Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Mit MS Hamburg in

arktische Regionen 2013

Dienstag 09.07.2013

Möllerhafen - Krossfjord - Ny Alesund

Bereits in der Nacht ist MS Hamburg in den Krossfjord im Nordwesten Spitzbergens eingelaufen. Nur wenige Kilometer am Ende spaltet er sich in den Möllerfjord und in den Liljehoekfjord auf. Unser Schiff nimmt den rechten Arm und geht auf Reede. Nach dem Frühstück wird die Reihenfolge der Gruppen mit den bunten Punkten auf den Bordkarten bekannt gegeben. Erst kommt um 8.15 Uhr grau, dann um 8.45 Uhr rot und danach, um 9.35 Uhr blau, also wir, an die Reihe. Später ist dann noch gelb dran. Nach dem Aufruf unserer Gruppe strömen wir in die Lounge hoch auf Deck 4. Direkt am Eingang bekommen wir eine Plastikkarte für das Zodiacboot Nummer 2 und eine Rettungsweste in die Hände gedrückt. Nach einer kurzen Wartezeit bekommen wir von dem Reiseleiter Lutz Stemme das Signal, hinunter auf Deck 1 zum Ausbooten gehen zu dürfen.
Wir sind gespannt wie die Flitzebögen. Wir sind zwar schon in Tenderboote gestiegen, aber ein wackeliges Schlauchboot? Das hatten wir bisher noch nie. Aber Übung macht den Meister, müssen wir doch 2014 in der Antarktis nur in Schlaubooten an den wildesten Küsten an Land gehen. Natürlich ist hier an der offenen Luke eine kurze Schlange. Für die meisten Mitpassagiere ist es die erste Schlauchbootfahrt und der ungewohnte und heikle Schritt aus dem sicheren Schiff über das Wasser hinweg in ein kleines Boot. Dann sind wir dran. Genau um 10 Uhr setzen wir erst den linken Fuß auf die Gummiwulst und schwingen mit dem rechten hinüber auf den Boden des Zodiac. Gehalten und gestützt werden wir von zwei hilfreichen Matrosen unter Anwendung des vorher gezeigten und geübten Griffes am Unterarm. Damit gelingt das Manöver hervorragen. Nun, wir sind ja auch noch gelenkig.
Das Boot ist mit 16 Passagieren und einem Bootsführer voll und es legt ab. Die brausende Überfahrt mit dem Außenborder macht sehr viel Spaß und man muss sich an dem umlaufenden Seil ordentlich festhalten. Es gibt in dem Zodiac keine Stühle oder gar Sitzbänke. Wir sitzen auf den Gummiwülsten und es geht ordentlich mit den Wellen hoch und runter. Nach 10 Minuten sind wir kurz vor dem Strand und der Steuermann gibt noch einmal kurz Gas. Mit etwas Schwung setzt er das Zodiac auf den dunklen Strand. Nacheinander dürfen wir jetzt auch zum ersten Mal die Aussteigeprozedur vollziehen. Erst mit dem Allerwertesten am Bug hinsetzen, dann das linke Bein über die Bootswulst schwingen und dann das rechte Bein nachschwingen. Erst wenn beide Beine in Richtung Land zeigen aufstehen und die hilfreichen Hände der Schiffscrew ergreifen.
Das hat wunderbar geklappt und um 10.10 Uhr stehen wir wieder auf dem festen Boden Spitzbergens. Wir legen unsere Rettungswesten auf einen großen Haufen an der Anlegestelle und machen hier unsere ersten Aufnahmen. Dieser Ort am Ende des Möllerfjords nennt sich Möllerhafen, benannt nach einem schwedischen Astronomen mit diesem Namen, der diesen Ort nach sich selbst und in seiner Landessprache "Möllerhamna" nannte. Hier befindet sich eine kleine Kuriosität. Im Jahr 1926 errichteten Matrosen eines Lloyd Dampfschiffes eine Schutzhütte für in Seenot geratene Seeleute. Sie nannten die orange (in den Farben der Reederei) gestrichene Schutzhütte "Lloyd-Hotel" und gaben ihr 5 Sterne plus. Die Metallhütte ist gerade einmal 4 Quadratmeter klein und hat nur Platz für einen kleinen Tisch, 2 Bänke, 1 Ofen und ein Regal. Nachdem wir den Innenraum fotografiert haben, machen wir uns an die Erkundung der Umgebung.
Wir gehen hinter der Schutzhütte einen kleinen Hügel hinauf und wenden uns nach rechts. Dort sehen wir eine weitere Bucht und im Hintergrund einen mächtigen Gletscher. Auf dem Weg dorthin kommen wir an Lars Henricksen vorbei. Er ist ein mächtiger und kräftiger Norweger und unser Expeditionsleiter und Bärenwächter. Mit einem großen Fernglas sucht er ständig das Wasser und den Horizont an Land nach sich nähernden Eisbären ab. Begegnungen mit diesen Tieren sind hier oben zwar selten, aber dennoch denkbar. Wir sollen nicht mit ihm sprechen, da das seine Aufmerksamkeit verringern könnte. Also gehen wir stumm an ihm vorbei bis zum Strand des Fjordes. Hier wurden von der ersten Gruppe drei Ringelrobben gesehen. Leider wurden diese von der zweiten Gruppe verscheucht und so gab es für uns nur einen nackten, leeren Fels im Wasser zu sehen.
Ich stelle Anja mein Stativ zur Verfügung und wir machen vor dem Gletscher Kollerbreen ein paar Fotos mit Selbstauslöser. Meine Videokamera stelle ich danach auch auf einen großen Felsen und filme uns vor diesem Gletscher. Auf dem Rückweg zur Anlegestelle der Zodiacs filmen und fotografieren wir noch einige sehr seltene und nur hier im Nordpolargebiet vorkommende Moose und Flechten. Hauptsächlich blühen zu dieser Jahreszeit der lila Steinbrech und der gelbe Rasensteinbrech. Lediglich das stengellose Leimkraut ist in der Zeit noch etwas zurück. Da hier ausgiebige Wanderungen schon wegen der Eisbären nicht angesagt sind, haben wir uns das nächste Zodiac geschnappt und lassen uns um 11 Uhr zum Schiff bringen.
Nachdem wir uns umgezogen haben, gehen wir erst einmal auf eine warme Tasse Kaffee hinauf in den Palmgarten. Anschließend gibt es um 12.30 Uhr das Mittagessen im Restaurant. Über die Suppe kommen wir aber nicht hinaus. Es gibt eine Durchsage, es wird ein Eisbär gesichtet. Ein Eisbär ist hier oben in der Arktis natürlich so, als würde man die berühmten "Big Five" in Afrika alle auf einmal sehen. Wir lassen die Suppe Suppe sein und rennen in die Kabine. Hier ziehen wir schnell etwas Warmes über und schnappen nach den Kameras. Die Fahrstühle werden bereits belagert und so wir nehmen die Treppe. Oben auf Deck 6 und vorne im Palmgarten ist schon etwas los. Natürlich sind die Passagiere, die hier am Buffet essen, leicht im Vorteil. Dennoch bekommen wir auf der Steuerbordseite an der Reling einen Platz zum Filmen und Fotografieren. Jetzt vermisse ich doch zum ersten Mal meine früheren Canon Kameras. Die hatten zwar noch mit Band aufgezeichnet, waren aber mit lichtstarken 20-fach optischen Zoomobjektiven ausgestattet. Die momentan aktuelle Panasonic hat leider nur ein 12-fach Zoom und das reicht bei weitem nicht bis zum Format füllenden Eisbären. Hinzu kommt, dass das Schiff etwas im Wasser schwankt und ich das Tier nicht ruhig filmen kann. Anja hat da mit ihrem Zoom und still stehenden Fotos etwas mehr Glück.
Über eine halbe Stunde stehen wir hier oben vor dem Palmgarten und lauern auf noch bessere Bilder. Dann aber trollt sich das Tier und geht hinter der Landzunge ins Wasser. Pech für die MS Europa von Hapag-Lloyd. Die wurde auch auf das Tier aufmerksam und steuerte herbei. Gesehen haben die von unserem mächtigen Eisbären aber nichts. Wir gehen wieder hinunter ins Restaurant und merken, dass wir die Crew ganz schön durcheinander gebracht haben. Dennoch gibt es noch etwas Lauwarmes zu essen. Zeit haben wir keine mehr, um 14 Uhr startet ein Vortrag unserer Lektoren über das nächste Ziel: Ny Alesund.
An einen Mittagsschlaf ist nicht zu denken. Gegen 15.30 Uhr legt MS Hamburg in Ny Alesund an. Das Manöver dauert etwas und das scheint an der sehr kurzen Pier nicht einfach zu sein. Endlich, um 16.15 Uhr, wird der Landgang freigegeben. Wir strömen zur Treppe und die liegt diesmal hinter der Rezeption auf unserem Deck. Es geht eine sehr steile Gangway hinunter und unten wartet ein Eisbär auf uns. Natürlich kein echter, sondern ein Crewmitglied in einem Kostüm. Mit dem zusammen müssen wir uns von der Bordfotografin ablichten lassen. Eigentlich mögen wir das nicht, ist ein wenig wie Disneyland. Aber was tut man nicht alles für eine Urlaubserinnerung.
Wir gehen zuerst den unbefestigten Weg auf eine kleine Anhöhe hinauf. Von hier ist der kleine Ort Ny Alesund gut zu überblicken. Wir fotografieren zuerst eine alte Erzeisenbahn und danach ein verfallendes Cafe.
In der "Kongsfjord Butikken" suchen wir ein typisches Souvenir aus Spitzbergen. Ich kaufe mir eine tolle Kappe mit Ohrenschützern und dem Schriftzug "Ny Alesund", eine Karte von Spitzbergen und für Anja eine kleine Eisbärenpuppe. Ein kleines Stück hinter dem Laden liegt auf der anderen Straßenseite das nördlichste Postamt der Welt. Natürlich lassen wir uns hier fotografieren und schauen auch einmal hinein. Der Postbeamte hinter dem Schalter kennt bestimmt den Ansturm bei einem Schiffsbesuch, schaut aber trotzdem etwas hilflos auf die dichten Menschenmassen in dem kleinen Schalterraum. Die Ausflugsleiterin Olga Bozhko steht am Fenster mit dem Stempel der Poststation und drückt geduldig den Stempel auf die haufenweise vor ihr liegenden Postkarten. Da sind auch unsere Karten dabei, die wir samt Porto heute Morgen an der Rezeption des Schiffes bereits gekauft, geschrieben und adressiert  haben. In einer kurzen Stempelpause drücke ich mir den Stempel auf die gerade erworbene Landkarte von Spitzbergen. Das Herz des Souvenirjägers ist jetzt glücklich.
Nach dem Postamt gehen wir die Hauptstraße weiter bis zum Ende und nach rechts. Nur 200 Meter weiter stehen wir vor einem großen Hundekäfig. Lautes Kläffen ist zwar zu vernehmen, aber es ist nur ein Hund mit einer Schutztüte um den Kopf zu sehen. Interessant ist hier aber die Beobachtung unseres Rangers. Der steht an einer Hütte, hat seine Donnerbüchse hinter sich gestellt, scherzt und lacht gemeinsam mit der Reiseleiterin Diana Lund. Sieht so Sicherheit vor Eisbären aus? Aber die trauen sich jetzt im Sommer bestimmt nicht in diese quirlige Siedlung.
Hinter der Hütte können wir noch brütende Küstenseeschwalben beobachten. Die Vögel legen jedes Jahr riesige Entfernungen aus der Antarktis bis hier oben nach Island und Spitzbergen zurück, um ihr Brutgeschäft zu erledigen. Dabei verzichten sie auf den Nestbau und legen die Eier einfach ins Gras oder ins Geröll. Während das Weibchen brütet, bekämpft das männliche Tier jeden näherkommenden Störenfried mit seinem spitzen roten Schnabel aus der Luft. Das Tier fliegt regelrechte Sturzflugangriffe und die Schnabelhiebe sollen sehr schmerzhaft sein. Wir wurden angehalten, immer den Arm mit ausgestrecktem Finger in die Luft zu halten, da die Vögel den höchsten Punkt angreifen. Aber das haben einige der Passagiere wohl nicht mitbekommen und waren von dem Angriff der Vögel schmerzhaft überrascht.
Auf dem Rückweg sehen wir noch die österreichische Forschungsstation, die der Erwähnung nur wegen ihres mickrigen Formates wert ist. Hinter der deutschen Station stehen noch die prunkvolle chinesische Station und eine große Granitbüste von Roald Amundsen. Von hier aus startete der Polarforscher 1926 mit dem Luftschiff Norge einen 70 stündigen Flug nach Alaska, bei dem er auch den Nordpol passierte. Der Haltemast für das Luftschiff steht heute noch nur unweit seiner Büste und ragt in den Himmel von Spitzbergen.
Nun wird es aber Zeit, wieder auf unser warmes Schiff zurückzukehren. Die 7 Grad Celsius lassen nach längerem Landgang nun doch diesen Wunsch aufkommen. Um 17.40 Uhr sind wir wieder im Schiff, besorgen einen wärmenden Tee und legen uns in der Kabine auf unsere Betten. Um 19 gibt es das Abendessen im Restaurant und um 21 Uhr einen sehr interessanten Vortrag von Lektor Klaus Kiesewetter über die Eisbären in der Lounge auf Deck 4. Nach dem Vortrag gehen wir mit dem Computer hinauf auf Deck 6 in den Palmgarten. Wir sichten und überspielen unsere Aufnahmen. Besonders auf die Bilder vom Eisbären hinter Möllerhafen sind wir gespannt. Nach zwei Bier, einem Cocktail des Tages und dem nicht besonders erwähnenswerten Mitternachtssnack gehen wir um kurz vor 0 Uhr zurück in unsere Kabine.

nächster Tag

 

 

 

 



Klick für große Bilder:

Anlandung in Möllerhafen

Das Lloyd-Hotel = 5*+

Regal mit Lebensmitteln

Ofen, Bänke und ein Tisch

 

 

Anja vor dem Kollerbreen

 

 

Ranger sucht nach Eisbär

 

 

Zodiac und MS Hamburg

 

 

Eisbär an Land

 

 

MS Hamburg in Ny Alesund

 

 

Alte Erzeisenbahn

 

 

Souvenirladen

 

 

Postamt

 

 

Anja vor dem Postamt

 

 

Küstenseeschwalbe

 

 

Angriff aus der Luft

 

 

Keine Ablenkung bitte!