Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Mit MS Hamburg in

arktische Regionen 2013

Donnerstag 11.07.2013

Jan Mayen / Norwegen

Heute ist erneut ein Seetag - zumindest ein halber. Wir sollen die Vulkaninsel Jan Mayen am frühen Nachmittag erreichen. Also werden wir zuerst frühstücken und danach in der Fotogalerie nachsehen, ob es bereits Bilder vom Kapitänscocktail mit uns gibt. Um 10 Uhr sitzen wir wieder in der Lounge und lauschen den Vorträgen der Lektoren. Klaus Kiesewetter berichtet über die zufällige Entdeckung der Insel Jan Mayen durch Walfänger. Heike Fries erklärt danach sehr anschaulich und mit lockerer Zunge die vulkanische Entstehung dieser Insel und ihre klimatischen Besonderheiten. Die Vorträge dauern insgesamt 45 Minuten und Anja hört sich danach noch eine Werbeveranstaltung der Bordärzte über Kavitation an. Mich tangiert dieses Thema nun überhaupt nicht und ich gehe zu dem Ehepaar aus der Nähe von Frankfurt in den Palmgarten und fachsimple mit dem Hobbyfilmer Peter über unsere Kameras.
Gegen 11.50 Uhr treffe ich wieder auf Anja und unsere Franken. So wird bis zum Mittagessen noch ein wenig geratscht und das Schiff erreicht jetzt bereits die Nordostspitze von Jan Mayen. Sehen können wir die Insel noch nicht, sie ist wie ein Nebelgeist in demselben verborgen. Um 12.30 Uhr gibt es das Mittagessen im Restaurant. Hervorzuheben ist lediglich der Nachtisch: Das Walnussparfait.
Bis 15 Uhr halten wir eine Mittagsruhe und gehen dann auf Deck 6. Unterhalb der Nebelgrenze können wir Land erkennen. MS Hamburg liegt vor Jan Mayen. Also eilen wir zurück in die Kabine und machen uns für die Ausbootung fertig. Um 15.40 Uhr erfolgt die Durchsage. Wir sind bereits in voller Landgangmontur und erwarten den Aufruf für die blaue Gruppe. Um 16 Uhr ist es soweit. Wir werden aufgerufen und strömen in die Lounge. Diesmal geht es mit dem Boot Nummer 6, in unserer Gruppe das 2. Boot, hinüber auf die Insel. Mit Ausbootung und Zodiacfahrt dauert die ganze Prozedur nur 15 Minuten. Über eine Europalette steigen wir diesmal aus dem Zodiac aus und stehen im schwarzen Vulkansand dieser Insel.
Die ersten Schritte fallen schwer. Der schwarze Sand ist nass und erschwert das Fortkommen. Nach ca. 50 Metern haben wir es geschafft und sehen uns erst einmal um. Diese Insel mitten auf dem nordatlantischen Rücken existiert erdgeschichtlich erst seit etwa 700.000 Jahren. Die höchste Erhebung ist der Beerenberg Vulkan und der hat sich erst vor 10.000 Jahren über die Insel bis auf 2277 Meter erhoben. Zuletzt war er 1985 aktiv und bescherte der Insel einige Hektar neue Landmasse. Entdeckt wurde die Insel von dem holländischen Seefahrer und Walfangkapitän Jan Jacobs May von Schellinkhout im Jahr 1614. Die Insel ist etwa 373 qkm groß und bringt es immerhin auf eine Küstenlänge von 124 km.
Unser Kapitän hat sich bei der Anfahrt auf Jan Mayen für die Ostseite der Insel entschieden. Hier ist die norwegische Forschungsstation Olinkinbyen gut zu Fuß zu erreichen. Und genau dorthin gehen wir jetzt. Es bleibt uns aber auch gar nichts anderes übrig, es ist der einzige Weg, der von der Landestelle wegführt. Links und rechts von dem befestigten Pfad stehen schwarze Lavabrocken in der bizarren Landschaft. Sie wirken fast so, als seien sie noch warm vom letzten Ausbruch des Vulkans. Lediglich am Boden zeigen sich zaghaft zartblühende Moose und einige einzelne Flechten.
Auf der Anhöhe erreichen wir nach 10 Minuten Fußmarsch die Forschungsstation. Es ist niemand der Besatzung zu sehen oder sie haben sich vor lauter Schreck über die anstürmenden Touristenmassen zurückgezogen. Wir umrunden die Station und entdecken am Generatorgebäude einen Swimmingpool. Eine aufgemalte Palme und der Schriftzug "Playa del Alge" vermitteln Südseeflair. Tatsächlich hat das Wasser im Pool 36 Grad Celsius, was wohl auf den vulkanisch aktiven Untergrund zurückzuführen ist. Es hängen noch weitere Schilder herum, die uns schmunzeln lassen. Auf dem ersten steht der Betreiber des Pools: Nacktbadeverein Jan Mayen und auf dem zweiten Schild wird vor dem Schwimmen auf eigenes Risiko gewarnt. Darüber ist das Bild eines weißen Haies gemalt. Humor gibt es hier jedenfalls.
Hinter der Station führt der Weg weiter in Richtung Flughafen. Dem folgen wir für ein paar hundert Meter, machen aber an einem großen Pfahl mit Wegweisern und einem seltsamen Verkehrsschild kehrt. Es wird zunehmend nebliger und kälter. Auf dem Rückweg entdecken wir ein weiteres Schild mit dem Stationsmotto:

Theorie ist, wenn man alles versteht, aber nichts funktioniert.
Praxis ist, wenn alles funktioniert, aber keiner weiß warum.
Auf dieser Station verbinden wir Theorie und Praxis so,
das nichts funktioniert und keiner weiß warum.

Mit diesem Wissen machen wir uns an den Rückweg zum schwarzen Lavasandstrand und zu den Zodiacbooten. Immerhin können wir zu Hause berichten, auf dieser Vulkaninsel gewesen zu sein. Viele Menschen kennen diese Insel überhaupt nicht und Touristenbesuchen sind nur ganz selten möglich. Also, wenn man so will, ein absolutes Highlight dieser Reise.Gegen 18 Uhr sind wir wieder an Bord und gehen erst einmal in den Palmgarten. Ein warmer Kaffee, ein warmes Würstchen und danach noch ein Erfrischungsgetränk tun der Seele jetzt gut. Ab 19.30 Uhr gibt es wieder das Abendessen und diesmal ist wieder nur der Nachtisch besonders erwähnenswert. Es gibt eine schmackhafte Creme Brulle´. Um 20.30 Uhr kann ich durch das nicht blinde Restaurantfenster auf unserer Schiffsseite sehen, das der Beerenberg Vulkan aus dem Nebel auftaucht. Ich renne schnell in die Kabine und hole meine Kamera. Die Enttäuschung ist groß, der Vulkan hat sich hinter seine Nebeldecke zurückgezogen. Der Abend verläuft weiter unspektakulär. Palmgarten, Kameradaten auf den Computer überspielt und in der Nacht die Uhr erneut eine Stunde nach hinten verstellt.

nächster Tag

 

 

 

 



Klick für große Bilder:

Anlandung mit Zodiac

Moose und Blumen

Norwegische Station

Schild an der Station

 

 

Playa del Alge

 

 

Vorsicht: bissiger Hai

 

 

Achtung Kühe

 

 

Rückkehr zum Schiff