Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Mit MS Statendam nach Hawaii

und franz. Polynesien 2013

13.10.2013

Hawaii - Big Island- Hilo

Über Nacht ist die Statendam zur nächsten Insel gefahren. Um 5.45 Uhr klingelt der Wecker und es sind wieder nur 17 Grad in der Kabine. Das Spiel mit der Balkontür und der Luftfeuchtigkeit geht weiter. Wieder blinkt der Alarmsensor an der Decke, aber der fällige Anruf bleibt aus. Ob die jetzt aufgeben und uns ignorieren? Na, mal sehen. Vom Balkon aus erkennen wir, dass das Schiff auf die Größte und Jüngste der Hawaiiinseln zuläuft. Der Name der Insel ist Hawaii, von den Amerikanern auch Big Island genannt. So wie diese Insel wird auch der komplette Bundesstaat der USA genannt. Die Insel erhob sich vor rund 300.000 Jahren über einem Hotspot aus dem Pazifik und es entstanden nacheinander die Vulkane Mouna Kea mit 4205 Metern, dann folgten noch Mouna Loa und der noch immer aktive, Lava spuckende Kilauea. Es gibt noch einen weiteren Vulkan in der Inselkette. Der Loihi liegt südlich von Hawaii und ist nur noch 1000 Meter von der Wasseroberfläche entfernt. Mit seinem Auftauchen wird in ca. 50.000 Jahren gerechnet und er wird dann eine neue Insel im Staat Hawaii bilden.
Es wird noch ungefähr eine Stunde dauern, bis das Schiff den Hauptort Hilo erreicht, der auf der Ostseite der Insel liegt. Wir gehen zum Frühstück und danach bin ich mit meinem Ultrabook wieder auf Deck 12. Fehlanzeige – wieder kein freies Netzt hier im Hafen von Hilo. Ich packe das Gerät zusammen und bin gerade wieder in der Kabine, da klopft es. Stephanie, die deutschsprachige Dame von der Rezeption, will sich von der Funktionstüchtigkeit oder besser gesagt von der Funktionsuntüchtigkeit der Klimaanlage selbst überzeugen. Da die Balkontür in unserer Abwesenheit geschlossen war, ist es auch wieder kalt in der Kabine. Ich zeige ihr auch meinen Wecker mit dem Thermometer und die von mir fotografierten Temperaturen. Jetzt glaubt sie uns endlich und verspricht Abhilfe.
Das Schiff hat festgemacht und wir gehen hinter Andreij her zum Bus. Um 9 Uhr sitzt die deutsche Gruppe im Bus und der Reiseleiter aus Hilo will die Businsassen begrüßen. Aber mehr als ein unverständliches Gestammel kommt nicht aus den Lautsprechern heraus. Der Mann dreht und drückt an dem Mikrophon und dem Kabel herum, aber es wird nur schlimmer statt besser. Das ist sehr peinlich, denn dieser Bus ist wohl der Rest vom Schützenfest des Busunternehmens. Neben uns stehen für die Amerikaner die schönsten und modernsten Reisebusse herum und wir doofen Deutschen sitzen in diesem Wrack. Das schreibe ich hier ganz bewusst, denn kaum ein Haltegriff ist ganz und die Netze an den Vordersitzen sind, wenn überhaupt vorhanden, nicht als Netz zu erkennen. Die Polster und Bezüge sind total verschlissen, das ganze Gefährt wird scheinbar nur noch für Bauarbeiter in Arbeitskleidung verwendet. Wenigstens macht sich der Mann am funktionsunfähigen Mikro die Mühe und ruft in seiner Zentrale an, ob da noch ein Ersatzbus steht. Wie man sicherlich erahnen kann wird das negativ beschieden. Also geht es mit dieser Schrottmühle auf große Fahrt über Big Island.
Gegen 9.15 Uhr startet der Fahrer den Motor und siehe da, der Karren springt an. Dann fahren wir an die 10 Minuten durch den Ort Hilo und von hier in Richtung Südwesten. Der nächste Ort ist um 9.50 Uhr der Ort Pahoa, aber hier gibt es keinen Stopp. Dieser erfolgt 20 Minuten später in Kalapana. Das ist kein Ort, oder genauer gesagt, kein Ort mehr. Es gibt auch keinen Parkplatz für den Bus, nur für PKW’s. Der Fahrer hält kurz, lässt uns aussteigen und fährt dann wieder weg. Wir stehen vor dem Lavafeld von Kalapana – Kaimu. Im Jahr 1990 zerstörte ein Lavastrom des Kilauea die Stadt Kalapana, früher eine alte Siedlung, die aus einem Fischerdorf hervorging. Der mit schwarzem Sand bedeckte Strand von Kaimu wurde ebenfalls von der Lava bedeckt. Da die Lava sehr langsam floss, gab es keine Toten, aber an die 180 Häuser verbrannten und zahlreiche Straßen existieren heute nicht mehr. Der Spaziergang bis zum Meer dauert rund 15 Minuten und führt über die erkaltete Lava. Es gibt einen ausgebauten und markierten Weg, den man tunlichst nicht verlassen soll. Unter der erkalteten Lava könnten sich noch Reste leicht zäher Lava befinden und diese Stellen sind brüchig und geben nach.
Wir stehen jetzt an der Südküste von Big Island und schauen hinaus auf den Pazifik. Es gibt hier eine steile Abbruchkante und es geht an die 10 Meter hinunter bis zum Wasser. Die Brandung ist recht ordentlich, denn ab und zu bekommen wir ganz vorne ein paar Spritzer Meerwasser ab. Leider ist der Lavastrom Anfang des Jahres hier versiegt und es fließt an dieser Stelle keine glühende Lava mehr direkt ins Meer. Das wäre es noch gewesen, wir hatten uns eigentlich auf dieses Spektakel gefreut.
Um 10.55 Uhr ist Abfahrt und die alte, klapprige Mühle bringt uns nur 10 Minuten weiter zur Star of the Sea Painted Church von Kalapana. Hier dürfen wir wieder aussteigen. Eigentlich haben wir keine große Lust, diese von außen recht schmucklose Holzkirche auch noch von innen zu sehen, aber die Neugier obsiegt dann doch. Diese Kirche wurde in den Jahren 1927 und 1928 unter der Leitung des belgischen Priesters Father Evarist Gielen gebaut und der Innenraum von ihm selbst gestaltet. Die Wandmalereien sind zwar sehr einfach in der künstlerischen Gestaltung, aber beeindruckend von ihrer Tiefenwirkung. Der Innenraum hat optisch fast die Wirkung einer Kathedrale. Im Jahr 1990 drohte die Kirche in Kalapana zu verbrennen, denn der Lavastrom floss genau auf das Gotteshaus zu. Beherzte Bürger des Ortes demontierten sie und stellten sie hier an dieser Stelle wieder auf. Die Rettung hat sich gelohnt, wie wir selbst sehen können.
Gegen 11.40 Uhr sind wir in der Mauna Loa Macadamia Nussfarm. Hier soll noch einmal betont werden, dass wir eigentlich zum Nationalpark auf den Gipfel des Kilauea wollten, der ist aber wegen Herrn Obama geschlossen. Auf die Nüsse haben wir keinen Bock, aber auf das Eis, was damit verfeinert und hier in vielen verschiedenen Variationen angeboten wird. Leider sind wir nicht die Einzigen mit dieser Idee, die Schlange ist schon beträchtlich angewachsen. Anja stellt sich an und wir müssen erkennen, dass die Eisverkäufer das zügige Eisverkaufen nicht erfunden haben. Kurz vor der Abfahrt bekommt Anja unser Eis, viele hinter ihr in der Schlange gucken aber in die berühmte Röhre und bekommen nichts. Aber auch wir haben es nicht leicht. Das Eis ist sehr, sehr lecker, jedoch ganz nah am Schmelzpunkt. Wir können gar nicht so schnell schlecken, wie es uns an den Fingern und der Hand herunter läuft.
Um 12.45 Uhr sind wir am Rainbow Wasserfall. Hier ist kein Nationalpark und wir dürfen ihn tatsächlich besichtigen. Es sind nur etwa einhundert Meter vom Busparkplatz bis zu einem kleinen Aussichtspunkt. Es ist wenig Wasser in dem kleinen Bach, der hier etwa 24 Meter über eine Felsklippe herabstürzt und die Sonne steht auch nur am Morgen so, dass man einen Regenbogen sehen kann. Wir machen ein Foto und sind bald wieder am Bus.
Der nächste Stopp ist am Akaka Wasserfall. An dieser Attraktion ist der Hinweg schon etwas mühsamer. Der Fall ist vom Parkplatz aus nicht zu sehen und der Blick auf ihn muss in einem zehnminütigen Fußweg erkämpft werden. Es lohnt sich aber. Der Fall ist an die 129 Meter hoch, also 2 ½-mal so hoch wie die Niagara Fälle und ist eingebettet in eine wunderbare, tropische Landschaft mit üppigen Orchideenblüten und Bananenstauden. Es gibt so viel zu sehen und zu fotografieren, dass wir fast die Zeit und damit die Abfahrt verpassen.
Gegen 15 Uhr sind wir wieder im Schiff und in unserer Kabine und ziehen uns frische Klamotten an. Im Lido gibt es sehr leckere Sandwiches und jede Menge Iced Tea gegen den mächtigen Durst, der uns auf dem Ausflug zunehmend geplagt hat. Danach versuchen wir eine Mittagsruhe. Versuchen, denn bereits um 17 Uhr kommt erneut ein Techniker, der die Klimaanlage reparieren möchte. Aber er repariert nichts, schaut an die Decke, fragt nur und geht wieder seiner Wege.
Das Schiff legt ab und ich überspiele meine Kameradaten. Zu allem Überfluss kommt jetzt auch noch Stephanie von der Rezeption und erkundigt sich nach der Reparatur der Klimaanlage. Diese Diskussion will ich hier nicht wiederholen. Sie empfiehlt, wir sollen die Vorhänge geschlossen halten, dann reguliert sich die Anlage schon. Hält diese Frau uns für doof oder sogar für saudoof???
Um 19.35 Uhr ziehe ich mich noch einmal für das Abendessen um. Anja bleibt in der Kabine, ihr geht es nicht gut. Also führt mein Weg allein hinunter auf Deck 6 zum Chart der Reiseleitung. Fehlanzeige, scheinbar fühlt sich Andreij auch nicht gut. Dann bin ich in der Bibliothek in der Internetstube und hole mir eine Preisliste für das Internet. Es gibt sogar eine Anleitung in Deutsch für den Zugang zum World Wide Web.
Pünktlich um 20 Uhr bin ich im Restaurant. Alle Tischnachbarn sind da und wir erzählen über den Landausflug heute. Ich esse eine Ahoi-Suppe, was immer das auch ist, eine Frühlingsrolle und ein New York Cut Steak. Dazu gönne ich mir ein Alaskan Amber Bier, leider aus der Flasche, für stolze 6,04 US$. Aber geschmeckt hat es wunderbar.
Das Abendessen ist um 21.30 Uhr beendet und auf dem Rückweg kann ich den Plan für die Ausflüge morgen auf dem Chart lesen. Anja geht es wieder etwas besser und wir gehen noch hoch auf Deck 11, hier gibt es eine Vulkanparty mit Musik, Tanz und Cocktails. Die Statendam umrundet Big Island auf der Südseite und fährt so nah wie möglich an die Küste heran. Jetzt in der Dunkelheit soll man die Lavaströme auf dem Weg hinunter zum Meer sehr schön rot leuchten sehen. Wir schauen uns die Augen aus dem Kopf, können aber keine roten Punkte erkennen. Über dem Gipfel des Vulkans Kilauea ist ein ganz leichter roter Schimmer erkennbar, aber weder für den Fotoapparat noch für die Videokamera ist das darstellbar.
Frustriert sind wir um 23.30 Uhr zurück in der Kabine und im Bett. Morgen geht es früh raus.

nächster Tag

 

 

 

 



Klick für große Bilder:

Kalapana

Lavafeld

Reste des Ortes

Schwarzer Lavastrand

 

 

Painted Church

 

 

Innenraum der Kirche

 

 

Fast dreidimensional

 

 

Der Rainbow Fall

 

 

Akaka Falls Lookout

 

 

Der Akaka Fall

 

 

Orchidee

 

 

Bananenblüte