Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Mit MS Hamburg in

arktische Regionen 2013

Montag 08.07.2013

Longyearbyen - Kap Schoultz / Tempelfjord - Barentsburg

Es ist noch keiner unserer Koffer da. Vielleicht überlegt die Schiffsleitung, ob man den Passagieren erst einmal eine kurze Ruhepause gönnt. Immerhin ist es jetzt bereits 03.20 Uhr in der Nacht, auch wenn draußen heller Tag hier oben auf Spitzbergen ist. Wir schnappen unsere Kabinenkarten und machen zuerst eine Runde über Deck 5 und Deck 6. Diese sind uns sehr vertraut, aber es ist überhaupt noch nichts los. Es gibt weder Snacks noch Getränke. Zurück in der Kabine ist bereits ein Koffer eingetroffen, aber wir spüren die Müdigkeit. Daher legen wir uns aufs Bett und stellen den Wecker im Handy, denn das Ablegen in Longyearbyen will ich auf gar keinen Fall verpassen.
Um 04.30 Uhr klingelt das Teil und wir schlüpfen in die Schuhe. Nach oben auf Deck 6 und nach vorne zum Palmgarten ist es für uns nur ein kurzer Weg. Nur eine handvoll Passagiere treiben sich hier herum. Erstaunlicherweise ist es überhaupt nicht kalt, ich schätze die Außentemperatur auf erträgliche 12 Grad Celsius. Es herrscht auf der vorderen Back schon geschäftiges Treiben der Matrosen. Taue, Tampen oder Seile werden zusammengerollt und um 04.55 Uhr wirbeln die Bugstrahlruder das brackige Wasser auf. Die MS Hamburg legt ab. Ganz langsam steuert das Schiff nach steuerbord und in den Fjord hinaus.
Ganz schnell gehen wir zurück in unsere Kabine, und da der zweite Koffer auch schon da ist, packen wir unsere Gepäckstücke aus. Auch der Wecker ist schnell gefunden und jetzt legen wir uns erst einmal aufs Ohr. Ganze 2 Stunden haben wir geschlafen, aber der Hunger treibt uns heraus. Ich gehe zuerst in die Dusche und um 8.45 Uhr sind wir im Restaurant zum Frühstück. Gewohnheitsmäßig gehen wir natürlich auf die Schiffsseite, auf der bereits vor 2 Jahren unser Tisch stand und an dem wir damals auch immer gefrühstückt hatten. "Unser" Tisch ist aber bereits besetzt. Bei genauerem Hinsehen erkenne ich die Franken, mit denen wir uns vorher gemailt hatten und mit denen wir uns auf dem Schiff treffen wollen. Was für ein Zufall. Es ist außer Martha und Bruno noch eine weitere Person in der kleinen Truppe: Roland. Auch den lernen wir noch sehr gut kennen und jetzt frühstücken wir natürlich gemeinsam.
Gegen 9.30 Uhr gehen wir mit den Kameras hoch auf Deck 6 vor den Palmgarten. Es ist gerade noch rechtzeitig, denn einige der Passagiere sind ebenfalls bereits hier oben. Das Schiff steuert in ganz langsamer Fahrt auf das Ende des Tempelfjordes zu und bleibt kurz vor der Eisbarriere liegen. Hier ist das Schiff 110 Kilometer vom offenen Meer entfernt und hier kalbt der mächtige Tuna-Gletscher. Die ab und zu durch die Wolken brechende Sonne zaubert ein tolles Farbspiel auf die vor unseren Kameras liegende Eiskante. Uns gelingen ein paar tolle Fotos und Videoaufnahmen von den in der letzten Eiszeit abgeschliffenen Tafelbergen und vom Gletscher. Leider können wir nicht lange bleiben, da der Kapitän bereits für 11 Uhr die Rettungsübung angesetzt hat. Also gehen wir hinunter auf Deck 3 und warten in der Kabine mit der Rettungsweste auf das Signal. Genau um 11 Uhr ertönen die 7 kurzen und das eine lange Signal und wir verlassen die Kabine. Glücklicherweise ist unser Sammelpunkt das Restaurant hier auf Deck 3 und wir müssen über kein Treppenhaus. Das steht bereits voll, so voll, als wäre es der Ernstfall.
Gegen 11.20 Uhr ist die Übung vorbei. Es wird viel über die Lautsprecher erzählt und von den Crewmitgliedern auf den Stationen demonstriert, aber das Wichtigste ist wohl die Anwesenheit jedes einzelnen Passagiers. In 10 Minuten beginnt ein Vortrag in der Lounge und wir schmeißen schnell die Rettungswesten in die Kabine. Es wird ein sehr langer Vortrag. Zuerst werden wir von der gesamten Crew willkommen geheißen, dann folgt ein ausführlicher Vortrag über das Verhalten bei den Zodiacanlandungen und zum Schluss bekommen wir auf unsere Bordkarten noch einen blauen Punkt geklebt. Dieser Punkt regelt die Reihenfolge der Gruppen für das Ausschiffen und die Zodiacanlandungen. So ist die Masse der fast 380 Passagiere bei Ausflügen und Landgängen besser zu koordinieren.
Um 12.50 Uhr sind wir zurück in der Kabine und räumen erst einmal die Rettungswesten in den Schrank. Danach gibt es um 13 Uhr das Mittagessen, das wir gegen 13.50 Uhr beenden. Wir sind zwar satt, aber auch unheimlich müde. Die 2 Stunden Schlaf haben einfach nicht gereicht. Deshalb machen wir auch sofort einen Mittagsschlaf, der sich bis 16.30 Uhr hinzieht. Etwas frischer begeben wir uns jetzt auf Deck 6 in den Palmgarten zu Kaffee und Kuchen. Die Lebensgeister kehren langsam zurück und da das Schiff seinen nächsten Ankerpunkt bereits erreicht hat,  machen wir uns für den ersten Landgang fertig. Mit einer warmen Jacke und den Kameraausrüstungen begeben wir uns hinunter auf Deck 1 zu den Tenderbooten.
Genau um 17.30 Uhr stehen wir zum ersten Mal auf russischem Boden. Wir sind in Barentsburg. Hier gibt es seit 1932 eine russischen Polarstation und eine Bergbausiedlung. Es ist nach Longyearbyen der zweitgrößte Ort auf Spitzbergen und eigentlich bis vor kurzem noch nicht für Touristen allgemein zugänglich. Zuerst sehen wir das alte Postamt mit einem Telefon der Bergbaugesellschaft Arktikugol gleich an der Landestelle. Bis ganz oben in die Siedlung sind es an die 270 steile Treppenstufen, die wir auch gleich in Angriff nehmen. Oben auf dem Hochplateau gibt es Unterkünfte für über 2000 Menschen, der Ort beherbergt aber zurzeit nur knapp 500 Personen. Eigentlich lohnt sich der Kohlebergbau hier nicht mehr, die Lagerstätten sind fast erschöpft. Russland möchte aber aus strategischen Gründen diese Siedlung nicht aufgeben.
Um 18.30 Uhr sind wir zurück an Bord und bereiten uns auf das Abendessen vor. Wir haben einen Tisch mit 8 Personen und treffen diese heute zum ersten Mal. Die nächsten 3 Wochen werden wir mit ihnen unser Abendessen gemeinsam einnehmen. Hoffentlich gibt es nicht wie 2011 eine Pleite. Da hatte sich ein hochnäsiges Ehepaar nach dem ersten Essen nicht mehr blicken lassen und auch nicht mehr gegrüßt. Wir wissen bis heute nicht, wer oder was diese Menschen gestochen hat. Genau um 19.30 Uhr sind wir am Tisch. Unsere Nachbarn kommen aus Frankfurt, aus Leverkusen und aus Herford.
Nach dem Abendessen, von dem wir, ganz ehrlich gesagt, etwas enttäuscht sind, gehen wir um 21.30 Uhr mit Computer und E-Reader hoch in den Palmgarten. Hier bestellen wir uns auf unsere Getränkekarte ein Bier und ich überspiele die ersten Kameradaten. Da ich eine neue Kamera habe, ist es wie immer ein neuer Lernprozess. Aber wir haben Zeit und es gelingt dann auch problemlos. Um 22.30 Uhr haben wir unser zweites Bier ausgetrunken und gehen hinunter in die Kabine. Das Rollo müssen wir ganz herunterziehen, denn draußen ist es wieder taghell und es wird hier oben auch nicht dunkel. Bettruhe ist heute um 23.15 Uhr.

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