Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Mit MS Hanseatic in die Antarktis

2014 - 2015

Sonntag 21.12.2014

Süd-Georgien - Tag 3 - Gold Harbour

Um 6 Uhr am frühen Morgen verlässt MS Hanseatic die windstille Cumberland Bucht und nimmt Kurs auf ihr nächstes Tagesziel. Heute sind wir in der erste Gruppe, die in die Boote muss und deshalb bereits um 7.30 Uhr am Frühstückstisch. Unsere Tischnachbarn kommen schon früh, sie möchten auf den anstehenden Landgang ebenfalls nicht verzichten. Leider dauert es mit der Ausbootung noch etwas. Entweder ist der Weg noch weit oder es wird noch nicht die richtige Landestelle gefunden. Endlich um 8.30 Uhr kommt die Ansage vom Kapitän: Wir laufen St. Andrews Bay an und die grüne Gruppe soll sich ab 9.30 Uhr bereithalten.
Wir gehen in die Kabine und zwängen uns wieder in die schichtartig aufgebaute, wetterfeste Kleidung. Es dauert aber noch bis 9.45 Uhr, dann endlich sitzen wir in einem der ersten Zodiacs, das uns an Land bringt. Am Ufer und in Strandnähe bietet sich für uns das gleiche Bild wie vorgestern in Salisbury Plain. Hier versammeln sich die Pelzrobbenmütter mit ihren Jungen und es liegen die Seeelefanten herum. Was uns allerdings auffällt, hier gibt es mehr und bereits viel größere Seeelefantenjunge. Man mag diese Kolosse aber kaum noch als Jungtiere bezeichnen, so massig sind sie bereits. Die Tiere haben aber den für Seeelefanten typischen Nasenrüssel noch nicht ausgebildet. Es gibt Gruppen mit bis zu 20 Tieren, die eng aneinandergeschmiegt herumliegen und ununterbrochen unanständige Geräusche von sich geben.
Im Tussokgras gibt es wieder kleinere Gruppen von Pelzrobbenbabys, die sich verstecken und sehnsüchtig auf die Rückkehr der Milch spendenden Mütter warten. Sie grunzen uns an und kuscheln sich eng aneinander. Sie können ja nicht wissen, dass wir nur schöne Fotos von ihnen wollen und nicht ihren hübschen Pelz.
Wir haben bereits gute Fotos von Pelzrobben und Seeelefanten, deshalb zieht es uns weiter zur größten Kolonie der Königspinguine hier auf Süd-Georgien. Es sollen hier bis zu 500.000 dieser großen Vögel ihr Brutgeschäft durchführen. Leider können wir die Kolonie nicht erreichen. Ein stark angeschwollener Gletscherfluss stoppt unsere Fotosafari. Auf unserer Uferseite gibt es zwar auch Pinguine, aber die Hauptkolonie befindet sich auf der gegenüber liegenden Flussseite. Vielleicht haben die Lektoren und die Schiffsleitung die Landestelle danach ausgesucht, an der die Passagiere am wenigsten Unruhe unter den Tieren verursachen können. Wir hätten auch auf der anderen Flussseite an den Strand gehen können. Aber nun stehen wir einmal auf dieser Seite und können die Tiere auch gut von hier beobachten. Natürlich laufen auch auf dieser Seite vereinzelte Königspinguine herum die sich dann eine Furt suchen, um zu ihren Küken zu kommen. Wir geben uns dann mit den Pelzrobben und Seeelefanten zufrieden und erhaschen schöne Motive von diesen Tieren.
Um 11 Uhr sind wir wieder zurück in der Kabine und ziehen zufrieden unsere Kleidung aus. Bis auf die verschwitzte Unterwäsche sind alle Teile trocken geblieben. Es hat weder geregnet noch ist Wasser bei der Bootsfahrt an die Kleidung gespritzt. Dann können wir ja am Nachmittag beruhigter den nächsten Landgang durchführen. Nach der Umzugsaktion duschen wir und dann überspiele ich erneut die Kameradaten. Das dauert eine gute halbe Stunde und anschließend gibt es eine gute und heiße Tasse Kaffee in der Observation Lounge.
Durch die letzten späten Ausbootungen gibt es laut Tagesplan erst um 13 Uhr im Bistro Lemair das Mittagessen. Wir nehmen einige Happen und gehen dann zurück in die Kabine und legen frische Unterwäsche bereit. Die anderen Sachen sind noch von heute früh in Bereitschaft. Auf dem Navigationsbildschirm können wir erkennen, dass die Hanseatic bereits in die Cooper Bay einfährt. Sie soll das nächste Ziel um 15 Uhr erreichen, was uns noch Zeit für eine kurze Mittagsruhe gibt.
Die Stimme aus dem Lautsprecher weckt uns, weil die gelbe Gruppe zur Ausbootung aufgerufen wird. Also haben wir noch gut 20 Minuten Zeit, uns wieder in die wetterfeste Kleidung zu zwängen. Wahrscheinlich haben von der gelben Gruppe auch einige geschlafen und sind nicht rechtzeitig am Sidegate erschienen, jedenfalls verzögert sich unsere Ausbootung um fast 30 Minuten. Aber dann geht es los. Wir sitzen um 15.45 Uhr im Zodiac und fahren an den Strand von Gold Harbour. Auch hier erneut das gleiche Bild. Pelzrobben, Seeelefanten und Königspinguine. Es ist wirklich nicht langweilig, an jeder Stelle kann man tolle und faszinierende Fotos und Filmaufnahmen machen. Hier kommen wir aber direkt an die immerhin zweitgrößte Königspinguinkolonie heran. Wir stehen unmittelbar vor den kleinen, braunen Kaffeekannenwärmern und sehen ihnen aus nächster Nähe beim Betteln nach Nahrung und der darauf folgenden Fütterung zu. Toll, toll, toll. Dafür und für diese Szenen haben wir diese Reise gemacht. Das ist einmalig und das muss man in freier Natur einmal gesehen haben.
Auch an dieser Stelle kommen einzelne Pinguine auf uns zu und ganz nahe an uns  heran. Mit einem Auge mustern sie uns und erkennen in diesen rotbejackten Lebewesen keinen Fressfeind. Nach einer kurzen Musterung wackeln sie mit ausgebreiteten Flügeln meist weiter, ihrem Brutgeschäft entgegen. An einer Stelle unterhalb des Bertram Gletschers steht eine riesige Zahl von braunen Königspinguinküken. Sie sind vielleicht nur wenige Wochen alt, bestimmt aber erst in diesem Jahr geschlüpft, und warten mit lautem Gezwitscher auf ihre Nahrungsspender. Einzelne erwachsene Elterntiere stehen am Rand der Kolonie und bewachen diesen Pinguinkindergarten. Hier machen wir unsere schönsten Aufnahmen dieser beeindruckenden Tierwelt.
Gegen 17 Uhr sitzen wir in einem Zodiac zurück an Bord. Nach dem Umziehen und Duschen überspiele ich erneut die Kameradaten. Zum Einen möchte ich gern diese für uns wertvollen Aufnahmen sichern, zum Anderen schaue ich mir einzelne Aufnahmen sehr interessiert an. Einige sind tatsächlich sehr gut geworden. Anja wäscht sich noch die Haare und ich nutze die freie Zeit in der Observation Lounge, um noch eine Tasse Kaffee zu genießen.
Um 19.15 Uhr treffen wir unsere Tischnachbarn. Heute aber nicht im Marco Polo Restaurant. Nein, wir stehen vor dem Bistro Lemair um das Ethno-Dinner zu genießen. Zu Beginn der Reise gab es eine spezielle Speisekarte mit verschiedenen Terminen zu einem Ethno-Dinner. Wir haben uns von den acht angebotenen Terminen zwei ausgesucht und der erste Termin ist heute. Pünktlich um 19.15 Uhr öffnet das Bistro und wir bekommen einen schönen Platz an einem Tisch für vier Personen. Die Tische im Bistro sind sehr festlich gedeckt und auch die Bedienungen besonders elegant gekleidet. Das Motto dieses Ethno-Dinners ist "Kulinarische Weltreise" und wir sind sehr gespannt, was da auf uns zukommt.
Nach der Getränkebestellung bekommen wir die Speisekarte und kommen aus dem Staunen nicht heraus. Es ist tatsächlich eine kulinarische Weltreise. Wir besuchen auf unseren Tellern tatsächlich neun Länder und dürfen deren Spezialitäten kosten. Glücklicherweise sind die Portionen der Anzahl der Gänge angepasst. Ein feiner Mensch würde sagen: Es sind sehr übersichtliche Teller. Wen es interessiert, der darf hier weiterlesen, die Anderen springen bitte zum nächsten Absatz. Die Gänge in der Reihenfolge: Brasilien: Geeistes Pina Colada-Süppchen, Norwegen: Gebeizter Lachs mit Honig-Senf-Dillsauce, Italien: Vitello Tonnato - Kalbfleisch in Thunfischsauce, Spanien: Weißes Seranoschinken-Mousse mit Melonenkugeln, Griechenland: Gefüllte Weinblätter mit Tzatziki, Südsee: Gebratener Red Snapper mit fruchtigem Ananas-Limetten Chutney, Deutschland: Krosses Spanferkel mit Biersauce, Sauerkraut und Semmelknödel, Schweiz: Geschmolzener Appenzeller auf Bauernbrot mit gerösteten Zwiebeln und zum Schluss: Amerika: Banana Foster mit im Restaurant flambierter Banane mit Karamellsud und mit eigens an Bord hergestellter Eiscreme. Wem jetzt das Wasser voll im Mund steht, bitte abwischen. Jeder Gang ist exzellent serviert und schmeckt köstlich. Auch die Portionsgrößen sind völlig ausreichend. In der Summe der Gänge sind wir mehr als satt. Leider haben wir uns nur für zwei der angebotenen Dinner gemeldet. Schade, die Anderen sind bereits ausgebucht.
Um 21.20 Uhr gibt es eine Ansage von Kapitän Gerke. Das Schiff passiert einen riesigen Tafeleisberg. Es soll sich um die zweite Hälfte des Eisbergs B 17 handeln, die sich hier an der Südspitze von Süd-Georgien festgelaufen hat. Der Eisberg kommt aus dem Ross-Shelf und hat immer noch eine Kantenlänge von 25 Kilometern. Ich mache auf dem Außenbereich des Bistros einige Aufnahmen von diesem riesigen Eisberg, aber es ist nur im Anzug ohne Jacke eiskalt hier auf offener See und es ist bereits halb dunkel.
Um 22 Uhr treffen wir uns noch auf ein Bier in der Observation Lounge. Es bleibt bei dem einen Bier, denn ich merke, wie das Schaukeln des Schiffes zunimmt. Die Hanseatic fährt jetzt auf offener See um die Südspitze der Insel herum und der Seegang nimmt stark zu. Das meldet mir auch mein Gleichgewichtsorgan und signalisiert Bettruhe. Gegen 22.30 Uhr bin ich sehr froh, jetzt in der Horizontalen liegen zu dürfen. Gute Nacht.

nächster Tag

 

 

 

 



Klick für große Bilder:

Anlandung St. Andreas Bay

Seeelefantenbabys

Gletscherfluss

Pinguinkolonie

 

 

Zwei Königspinguine

 

 

Unser Expeditionsleiter

 

 

Bertramgletscher

 

 

Pinguinküken

 

 

Shooting mit Pinguin

 

 

Fütterung eines Kolosses

 

 

Junge Pelzrobbendame

 

 

Spanferkel im Bistro

 

 

Navigationsbildschirm