Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Mit MS Hanseatic in die Antarktis

2014 - 2015

Montag 22.12.2014 + Dienstag 23.12.2014

2 Tage auf See

An einem Seetag darf man ruhig etwas länger im Bett bleiben, was wir heute ausgiebig nutzen. Ich gehe um 8 Uhr zum Frühstück und halte Anja einen Platz frei. Sie kommt gegen 8.30 Uhr und ich leiste ihr weiterhin Gesellschaft. Unsere Tischnachbarn kommen erst gegen 9 Uhr und natürlich bleiben wir jetzt auch noch sitzen. Wie bereits geschrieben: Es ist ein Seetag und es gibt wenig wichtige Termine.
Übermorgen ist Heilig Abend und wir wollen unserer Tischcrew eine kleine Aufmerksamkeit zukommen lassen. Hier an Bord der Hanseatic ist es nicht vorgeschrieben, ein Trinkgeld zu geben. Es wird auch nicht, wie bei amerikanischen Reedereien üblich, pro Tag ein festes Trinkgeld auf das Bordkonto erhoben. Aber wir denken, dass der tolle Service und die Freundlichkeit unserer drei Mädels eine kleine Belohnung wert ist. Das besprechen wir mit unseren Tischnachbarn und ich hole an der Rezeption passende Briefumschläge, in die wir ein paar Scheine einlegen können.
Um 9.45 Uhr sind wir in der Observation Lounge zur Sprechstunde der Kreuzfahrtberaterin. Sie ist auch für die Einteilung der Sitzplätze auf dem Rückflug verantwortlich. Wir schildern ihr die Vorkommnisse auf dem Herflug nach Ushuaia mit der ältlichen "Dame" und ihren unmöglichen Manieren. Natürlich hat man keinen Anspruch darauf, dass der vor einem sitzende Passagier seine Lehne oben lässt, aber den ganzen Flug über nach hinten gekippt muss auch nicht sein. Wir äußern den Wunsch, sollte die Maschine nicht ausgebucht sein, eine Dreierreihe mit nur zwei Personen besetzen zu dürfen. Da könnten wir notfalls auf einen freien Platz ausweichen. Die Kreuzfahrtberaterin kann uns das natürlich nicht versprechen, notiert es sich aber.
Wir bleiben in der Observation Lounge und trinken noch einen Kaffee. Vor und neben dem Bug können wir sehr gut Finn- und Buckelwale beobachten, die hin und wieder auftauchen, blasen und dann, meist mit Tale, hinabtauchen. Tale nennt man es, wenn beim Abtauchen der Wal die Schwanzflosse steil nach oben reckt.
Gegen 10.15 Uhr besuchen wir die Darwin Hall im untersten Deck des Schiffes. Das ist der Vortragsraum, den wir nur aus dem Bordfernsehen kennen. Lektor Peter von Sassen, ein Fernsehjournalist vom NDR, hält einen Vortrag über die Entdeckung der Antarktis. Das macht er auf seine lockere und nicht so ganz ernste Art und das gefällt uns sehr gut. Um 11 Uhr ist der Vortrag zu Ende, unsere Kabine wird aber gerade noch gereinigt. Die gute Fee, eine sehr nette Indonesierin, meint, sie braucht noch 10 Minuten, um fertig zu werden. Diese Zeit treiben wir uns noch auf dem Schiff herum. Alles haben wir ja noch nicht gesehen. Von 11.15 Uhr bis 12.30 Uhr ruhen wir uns noch in der Kabine aus und gehen anschließend ins Bistro zum Mittagessen.
Um 13.30 Uhr halten wir eine längere Mittagsruhe und gehen nach 16 Uhr erneut ins Bistro Lemair. Es gibt zur Kaffeestunde Omas Blechkuchen. Es ist das Schlimme an den Seereisen: Die Seetage. Kaum Bewegung und viel zu Essen. Einfach nur schrecklich, aber auch irgendwie schön. Zurück in der Kabine wird gewaschen. Die Feinwäsche erledigen wir im Bad selbst. Da trauen wir der Bordwäscherei nicht so ganz. Und ein paar Socken und nur verschwitzte Funktionsunterwäsche kann man mal schnell durch Rei-in-der-Tube Wasser ziehen, spülen und aufhängen. Es gibt in der Dusche ja auch eine ausziehbare Wäscheleine für diesen Zweck.
Um 18.15 Uhr gibt es in der Explorer Lounge ein RECAP, also eine Nachbetrachtung, über Süd-Georgien mit Expeditionsleiter Dr. Arne Kertelhein. Durch seine etwas schnodderige Art ist dieser Vortrag sehr unterhaltsam und heiter gestaltet.
Danach sind wir pünktlich im Restaurant. Heute gibt es das "Chef's Dinner" und jeder Gast hat einen Pinguin aus Marzipan auf dem Teller. Das Essen ist wie jeden Tag exzellent und schmeckt ausgezeichnet. Hier muss man den Chefkoch Andre´ Rühlow lobend erwähnen. Was diese Küche unter seiner Leitung jeden Tag auf die Teller der 120 Passagiere zaubert ist wirklich nur vom Feinsten. Es schmeckt hervorragend.
Nach dem Abendessen gibt es noch 2 Bier in der Observation Lounge und da wir heute die Kameras nicht angerührt haben, entfällt die Übertragung der Daten komplett. Erst um 23.20 Uhr ist heute Bettruhe.
Ich bin bereits um 7.30 Uhr wach und kann nicht mehr schlafen. Wir stehen auf und gehen um 8 Uhr ins Restaurant zum Frühstück. Von unseren Tischnachbarn ist nichts zu sehen. Vielleicht frühstücken sie ja in ihrer Suite. Diese Möglichkeit haben sie ja. Nachdem wir unser Frühstück halbwegs genossen haben, kündigt die Stimme des Kapitäns aus den Lautsprechern ein Tiefdruckgebiet an. Es soll erhöhten Wellengang geben. Also gehen wir in die Kabine, hängen das "Bitte nicht stören" Schild an die Klinke und verfolgen im schwankenden Bett zwei Vorträge aus der Darwin Hall auf unserem Fernseher. Gegen 11.30 Uhr ziehe ich mir die wärmende Kleidung an, nehme mir die Kamera und gehe hinauf auf das oberste Deck. Ich mache ein paar Filmaufnahmen von dem Wellengang und den zahlreich um das Schiff herumtreibenden Eisschollen. Es ist eine bizarre Szenerie in der diesigen Nebelsuppe hier herumzuschippern. Wie muss es den Polarforschern früher zu Mute gewesen sein, ohne Radar und jede Orientierung?
Da es empfindlich kalt geworden ist, ziehe ich mich wieder in die Kabine zurück. Um 12 Uhr wird ein Umschlag unter der Kabinentür hindurchgeschoben. Es ist eine Einladung ins Bistro Lemair an den Offizierstisch für heute Abend. Aber vorher gibt es natürlich noch das Mittagessen im Bistro. Der Bordgeistliche Edgar Hasse setzt sich zu uns und es wird ein sehr unterhaltsames Mittagessen. Unser erster Eindruck ist, dieser Mann ist ein Seelsorger, der mit beiden Beinen voll im Leben steht und viel Ruhe und Gelassenheit auf andere Menschen ausstrahlt.
Gegen 13.15 Uhr sind wir zurück in der Kabine und der Kapitän meldet sich erneut über die Lautsprecheranlage. Die in der Reiseroute angegebenen Süd-Orkney Inseln können nicht angelaufen werden. Die Inselgruppe ist noch immer von einem Eispanzer umgeben, der keine Anlandung ermöglicht. Das Schiff steuert deshalb direkt nach Elephant Island. Also wird sofort die Decke über den Kopf gezogen, der Lautsprecher leise gestellt und ein erholsamer Mittagsschlaf gemacht. Um 17 Uhr gibt es im TV wieder einen Vortrag aus der Darwin Hall. Diesmal referiert Dr. Rolf Schiel über Seeleoparden, Seeelefanten und Seebären. Anschließend duschen wir und bereiten uns auf unser Treffen mit den Offizieren vor.
Genau um 19.15 Uhr sind wir im Bistro Lemair. Das ist heute reserviert für die Passagiere, die zum ersten Mal mit der MS Hanseatic fahren und wir gehören dazu. Der Abend steht unter dem Motto eines Offizier-Speeddatings - man kann es auch Offiziers-Kennenlern-Dinner nennen. An unserem Tisch sitzen 5 Passagiere und der erste Offizier, im englischen Chief-Mate genannt, Dolf Jenckel. Wir dürfen den jeweiligen Offizier in seiner Zeit, in der er an unserem Tisch sitzt, mit allen Fragen löchern, die uns einfallen. Das Ritual bestimmt, dass nach jedem Gang ein Glöckchen geläutet wird und die Offiziere den Tisch wechseln. Im Laufe des Abendessens schaffen wir nach dem ersten Offizier noch die Kreuzfahrtdirektorin Ulrike Schleifenbaum und den Hoteldirektor Remo Jahnkow. Alle Offiziere haben sich an ihren jeweiligen Tischen total verquatscht, was auch für einen Erfolg des Abends zu werten ist. Die Zahlmeisterin, den Schiffsarzt und die Hostess haben wir nicht mehr befragen können. Schade, aber der Abend war toll und ein voller Erfolg und der Küchenchef vom Bistro Lemair, Matthias Schürlein, hat sich selbst übertroffen.
Der schöne Abend ist um 22 Uhr leider zu Ende und wir gehen direkt noch hoch in die Observation Lounge. Unsere Tischnachbarn sind auch schon in ihrer Kabine und wir beschließen, den langen Tag jetzt auch zu beenden. Um 22.45 Uhr ist Bettruhe.

nächster Tag

 

 

 

 



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Orcas - Killerwale

Chef's Dinner

Marzipanpinguine

Gänseleberterrine

 

 

Rinderfilet im Brotmantel

 

 

Sonnenuntergang

 

 

Eisgang im Atlantik

 

 

Kapsturmvogel

 

 

Offiziers-Kennenlerndinner

 

 

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