Anjas und Winfrieds Reiseseite
www.wurzelsreisen.de
 

 

Mit MS Statendam nach Hawaii

und franz. Polynesien 2013

28.09. bis 29.09.2013

Düsseldorf - Frankfurt - London - Vancouver

Wir bereiten uns wieder einmal auf eine sehr lange Anreise vor. Dass dieses Mal eine katastrophal lange Anreise daraus wird und es übermenschliche Anstrengung kostet, überhaupt rechtzeitig am Zielort Vancouver in Kanada anzukommen, können wir jetzt vor der Abreise noch nicht ahnen. Ich werde hier die Anreise auch nicht in allen Einzelheiten schildern. Das würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen aber auch die Kurzform hat es in sich.
Unser freundlicher und hilfsbereiter Nachbar Rainer kommt pünktlich wie vereinbart um kurz nach 8 Uhr und bringt uns mit dem Gepäck zum Hauptbahnhof nach Düsseldorf. Hier haben wir noch gut 45 Minuten Zeit bis der ICE 621 einfährt. Wir stehen im richtigen Abschnitt und so ist es auch nach dem Einstieg nur ein kurzer Weg zu unseren reservierten Plätzen im Wagen 25. Der Zug fährt pünktlich los und nach nur 75 Minuten inklusive einem kurzen Halt in Köln - Deutz sind wir genau um 10.26 Uhr im Fernbahnhof Frankfurt angekommen. Die Rolltreppe nach oben ist auch nicht weit, dann aber doch der Weg bis zu den Abflugschaltern. Da brauchen wir doch gut 30 Minuten von Terminal 1 bis nach Terminal 2 in den Bereich E und zum Schalter von British Airways.
Die Dame am Schalter ist ganz allein und sichtbar froh, etwas zu tun zu bekommen. Sie wiegt unsere Koffer und wir bekommen dann unsere Bordkarten. Es sind noch 3 Stunden bis zum Boarding und wir gehen zurück in den Zwischenbereich D in ein Cafe. Hier werden wir uns die nächste Stunde an einem Milchkaffee festhalten und die Zeit totschlagen. Gegen 12 Uhr brechen wir auf und besuchen die Toiletten. Danach werden an einem Gang unsere Bordkarten kontrolliert und wir suchen jetzt ein Restaurant in der Nähe des Gates. Da wir nicht sehr viel Hunger haben, bestellen wir 2 Cola und 2 Brezeln. Die kosten stolze 13 €uro, Flughafenpreise eben.
Gegen 13 Uhr sind wir die Warterei satt und stellen uns bei der Sicherheitskontrolle an. Hier ist nicht viel los, es sind nur 3 oder 4 Gates zu kontrollieren. Anja ist schnell durch, nur ich muss einem Kontrolleur in eine Kabine folgen. Er fingert mein SD-Kartenlesegerät aus der Zubehörtasche und reibt das nur 4 mal 4 Zentimeter große Gerät mit einem Tuch gründlich ab. Dann legt er den Stoff in ein Gerät und nach einigen Sekunden ertönt ein piepen. Es ist keine Bombe in dem kleinen Gerät vorhanden, wir sind beide enttäuscht. Der Mann hatte wirklich Langeweile und wollte wohl nur meine Kameraausrüstung bestaunen. So what!
Anja war schon lange durch und hat sich eine Illustrierte gekauft. Wir setzen uns um 13.15 Uhr an das Gate D 2 ganz am Ende des Flughafens und beobachten die parkenden Maschinen auf der Betonpiste. Hier gibt es keine Passagierbrücken, wir werden später wohl mit einem Bus zum Flieger fahren müssen. Nach einer langen Stunde Wartezeit kommt dann endlich die Crew unseres Fliegers und es wird wohl bald losgehen. Es dauert auch nicht sehr lange und der Aufruf zum Boarding ertönt aus den Lautsprechern am Gate. Wie erwartet müssen wir die Treppe runter und in einen Bus einsteigen. Der bringt uns zur Maschine, einem recht altersschwach aussehenden Airbus A319. Nach dem erklimmen der Gangway sitzen wir um 14.20 Uhr in Reihe 16 auf unseren Plätzen A + B. Und da sitzen wir um 14.40 Uhr immer noch, eigentlich sollten wir jetzt schon in der Luft sein. Fünf Minuten später erfolgt aus dem Cockpit eine Ansage: Es gibt eine kurze Verzögerung.
Anja fragt zweimal den stark übergewichtigen Purser der Maschine nach unserem Anschlussflug in Londen, bekommt aber nur ausweichende Antworten. Nach über einer Stunde, die wir langsam unruhig werdend in unseren Sitzen verbringen, beginnt endlich der Pushback. Erst 15 Minuten später steht der Airbus auf der Startbahn West am ganz entgegen gesetzten Ende des Flughafens und bekommt die Startfreigabe. Wir haben jetzt genau 90 Minuten Verspätung. Aber wir ahnen immer noch nichts Böses. Während des Fluges erfolgen auch noch mehrere Durchsagen, dass alle Passagiere ihre Anschlussflüge erreichen werden.
Gegen 16.30 Uhr gibt es einen Imbiss, der aus Wasser, Cola und einer Minitüte Studentenfutter besteht. Der Flug vergeht schnell und bereits um 17 Uhr sind wir im Anflug auf Heathrow. Wir müssen jetzt unsere Uhren um eine ganze Stunde zurück stellen, auf Englandzeit. Von jetzt ab haben wir noch genau eine Stunde bis zum Abflug nach Vancouver. Um 16.30 Uhr Londonzeit stehen wir abgehetzt an der Bordkartenkontrolle im Terminal 5 und haben eigentlich noch 45 Minuten bis zum Abflug nach Kanada Zeit. Das schaffen wir problemlos, denken wir. Aber die junge Muslimin mit dem Kopftuch ist da anderer Meinung. Sie schaut auf die Tickets und ruft irgendwo an. Dann der Schock. Das Gate sei geschlossen und wir sollen zum Reboardingschalter gehen. Es nützt alles nichts, es gibt für uns kein Weiterkommen. Wir sind in London Heathrow gestrandet. Ohne Koffer, nur mit unserem Handgepäck und einem ganz dicken Hals.
Was nun? Also erst einmal zum Reboardingschalter in Terminal 5 oberste Ebene. Hier stehen aber bereits über 200 Menschen, die ebenfalls gestrandet sind und die Schlange wird immer länger. Irgendwo hinter den Fenstern rollt unsere Maschine auf dem Weg nach Vancouver über die Rollbahn und wir werden das Schiff verpassen. Wie soll das weitergehen?
Ich werde hier abkürzen, der Bericht würde einfach zu lang. Ich habe in Deutschland beim Reiseveranstalter angerufen und erfahren, dass morgen früh eine Air Kanada Maschine nach Vancouver geht und wir sollen versuchen, darauf umzubuchen. Gegen 22 Uhr, also ganze 5 Stunden später, halten wir im Terminal 3 unsere Flugkarten für die Maschine nach Vancouver und einen Hotelgutschein in den Händen. Es war sehr mühsam und nur mit viel Druck und dem Hinweis auf den Ausfall einer sehr teueren Kreuzfahrt und Schadenersatzklagen zu erreichen. Wir fahren mit der U-Bahn zurück zum Terminal 5 und checken hier im Sofitel ein. Im Hotelrestaurant gibt es bis 23 Uhr sogar noch etwas zu essen und das schaffen wir dann auch noch. Wir bekommen sogar noch zwei frisch gezapfte Biere für unverschämte 15 €uro. Um 23.20 Uhr sind wir endlich total kaputt und geschafft in unseren Betten, eigentlich ist es für uns ja auch eine Stunde später.
Genau um 5.30 Uhr erfolgt der Weckruf. Wir duschen mit hoteleigenen Mitteln und ich habe glücklicherweise ein frisches Hemd und eine Garnitur Unterwäsche im Handgepäck. Wir frühstücken im Hotel und sind dann pünktlich um 8.50 Uhr in Terminal 3 am Schalter von Air Kanada. Wir checken ein und zittern um unser Hauptgepäck. Wird es gefunden und auch in die Maschine geladen oder ist es bereits gestern geflogen? Das ist aber seit 9/11 eigentlich nicht möglich. Wir bekommen keine genaue und abschließende Antwort hier am Schalter. Aber jetzt ist uns auch schon fast alles egal. Ich betrete schon mal die Maschine, es ist eine Boeing 777-300ER und wir sitzen ganz hinten in Reihe 54. Anja soll noch den Ramp Agent befragen, aber der meldet ein Computerproblem und so fliegen wir in unseren Gedanken ohne Gepäck nach Kanada.
Noch in der Luft stellen wir die Uhren 9 Stunden zurück und jetzt ist es genau 11 Uhr am Vormittag. Der Navigationsbildschirm zeigt noch 50 Minuten Flugzeit und so ganz langsam bereiten wir uns auf die Landung vor. Die erfolgt genau um 11.50 Uhr und wir gehen zur Einreisekontrolle. So eine lange Schlange haben wir hier in Vancouver noch nie erlebt. Es sind hunderte, wenn nicht tausende Chinesen rund um uns herum und die werden wohl besonders genau kontrolliert. Erst um 12.40 Uhr stehen wir am Band 32 und die Koffer der Fluggäste drehen bereits munter ihre Runden. Anja entdeckt sofort einen unserer Koffer und das andere Gepäckstück lässt auch nicht lange auf sich warten. Man hört ein sehr lautes Plumpsen quer durch die Halle. Fünf Minuten später sind wir hinter dem Zoll am Ausgang. Hier gibt es einen Servicestand der Schifffahrtslinie Holland Amerika Line und die nehmen uns nach der Kontrolle der Schiffskarten und der Angabe der Kabine unsere Koffer direkt wieder ab. Das war jetzt aber eine sehr kurze Wiedersehensfreude mit unserem Gepäck.
Hinter einer weiteren Tür wartet ein Tscheche auf uns und noch zwei weitere Familien. Er hat den Auftrag, die in London zurückgelassenen Passagiere schnell zum Schiff zu bringen. Er hat einen Kleinbus und gibt was der Verkehr von Vancouver so fahrerisch zulässt. Die Fahrt dauert gute 45 Minuten und wir sind um 14.05 Uhr am Kanada Place. Überraschung: Auch die Westerdam, ein weiteres Schiff von HAL,  liegt hier und wir müssen uns erst einmal orientieren. Und dann erfolgt die lange Prozedur, in die USA einreisen zu dürfen. Wir haben bereits in Deutschland per Internet das vorgeschriebene ESTA-Formular ausgefüllt und nach Bezahlung auch die Bestätigung erhalten. Wir dürfen also einreisen, denn wenn wir das Schiff betreten, sind wir offiziell in die USA eingereist und aus Kanada ausgereist. Wir dürfen dann das Schiff auch nicht mehr verlassen. Dass Prozedere hier vor dem Schiff dauert noch einmal fast eine ganze Stunde. Da ist zuerst die Sicherheitskontrolle, dann die Einreisekontrolle, danach die Gesundheitskontrolle mit Ausfüllung eines endlos langen Zettels und danach erfolgt erst die Prozedur des Boardings. Nach 55 Minuten halten wir dann endlich unsere Kabinenkarten in der Hand und dürfen auf das Schiff. Da wir im Flieger kaum geschlafen haben, sind wir jetzt nach der kurzen Nacht und der Zeitverschiebung richtig platt.
Auf Deck 9 finden wir unsere Balkonkabine 113 und dieser schöne große Balkon zeigt genau auf den Canada Place. Wir sehen uns nur kurz um und hauen uns erst einmal 15 Minuten auf das Bett. Schlafen dürfen wir nicht, gegen 16 Uhr soll es bereits die Rettungsübung geben und danach soll die Reise losgehen. Nach 15 Minuten packen wir erst einmal unser Handgepäck aus und räumen das Badezimmer ein. Um 16 Uhr erfolgen die ersten Töne der Rettungsübung, diese sind aber nur für die Crew. Dann, um 16.15 Uhr, erfolgen die international genormten Töne, 7-mal kurz und 1-mal lang, für die Rettungsübung der Passagiere. Wir stürmen (das ist jetzt übertrieben) aus der Kabine, gehen 3 Decks nach unten und postieren uns in Reih und Glied unter dem uns zugewiesenen Rettungsboot 03. Die Amerikaner, das ist der sehr große Teil der Passagiere, verhalten sich in so einer Situation wie die kleinen Kinder. Aber dazu später auf der Reise mehr. Nachdem unsere Kabinennummer als anwesend notiert wurde, gab es noch einen militärischen Drill. Männer nach hinten, Frauen nach vorne und in Grundstellung auf den Offizier warten. Glücklicherweise ist dieses Theater nach 30 Minuten vorbei und wir dürfen wieder 3 Decks hoch in unsere Kabine.
Hier haben wir zum ersten Mal ein kleines Lächeln auf unseren Gesichtern. Die Koffer sind da. Wir machen uns gleich darüber her und räumen sie aus und unsere Kleidung ein. Platz gibt es genug in den Schränken und die leeren Koffer passen sogar unter die Betten. Eigentlich sollte das Schiff schon längst abgelegt haben, aber es rührt sich nicht von der Pier am Canada Place weg. Um 17.40 Uhr erfolgt eine Durchsage von der Brücke und vom Kapitän höchstpersönlich. Auf dem Pazifik tobt ein Sturm und die Reederei hat beschlossen, beide HAL-Schiffe noch am sicheren Canada Place liegen zu lassen. Na toll, da war die ganze Mühe mit der Flugumbuchung also umsonst. Mit der späten Nachmittagsmaschine hätten wir das Schiff auch noch erreicht. Das kann aber in London einen Tag vorher niemand wissen.
Da wir die späte Tischzeit gewählt haben, können wir uns jetzt Zeit lassen. Wir duschen und Anja macht sich die Haare. Später erfolgt noch eine Durchsage der deutschen Reiseleitung, dass der Ausflug in San Francisco gestrichen wird, da das Schiff diese Stadt nicht anlaufen wird. Es muss den fehlenden Seetag kompensieren. Wir sind jetzt einigermaßen wieder in ansehbarem Zustand und unternehmen einen ersten Orientierungsgang über das Schiff. Viel bekommen wir nicht mit, dafür sind wir viel zu kaputt. Umgerechnet ist es jetzt um fast 20 Uhr bereits 4 Uhr früh des Folgetages und wir hatten letzte Nacht nur fünf Stunden geschlafen.
Um 20 Uhr sind wir das erste Mal im Restaurant an unserem Tisch, an dem wir die nächsten 5 Wochen unser Abendessen einnehmen werden. Es ist ein Tisch für 6 Personen und es sitzen ein Ehepaar und zwei ältere Damen daran. Wir stellen uns kurz vor und warten gemeinsam auf die Tischkellner. Sehr viel Hunger haben wir nicht und so bestellen wir uns nur Kleinigkeiten. Auf das Dessert verzichten wir beide und entschuldigen uns mit dem Hinweis auf unsere lange Anreise bereits kurz vor 21 Uhr.
Kaum sind wir in der Kabine, ziehen wir die Vorhänge zu und huschen in unsere Betten. Nach nur wenigen Sekunden sind wir eingeschlafen. Diese zwei Tage werden wir sehr lange nicht vergessen.

nächster Tag

 

 

 

 



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Abfahrt in Düsseldorf

Fluginformationen

Am Abfluggate

Betonwarteschleife

 

 

Rollbahn mit A 380

 

 

Fluginformationen 1

 

 

Fluginformationen 2

 

 

Anflug auf London

 

 

Endlich in der Kabine

 

 

Canada Place

 

 

Unser Gepäck ist da

 

 

Rettungsübung Deck 6

 

 

Zählappell auf Deck 6

 

 

Die Westerdam

 

 

Blick auf Vancouver