was sofort auffällt, ist der bestialische Gestank nach Guano, dem Pinguinkot. Tja, viele Pinguine, viel Gestank. Uns gelingen trotz der Eile noch einige sehr schöne Aufnahmen von den knuddeligen, grauen Pinguinküken, wenn sie zur Fütterung aus der Bauchfalte des Elternvogels heraus ihren kleinen Hals nach oben recken und nach Futter betteln. Einfach nur zu schön und auch ein absolutes Highlight dieser Reise hier in die Antarktis.
Um 19.15 Uhr sitzen wir im letzten Zodiac für Passagiere und sind 5 Minuten später wieder an Bord der Hanseatic. Wir müssen uns beeilen, denn ab 19 Uhr gibt es ein Sonderessen im Bistro Lemaire. Dafür haben wir uns angemeldet und es gibt die „Hanseatic Klassiker“. Wir lassen uns dennoch Zeit und duschen erst einmal in Ruhe. Wir bekommen bestimmt noch etwas ab.
Im Bistro nehmen wir an einem Tisch für zwei Platz und ordern erst einmal ein frisch gezapftes Bier vom Fass. Es gibt nach einem Amuse dann noch Roastbeef, einen Hamburger Pannfisch, ein Wiener Schnitzel und zum Nachtisch noch eine Kirschtorte. Die Portionen sind entsprechend übersichtlich, aber sehr geschmackvoll, wie überhaupt die Küche hier auf der Hanseatic sehr gut ist.
Nach dem vorzüglichen Essen gehen wir in die Explorer Lounge. Hier gibt es um 21.45 Uhr noch ein spätes PRECAP über die Ziele des nächsten Tages. Wir passieren dann den berühmten Lemaire Kanal und werden die Petermann Insel betreten. Nach dem halbstündigen Vortrag des Lektors Arne Kertelhein sind wir ganz schön geschafft und wollen auch gleich auf unsere Kabine. Ich überspiele noch die Kameradaten und sehe mir die Aufzeichnung der Tagesschau an. Dann sind wir aber so was von müde und halten um 22.45 Uhr Bettruhe.

nächster Tag

 

 

 

 



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Melchior Islands

Zodiacfahrt

Lektorin am Gashebel

Zodiac

 

 

Eisscholle mit Robben

 

 

Eisberg

 

 

Buckelwale

 

 

In Seenot

 

 

Port Lockroy

 

 

Südlichstes Postamt

 

 

Funkraum

 

 

Küche

 

 

Eselspinguine

 

 

Abschied von Port Lockroy