Anjas und Winfrieds Reiseseite
www.wurzelsreisen.de
 

 

Mit MS Statendam nach Hawaii

und franz. Polynesien 2013

22.10.2013

Franz. Polynesien - Raiatea - Uturoa

Bora Bora und Raiatea sind direkt benachbarte Inseln und liegen in Sichtweite auseinander. Unser Schiff ist die wenigen Seemeilen in der Nacht hinüber getuckert und liegt bereits am frühen Morgen an der Pier in Uturoa, dem Hauptort der Insel Raiatea. Nach dem Frühstück und dem Studium der deutschen Zeitung verlassen wir gegen 8 Uhr das Schiff und schlendern zum verabredeten Treffpunkt mit dem Reiseleiter an der Pier. Die Pier ist sehr schön ausgebaut und neben kleinen Geschäften gibt es wunderbare Pflanzungen und Häuser im polynesischem Baustil.
Die deutsche Gruppe steht verstreut herum und von unserem Reiseleiter Andreij ist weit und breit nichts zu sehen. Nach 15 Minuten taucht er auf und verkündet, dass er auf der Suche nach den Bootsführen sei, die noch nicht gekommen sind. Dann ist er flugs wieder weg. Weitere 5 Minuten später kommen die Angesprochenen angeschlendert und jetzt ist Andreij nicht da. Aber wir sind clever und heften uns schon mal an einen der Bootsführer, und zwar den, der der Anführer zu sein scheint.
Der macht auch keine lange Rede und nimmt so viele der deutschen Gruppe mit, wie in sein kleines Boot passen. Wir sind natürlich dabei. Er läuft etwa 200 Meter zum seitlichen Hafenbecken und deutet auf sein Boot. Wir steigen sogleich ein und in diesem Moment taucht auch Andreij wieder auf. Aber seine Schützlinge sind bereits verteilt und die, welche nicht in die Boote passen, müssen eben warten und sind am Nachmittag für diese Rundfahrt an der Reihe. Irgendwie passt ihm das zwar nicht, aber jetzt sind die Würfel gefallen.
Unser Bootsführer ist ebenfalls Polynesier und hat hier den Hut auf, soll heißen: Er hat noch zwei Männer mit an Bord, die die Arbeit verrichten. Zuerst brausen wir wieder hinaus aus dem Hafen und bleiben nach ca. 500 Metern erst einmal liegen. Die Insel Raiatea hat keine Lagune wie Bora Bora, aber eine Nachbarinsel in unmittelbarer Nähe. Diese heißt Tahaa und da fahren wir jetzt hin. Der Bootsführer erklärt uns jetzt den Ablauf des Ausfluges. Zuerst besuchen wir eine Perlenfarm und danach eine Vanilleplantage. Dann geht es noch zu einer Motu und zu einem Imbiss. Er hat eine etwa zwei Meter lange Pflanze um den Hals geschlungen und nennt diese Vanillepflanze „Beans“, was wir mit Bohnen und nicht mit Schoten übersetzen. Aber das ist egal, die mögen hier eben „Beans“ genannt werden.
Nach der Ansprache des Chefs geht es mit atemberaubender Geschwindigkeit weiter und zur Insel Tahaa. Hier taucht bald ein langer Steg auf, an dem unser Boot als Erstes festmacht. Wir steigen aus und werden bereits von einer jungen Frau begrüßt, die in sehr schönem Englisch mit französischem Akzent spricht. Sie geleitet die kleine Gruppe auf die Insel und zu einem Tisch. Hier zeigt sie uns mit vielen Exponaten, wie die Perlenzucht in der Südsee funktioniert. In eine große Perlenauster mit schwarzem Fleisch wird ein so genannter „Nukleus“ eingepflanzt. Dazu wird die Auster vorsichtig gespreizt, damit sie nicht verletzt wird, und dann eine runde, künstliche Perle in die Auster gesetzt. Nun wird sie mit anderen Austern zusammen hintereinander an Schnüre gebunden und für mehrere Monate in das klare Südseewasser vor der Insel gehängt. Nach rund 18 Monaten ist um den Nukleus dann eine schöne, runde und schwarze Tahitiperle gewachsen – hoffentlich. So jedenfalls die Theorie.
Nach der Vorführung werden wir ins Haus der Familie gebeten und dürfen das Ergebnis dieser Bemühungen bestaunen. Auf einem runden Tisch mitten im Wohnzimmer liegen sie, die Schätze aus dem Salzwasser rund um Tahaa. Sehr schöne, große, schwarze Perlen, die auch noch, je nach Betrachtungswinkel, in vielen Farben schillern. Es ist eine Pracht. Die Perlen gibt es lose, aber auch sehr schön gefasst als Schmuck dargeboten. Uns gefallen zwei Perlen, die als Anhänger gefasst sind. Eine schimmert etwas bläulich, die Andere mehr grünlich. Beide Perlen haben einen Durchmesser von 12 Millimetern und sind wunderschön. Der Preis für eine dieser Perlen ist entsprechend hoch, dennoch entscheiden wir uns für die blau schimmernde Perle und zücken die Kreditkarte. Das Schmuckstück gibt es mit Originalrechnung in Euro und mit Echtheitszertifikat. Das ist wichtig für den Zoll. Französisch Polynesien gehört ja zu Frankreich und da gelten eben die europäischen Zollfreigrenzen. Wir besuchen auch hier noch einmal die Restrooms und streben dann wieder zum Boot.
Es ist mittlerweile 9.20 Uhr geworden und der Bootsführer braust weiter an der Küste von Tahaa entlang. Der Wind steht jetzt etwas ungünstiger und ich bekomme wieder Salzwasser auf meine Hose. Aber das ist nach wenigen Minuten an Land abgetrocknet, bis auf die hässlichen Salzränder. Nach 30 Minuten erreichen wir eine weitere Anlegestelle. Wir steigen aus und müssen jetzt erst einmal an die 500 Meter zu Fuß auf der Küstenstraße entlang laufen. Dann geht es nach links in den Urwald. Bereits hier ist meine Hose trocken und die Salzränder sichtbar. Nach weiteren 300 Metern erreichen wir die Vanillefarm. Es ist die Farm unseres Bootsführers, was wir daran merken, dass er seine Mutter vorstellt, die Vanilleschoten sortiert. Bereits jetzt können wir sehen, was für Prachtexemplare hier produziert werden.
Dann geht es tiefer in den Urwald hinein. Der Mann stellt sich vor eine Pflanze und erklärt die Produktion der Tahaa-Vanille, die hier auf dieser Inselwelt nicht heimisch ist und was es für einen Aufwand bedeutet, eine Ernte hinzubekommen. Zuerst wird ein langer Stab in die Erde gesteckt und die Vanillepflanze davor in die Erde gepflanzt. Dann muss man drei Jahre warten und die Schlingpflanze um den Stab binden. Dann, und das in nur einer Nacht, blüht die Vanille und muss jetzt von Hand in der Blüte mit einem Skalpell durch Trennung der Samenbeutel bestäubt werden. Es gibt auf Tahaa keine Insekten, die diese Arbeit verrichten könnten. Aus den bestäubten Blüten wachsen jetzt die „Beans“, aus denen die Vanilleschoten gewonnen werden.
Nach diesem Vortrag gehen wir wieder zurück zum Wohnhaus und hier erklärt uns der Mann noch die Trocknung. Tahaa-Vanille wird nicht zur Fermentation gekocht, sondern in der prallen Sonne wechselweise nur immer zwei Stunden getrocknet. Dadurch hat sie die unverwechselbare braune Farbe und den unvergleichlich tollen Duft, der auf der ganzen Insel zu riechen ist. Dieser ganze Vortrag wird hier aus dem Gedächtnis wiedergegeben und auch für die Übersetzung aus dem Englischen mit französischem Akzent übernehmen wir keine Garantie. Wir bekommen noch Saft angeboten und können dann auch die hier auf dieser Farm produzierte Vanille eingeschweißt für den Transport kaufen. Da wir wissen, dass es diese Vanille bei uns nicht gibt, nehmen wir gleich ein ganzes Pfund mit. Später bei der Heimreise wird mein Koffer vom amerikanischen Zoll geöffnet werden. Nein – Vanille ist kein Rauschgift.
Um 10.50 Uhr sitzen wir wieder im Boot und in einer 10minütigen, ebenfalls nassen Fahrt geht es zu einer Motu zwischen Tahaa und Raiatea. Hier dürfen wir wieder an Land und das im Wasser aufgebaute Früchtebuffet bestaunen. Natürlich plantschen einig unserer Mitfahrer sofort wieder im wunderbar warmen Pazifikwasser. Auch auf dieser Motu gibt es traumhafte Sandstrände mit dem so ersehnten Palmenbewuchs. Da wir in unserer Kleidung nicht an den Tisch im Wasser herankommen, ziehen wir uns in eine kleine Hütte in der Nähe zurück. Hier ist es wunderbar still und wir genießen die tolle Aussicht. Leider kommt nach 10 Minuten eine amerikanische Touristengruppe und beansprucht die Sitzplätze. Sehr schade.
Zurück an unserem Landeplatz sehen wir der Ernte von Kokosnüssen zu und wie unser Bootsführer die Nüsse aus dem fleischigen, faserigen Mesokarp befreit. Diese Matte setzt er sich dann wie einen Sonnenschutz als Hut auf seinen Kopf. Nach einer Stunde ist auch hier Schluss und wir werden in die Boote gerufen. Auf der Rückfahrt nach Uturoa werde ich heute zum dritten Mal nass.
Um 12.25 Uhr sind wir zurück an der Landestelle am Hafenbecken. Hier wartet bereits die nächste Schicht Touristen für diese Rundfahrt. Wir jedenfalls sind froh, dass wir jetzt noch einen kleinen Rundgang durch die Märkte am Hafen machen und dann zurück in unsere klimatisierte Kabine dürfen. Die Markthalle ist auch schnell abgelaufen. Es gibt Obst in Hülle und Fülle und viele Kleidungsstände. Aber die Tücher und Wickelröcke gefallen Anja nicht so sehr, sie sind sehr bunt und grell in den Farben. Neben der Markthalle ist ein kleiner Pavillon und darin sitzt eine mehr als zehnköpfige, polynesische Kapelle. Leider hat die aber gerade Pause und ich muss warten. Zumindest ein Lied wollte ich mit der Kamera aufnehmen, damit ich für den Rundgang eine Hintergrundmusik habe. Nach 10 Minuten ist die Pause vorbei und die Kapelle fängt an zu spielen. Nach weiteren 10 Minuten ist die Szene im Kasten und wir dürfen jetzt endlich ins Schiff und auf die Kabine.
Gegen 13 Uhr ziehe ich meine immer noch klamme Hose aus und lege sie auf das Ledersofa zum Trocknen. Danach sind wir mit jetzt doch ordentlichem Hunger im Lido zum Mittagessen. Es ist herrlich leer hier oben, die meisten Passagiere sind noch an Land. Nach dem Essen waschen wir schnell ein paar T-Shirts und hängen sie auf den Balkon. Es dauert bestimmt nur eine sehr kurze Zeit und die Wäsche ist trocken. Meine Hose ist das auch und die muss in den nächsten Tagen nun doch mal in die Bordwäscherei. Die Salzränder sind ziemlich störend und ausgeprägt. Dann endlich ist Mittagsruhe.
Nach 16 Uhr gehen wir unter die Dusche und dann auf die vordere Back. Wie wir mittlerweile mitbekommen haben, ist die immer offen, der Zugang ist nur sehr versteckt. Hier beobachten wir um 17 Uhr das Ablegen unseres Schiffes. Der Kapitän meldet sich über die Bordlautsprecher. Er will die Insel durch die nördlich liegende Passage zwischen Raiatea und Tahaa verlassen. Da kommen wir an der Perlenfarm vorbei und haben danach auch noch Sicht auf Bora Bora. Da bleiben wir natürlich hier vorne und machen es uns auf einer Kiste bequem.
Nach 30 Minuten ist es soweit. Wir passieren die Farm und die schmale Passage zwischen den Inseln. An Steuerbord sehen wir im Dunst des Sonnenunterganges auch den Mount Otemanu auf Bora Bora. Traumhaft, einfach nur schön.
Aber das nützt alles nix, wie man sagt. Wir müssen uns jetzt in die festlichen Klamotten hüllen. Das Galadinner im Pinnacle Grill, dem Spezialitätenrestaurant der Statendam, steht auf unserem Zeitplan. Um 18.30 Uhr haben wir diesen Termin festgemacht und Helga, Lilo, Angelika und Wilfried sind auch bereits da. Nur das Restaurant ist noch zu. Na so was. Sind wir etwa zu früh?
Kurz nach halb wird die Tür geöffnet und wir dürfen auf unsere reservierten Plätze. Die Gruppe ist nicht so groß wie die vor knapp zwei Wochen, aber der Abend und das Essen umso besser. Jeder Gang wird vorher von einem Sommelier angekündigt und das entsprechende Getränk dazu genauestens beschrieben. Alle 7 Gänge sind von einer ausgesuchten und ausgezeichneten Qualität und der Preis von 50 US$ extra ist günstig dafür. Über zwei Stunden verbringen wir in angenehmer Atmosphäre und in netter Gesellschaft im Restaurant und können am Ende kaum noch aufstehen. Unsere Tischnachbarn hatten die späte Rundfahrt und sind alle platt. Sie gehen sofort auf ihre Kabinen und wollen nur noch schlafen.
Es ist jetzt 21.45 Uhr und wir waren noch etwas im Schiff unterwegs. Im Showroom wird für unseren Geschmack nichts Ansprechendes angeboten und so gehen wir in die Kabine. Ich überspiele noch die gesamten Kameradaten auf die Sicherungsmedien und dann ist um 22.15 Uhr Bettruhe. Bettruhe? Von wegen. Der Wind hat zugenommen und das Schiff schaukelt ganz ordentlich. Anja greift nach ihrem Kaugummi. Na dann: Gute Nacht.

nächster Tag

 

 

 

 



Klick für große Bilder:

Am Pier in Uturoa

Instrumente

Impfung der Perlen

Schnüre mit Perlen

 

 

Die Perlenfarm

 

 

Zum Vanilletal

 

 

Die Vanillefarm

 

 

Die Mutter sortiert

 

 

Der Boss erklärt

 

 

Die Vanille trocknet

 

 

Motu im Paradies

 

 

Pieranlage in Uturoa

 

 

Kapelle am Marktplatz

 

 

Sonnenuntergang

 

 

Galadinner im Grill