Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Mit MS Hanseatic in die Antarktis

2014 - 2015

Dienstag 16.12.2014

Falkland Inseln - Tag 2 - Stanley

Der Tag beginnt wie fast immer um 7 Uhr und wir sind bereits um 8 Uhr beim Frühstück im Marco Polo Restaurant. Wir haben die Jacken und die Kameras mitgenommen, denn die Hanseatic fährt bereits in die lange schmale Bucht vor Stanley ein. Wir sehen aus dem Restaurantfenster ein englisches Kriegsschiff und zwei auf Reede liegende Frachtschiffe. Gegen 8.30 Uhr ist es dann soweit. Wir beenden unser Frühstück und gehen hinauf auf das Observation Deck. Hier werden wir fast weggeblasen, so windig ist es hier oben. Die Port Stanley Narrows, die schmale Einfahrt in das natürliche Hafenbecken, liegt genau vor uns. Der Kapitän meldet sich von der Brücke und erklärt den Passagieren die Schwierigkeit, bei so einem starken Wind das Schiff genau durch die enge Felspassage zu manövrieren. Der große Stahlkörper der Hanseatic wirkt bei diesem Seitenwind wie ein Segel und drückt das Schiff seitlich weg. Daher muss der Steuermann mächtig "vorhalten" und in die entgegen gesetzte Richtung steuern, um die Durchfahrt genau zu treffen.
Dieses Manöver ist natürlich hoch spannend und muss auch von uns genau beobachtet und aufgenommen werden. Hinter der schmalen Felspassage geht es nach Steuerbord und der Anker fällt genau vor der Hauptstadt der Falklandinseln. Wir merken recht schnell, dass der starke Wind auch hier auf der Reede das Schiff ständig bewegt. Die Ansichten auf den Ort sind mal von der Steuerbordseite, dann wieder auf der Backbordseite zu sehen. Der Landgang wird mit Tenderbooten ab 9.30 Uhr angeboten und ist frei, dass bedeutet, es gibt keinen Gruppenaufruf. Wir haben mit unseren Tischnachbarn vereinbart, erst etwas später an Land zu gehen. Die ersten Boote sind meist sehr voll und es gibt viel Gedränge und Geschiebe am Sidegate.
Um 10.15 Uhr steigen wir dann zu viert in eines der Tenderboote und sind 10 Minuten später an Land. Die Überfahrt ist ganz schön ruppig. Der Wind lässt das Tenderboot hin und her und auf und ab schaukeln und die Wellenhöhe tut ihr übriges. Noch weitere 5 Minuten in dem Tender und es hätte sich die Seekrankheit eingestellt. An Land haben wir auf dem Steg erst einmal Gelegenheit, 2 schlafende Seelöwen aufzunehmen, die sich auch durch die Touristenhorden nicht stören lassen. Glücklicherweise sind diese Horden bereits weg und haben sich im Ort verteilt. Wir gehen auf das große Eisentor zu und zücken unsere Bordausweise. Aber die Schiffsorganisatoren haben wohl das mit dem Zoll und der Bürokratie bereits erledigt. Wir können unbehelligt die Hauptstadt der Falklandinseln und damit britisches Territorium betreten.
Dieser Ort wurde 1843 als Port Stanley gegründet bereits 1845 zur Hauptstadt ernannt. Sie wurde nach Lord Stanley, einem englischen Politiker dieser Zeit, benannt. Der Ort liegt ganz im Osten der östlichen Falklandinsel und hat heute über 2100 Einwohner. In der Stadt gibt es ein Krankenhaus, eine Bibliothek, einen Supermarkt, zahlreiche Touristenshops und eine Schule. Lustigerweise werden die Schüler mit einem alten Doppeldeckerbus aus dem Mutterland über die Hauptstrasse kutschiert und fast alle Schüler winken uns heftig zu. Sehenswürdigkeiten sind ein neu gestaltetes Museum, der Gouverneurspalast, zahlreiche Kriegsdenkmäler und die südlichste anglikanische Kirche der Welt. Wir haben uns vorgenommen, wenn die Zeit reicht, überall einmal hineinzuschauen.
Zuerst betreten wir den Souvenirshop am Hafen. Hier soll es Verbindungen oder Auskünfte geben, um an Taxifahrten nach Gipsy Cove zu kommen. Dort gibt es eine Kolonie Magellanpinguine zu sehen. Die alte Frau hinter dem Tresen ist von der mürrischen Art, so gar nicht erfreut von uns Touristen. Unser Englisch scheint sie auch nicht verstehen zu wollen, sie gibt keine Antwort. Also muss sie auf den Inhalt unserer prall gefüllten Geldbörsen verzichten und wir verlassen jetzt auch mürrisch und ohne Abschiedsworte diesen Laden. Wir beschließen, den Ort von der Hauptstraße, der Ross Road, her aufzurollen. Die erste Sehenswürdigkeit ist die Kirche mit dem Walknochenportal, eigentlich ist es eine Kathedrale. Es ist die Christ Church Cathedral, erbaut 1892 aus englischen Ziegelsteinen und örtlichen Bruchsteinen. Die eher schlichte Kirche hat einen hohen Innenraum, die Einrichtung und der offene Dachstuhl sind aus Holz gefertigt. Es gibt in jeder Bankreihe zahlreiche, individuell und schön gestickte Kniekissen und natürlich Erinnerungstafeln an die gefallenen Soldaten des Falklandkrieges.
Wir verlassen die Kirche und bummeln weiter auf der Ross Road. Unsere Lektorin Sylvia Stevens unterhält sich angeregt auf der Straße mit zwei Polizisten. Der US-Amerikanerin dürfte das ja auch leicht fallen. Hinter der Polizeistation, am Thatcher Drive, stehen wir dann vor dem großen Denkmal für die Gefallenen des letzten Falklandkrieges, der von April bis Juni 1982 zwischen England und Argentinien hier tobte. Es gab auf beiden Seiten an die 900 Tote, über 2500 Verletzte und 11.500 Kriegsgefangene. Höhepunkt dieser Auseinandersetzung war die Versenkung des argentinischen Kreuzers "General Belgrano" durch zwei Torpedos mit über 320 toten argentinischen Soldaten.
Es weht immer noch ein sehr starker Wind, den wir zwischen den Häusern nicht so unangenehm empfunden haben. Hier am Kriegsdenkmal spüren wir ihn aber heftig und deshalb schenken wir uns den weiteren Weg zur Gouverneursresidenz. Das Falkland Islands Museum wurde bereits 1989 erbaut. Erst in diesem Jahr wurde es nach umfangreichen Renovierungen wieder eröffnet und mit unseren Bordkarten der Hanseatic haben wir sogar freien Eintritt. Wir bekommen ein schmales Papparmband und dürfen uns dann in den Ausstellungsräumen umsehen. Viele Exponate in den ersten Räumen sind aus der Zeit der ersten Besiedlung des 19. Jahrhunderts. Wie einfach diese Menschen hier am Ende der Welt gelebt haben, kann man gut nachvollziehen. Die unteren Räume und die Räume in der oberen Etage sind wirklich anschaulich gestaltet. Nur die ausgestopften Pinguine und Seevögel tun uns schon ein wenig Leid, aber das gehört wohl dazu.
Unsere Tischnachbarn haben von einer Bekannten einen etwas merkwürdigen Auftrag erhalten. Diese Dame sammelt Fingerhüte, auf englisch Thimble genannt, und danach dürfen wir jetzt suchen. Also mal ehrlich: In Deutschland sind uns nirgendwo bunt bedruckte Fingerhüte aus Metall, Porzellan oder gar Holz aufgefallen. Aber es gibt tatsächlich Menschen, die so etwas sammeln. Und das Verrückte kommt noch. Es gibt hier in diesem kleinen Museum tatsächlich bunt bemalte Fingerhüte, und zwar jede Menge. So viele, dass unsere Nachbarn die Qual der Wahl haben. Nach dem Erwerb eines Souvenirfingerhutes gehen wir weiter die Ross Road hinunter in Richtung Schiff. Im Supermarkt kaufe ich noch ein Deo für umgerechnet 5 Euro die Sprühdose. Falklandinselpreise eben. Danach sind wir noch im letzten Souvenirshop vor dem Hafen. Einen Thimble wollen wir nicht kaufen, aber eine Kleinigkeit von den Falklandinseln soll es schon noch sein. Der Laden ist voll mit Hanseatic Passagieren. Der hier feilgebotene Nippes ist uns viel zu groß und ganz hinten im Laden stoßen wir auf zwei kleine Königspinguine aus Glas. Bei genauem hinsehen sind es ein Salz- und ein Pfefferstreuer, aber die Löcher sind kaum zu sehen. Diese Figuren gefallen uns sehr und so opfern wir noch einmal fast 20 Euro für die Figuren.
Es ist jetzt bereits 13 Uhr und wir sind fast die Letzten, die zum Schiff zurück wollen. Ein Tenderboot ist auch schon da und mit uns fährt auch Kapitän Gerke zurück an Bord. Es ist immer noch heftiger Seegang und das Schiff liegt auch noch ungünstig in den Wellen. Die Überfahrt ist schon wieder heftig wackelig und das Aussteigen aus dem Tenderboot gerät zum Glücksspiel. Wenn das Boot auf dem Wellenberg ist, sollen wir mit einem beherzten Schritt auf das Sidegate wechseln. Das gelingt natürlich nicht gleich beim ersten Mal. Ich benötige drei Anläufe und drei Matrosen, die an mir zerren, bis ich drüben bin. Aber es klappt und wir gehen, nachdem wir uns umgezogen haben, direkt zum Mittagessen ins Bistro Lemaire.
Das Bier zum Essen schmeckt nach der vielen frischen Luft diesmal besonders gut und anschließend filme ich vom Oberdeck aus noch die Stadt. Danach gönnen wir uns einen kleinen Mittagsschlaf und um 16 Uhr verlässt MS Hanseatic die Hauptstadt der Falklandinseln. Besonders erwähnenswert ist noch das wunderbar sonnige Wetter und bis auf den Wind ist alles Bestens. Gegen 16.30 Uhr fahren wir hoch in die Observation Lounge und trinken eine gute Tasse Kaffee. Am Eingang liegen leckere Plätzchen, von denen wir uns auch bedienen. Natürlich alles inklusive. Unsere Tischnachbarn kommen auch und wir verabreden uns für später in der Owners Suite. Ich bringe mein Ultrabook mit und wir sehen uns einzelne Fotos und Videoaufnahmen an. Na, das wird ja eine Ausbeute werden, wenn wir jetzt schon so viele tolle Aufnahmen haben, natürlich mit den Wasserfällen von Iguacu und mit Buenos Aires.
Um 19 Uhr sind wir dann im Restaurant Marco Polo. Die Mädels hatten uns schon vermisst, aber wir waren ja lange an Land und danach im Bistro. Es gibt leckere Garnelen, Entenbrust und natürlich zum Nachtisch Espresso für Anja und einen Kaffee für mich. Wir bleiben wieder bis fast 21 Uhr hocken und merken dann, dass wir doch ganz schön kaputt sind. Ja ja, die frische Luft eben. Unsere Tischnachbarn wollen sich in ihre Kabine zurückziehen und wir haben auch keine Lust mehr auf weitere Passagierkontakte. Also ziehen wir uns ebenfalls in die Kabine zurück. Die ist ja auch groß genug. Anja liest noch in ihrem E-Reader und ich beschäftige mich mit der E-Mail Maschine und mit meinem Ultrabook. Die Kameras müssen auch noch umgestellt werden, heute Nacht bekommen wir eine Stunde abgezogen. Das heißt, die Uhren werden eine Stunde vor gestellt. Um 21.40 Uhr ist dann Bettruhe.

nächster Tag

 

 

 

 



Klick für große Bilder:

Am Pier in Stanley

Schlafende Seelöwen

Schulbus in Stanley

Crist Church Cathedral

 

 

Innenraum der Kathedrale

 

 

Gestickte Kniekissen

 

 

Häuser an der Ross Road

 

 

Häuser an der Ross Road

 

 

Zerzauster Baum

 

 

Denkmal für Gefallene

 

 

Anker und Hanseatic

 

 

Das Museum in Stanley

 

 

Blick von Bord auf Stanley

 

 

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