Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Mit MS Hamburg in

arktische Regionen 2013

Sonntag 14.07.2013

Island - Isafjördur - Walbeobachtung

Dieser Tag beginnt wie mittlerweile jeder Tag auf einer Kreuzfahrt. Zuerst ins Badezimmer und dann ins Restaurant zum Frühstück. Um 7.50 Uhr gehe ich mit Kamera hoch auf Deck 6 und filme das Anlegen in Isafjördur. Die Stadt hat etwa 3600 Einwohner und liegt an einem Seitenarm des Fjordes Isafjardardjup. Was auffällt ist, dass sich der Ort durch Aufschüttung einer Sandbank weit in den Fjord ausgedehnt hat. Dadurch entstand ein relativ geschützter Hafen für die kleineren Schiffe. Auch hier wurden die umliegenden Berge in der letzten Eiszeit abgeschliffen und rücken ganz nah an den Ort heran.
Gegen 8.30 Uhr erfolgt die Freigabe des Schiffes durch die örtlichen Behörden und wir machen uns für den Landgang fertig. Aber wir sitzen noch gut eine Stunde bis 9.30 Uhr im Palmgarten herum, ehe unsere Gruppe aufgerufen wird. Wir können beobachten, dass die Busse mit den Inselrundfahrten schon lange abgefahren sind. Wir gehen die Gangway hinunter und die Lektorin Heike Fries geleitet uns zu zwei kleinen Booten auf der anderen Seite des Piers. Die ca. 30 Personen starke Gruppe wird auf 2 Boote verteilt und wir dürfen einsteigen.
Es ist genau 10 Uhr und die Bootsfahrt zur Insel Vigur beginnt. Es sind zwei Schnellboote mit kleiner Kabine und die Bootsführer geben von Anfang an ordentlich Gas. Genau kann ich es nicht schätzen, aber über 30 Knoten werden es schon sein. In brausender Fahrt geht es immer an der Küstenlinie entlang in Richtung Norden. Wir erkennen die Küstenstraße und einen der Ausflugsbusse, die gerade einen Fotostopp einlegen. Nach 30 Minuten erreichen wir die Vogelinsel Vigur.
Sie ist nur 0,6 Quadratkilometer groß und es befindet sich nur ein einziger Hof hier auf der Insel. Dieser Hof existiert seit dem Mittelalter und wird mittlerweile seit 170 Jahren von derselben Familie bewirtschaftet. Das gilt vor allem für die Betreuung und Nutzung der zahlreichen Eiderenten, deren teuere Daunen hier auch verarbeitet werden. Auf der Insel nisten auch zahlreiche andere Vögel wie Papageitaucher, Küstenseeschwalben und Gryllteisten.
Wir verlassen an der Anlegestelle das Boot und nachdem auch die Passagiere des zweiten Bootes an Land sind, erhalten wir eine Erklärung über das Verhalten auf der Insel. Da gibt es doch einiges zu beachten, sie ist ein kleines Naturschutzjuwel. Zuerst werden wir einen Hügel hinauf zu einer alten Windmühle geführt. Sie stammt aus dem Jahr 1840 und war noch bis 1917 in Benutzung. Das blau angestrichene Bauwerk ist die einzige, noch erhaltene Windmühle auf Island und steht unter Denkmalschutz.
Keine 10 Meter von der Mühle entfernt ragt ein großer Stein aus der Uferböschung hervor und hierauf tummeln sich eine ganze Schar Papageitaucher. Sie sind so nah, dass man diese putzig und lustig aussehenden Vögel gut fotografieren und filmen kann. Das hätten wir uns vorher nicht zu träumen gewagt. Glücklicherweise haben wir unsere Aufnahmen im Kasten, als ein alter Mann, wohl weil er einen Fotoapparat hat, der noch älter ist als er selbst, so nah an die Vögel heran geht, bis ihre Fluchtdistanz unterschritten ist und sie wegfliegen. Solche Trottel, die ohne nachzudenken agieren, gibt es aber in fast jeder Reisegruppe. Er handelt sich auch prompt laute und teilweise aggressive Kommentare mancher Gruppenmitglieder ein.
Wir gehen weiter, müssen uns aber vorher noch einen der ca. 1,2 Meter langen Holzstäbe nehmen, die neben der Windmühle liegen und an denen oben ein dreieckiges Fähnchen angebracht ist. Wir müssen jetzt einem kurz gemähten, zwei Meter breiten Pfad folgen und dürfen auf gar keinen Fall in das hohe Gras gehen. Wir betreten das Brutgebiet der Küstenseeschwalben. Wie schon in Ny Alesund beschrieben, bauen diese Vögel keine Nester und legen ihre Eier auf den nackten Boden und bebrüten sie auch dort. Das ist wohl auch kein Wunder, haben diese tapferen Vögel eine fast 30.000 Kilometer lange Anreise aus antarktischen Gebieten hinter sich gebracht. Da bleibt nicht viel Kraft und Zeit für einen aufwändigen Nestbau. Als wir einige Meter in das Brutgebiet zurücklegen, wird uns langsam auch der Sinn der Holzlatte klar. Aus dem Gras neben dem Weg steigen sofort zahlreiche Vögel auf und beginnen, unseren Kopf zu attackieren. Wir halten die Latte hoch und ab und zu ist auch ein kleiner Hieb an der Grifffläche zu spüren. Der Trottel von vorhin fällt natürlich erneut auf. Er hält, wie vorher deutlich gesagt wurde, den Stab nicht ruhig über den Kopf, nein, er wedelt damit wild in der Luft herum, um die Vögel zu verscheuchen. Wie leicht kann er mit der Latte einen der brütenden Vögel verletzen und dann ist das Küken in Gefahr. Wieder gibt es lautstarke Proteste aus der Gruppe.
Ich habe Glück. Ich entdecke ein kleines Kücken im Gras, was sich nicht rührt. Das darf es auch nicht, denn wenn der Elternvogel nicht da ist, wäre es eine leichte Beute und für Fressfeinde durch die Bewegung gut erkennbar. Da ich aber ein reichhaltiges Frühstück hatte, bin ich nur an einer schönen Aufnahme des Winzlings interessiert. Danach halte ich die Videokamera an die Holzlatte und senkrecht nach oben. Dadurch kann ich einige sehr schöne Aufnahmen von den anfliegenden Vögeln und ihren Schnabelhieben machen. Auf dem Rückweg kommen wir noch an einer kleinen Kolonie Gryllteisten vorbei, die ebenfalls ihrem Brutgeschäft nachgehen, dabei aber sehr friedlich sind.
Um 11.30 Uhr erreichen wir den Hof der Familie. Da die andere Gruppe in der Eiderentenstation zu einer Besichtigung ist und es nicht so viel Platz für alle gibt, gehen wir auf Einladung der Hausherrin ins Wohnhaus. Hier sind bereits zahlreiche Tische für uns gedeckt und wir bekommen heißen Kaffee. Am Buffet dürfen wir uns auch Kuchen geben lassen. Es wird Rhabarber- und Zimtkuchen angeboten sowie kleine Teilchen aus Mutzenmandelteig. Alles schmeckt sehr lecker und wir sind nach dem Kaffee auch froh, die Restrooms benutzen zu dürfen. Langsam kommt die andere Gruppe in das Wohnhaus und jetzt gehen wir hinüber zu den Eiderenten. Vorher werfen wir noch einen Blick in den kleinen Souvenirshop. Eine kleine Plüschpuppe als Papageitaucher gefällt mir so gut, dass ich sie gleich kaufe und Anja schenke. Die mag solche Figuren und jetzt hat sie nicht nur den Eisbären aus Ny Alesund.
Die Vorführung bei den Eiderenten ist sehr interessant, weil man selbst gar keine Vorstellung hat, wie viel Arbeit es ist, die Daunen der Vögel aus den Nestern, die über die gesamte Insel verstreut sind, einzusammeln und zu reinigen, ehe sie in den Verkauf kommen können. Ich kann noch ein Küken der Eiderente unter einer Wärmelampe filmen und eine Gryllteiste mit einem Sandaal im Schnabel. Tolle Ausbeute für einen Hobbyfilmer am heutigen Tag. Aber der schönste Ausflug geht einmal zu Ende und wir gehen um 12.15 Uhr wieder an Bord des kleinen Bootes. Die Rückfahrt dauert wieder 30 Minuten und um 12.45 Uhr erreichen wir den Hafen in Isafjördur.
Auf dem Fußweg zum Schiff kommen wir noch an einer Fischfabrik vorbei und vor dem großen Tor stehen einige offene Behälter mit frisch gefangenen Fischen. Das meiste ist wohl Kabeljau und diese Fische sind mächtig groß. Diese Exemplare landen garantiert in keinem deutschen Fischgeschäft. Es gibt an der Anlegestelle eine kurze Zugangskontrolle und ich gehe zuerst wieder zum Bug. Hier stehen die Berge so dicht zusammen, dass ich einige schöne Aufnahmen von der Hamburg machen kann. Danach gehen wir an Bord und ziehen uns kurz zum Mittagessen um. Es gibt Leberkäse mit Bratkartoffeln und danach eine Amarettocreme. Das konnte man ganz gut essen, sonst hätte ich es nicht erwähnt. Danach halten wir, erschöpft von der vielen frischen Luft, einen kurzen Mittagsschlaf und sind danach um 16 Uhr auf Deck 6 auf einen Kaffee. Hier treffen wir Roland und unterhalten uns bis 17 Uhr.
Ich gehe zur Rezeption, es gibt erneut Karten für einen Tagesausflug. Ich bin rechtzeitig da und stehe ganz vorn in der Schlange. Bruno kommt vorbei und ich nehme seine Vouchers. So braucht er sich nicht anzustellen und wir sitzen morgen gemeinsam in Bus Nummer 1 für die Rundfahrt "Der goldene Kreis". Nach der Rezeption gehe ich wieder hinauf auf Deck 6 und treffe hier auf eine lustige Runde. Martha, Bruno, Roland und Anja hocken zusammen an einem großen Tisch in der Sonne und quatschen. Ich geselle mich hinzu, gebe Bruno die Buskarten und bestelle erst einmal ein Bier.
Um 18.15 Uhr sind wir zurück in der Kabine und duschen. Danach gehen wir um 19 Uhr zum Abendessen. Auch heute schmeckt das Essen wie aufgewärmt. Der Verdacht kommt auf, als seien die Speisen tatsächlich vorproduziert, eingefroren und dann in einem Dampfgerät erwärmt. Es ist zwar bereits zwei Jahre her, aber das Essen auf der Columbus war bei gleichem Preis für die Fahrt um vieles besser. Den Abend beschließen wir gemeinsam mit den Franken in der Weinstube. Anja spielt Rummicup, ich sichte und überspiele die Kameradaten. Um 23 Uhr gehen wir noch auf ein Bier in den Palmgarten. Da hier aber auch tote Hose ist, sind wir zeitig im Bett.

nächster Tag

 

 

 

 



Klick für große Bilder:

Boot nach Vigur

Örtliche Reiseleiterin

Historische Windmühle

Papageitaucher

 

 

Papageitaucher

 

 

Brutgebiet

 

 

Küstenseeschwalbe

 

 

Kücken der Seeschwalbe

 

 

Daunen der Eiderente

 

 

Gryllteiste mit Sandaal

 

 

MS Hamburg

 

 

Lustige Runde auf Deck 6