Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Mit MS Hanseatic in die Antarktis

2014 - 2015

Montag 15.12.2014

Falkland Inseln - Tag 1

Der erste Tag mit Landgang beginnt bereits sehr früh. Um 6 Uhr piept der Wecker und wir hetzen durchs Bad. Um 7 Uhr sind wir dann beim Frühstück und bereits um 7.45 Uhr wieder zurück in der Kabine. Die Hanseatic liegt seit der Nacht bereits vor New Island, eine der südlichen Falkland Inseln. Draußen ist tolles Wetter mit einem wolkenlosen Himmel. Wir zwängen uns zum ersten Mal in unsere Funktionsunterwäsche und dann in die wasserdichte Hose. Da wir das zu Hause nicht geübt haben, wird das jetzt doppelt schwer. Unsere schwarzen Hosen haben doppelte Hosenbeine. Die Inneren sind am Ende mit einem Gummibund versehen, der über die Gummistiefel gezogen wird und dadurch ein Eindringen von Wasser verhindert. Dann schlüpfen wir in die warmen Socken und in den winddichten roten Passagierparka. Die Gummistiefel und die Rettungsweste befinden sich in einem separaten Raum am Sidegate. Es dauert und es fallen einige Flüche bis wir die Klamotten angezogen haben und fragen uns, wie wir uns jetzt noch bewegen können. Genau so muss sich eine Presswurst fühlen. Und da unsere Gruppe noch nicht aufgerufen wurde, fangen wir in der warmen Kabine auch noch fürchterlich an zu schwitzen.
Endlich, um 8.15 Uhr wird unsere grüne Gruppe als Zweite aufgerufen. Wir stürzen zur Tür, verlassen unsere Kabine und schließen ab. Die 10 Meter zum Raum mit den Gummistiefeln und den Rettungswesten sind in sekundenschnelle geschafft. Hier herrscht aber noch großer Andrang um die wenigen Sitzplätze. Entweder sind das noch Nachzügler der roten Gruppe oder besonders Schlaue und Vordrängler unserer Gruppe. Egal, es kommt jeder an Land. Wir ziehen unsere Gummistiefel im Stehen an und helfen uns gegenseitig bei den Rettungswesten. Das sind besondere Westen, die sich erst bei Kontakt mit Wasser aufblasen. Dadurch sind sie schmal und gut über dem Parka zu tragen. Nach dieser noch einmal schweißtreibenden Prozedur stellen wir uns am Sidegate an und warten auf die Ausbootung.
Die Crew der Hanseatic besteht aus absoluten Profis, wie wir bald feststellen können. Kaum 5 Minuten später werden wir zur Computerstation gerufen und müssen unsere Bordkarten durch das Lesegerät ziehen. Jetzt sind wir offiziell nicht mehr an Bord und staken mit den klobigen Gummistiefeln und eingepresst in den Parka und die Rettungsweste die Treppe am Sidegate hinunter. Die Videokamera baumelt am Hals und versperrt die Sicht nach unten auf die Stufen. Unter uns die glücklicherweise ruhige See. An der Plattform angekommen, strecken die Matrosen des Schiffes uns ihre hilfreichen Hände entgegen. Den Griff hinter das Handgelenk der Matrosen haben wir gestern gelernt und dank dieses festen Griffes werden wir auch ohne großes Zögern in das Zodiac gezogen. Puh, geschafft. Etwas mulmig ist einem beim ersten Mal schon. Der Zodiacfahrer zeigt uns die Position auf der Gummiwulst, auf die wir uns setzen müssen. Angenehm ist, dass nur 8 Passagiere in eines dieser Schlauchboote einsteigen und so haben wir alle ausreichend Platz.
Es ist jetzt 8.30 Uhr und der Matrose am Sidegate schubst unser Boot ein Stück vom Schiff weg. Der Zodiacfahrer gibt Gas und ich bin überrascht, wie das Boot beschleunigt. Die Fahrt zur Insel dauert keine 5 Minuten. Filmen ist etwas schwierig, weil doch durch eine Welle hin und wieder etwas Salzwasser über den Bug des Gummibootes spritzt. Und das mag eine Videokamera nun gar nicht. An der Landestelle warten jetzt ebenfalls hilfreiche Matrosen auf unsere Anlandung. Der Zodiacfahrer legt das Boot mit Schwung auf den Sandstrand. Zumindest der Bug liegt auf und uns recken sich wieder hilfreiche Hände entgegen. Wir müssen jetzt auf der Gummiwulst des Zodiacs nach vorne rutschen und uns mit dem Po zum Land ausrichten. Dann beide Beine über die Wulst in Richtung Land schwingen und ins Wasser hinabrutschen. Jetzt ist das leichter beschrieben als in  der Praxis ausgeführt. Jedenfalls klappt das bei mir erst nach dem dritten Versuch. Ich schiebe das natürlich auf die einengende Ausrüstung. Es zeigt sich aber sofort, was die Hose mit dem Innenbeinkleid wert ist. Ich stehe bis zu den Knien im Wasser und meine Stiefel bleiben von innen trocken. Ohne dieses tolle Kleidungsstück hätte ich jetzt klatschnasse Strümpfe und Füße.
Natürlich surrt jetzt an Land erst einmal die Videokamera. Aber viel Zeit bleibt nicht, wir werden von einem Lektoren im gelben Parka weitergetrieben. Es kommen ja ununterbrochen neue Zodiacs mit Passagieren an und ansonsten gäbe es einen Stau hier am Strand. Wir setzen uns also in Bewegung und merken schnell die unbequeme Ausrüstung. Da es auch sehr warm ist, laut Logbuch 12 Grad Celsius, wird uns auch wieder schnell warm. Wir öffnen die Gurte unserer Schwimmwesten und den Reißverschluss des Parkas. Da wir beide geschwitzt haben, müssen wir uns vorsehen. Gleich am ersten Tag eine Erkältung bekommen ist nicht wirklich gut.
Ein Lektor erklärt uns den eineinhalb Kilometer langen Weg zur Felsklippe auf der anderen Seite der Insel. Ja, richtig. Es geht, wenn auch nicht steil aber kontinuierlich, den langen Weg in Gummistiefeln bergauf. Wir trösten uns mit dem schönen Wetter und damit, dass wir ja auf einer Expeditionsreise sind, und nicht auf einem Partyschiff. Es dauert an die 20 Minuten mit willkommenen Stopps bei einigen Magellangänsen, die natürlich in Ruhe gefilmt werden müssen, bis wir die Steilklippe erreicht haben. Was uns hier erwartet und was wir hier sehen dürfen, haben wir in den kühnsten Träumen nicht erwartet. Tausende Tiere haben sich hier versammelt. Es gibt Felsenpinguine, Schwarzbrauenalbatrosse und Königskormorane zu bestaunen. Alle nisten friedlich nebeneinander und hocken ohne Scheu auf ihren Eiern.
Die Felsenpinguine brüten noch auf ihren Eiern, haben aber zum Teil auch schon Küken. Ab und zu erwischte ich mal eines dieser hellgrauen Wonneproppen, wenn es aus der Bauchfalte des Elternvogels hervorschaut. Die Elternvögel hüpfen geschäftig in der Kolonie nach oben und nach unten. Wie diese 50 Zentimeter kleinen Pinguine es schaffen, die über 100 Meter hohe, steile Felswand zu erklimmen um hier oben in Ruhe brüten zu können, bleibt uns ein Rätsel. Jedenfalls mache sie ihrem englischen Namen alle Ehre. Sie werden "Rockhopper" genannt und so bewegen sie sich auch auf den Felsen. Sie laufen nicht, sie hüpfen auf den Felsvorsprüngen hinauf und hinab. Wenn sie dabei einem brütenden Artgenossen zu nahe kommen, werden sie sofort angefaucht und angemeckert. Dieser kleine Schwimmvogel hat auch vor der gefürchteten Skua keine Angst und jagt sie keifend weg, wenn diese dem Nest zu nahe kommt. Leider gelingt es diesen Raubmöwen doch hin und wieder mal ein Ei zu stibitzen. Schlimmer ist es, wenn eine Skua ein Küken erwischt. Das tut einem dann doch leid - trotz der natürlichen Auslese. Es ist schon ein ganz besonderes Privileg, Pinguine einmal ohne Zaun und ohne Gitter ganz aus der Nähe mit nur wenigen Zentimetern Abstand beobachten zu dürfen. Dafür hat sich diese Reise schon gelohnt.
Zwischen den Felsenpinguinen sitzen auch die Schwarzbrauenalbatrosse auf ihren Nestern. Ihr Weg zu den Bruthügeln ist nicht so mühevoll wie für die Pinguine. Sie können sich die Klippe hinunterstürzen und auch leicht im kurzen Gras landen. Lektorin Sylvia Stevens erklärt mir und den anderen Mutigen, die sich an die Klippe herangewagt haben, das Brutgeschäft der Albatrosse. An dieser exponierten Stelle hat man einen tollen Blick auf die gesamte Kolonie der Tiere hier auf New Island.
Ich gehe vorsichtig wieder zurück, setze einen Fuß vor den anderen und muss mich doch hin und wieder am hohen Gras festhalten, um nicht zu straucheln. Auf der anderen Seite der Klippe kann ich noch einige Königskormorane auf ihren Nestern filmen. Ob sie brüten, also auf Eiern sitzen, kann ich nicht sehen. Dafür entdecke ich aber einen Seeadler, der etwas abseits auf einem Felsvorsprung sitzt und ganz interessiert in die Kolonie späht.
Unsere Zeit ist nach einer Stunde um und wir müssen zurück zur Landestelle. Der Abstieg hinunter ist einfacher und die Magellangänse werden keines Blickes mehr gewürdigt. Am Strand kann ich noch ein paar schöne Aufnahmen von einem hier liegenden alten Wrack und der in der Bucht ankernden Hanseatic machen. Dann wird auch schon das wartende Zodiacboot gerufen. Es kommt heran und nun muss die umgekehrte Prozedur durchgeführt werden. Rückwärts an das Boot, den Po auf die Wulst gehievt und dann die Beine um 180 Grad nach innen geschwungen. Die ersten beiden Schritte sind noch einfach, aber das Schwingen klappt nur mit Hilfe eines Matrosen.
Nur 5 Minuten später ist unser Zodiac voll und wir stellen fest, dass uns die Kreuzfahrtdirektorin Ulrike Schleifenbaum höchstpersönlich zum Schiff zurückbringt. Im Laufe der Reise werden wir noch feststellen, dass sehr viele Personen der Schiffsbesatzung den Zodiacführerschein haben und diese Tätigkeit auch mit viel Freude ausführen. Kurz nach dem Ablegen sehen wir noch zwei junge Karakaras, die auf dem Wrack in der Bucht miteinander herumhüpfen. Dieser Falkland-Falke ist recht selten und kann kaum beobachtet werde. Einige Sekunden Video gelingen mir aber dennoch. 10 Minuten später sind wir am Sidegate der Hanseatic. Jetzt kommt der nächste ungewohnte Schritt des Ausfluges. Erst ein Bein auf den bereitgestellten Tritt, dann das zweite Bein auf die Gummiwulst und die ausgestreckten Arme der  Matrosen ergriffen. Die ziehen einen dann mit Schwung nach oben auf die Plattform des Sidegates. Die erste Anlandung ist geschafft.
Um 10.30 Uhr loggen wir uns wieder in den Bordcomputer ein und wenden uns erst einmal der Kleiderkammer zu. Gleich links steht die Stiefelreinigungsanlage. Die funktioniert automatisch, es ist aber nicht gleich ersichtlich wie. Nach einigen Versuchen spritzt das Teil dann endlich mit Wasser und die Bürsten drehen sich. Ein Stiefelknecht ist auch vorhanden und so geht das Ausziehen der Stiefel recht leicht. Wir stellen diese dann in unser Fach und hängen die Rettungswesten dazu. Auf Schlüffkes, wie man im Kohlenpott sagt, schlurfen wir zurück in unsere Kabine.
Wir sind komplett durchgeschwitzt und zwar bis auf die Funktionsunterwäsche. Ohne wäre es mit Sicherheit zu frisch gewesen, aber mit eben viel zu warm. Also wird zuerst ein Duschgang eingelegt und danach stürzen wir uns auf die gemachten Bilder. Anja beugt sich über ihr Kameradisplay und ich stecke die SD-Karte in mein kleines Ultrabook. Fremde in der Kabine hätten uns jetzt für verrückt erklärt, aber ein Jubelschrei folgt dem nächsten. Bei diesem tollen und sonnigen Wetter sind uns wirklich sensationelle Fotos und Videos gelungen.
Gegen 11 Uhr sind alle Mann an Bord und die Hanseatic setzt die Reise mit langsamer Fahrt fort. 50 Seemeilen sind es durch die Westpoint Passage zum nächsten Ziel. Aber vorher gibt es noch das Mittagessen im Marco Polo Restaurant und direkt danach einen kurzen, aber erholsamen Mittagsschlaf. Um 15.20 Uhr liegt die Hanseatic vor Carcass Island und die Rote Gruppe wird wieder aufgerufen. Auch wir zwängen uns wieder in unser zweites, noch trockenes Paar Funktionsunterwäsche und in die wasserdichte Hose. Unsere Tischnachbarn klopfen an die Tür, wir wollen diesmal gemeinsam mit einem Zodiac an Land fahren. Es dauert eine ganze Weile und um 15.50 Uhr erfolgt dann eine Durchsage. Es ist zu hoher Schwell am Sidegate und dadurch das Ausbooten zu gefährlich. Das Schiff wird die Insel umrunden und wir hätten dann auf der dem Wind abgewandten Seite erneut die Gelegenheit, an Land zu gehen. Wir sind alle vier enttäuscht und verabreden uns in der Observation Lounge auf eine Tasse Kaffee.
Hier oben ist es schön warm und bei einer guten Tasse Kaffee können wir beobachten, wie das Wetter umschlägt. Es ziehen Wolken auf und Wind und Seegang nehmen zu. Gegen 17.30 Uhr wird wieder zum Landgang aufgerufen, aber mittlerweile regnet es. Der Schwell ist in der Bucht nicht ganz so schlimm, aber wir haben gemeinsam beschlossen, den Rest des Tages im Schiff zu bleiben. Das Restaurant hat eine Karte für verschiedene Ethno-Dinner herausgegeben. Das sind spezielle, landesspezifische Abendessen im Bistro Lemair. Wir vier haben uns 2 Tage ausgesucht, an denen es für unseren Geschmack besonders reizvolle Gerichte gibt. Wir gehen gemeinsam hinunter ins Restaurant und reservieren für den 21. und 29.12. einen Tisch für diese Abendessen.
Wir gehen zurück in die Kabine und ich setze mich vor meinen Computer. Es gibt jede Menge Daten, die noch auf die interne Festplatte und einen externen Datenspeicher gesichert werden müssen. Mit den SD-Karten habe ich dann eine dreifache Sicherung. Da kann nichts schiefgehen. Um 19.30 Uhr ist es wieder Zeit zum Abendessen. Ich hatte bereits am Mittag hier im Restaurant gegessen und keine große Lust auf ein opulentes Abendmahl. Ich hatte von einer "roten" Speisekarte gehört und lasse mir diese von Lena geben. Hier stehen kleinere Einzelgerichte drin, die man individuell kombinieren kann. Mir springt sofort das Beef Tartar ins Auge, Rinderhack mit Brot und ein kleines "Wiener Schnitzel". Leider kann ich es nicht lassen und ordere noch eine Mousse mit Grand Marnier als Nachtisch. Auch diese "Kleinigkeiten" sind geschmacklich ein Volltreffen und ich werde diese "rote" Karte fest im Blick halten.
Wir hocken mal wieder ziemlich lange im Restaurant herum und merken nicht, dass die Mädels bereits abräumen und die Tische für das Frühstück eindecken. Anne geht bereits um 22 Uhr zurück in die Kabine und Anja will auch noch etwas lesen. Wir Männer bilden also den harten Kern und gehen noch auf ein Bier in die Explorer Lounge. Leider spielt hier die Bordband und zwar so laut, dass eine gepflegte Unterhaltung nicht möglich ist. Wir halten dennoch bis 23 Uhr fast schweigend an unserem Bier fest und starren auf die leere Tanzfläche. Die älteren Passagiere sind wohl schon im Bett und junge gibt es an Bord nur ganz wenige. Die sind aber wohl auch schon in den Federn. Wir verabschieden uns und kurz danach bin ich ebenfalls in der Kabine. Um 23.10 Uhr mache ich vom Navigationssystem noch einige Fotos und bin dann sofort in der Horizontalen.

nächster Tag

 

 

 

 



Klick für große Bilder:

Zodiac zum Landgang

Bucht auf New Island

Magellangänse

Kolonie an der Steilküste

 

 

Ganz nah am Pinguin

 

 

Felsenpinguin

 

 

Pinguin und Kormoran

 

 

Küken in der Bauchfalte

 

 

Pinguine und Albatrosse

 

 

Schwarzbtauenalbatros

 

 

Pinguin und Raubmöwe

 

 

Königskormorane

 

 

Lauernder Seeadler

 

 

Passagiere

 

 

Toller Landgang

 

 

Junge Karakaras

 

 

Rückkehr zum Schiff

 

 

Westpointpassage

 

 

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