Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Mit MS Hamburg in

arktische Regionen 2013

Sonntag 21.07.2013

Grönland - Ilulissat / Jakobshavn

Es ist 3.50 Uhr in der Nacht und ich muss auf die Toilette. Bevor ich mich wieder ins Bett lege, lupfe ich kurz das Rollo und werfe einen Blick nach draußen. Es durchzuckt mich wie ein Blitz. Das darf ich mir nicht entgehen lassen. Schnell werfe ich mich in die Klamotten, ziehe meine warme Mütze aus Ny Alesund über die Ohren und stürme mit Kamera und Stativ noch halb schlaftrunken hinauf auf Deck 6. Nur etwas 4 Passagiere und Klaus Kiesewetter, der Lektor, stehen hier oben an der Reling über der Schiffsbrücke. Es ist ein fantastischer Anblick. Blauer, wolkenloser Himmel und eine tief stehende Mitternachtssonne, die die Landschaft um uns herum in ein weiches, weißes Licht taucht. Die See in der Diskobucht ist spiegelglatt und MS Hamburg gleitet in langsamer Fahrt durch zahlreiche Eisberge. Von kleinen Brocken über mittelgroße Klumpen bis hin zu mächtigen Kathedralen aus Eis ist alles dabei. Ein solches Glück hat man garantiert nur bei ganz wenigen Schiffsfahrten hier oben. Ich filme was das Zeug hält. Einziger bitterer Tropfen wird später die Qual der Auswahl der schönsten Szenen werden. Eigentlich ist jede Aufnahme toll.
Gegen 4.45 Uhr bin ich zurück in der Kabine und ziehe mich wieder um. Anja blinzelt unter ihrer Decke hervor und ich berichte kurz von der Szenerie draußen. Ich kann noch 1 Stunde schlafen, da meldet sich Anja. Sie möchte wohl auch etwas sehen und wir gehen gemeinsam hoch auf Deck 6. Jetzt sind bereits mehr Passagiere hier oben und filmen und fotografieren. Mir fällt auf, dass es jetzt viel weniger Eisberge um das Schiff gibt als noch vor 2 Stunden. Besonders die ganz großen Brocken sind nicht mehr da. Kurz vor 6 Uhr greifen wir uns ein warmes Croissant und nehmen eine Tasse frischen Kaffee. Zurück in der Kabine ruhen wir noch etwas, bevor wir dann um 7 Uhr zum Frühstück ins Restaurant gehen.
Ab 7.30 Uhr soll eigentlich nach Ilulissat getendert werden, aber es passiert erst einmal nichts. Dann die erste Durchsage über die Schiffslautsprecher. Ein strammer Westwind hat die Eisberge vor Ilulissat zu einer Barriere zusammengeschoben und MS Hamburg kann die letzten 7 Seemeilen nicht durchfahren. Auch die Tenderboote mit den ungeschützten Propellern sollen nicht fahren, es ist für diese Boote zu weit. Man verhandelt per Funk und Telefon darüber, ob es kleine Boote mit eisverstärktem Rumpf und geschützten Propellern aus Ilulissat durch die Barriere zur Hamburg schaffen und die Fahrten von hier aus durchführen. Das kann aber noch dauern.
Es beginnt ein Chaos mit Durchsagen und Richtigstellungen. Die Bootsfahrt zum Kangia Gletscher wird insgesamt 2 Stunden dauern und die angekommenen 4 Boote können nur wenige Passagiere mitnehmen. Also werden die Bootsnummern umorganisiert und wir sind jetzt Boot Nummer 5 zugeteilt. Und da nur 4 Boote hier draußen gleichzeitig fahren, müssen wir genau diese 2 Stunden warten.
Wir sitzen mit den Franken in der Weinstube und lauern auf die nächsten Durchsagen. Endlich, um 10.45 Uhr, ist unsere Bootsnummer dran. Wir stürmen hinunter auf Deck 1, müssen aber warten. Das kleine Boot versucht noch, an der Hamburg festzumachen. Bei langer Dünung ist das scheinbar nicht so einfach, ist doch der Ausstieg aus dem Boot sehr schmal. Dennoch gelingt das Manöver und die Passagiere der ersten Tour steigen aus. Es ist jetzt 11.05 Uhr und schon deutlich wärmer. Das späte Fahren hat also doch seinen Vorteil.
Der Bootsfahrer gibt ordentlich Gas und unsere MS Hamburg wird rasch kleiner. Sie bietet aber zwischen den Eisbergen und vor dem blauen Himmel ein tolles Bild. Die Fahrt zum Gletscher ist nicht zu beschreiben. Der Eindruck ist einfach gewaltig und das Wetterglück enorm. Deshalb müssen die Bilder und Fotos für die Szenerie sprechen.
Der Eisfjord (grönländisch: Kangia) liegt direkt neben der Ortschaft Ilulissat und ist 40 Kilometer lang und 7 Kilometer breit. In dem Fjord befindet sich der Gletscher Sermeq Kujalleq und der zählt zu den aktivsten der Erde. Seine Fließgeschwindigkeit beträgt 20 Meter am Tag und er produziert 35 Kubikkilometer Eis jedes Jahr. Am meerseitigen Ende des Fjordes befindet sich jedoch unterhalb des Meeresspiegels in 200 Metern Tiefe eine Moränenablagerung, an der die großen Eisberge stecken bleiben. Hier bleiben sie liegen, bis sie entweder genug abschmelzen oder von nachdrückenden Eisbergen zerbrochen werden. Und an genau diese Grenze bringt uns unser einheimischer Bootsfahrer.
Es ist wirklich ein gewaltiger Anblick dieser riesigen Kathedralen aus Eis. Man bekommt jetzt schon eine ungefähre Vorstellung davon, warum die Titanic keine Chance hatte. Der Eisberg, mit dem sie am 14. April 1912 auf ihrer Jungfernfahrt gegen 23.40 Uhr kollidierte, soll von diesem Gletscher gekalbt haben. Die Gräber einiger der bedauernswerten Opfer und einige Wrackteile konnten wir 2010 in Halifax besichtigen. Unser Boot kurvt 2 Stunden durch die Eisberge und bringt uns dann zur MS Hamburg zurück. Das Anlegen ist erneut schwierig, aber um 13.25 Uhr sind wir zurück an Bord der Hamburg.
Nachdem wir uns umgezogen haben gibt es im Restaurant Kalbsleber mit Kartoffelpüree und danach um 14.29 Uhr einen Mittagsschlaf. Der tut jetzt auch gut, die letzte Nacht war kurz und der Ausflug in die Natur hat ebenfalls müde gemacht. Ich habe den Wecker auf 16 Uhr gestellt, bin aber noch müde. Anja hat auch keine Lust aufs Aufstehen und wir bleiben noch bis 17 Uhr unter den warmen Decken liegen. MS Hamburg hat bereits wieder die Motoren angeworfen und ist unterwegs nach Sisimiut.
Um 18 Uhr sind wir dann im Palmgarten und ich kopiere die Daten in den Rechner. Unsere Franken stoßen gegen 18.30 Uhr zu uns und wir schwärmen gemeinsam über die tolle Fahrt und das tolle Wetter. Danach gehen wir wie immer um 19 Uhr ins Restaurant und müssen uns mit sehr kleinen Portionen zufrieden geben. Ich unke am Tisch, die Vorräte seien alle und morgen gibt es nichts mehr. Aber vielleicht will man von der Restaurantleitung, dass wir später auch noch Hunger haben. Um 22 Uhr soll es das große Nachtischbuffet geben.
Wir ziehen uns mit den Franken in die Weinstube zurück. Hier wird erzählt und gehopft. Um 22.30 Uhr schlendern wir hinüber zum Palmgarten und zum großen Nachtischbuffet. Vor der üblichen Plünderung dürfen wir es noch filmen und fotografieren. Dieses Unterfangen ist dennoch sehr schwierig. Die tief stehende Sonne blendet überall und durch die Spiegel und andere glänzende Flächen hat man überall Gegenlicht. Außerdem ist jetzt bereits so ein Andrang, als hätten die anderen Passagiere heute noch nichts zu essen bekommen. Wir machen uns aus dem Staub und gehen zurück in die Weinstube. Hier herrscht wohltuende Ruhe und wir sitzen gemütlich mit Cocktail, Bier und Rotwein zusammen.
Anja geht um 23 Uhr noch mal kurz den Weg zum Palmgarten hinüber und bringt ein paar Stücke Kuchen mit. Fazit: Verpasst haben wir nichts. Ich mache noch ein paar schöne Aufnahmen von der Mitternachtssonne und um 0.30 Uhr ist Bettruhe.

nächster Tag

 

 

 

 



Klick für große Bilder:

Eisbarriere

MS Hamburg vor Ilulissat

Eisberge 1

Ausflugsboot

 

 

Anja und Eisberge

 

 

Eisberge 2

 

 

Nachtischbuffet

 

 

Lustige Spielrunde

 

 

Mitternachtssonne