Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Mit MS Hanseatic in die Antarktis

2014 - 2015

Freitag 19.12.2014

Süd-Georgien Tag 1

Bereits um 5.30 Uhr am frühen Morgen ist MS Hanseatic in der Bay of Isles Bucht angekommen. Das Schiff liegt vor Salisbury Plain, der ersten Landestelle des heutigen Tages. Die blaue Gruppe ist die erste Gruppe, die an Land darf. Danach ist die rote Gruppe dran und anschließend darf unsere grüne Gruppe in die Boote. Für uns bedeutet das, wir können noch ein paar Minuten liegen bleiben und uns dann erst ganz in Ruhe fertig machen. Ich schaue dennoch einige Male aus dem Fenster, denn unter uns kann man das Sidegate ganz gut sehen. Die Ausschiffung geht zügiger voran als gedacht und wir beeilen uns, in die dicken und wasserdichten Klamotten zu kommen. Genau um 6.40 Uhr ist es soweit, die grüne Gruppe wird zum Sidegate gerufen.
Kaum 10 Minuten später ist es soweit. Wir sind an Land auf der Insel Süd-Georgien. Und wir sind am Strand mitten unter Pelzrobbenmüttern und ihren gerade erst geborenen Jungtieren, unter jungen Seeelefanten und nicht weit entfernt tummeln sich jede Menge Königspinguine mit ihren Küken. Es ist ein lange gehegter Traum von uns in Erfüllung gegangen. Wir werden diesen ersten Aufenthalt bestimmt noch sehr lang in Erinnerung behalten.
Leider spielt das Wetter nicht mit. War es eben bei der Bootsfahrt noch bedeckt aber trocken, regnet es jetzt. Wir sind zwar gut eingepackt und die Kälte und die Nässe machen uns kaum etwas aus, aber unsere empfindlichen Kameras haben keinen professionellen Regenschutz. Ich schütze meine Kamera mit meiner Schirmmütze und das funktioniert so leidlich. Das Teil bleibt einigermaßen trocken.
Ich habe zuerst Probleme, wo ich die Kamera überhaupt draufhalten soll. Die vielen Motive machen mich ein wenig wirr. Wie oben schon geschrieben, sind da zum einen die Pelzrobben. Die Kühe stehen mit erhobenen Häuptern vor ihrer Jungtieren und wenn man Ihnen zu nahe kommt, fletschen sie die Zähne und stoßen ein furchterregendes Brüllen aus. Manch mutiges Muttertier kommt auch mit einem Affenzahn auf einen zugerobbt. Aber wir sind von den Lektoren gut gebrieft worden. Stehen bleiben und die Arme ausbreiten oder sich irgendwie größer machen. Bei mir klappt das wunderbar - kein Wunder - die Grundmasse ist ja vorhanden. Die Tiere zucken zurück und verstummen kleinlaut. Irgendwie macht mir das sogar Freude. Aber einige ältere und schmächtige Damen erschrecken und weichen zurück. Klar, bei denen hat die Robbe Oberwasser und die Dame schlechte Karten. Glücklicherweise stoppen die Robbendamen kurz vor dem Ziel und belassen es bei Gebrüll. Ein Biss ist wegen der Fäule im Maul der Robben sehr fatal. Es entstehen bösartige Verletzungen und Entzündungen. Wir können auch noch eine Besonderheit in der Pelzrobbenherde beobachten. Eines der Kleinen hat ein weißes Fell. Wie uns ein Lektor erklärt ist es kein Albino, sondern eine Laune der Natur. Hin und wieder, ca. alle 1000 Mal, wird eine kleine Robbe mit weißem, den Eisbären ähnlichen Fell geboren. Es tollt mit seinen jungen Artgenossen zwischen den anderen Robben herum und hat wohl keine Nachteile.
Die jungen Seeelefanten sind dagegen die reinsten Lämmer. Die haben jegliches Interesse an den Touristen verloren. Sie brauchen ja auch keine Angst zu haben. Sie sind selbst mehrfach so schwer wie unsereins - und das soll was heißen. Sie liegen faul, meist in kleineren Gruppen, nebeneinander und halb übereinander am Strand herum und verursachen ständig unanständige Geräusche. Zum Einen rülpsen sie laut und der ein- oder andere Furz hallt über den Strand. Diese Geräuschkulisse begleitet uns die ganze Zeit hier an Salisbury Plain.
Die Pelzrobben haben immer mal wieder Verluste zu beklagen. Einige tote Tiere liegen in der Kolonie herum. Aber hierfür gibt es eine Art von Gesundheitspolizei. Riesige Sturmvögel und Skuas, Raubmöwen, kümmern sich dankbar um die Kadaver.
Unser nächstes Ziel sind die Königspinguine. Haben wir am Strand nur vereinzelte Tiere gesehen, gibt es etwas entfernt vom Strand eine stattliche Kolonie und hier sehen wir auch die ersten Küken dieser großen Pinguinart. Nur der Kaiserpinguin ist noch größer, aber der kommt nur auf dem zentraler gelegenen antarktischen Kontinent vor. Wir sind jetzt ganz nahe an der Kolonie angekommen. Die Lektoren in ihren gelben Parkas haben Flaggen gesteckt, über deren Markierung wir nicht hinausgehen sollen. Aber das weiß der Pinguin nicht. Die Tiere sind sehr neugierig und zudem auch extrem kurzsichtig an Land. Hinzu kommt eine Portion unglaublicher Neugier und so kommen die Tiere von sich aus auf uns zu. Wir haben einige Tiere und Küken aus einem Meter Distanz filmen und fotografieren können. Das ist schon ein tolles Erlebnis.
Besonders gut gefallen uns die Küken. Die Jüngsten haben noch ihren braunen Federflaum und sehen aus wie die früher benutzten Kaffeekannenwärmer. Die Halbstarken haben diesen Flaum zum Teil schon verloren und sehen jetzt wie gerupfte Hühner aus. Aber die werden in wenigen Tagen wie echte, erwachsene Königspinguine aussehen.
Leider ist die erste Stunde wie im Flug vergangen und wir merken jetzt doch langsam die Nässe. Da wir auch noch nicht gefrühstückt haben, zieht uns unser Magen langsam und stetig zu den Zodiacbooten zurück. Um 8.00 Uhr sind wir, durch den inzwischen hohen Wellengang völlig nass, wieder im Schiff. Wir hängen die Klamotten erst einmal über alles, was sich dafür eignet und gehen ins Restaurant zum Frühstück. Das warme Schiff und der heiße Kaffee sind eine wahre Wohltat für uns.
Um 9.20 Uhr sind wir zurück in der Kabine und ordnen erst einmal Ausrüstung und Klamotten. Frische Funktionsunterwäsche und Hemden sind für den nächsten Landgang vorhanden, aber Hose und Parka sind immer noch klatschnass. Und jetzt um 10.10 Uhr ist das Schiff bereits in der Possession Bay vor Prince Olav Harbour. Zum Glück kommt die Durchsage, dass Wellen und Wind eine weitere Anlandung nicht zulassen. Nun, wir wären, wie viele andere auch, an Bord geblieben. Daher nimmt die Hanseatic um 10.30 Uhr wieder Fahrt auf und dampft in Richtung Fortuna Bay weiter. Wir hauen uns aufs Bett und lesen ein wenig. Gegen 12.45 Uhr biegt das Schiff in die Fortuna Bay ein und wir ins Bistro Lemair zum Mittagessen ab. Mit einem leckeren Bier lassen wir uns die Suppe, das Fleisch und den genialen Nachtisch schmecken.
Um 14 Uhr erreicht das Schiff die Paradies Bucht und legt sich vor Fortuna Bay auf Reede. Die rote Gruppe wird bereits aufgerufen und wir eilen in die Kabine. Die Hose und der Parka sind noch nicht ganz trocken, aber da Wetter und Wellengang gut sind, wollen wir an Land. Also rein in die feuchten Klamotten und kaum 20 Minuten später sind wir erneut am Sidegate und bereit zur Ausbootung. Kaum hat das Zodiac abgelegt, schreit eine ältere Dame neben mir spitz auf. Sie hat in der Hektik ihre wasserdichte Hose nicht angezogen und sitzt in ihrer schwarzen Funktionsunterhose im Boot. Da wir aber bereits kurz vor dem Strand sind, wird sie wieder zum Schiff zurückkehren.
Hier an Fortuna Bay gibt es die gleichen Tiere wie am Morgen in Salisbury Plain. Die Kolonie der Königspinguine ist aber sehr viel größer und verteilter. Dadurch kommen wir noch näher an die farbigen Gesellen heran. Das ist schon ein ganz besonderes Erlebnis mit Gänsehautcharakter. Ein halbstarker, gerupft aussehender Königspinguin hat besonders großes Interesse an mir oder meiner Kameraausrüstung. Er wartet geduldig und ganz neugierig in meiner Nähe bis ich die Kamera auf mein Stativ montiert habe. Und das Teil muss er nun unbedingt begutachten und kommt näher. Als das Tier nur noch einen Meter entfernt ist, flöte ich ihn an und frage bei laufender Kamera in seine Richtung: "Bist du verliebt?" Er flötet mit seinem Pinguinruf laut zurück und schlägt ganz aufgeregt mit den Flügeln. Ich glaube, ich habe hier auf Süd-Georgien einen neuen Freund gefunden.
Es fängt erneut leicht zu nieseln an und da keine neuen Tierarten zu sehen sind und das Wetter auch nicht besser wird, gehen wir zur Anlegestelle zurück und nehmen nach 1 1/2 Stunden Aufenthalt das nächste Zodiac, das uns zur Hanseatic zurückbringt. Natürlich sind die unteren Kleidungsstücke wieder völlig durchgeschwitzt. Unter dem roten Parka, der ja winddicht sein muss, bleibt das nun mal nicht aus. Wir hängen die nasse Kleidung auf und duschen sehr warm. Danach machen wir eine kurze Siesta und sind um 18 Uhr in der Explorer Lounge auf einen heißen Kaffee. Gegen 18.30 Uhr gibt es ein Precap über die nächsten zwei Tage hier auf Süd-Georgien und wie fast immer um 19 Uhr das Abendessen im Marco Polo Restaurant.
Die See ist in der Zwischenzeit wieder etwas kabbeliger geworden und wir hören eine Durchsage des Kapitäns. Er steuert das Schiff zur Übernachtung in die Cumberland Bay. In der geschützten Bucht ist kein Seegang und wir können die Nacht in Ruhe verbringen. Nach dem Essen gehen wir gegen 21.30 Uhr hinauf in die Observation Lounge auf ein Bier und einen Cocktail. Danach sind wir müde und recht schnell in unserer Kabine. Der Tag war doch anstrengend. Ich überspiele meine wertvollen Kameradaten und sehe mir den Flirt mit dem halbstarken Pinguin an. Toll. Um 23.15 Uhr ist dann Bettruhe.

nächster Tag

 

 

 

 



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Pelzrobbenmutter

Weißes Robbenbaby

Robben und Pinguine

Pelzrobbenbulle

 

 

Robbenbabys

 

 

Seeelefantenbaby

 

 

Sturmvogel und Skua

 

 

Königspinguine mit Schiff

 

 

Zerrupfter Halbstarker

 

 

Verliebter Königspinguin

 

 

Sehr raue See

 

 

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