Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Mit MS Hamburg in

arktische Regionen 2013

Samstag 20.07.2013

Grönland - Qeqertarsuaq / Godhavn - Diskobucht

Langsam, ganz langsam nähert sich unsere Reise nicht nur ihrem Ende, sondern auch ihrem Höhepunkt. Wir haben bereits in der Nacht den Polarkreis nordwärts überquert und MS Hamburg steuert auf die Diskoinsel zu.
Gefrühstückt wird wie immer gegen 8 Uhr und danach gehe ich direkt zur Rezeption. Hier werden die Karten für den Folgetag ausgegeben. Wir werden von Ilulissat aus mit kleinen Booten in den Eisfjord und zum Kangia Gletscher fahren. Ich bekomme gerade noch 2 Karten für das Boot Nummer 7. Danach gehe ich zu den Anderen hoch in die Weinstube. Der Herr aus Frankfurt hat schon wieder meine Steckdose und ich benutze den großen Tisch neben der Theke an der Bar zum Überspielen meiner Daten auf den Computer. Um 10 Uhr treffen wir uns in der Lounge zum Vortrag von Klaus Kiesewetter über Qeqertarsuaq. So heißt die Diskoinsel in der Landessprache und auch der Hauptort, wo wir heute am späten Abend an Land gehen werden.
Um 10.45 Uhr besuche ich Petr in seinem Videostudio ganz unten auf Deck 1, das gleichzeitig auch das Fotolabor der Bordfotografin ist. Sein Equipment ist jetzt hoch modern und er produziert in HD. Noch auf der Columbus hat Videomann Albin Kiechle vor 2 Jahren mit einer 10 Jahre alten Canon MX 2 und in DV gefilmt. Da liegen Welten für einen Videofilmer dazwischen. Und jetzt ist bereits das neue 4K auf dem Vormarsch. Dieses Format braucht aber noch ein paar Jahre, bis sich alle passenden Geräte verbreitet haben.
Nach der Fachsimpelei im Videostudio gehe ich hoch auf Deck 6 zu Anja und den Franken. Es ist trotz strahlenden Sonnenscheins sehr kalt hier oben auf dem offenen Pooldeck. Um 11 Uhr beginnt die Deckparty "Kirmes, Kirmes", dennoch ist es uns einfach zu kalt und wir verziehen uns wieder. Es dauert noch 25 Minuten bis zum Mittagessen und die verbringen wir lieber in der warmen Kabine. Gegen 12 Uhr sind wir im Restaurant und ich nehme den Linseneintopf aus der Mannschaftsküche, der wie immer schmeckt. Ich möchte hier einmal meine ganz persönliche Meinung über das Essen auf einem Kreuzfahrtschiff erklären. Die ersten Tage ist es toll. Mittags 3 Gänge und abends 3 Gänge, meistens sogar noch mit Zwischengerichten. Da haut man rein, was der Magen aufnehmen kann, ohne das es einem schlecht wird. Wie gesagt, das ist jetzt sehr subjektiv. Aber nach einigen Tagen wird es immer weniger und nach der Hälfte der Reise weiß man gar nicht mehr, was man überhaupt essen soll und man ist mit den einfachsten Speisen schon zufrieden. So geht es mir jedenfalls und das berichten auch andere Kreuzfahrer, die wir kennen.
Nach der Mittagsruhe gehen Anja und Bruno um 15 Uhr hoch in den Palmgarten und spielen Bingo. Bruno hat das noch nie gespielt, aber da er grundsätzlich gerne spielt, probiert er Bingo natürlich aus. Entweder hat er Anfängerglück oder er ist tatsächlich ein begnadeter Spieler, Bruno räumt den Jackpot mit 80 €uro ab. Ich hatte mich etwas hingelegt, weil der Landgang heute erst spät stattfindet. Mir ist die letzten Nächte ein andauerndes Schlagen gegen Metall aufgefallen, das teilweise so laut ist, das man davon aufwacht. Ich ziehe mich an und versuche, von Deck 6 aus etwas zu erkennen, das gelingt aber nicht.
Um 16 Uhr ist das Bingo vorbei und im Palmgarten gibt es Kaffee und einen Eierkuchen mit Vanillesauce. Anschließend gehen wir in die Lounge zu einem Vortrag mit Heike Fries über die Eisbergallee. Anja zieht sich auf die Kabine zurück, ihr ist leicht übel. Das Schiff schwankt auch wieder leicht, weil es jetzt ein Stück offene See bis zur Diskoinsel überqueren muss.
Bereits um 18.30 Uhr gibt es heute das Abendessen, weil wir gegen 19.45 Uhr die Insel und den Ort Qeqertarsuaq erreichen sollen. Es gibt ein Hirschkeulencarpaccio und danach ein Curryhuhn. Das hat Chefkoch Omprakash sicher nach dem gleichen Rezept kochen lassen wie bei seiner Vorführung in der Lounge. Jedenfalls hat das Abendessen heute geschmeckt.
Wie angekündigt liegt MS Hamburg um 19.45 Uhr vor der Südspitze der Diskoinsel und vor dem Ort Qeqertarsuaq. Wir warten in den warmen Sachen in unserer Kabine, als endlich um 20.45 Uhr die blaue Gruppe zu den Tenderbooten gerufen wird. Die Überfahrt in den kleinen Fjord dauert 10 Minuten und dann betreten wir den Boden der Diskoinsel. Noch so ein kleiner Traum, der sich für uns erfüllt. Ja, Reisen kann so schön und befriedigend sein.
Qeqertarsuaq, dänisch Godhavn, ist eine Siedlung mit nur 850 Einwohnern und der Hauptort auf der Diskoinsel. Der Name der Insel leitet sich nicht von ihrer Scheibenform ab, sondern bedeutet in der Landessprache "große Insel". Wir beginnen in dem kleinen Hafen und wenden uns zuerst nach links und gehen einen kleinen Hügel hinauf. Von hier oben hat man einen schönen Blick über die überschaubare Siedlung mit den bunten Häusern. Es wurde eine Wanderung zu einem Wasserfall und einem Berg mit den Lektoren angeboten. Da unsere blaue Gruppe aber als letzte Gruppe getendert wurde, sind die anderen Passagiere und die Lektoren bereits unterwegs und weg. So bleibt uns nur, den Ort auf eigene Faust zu erkunden. Organisation geht anders, aber da uns hier im Ort bereits zahlreiche Mücken zu schaffen machen, sind wir andererseits auch froh, in der Wildnis außerhalb des Ortes nicht von den Plagegeistern aufgefressen zu werden. Wir sehen eine tolle Bucht mit festliegenden Eisbergen nahe am Ort, einige ältere Männer, die erzählend zusammensitzen und die jungen Schlittenhunde an den Häusern ihrer Besitzer. Und wir sehen die Dorfjugend, die in einem Tümpel hinter dem Strand ins Wasser geht. Und das bei 3 Grad Wassertemperatur und 7 Grad Lufttemperatur. Brrrr.
Wir laufen den unteren Weg zurück zum Hafen und kommen noch am Diskohotel vorbei. Ob das sich hier lohnt? An der Landestelle haben zwei Inuitfrauen einen kleinen Stand mit Handarbeiten aufgebaut. Es ist fast alles aus Wal- oder Robbenknochen gefertigt, was die Frauen anbieten und es stellt sich wieder die Frage nach dem Artenschutzabkommen und den hohen Strafen, wenn man solches Schnitzwerk einführt. Deshalb kaufen wir leider nichts, obwohl sehr schöne und auch preiswerte Stücke dabei sind, und steigen genau um 22 Uhr in das bereit stehende Tenderboot ein.
Auf der Überfahrt gelingen mir noch sehr schöne Videoaufnahmen. Die Mitternachtssonne steht halbhoch, verschwindet aber langsam hinter den Bergen der Bucht. Je näher wir dem Schiff mit dem Tenderboot kommen, um so mehr zeigt sie sich wieder und taucht die ganze Szenerie in ein grandioses weißes, aber sanftes Licht. Beim Filmen des näherkommenden Schiffes entdecke ich ein dickes Seil, das von der vorderen Back am Rumpf unterhalb unserer Fenster bis zur Einbuchtung mit den Tenderbooten gespannt ist. Bei Schiffsbewegungen muss dieses Seil die störenden und schlagenden Geräusche abgeben. Das sollte ich morgen melden.
Gegen 22.10 Uhr sind wir an Bord und auf Deck 6 in der Weinstube. Mein Akku ist voll und ich überspiele hier bereits jetzt meine Daten von heute. Unsere Franken kommen auch und wir nehmen heute gemeinsam den Mitternachtssnack ein.
MS Hamburg verlässt kurz vor Mitternacht den Ort Qeqertarsuaq und steuert bei hellem Sonnenschein hinaus in die Diskobucht. Es ist ein wirklich unbeschreibliches Panorama, was sich vor dem Schiff auftut. Wir sind sehr gespannt auf Morgen und gehen um 0.30 Uhr zu Bett.

nächster Tag

 

 

 

 



Klick für große Bilder:

Karte Diskoinsel

Erste Eisberge

Tenderboot

Wegweiser

 

 

Lange Schatten

 

 

Das Disko Hotel

 

 

Schlittenhunde

 

 

Alte Männer

 

 

Tolle Szenerie

 

 

Hafen in Qeqertarsuaq