Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Mit MS Hanseatic in die Antarktis

2014 - 2015

Mittwoch 24.12.2014 - Heilig Abend

Süd-Shetland Inseln - Elephant Island

Heute ist Weihnachten - Heiliger Abend und irgendwie ist es uns in der Fremde nicht so richtig nach diesem für Christen so besinnlichen Tag. Es ist auch das erste Mal, dass wir so weit und fern der Heimat und von unserem Zuhause weg sind. Dieses Gefühl wird uns den ganzen Tag über begleiten.
Wir stehen gegen 7.15 Uhr auf und nach der morgendlichen Reinigung überspiele ich unsere Kameradaten. Nach dem üppigen Chef's Dinner und den 2 Bieren hatte ich gestern Abend keine Lust mehr darauf. Aus dem Fenster ist nichts zu sehen, draußen herrscht dichter Nebel. Wir gehen um 8 Uhr ins Restaurant zum Frühstück und selbst von hier sehen wir kein Land. Eine halbe Stunde später erreicht die Hanseatic die Südshetlandinsel Elephant Island. In einer etwas geschützten Bucht stoppen die Maschinen und es werden Zodiacs zu Wasser gelassen. Unser Schiff liegt vor Point Wild und wir hatten uns eigentlich auf die Ausbootung gefreut, weil hier ein historischer Ort der Shackleton Expedition ist. Leider wird unsere Hoffnung sehr schnell zunichte gemacht. Kapitän Gerke und Chiefmate Jenckel entscheiden gemeinsam, dass der Schwell am Sidegate für eine sichere Ausbootung zu hoch und damit zu gefährlich ist.
Point Wild ist nach dem Expeditionsmitglied Frank Wild, Shackletons Freund und Stellvertreter, benannt. Nachdem das Schiff Endurance 1915 im Packeis zerquetscht und gesunken war, trieben die Männer teils auf Eisschollen, teils in ihren Rettungsbooten bis hier her. Der Boss und fünf weitere Männer segelten dann nach Süd-Georgien weiter, um Hilfe zu holen. Ganze 15 Tage brauchten die 6 Seeleute, bis sie die menschenleere Westküste der Inselgruppe in der King Haakon Bay erreichten und an Land gehen konnten. Nach wenigen Tagen der Erholung machte sich Shackleton dann mit zwei seiner Männer auf, die Gebirgskette zu überqueren und erreichte nach 36 Stunden Kletterei die Walfangstation Stromness auf der Ostseite. Den letzten Teil dieser Strapaze hatten ja einige Passagiere vor wenigen Tagen nachvollzogen. Nach weiteren 3 Monaten gelang es Shackleton, den Schlepper Yelcho unter Kapitän Luis Pardo zu chartern und seine Männer von Point Wild auf Elephant Island zu retten.
Nach dem Frühstück sind wir mit den Kameras auf dem Observation Deck. Das Wetter ist besser geworden, aber der Schwell ist immer noch hoch. Schade, wir müssen also doch an Bord bleiben. Auch die Filmaufnahmen gestalten sich schwierig. Das Schiff bewegt sich in der Dünung recht stark und die Büste von Kapitän Pardo an der Stelle, an dem Shackletons Männer unter den zwei Rettungsbooten gewartet hatten, ist doch für das Zoomobjektiv recht weit entfernt. Hoffentlich bleibt da beim Schnitt später noch genug Material für den Film übrig.
Um 10 Uhr bin ich auf einen warmen Kaffee in der Observation Lounge. Anja ist bei einer Weihnachtslesung in der Explorer Lounge. Das Schiff ist wieder unterwegs, umrundet Cape Valentine und biegt hier in die Charles Strait ein. Nach dem Kaffee bin ich in unserer Kabine. Die ist mittlerweile gemacht und auch gereinigte Hemden sind da. Die falte ich zusammen, so haben sie mehr Platz in der Schublade des Schrankes. Nach einer Durchsage von der Brücke gehe ich noch einmal kurz auf das Observation Deck. Wir begegnen vor Clearance Island dem Schiff Polar Pioneer. Dieses Schiff wurde für wissenschaftliche Zwecke 1985 in Finnland gebaut, ist aber heute mit Passagieren auf Expeditionsfahrten unterwegs. Es gibt kurze Huplaute zur Begrüßung und schnell sind beide Schiffe aneinander vorbeigelaufen.
Gegen 12.30 Uhr sind wir heute im Marco Polo Restaurant zum Mittagessen. Es gibt eine Gemüsesuppe, Wildente und Brioche. Danach gehen wir zurück in unsere Kabine und versuchen einen kurzen Mittagsschlaf. Leider wird daraus nichts, denn es gibt eine Durchsage der Kreuzfahrtdirektorin. MS Hanseatic hat das Cape Lookout an der Südspitze der Insel erreicht und es werden hier Zodiacfahrten angeboten. Jetzt sind wir in einer richtigen Zwickmühle. Einerseits wollen wir schon die Zügel- und Goldschopfpinguine sehen. Andererseits ist das nur von den wackeligen Zodiacbooten aus möglich und bei dem starken Seegang ist die Durchnässung der Kleidung sehr wahrscheinlich. Und heute ist ja Heiliger Abend und bereits am Nachmittag gibt es eine erste, weihnachtliche Veranstaltung an Bord. Gut, das ist jetzt eine Ausrede, aber wir entschließen uns für die warme und trockene Variante hier an Bord.
Um 17 Uhr lasse ich Anja allein in der Kabine zurück. Sie will sich für die Weihnachtsandacht und das festliche Abendessen noch aufbrezeln. Ich mache im Schiff einige Aufnahmen von dem auf den Falkland Inseln geliehenen und mittlerweile geschmückten Weihnachtsbaum an der Rezeption. Vom Observation Deck kann ich sogar die Ankunft des Weihnachtsmannes in einem Zodiacboot filmen. Danach bin ich in der sehr festlich geschmückten Explorer Lounge und halte für unseren Tisch schon einmal einen guten Platz frei.
Punkt 18 Uhr beginnt die Weihnachtsfeier an Bord der MS Hanseatic. Bei uns in Deutschland ist die Bescherung ja schon 3 Stunden her. Irgendwie hatte ich das vergessen und ich bin einen Moment ganz sentimental. Aber die Schiffscrew bringt uns ganz schnell auf andere Gedanken. Zunächst kommt der Weihnachtsmann und stammelt eine kurze Reede. Unser Schiffsarzt, der diese undankbare Rolle übernommen hat, kann wohl besser operieren - hoffentlich. Er beschenkt einen kleinen Jungen, der mit seinen Eltern an Bord ist und Kapitän Gerke. Dieser bekommt von der Besatzung einen Sextanten in einer Holzkiste überreicht. Der Weihnachtsmann meint noch etwas spöttisch, das sei nötig, da ja ab und zu das GPS-Gerät ausfällt. Das erzeugt allgemeines Gelächter in der Runde. Pünktlich um 19 Uhr sind wir im ebenfalls festlich geschmückten Marco Polo Restaurant zum Abendessen. Neben einer Hochzeitssuppe und Tiger Prawns gibt es noch Gans und Apfelstrudel. Da es so gemütlich hier ist, bleiben wir etwas länger sitzen. Es kann aber auch an dem guten und reichhaltigen Essen liegen. Jedenfalls sind wir erst um 22 Uhr auf zwei Jubiläumsaquavit und 2 Bieren in der Observation Lounge.
Gegen 22.30 Uhr sind wir zurück in der Explorer Lounge. Hier gibt es eine Ansprache des Kapitäns und einige sehr besinnliche Worte des Bordgeistlichen Dr. Edgar Hasse und im Anschluss werden einige Weihnachtslieder gemeinsam mit dem Crewchor gesungen. Um 23 Uhr ist auch diese Veranstaltung zu Ende und wir schlurfen satt und vom Alkohol leicht ermüdet in unsere Kabine. Auf dem Bett liegt neben dem Tagesprogramm für morgen auch ein Zettel mit dem Hinweis, dass die Uhren in der Nacht wieder eine Stunde zurück gestellt werden. Dann sind wir wieder -4 Stunden von Deutschland entfernt. Gegen 23.45 Uhr ist heute Bettruhe.

nächster Tag

 

 

 

 



Klick für große Bilder:

Büste von Louis Pardo

Point Wild

Gletscher am Point Wild

Riesiger Tafeleisberg

 

 

Der Weihnachtsmann

 

 

Kapitän mit Sextant

 

 

Festessen

 

 

Gänseschmaus

 

 

Elephant Island

 

 

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