Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Mit MS Hanseatic in die Antarktis

2014 - 2015

Donnerstag 25.12.2014 - 1. Weihnachtstag

Erebus und Terror Golf

Eigentlich wollten wir heute, am ersten Weihnachtsfeiertag, etwas länger schlafen. Aber wieder macht uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung, im positiven Sinne. Kurz vor dem Morgen war ich kurz auf und habe nach draußen gesehen. Es zeigte sich ein wolkenloser Himmel und die Sonne ging gerade auf. Wir stehen deshalb bereits um 7.15 Uhr auf und legen unsere wasserdichten Anziehsachen bereit. Dann gehen wir zum Frühstück ins Restaurant. Hier halten wir uns nicht sehr lange auf, das tolle Wetter und die fantastische Szenerie halten uns kaum zurück.
Um 8.30 Uhr sind wir, gut vor dem Wind geschützt, ganz oben auf dem Observation Deck. Es sind glücklicherweise noch nicht viele Passagiere hier oben und wir können die Kameras ungehemmt rattern lassen. Das Meer ist hier offen. Es treiben zwar viele kleinere Eisberge um das Schiff herum, die sind aber für die hohe Eisklasse der Hanseatic kein Problem. Und wenn eine flache Scholle im Fahrweg treibt, wird diese einfach vom Bug zerteilt.
Was für ein Panorama zeigt sich dem Betrachter. Es ist einfach nicht zu beschreiben. Wolkenloser Himmel und Sonnenschein. Die Eisberge spiegeln sich fantastisch im stillen, klaren Wasser und Rosamel Island ragt wie eine Trutzburg aus dem Golf hervor. Wir kreuzen hier im Erebus und im Terror Golf, die Mitte des 19. Jahrhunderts vom Entdecker James Clark Ross so nach seinen beiden Schiffen HMS Erebus und HMS Terror benannt wurden.
Natürlich kommt bald die Ansage der Schiffsleitung, dass die Zodiacs zu Wasser gelassen werden und es Fahrten bis zur nahen Eisgrenze geben wird. Leider ist unsere Gruppe erst an dritter Stelle dran, aber so können wir das Panorama auf dem obersten Deck noch ein wenig genießen. Um 10.30 Uhr sitzen wir in der Kabine, sind umgezogen und warten auf unsere Ausbootung. Gegen 10.45 Uhr wird die grüne Gruppe an das Sidegate gebeten und kaum 5 Minuten später sitzen wir mit unseren Tischnachbarn im Zodiac auf den Gummiwülsten. Und es gibt noch eine tolle Überraschung. Wir haben das Boot, das Lektorin Heike Fries steuert, erwischt. Wir haben sie auf einer Fahrt mit der MS Hamburg von Spitzbergen nach Grönland kennen gelernt und waren von ihrer lockeren, fröhlichen Art ganz begeistert.
Heike Fries legt vom Sidegate ab und stoppt danach kurz den Motor. Es ist keine Fahrt an Land, sondern eine Rundfahrt mit dem Zodiac. Da gibt es spezielle Verhaltensregeln für die Passagiere, zum Beispiel, dass man während der Fahrt nicht aufstehen soll. Kleinere Eisbrocken könnten den Propeller des Außenborders blockieren und durch den Ruck könnte man stürzen oder gar über Bord fallen. Es wird genug Stopps zum Fotografieren geben, sagt sie uns. Nach ihren Sicherheitstipps legt sie aber los und lässt den Außenborder aufröhren. Zügig fahren wir durch die Eisschollen auf die Eisgrenze zu. Kurz davor stoppt Heike Fries den Motor. Kurz vor dem Zodiac schwimmt eine Gruppe Schwertwale, auch Orcas oder Killerwale genannt, vorbei. Leider sitze ich ungünstig und bevor meine Kamera losschnurren kann, sind die Tiere wieder abgetaucht. Ein Stück weiter tauchen sie wieder auf und blasen, aber erneut habe ich den Kopf eines anderen Passagiers vor der Linse. Shit.
Heike Fries steuert das Schlauchboot jetzt bis an die Eisgrenze heran. Theoretisch könnte man jetzt von hier aus über das Packeis bis zum antarktischen Festland und weiter bis zum Südpol laufen. Aber das ist für uns heute zu weit und in den plumpen Gummistiefeln geht das schon gar nicht.
Die Schwertwalgruppe hat einige Adeliepinguine aufgescheucht, die sich mit einem kühnen Sprung auf die Eisschollen gerettet haben. Diese sehr schön aussehenden Pinguine mit den charakteristischen, weißen Augenringen sehen wir heute zum ersten Mal. Der französische Polarforscher Jules Dumont d'Urville entdeckte diese Art als erster und benannte sie nach dem Vornamen seiner Ehefrau - Adele. Na ja, er war wohl sehr lange von zu Hause weg und sehr verliebt. Ein einzelnes Exemplar dieser Pinguinart steht nun malerisch auf der höchsten Stelle einer kleinen Eisscholle genau vor unserem Zodiac. Besser hätte diese Szene kein Regisseur für uns arrangieren können. Es werden ganz tolle Fotos. Dann nähert sich zum Höhepunkt des Ausfluges auch noch ein weiteres Zodiac von der anderen Seite und erzeugt einen schönen Hintergrund. Auch für diese Bilder hat sich die fantastische Reise in die Antarktis gelohnt.
Kurz vor 12 Uhr sind wir zurück an Bord und ziehen uns um. Nachdem wir uns frisch gemacht haben, sind wir um 12.30 Uhr zum Mittagessen im Bistro Lemair. Danach gehen wir zurück in die Kabine und machen es uns in unseren Betten für eine Mittagsruhe bequem. Kurz vor dem Einschlafen ertönt die Stimme des Kapitäns aus dem Lautsprecher. Er hat eine Eisscholle entdeckt und lässt erneut die Zodiacs zu Wasser. Es wird eine Eisschollenparty veranstaltet und die rote und die blaue Gruppe sollen sich zur Ausbootung bereitmachen. Es ist jetzt 14.15 Uhr. Jede Gruppe hat ungefähr 30 Minuten Zeit auf der Scholle. Also reicht es, wenn wir uns gegen 15.15 Uhr umziehen und bereitmachen. Gesagt getan. Noch eine halbe Stunde die Kissen zerwühlt und dann in die wasserdichten Klamotten geschlüpft.
Mittlerweile ist es nach 16 Uhr und es wird keine weitere Gruppe aufgerufen. Es erfolgt auch keine weitere Durchsage und aus dem Fenster ist ebenfalls nichts zu sehen. Also mache ich mich auf, das Observationsdeck zu besuchen und von hier einen Blick zu riskieren. Hier oben stehen viele bekannte Gesichter aus unserer grünen Gruppe und alle schauen in eine Richtung. An der Reling angekommen, sehe ich auch warum. Da treibt eine große, flache Eisscholle und darauf sind 42 rote und gelbe Parkas zu sehen. Dazu gesellen sich ein Weihnachtsmann und zwei mannsgroße Pinguine aus Plüsch. Einige Tische, die mit Hussen überzogen sind, sind aufgebaut und darauf kann ich Champagnerflaschen entdecken. Die Schollenparty ist also in vollem Gang.
Was mich nur etwas nachdenklich macht, die Scholle ist von Unmengen kleinerer Schollen umgeben und die Zodiacs befinden sich alle ca. 100 bis 200 Meter weit entfernt. Ein Nachbar an der Reling erklärt mir die Situation. Die große Scholle ist von Treibeis eingeschlossen und die Zodiacs können die Passagiere und die Crewmitglieder nicht mehr an Bord bringen. Ich stiefele geradewegs wieder hinunter in die Kabine und informiere Anja. Wir ziehen uns wieder um, denn die Sache mit der Party hat sich für uns ja wohl erledigt. Mit Kameras und warmer Kleidung gehen wir jetzt gemeinsam hinauf auf das Observation Deck.
Mittlerweile bewegt sich das Schiff. Kapitän Gerke setzt die Bugstrahlruder ein, um das Treibeis von der Scholle wegzuspülen. Es dauert aber nur eine knappe Minute und die Strömung oder der Wind haben die Eisbrocken zurückgetrieben. Jetzt ist guter Rat teuer. Aber der Kapitän hat noch einen Pfeil im Köcher. Er manövriert die Hanseatic ganz vorsichtig seitlich an die Eisscholle heran und lässt ein Tenderboot herab. Dieses sitzt zwar nur halb auf der Abbruchkante der Scholle auf, aber eine Leiter reicht bis auf den Schnee herab. Um 17.20 Uhr beginnt die Rettungsaktion über die Leiter und in das Rettungsboot. Nach und nach klettern erst die Passagiere und dann die Lektoren in das Beiboot. Danach werden noch der kostbare Champagner, die Tische und die Kühlboxen gerettet. Nach dem Weihnachtsmann und den großen Pinguinen geht ein letzter Crewmann von der Eisscholle. Die ganze Aktion dauert nur 20 Minuten und um 17.40 Uhr wird das Rettungsboot unter großem Applaus der an Bord des Schiffes verbliebenen Passagiere angehoben. Später, in freiem Wasser, kehren auch die Zodiacs zur Hanseatic zurück und die missglückte Party hat ein gutes Ende gefunden.
Nachdem wir uns wieder den guten Zwirn angezogen haben, gehen wir um 19 Uhr ins Marco Polo Restaurant zum Weihnachts-Gala-Dinner. Wenn man abnehmen will, sollte man so eine Reise nicht antreten oder zumindest jeden Tag das Schiff einhundert Mal umrunden, wenn das reicht. Es gibt Gänseleber, Kalbsbäckchen, Hirschrücken, Sorbet, Schokolade-Savarin und natürlich eine gute Tasse Kaffee und für Anja einen Espresso.
Wir haben von unserer Kundenbetreuerin bei Hapag Lloyd zu Weihnachten eine Flasche Champagner auf die Kabine gestellt bekommen. Wir hatten vorher den Maitre D' gefragt, ob wir diese mit unseren Tischnachbarn in der Observation Lounge trinken dürfen. Das gehört sich so, denn schließlich ist dieser Raum ja auch eine Bar und man will dort Getränke verkaufen. Matthias Laue hat nichts dagegen und tauscht uns sogar die Flasche Moet Champagner gegen eine gekühlte.
Um 21.30 Uhr sind wir oben in der Observation Lounge und sind baff. Es steht ein reservierter Tisch mit 4 Gläsern und dem Champagner im Eiskühler für uns bereit. Was für ein Service. Wir müssen alle vier besonders lieb und freundlich zur Crew sein, damit so etwas zelebriert wird. Wir sind beeindruckt.
Die Flasche hält gute zwei Stunden und wir unterhalten uns angeregt. Aber gegen 23.30 Uhr ist dann doch das Tageslimit erreicht. Der gute Champagner hat bestimmt auch seinen Anteil daran. Wir gehen in die Kabine und halten Bettruhe.

nächster Tag

 

 

 

 



Klick für große Bilder:

Rosamel Island

Zodiac Parade

Beginn der Rundfahrt

Heike Fries im Zodiac

 

 

Rundfahrt im Zodiac

 

 

Orcas im Eis

 

 

Adeliepinguin 1

 

 

Adeliepinguin 2

 

 

Eisschollenparty

 

 

Festsitzendes Zodiac

 

 

Manöverarbeit auf der Nock

 

 

Rettung ins Boot

 

 

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