Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Mit MS Hanseatic in die Antarktis

2014 - 2015

Sonntag 28.12.2014

Halfmoon Island + Deception Island

Bereits ganz früh ist unser Schiff weiter zur nächsten Süd-Shetland Insel gefahren und liegt bereits um 8 Uhr vor Anker. Da wir in der ersten Gruppe sind, haben wir bereits um 6.15 Uhr die Betten verlassen und auch schon um 7 Uhr gefrühstückt.
MS Hanseatic liegt vor Halfmoon Island in der Livingston Street und wir stecken bereits in den wasserdichten Klamotten. Nicht, dass wir danach Sehnsucht haben, aber schließlich haben wir diese Reise gemacht, um viele einmalige Tiere zu sehen. Und hier gibt es die nächste Pinguinart zu bestaunen, Zügelpinguine. Der Aufruf zur Ausbootung kommt genau um 8.20 Uhr und wir verlassen die Kabine in Richtung Sidegate.
Die Überfahrt an Land dauert nur 5 Minuten und es ist eine nasse Anlandung. Wir tapsen in das eiskalte Wasser und die wasserdichten Hosen über den Gummistiefeln bewahren uns vor unangenehm kalten und nassen Füßen. Dann geht es einen steilen, schneebedeckten Berg hinan zu einigen steilen Felsformationen, sogenannten Andesitpfeilern. Wieder behindern die Gummistiefel ein zügiges Fortkommen im glitschigen Schnee. Aber oben angekommen werden wir reich belohnt. Hier gibt es neben einer Zügelpinguinkolonie auch vereinzelt brütende Eselspinguine. Die Zügelpinguine sitzen zum großen Teil in ihren aus Kieselsteinen gebauten Nestern auf Eiern und brüten. Aber bei einigen wenigen dieser Pinguine schaut ab und zu ein kleines Köpfchen hervor und das Küken schaut betteln nach Futter zum Elterntier nach oben. Das sind die Momente, die man unbedingt auf einer solchen Reise sehen möchte und alles Geld und jede Strapaze wert sind. Wir können uns kaum satt sehen und die Kameras schnurren unentwegt.
Leider fängt es an zu regnen und kurz darauf weht ein eisiger Wind und sogar Schneeflocken waagerecht über die Pinguinkolonie. Einige Lektoren bieten einen Spaziergang hinunter zur unbesetzten, argentinischen Station Camara an. Das hat jetzt für uns keinen Zweck mehr und wir gehen lieber den direkten Weg zurück zum Zodiac. Bereits um 9 Uhr sind wir wieder im Schiff, umgezogen und um 9.20 Uhr in der Observation Lounge. Wir beobachten, dass einige Passagiere immer noch zur Insel gebracht werden und sind jetzt froh, in der ersten Gruppe gewesen zu sein. Der warme Kakao ist eine wahre Wohltat und wir beobachten in der warmen Lounge die Aktivitäten der anderen Passagiere auf Halfmoon Island.
Um 12 Uhr gibt es ein PRECAP über die Ziele des nächsten Tages. Wir werden die Melchior Islands und am Abend Port Lockroy sehen. Zeitnaher sehen wir gegen 12.30 Uhr im Marco Polo Restaurant das Mittagessen. Nach der Kälte tut mir eine Spinatcremesuppe und ein New York Steak Sandwich sehr gut. Anja nimmt nur einen Salat. Sie ist wohl von der Marzipantorte gestern Abend noch satt. Danach sind wir zur Mittagsruhe in der Kabine und es folgt ein schwerer Fehler unsererseits.
Wir hatten uns auf eine Durchsage der Reiseleitung verlassen, die aber nicht kam. MS Hanseatic fährt früher als geplant in die Kaldera von Deception Island ein und dies wollten wir unbedingt aufnehmen. Diese Durchfahrt bietet eine spektakuläre Kulisse. Der noch als aktiv deklarierte Vulkan in der Bransfieldstraße hat einen Durchmesser über Wasser von 13 Kilometern und nur an einer kleinen Stelle, die keine 400 Meter breit ist, ist der Rand der Kaldera eingestürzt und es bietet sich eine Durchfahrt für kleinere Schiffe mit niedrigem Tiefgang. Da hier auch die Gezeitenströme durch müssen, nennt man diese Engstelle auch Neptuns Blasebalg.
Mitten in der Durchfahrt erfolgt die verspätete Ansage und wir liegen noch in den Betten. Bis wir angezogen und mit unseren Kameras oben auf dem Observation Deck sind, ist das Schiff bereits mitten in dem ehemaligen Vulkankegel und den Durchbruch sehen wir nur noch von weitem. Mitten im Krater ankert das Schiff vor der Walfängerstation Port Forster in der Whaler's Bay.
Vor lauter Ärger haben wir vergessen, dass wir ja in der grünen Gruppe zuerst mit der Ausbootung dran sind. Also wieder Hektik und runter in die Kabine zum Umziehen. Geschafft, um 15.15 Uhr betreten wir den dampfenden, schwarzen Sand am Strand von Deception Island. Dieser Vulkan gilt als noch aktiv und das sieht man hier sehr deutlich. Das 10 Grad warme Wasser dampft am Strand in der kälteren Luft vor sich hin und kann an einzelnen Stellen bis zu 50 Grad heiß werden. Die Schiffscrew ist bereits fleißig dabei, hier eine Kuhle im Vulkansand zu graben. Wagemutige Passagiere und Crewmitglieder können dann darin ein Bad in der Antarktis nehmen. Dumm nur, dass die Umgebungstemperatur der Luft nahe dem Gefrierpunkt liegt. Also das ist nichts für uns.
Wir schauen uns um und gehen vom Stand aus nach rechts. Dort gibt es kleinere Gruppen mit Zügelpinguinen, Krabbenfresserrobben und auf einem Eisfeld ruhende Kapsturmvögel. Ich habe das Stativ dabei und möchte gerne in Ruhe Tieraufnahmen machen. Zuerst kommt mir ein kleiner Schwarm Skuas, Raubmöven, vor die Linse. Die hocken in einem wenige Zentimeter tiefen Tümpel, der aber ebenfalls warmes Wasser enthält, wie man an den leichten Dunstschwaden erkennen kann. Da hocken an die 20 dieser braunen Vögel und kennen keinerlei Scheu. Nur wenn man ganz nahe an sie herankommt, trollen sie sich unmutig ein paar Zentimeter zur Seite. Weiter aber nicht. Das warme Wasser ist zu gemütlich.
Wir stapfen an die zwei Kilometer am Sandstrand entlang, was in den Gummistiefeln schon eine Leistung ist, bis zu einer Felswand. Auf einem schneebedeckten Vorsprung hocken mindestens 50 bis 60 Kapsturmvögel und machen Pause. Ab und zu bewegt sich mal ein Tier und streicht über das dampfende Wasser ab. Eventuell gibt es ja einen gekochten Fisch im vulkanisch heißen Wasser zu erbeuten. Etwas abseits liegt eine einzelne Krabbenfresserrobbe im Kies. Ab und an dreht sie mal den Kopf zu uns herüber, wendet sich dann aber wieder gelangweilt ab. Ich muss um das Tier herumgehen, wenn ich den Kopf mit dem Gesicht filmen will. Und dann dreht sie sich auch noch um. Ist wohl kamerascheu das Tier.
Auf dem Rückweg zum Zodiac begegnen uns noch einige Zügelpinguine. Diese kleinen Tiere sind zutiefst verunsichert und wissen nicht, wie sie sich den großen Rotjacken gegenüber verhalten sollen. Manche wackeln eilig davon, andere bleiben in unserem Weg stehen und finden keine Entscheidung, ob sie nach rechts oder doch besser nach links ausweichen sollen. Da wir zurück aufs Schiff möchten, nehmen wir den Tierchen die Qual ab und laufen an ihnen mit Abstand vorbei. An der Landestelle sehen wir gerade noch, wie unser Schiffsarzt Dr. Nikolaus von Hollander der dampfenden Kuhle am Ufer entsteigt. Er hat es gewagt, im Vulkan zu baden. Hoffentlich bleibt er gesund und benötigt selbst keinen Kollegen. Das wäre hier in der Antarktis sehr peinlich.
Gegen 16.30 Uhr sind wir zur Teestunde und zum Aufwärmen im Bistro Lemaire. Wir trinken warmen Kakao und genehmigen uns ein kleines Stück Linzer Torte. Im Laufe des Besuches gesellen sich auch noch unsere Tischnachbarn zu uns und es kommt auch noch ein Passagier von der Offiziersrunde zu uns. Selbst die Hostess, Helga Spickermann, setzt sich noch mit an unseren Tisch. Erst spät, gegen 18 Uhr löst sich die lustige Runde auf und wir gehen in die Kabine.
Um 19 Uhr bin ich allein im Restaurant. Anja streikt. Die späte Torte war dann doch zu viel des Guten. Sie will auf das Abendessen verzichten. Ich bin auch etwas unsicher, will aber wenigstens einen kurzen Blick auf die Speisekarte werfen. Leider ist der Blick doch etwas lang und ich genehmige mir eine Clam Chowder, das Filet Stroganoff und ein Vanilletörtchen zum Nachtisch. Gegen 20.50 Uhr gesellt sich Anja zu uns und wir erzählen noch bis 21.30 Uhr mit den Tischnachbarn.
Da wir heute zwei interessante Anlandungen hatten, ist sehr viel Bild- und Videomaterial zusammengekommen. Wir sind jetzt zurück in der Kabine und ich kopiere alle Chips auf die Sicherungsfestplatten. Dann sehen wir noch die Tagesschau, die im Bordfernsehen in einer Endlosschleife als Aufzeichnung läuft. So bleiben wir hier in der absoluten Abgeschiedenheit auf dem Laufenden. Um 22.30 Uhr ist Bettruhe.

nächster Tag

 

 

 

 



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Pinguinkolonie

Zügelpinguin

Pinguin mit Küken

Eischale vom Pinguin

 

 

Zügelpinguin

 

 

Vulkandurchfahrt

 

 

Dampfschwaden

 

 

Temperaturmessung

 

 

Skua - Raubmöwe

 

 

Schiff und Pinguine

 

 

Krabbenfresserrobbe

 

 

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