Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Polarlicht und Sterne 2013

Dienstag 12. März 2013

Bodø - Øernes - Nesna - Sandnessjøn -

Sieben Schwestern - Brønnøysund - Torghatten - Rørvik


Wir haben in der Nacht um 2 Uhr den Ort Bodø verpasst und liegen jetzt um 7 Uhr bereits in Ørnes. Ich bin im Bad und Anja ist nach mir dran. Anschließend ist wieder Frühstückszeit wie jeden Tag. Anja geht direkt ins Restaurant, ich möchte aber gern die Vorbeifahrt der MS Richard With filmen. Das Schiff kommt aber nicht und ich gehe ebenfalls zum Frühstück ins Restaurant. Erst um 8.50 Uhr passiert uns dieses Hurtigrutenschiff mit einer Verspätung von 35 Minuten.
Nach dem Frühstück sind wir wieder mit den warmen Klamotten auf Deck 9. Es ist ganz tolles Wetter und ein strahlend blauer Himmel wölbt sich über uns. Für 9.20 Uhr ist eine weitere Veranstaltung hier oben angekündigt. Wir werden den Polarkreis südwärts überqueren und damit das arktische Gebiet wieder verlassen. Natürlich ist es im vorderen Bereich wieder voll und wir verdrücken uns nach hinten auf das Hubschrauberdeck. Auf der Steuerbordseite des Schiffes auf einer kleinen, langgestreckten Insel sehen wir dann die silbern glänzende Weltkugel aus Edelstahl, die den Polarkreis markiert. Bei Schnee und blauem Himmel ist das schon ein toller Anblick. Dazu tönt dann auch noch laut das Nebelhorn der Midnatsol, als wir diese imaginäre Linie passieren.
Aber auch vor dem Schornstein ist schon was los. Hier gibt es Lebertran zu kosten. Nicht, das wir übermäßig vergnügungssüchtig sind, aber die Sache mit dem Lebertran hat einen kleinen Haken. Nur wer einen Löffel voll probiert, darf diesen Löffel auch behalten. Und es ist ein besonderer Löffel. Er hat die Form eines Fisches und das Motto dieser Fahrt „Polarlicht und Sterne“ ist eingraviert. Natürlich müssen wir uns überwinden, aber da es von einer sehr hübschen und jungen Norwegerin hinterher noch einen Moltebeerenschnaps gibt, werden wir die Sekunden der Pein des Tranes schon überstehen. Also stellen wir uns an und kommen dem Löffel immer näher. Ich bin vor Anja, damit ich mit laufender Kamera diese Zeremonie filmen kann. Den Geschmack empfinde ich als gar nicht so schlimm, aber als ich mich umdrehe und Anja filme, sehe ich ein stark angewidertes Gesicht vor der Linse. Das sieht natürlich auch der Schiffsoffizier, der den Tran ausschenkt und bietet Anja gleich noch einen Löffel an. Da verzerrt sich das Gesicht erneut und noch viel schlimmer als vorher, was natürlich bei allen Beteiligten einen Lachanfall auslöst. Dafür schmeckt aber der Moltebeerenschnaps und wir tragen unsere teuer erlittene Trophäe zurück in die Kabine.
Gegen 11 Uhr stoppt das Schiff für 15 Minuten in Nesna und fährt danach gleich weiter. Wir haben im Theater ein Treffen der deutschen Reisegruppe. Hier erhalten wir die Informationen für die morgige Abreise. Es werden Kofferanhänger in verschiedenen Farben verteilt und es gibt Hinweise auf die Frühstückszeit und die Busse, die uns zum Flughafen bringen werden. Danach gehen wir um 11.30 Uhr gleich zum Mittagessen in das Restaurant, denn wir haben noch einen Termin.
Der nächste Halt ist um 12.30 Uhr in Sandnessjøen und wir stehen um 12.45 Uhr auf Deck 7 vor dem Eingang zur Schiffsbrücke. Als Mieter einer Suite ist nicht nur der Thermobecher inkludiert, es gibt auch noch eine kostenlose Brückenführung für uns und die nehmen wir sehr gerne mit. Der Kapitän kommt pünktlich und persönlich und holt die circa 20 Personen, die hier geduldig gewartet haben, ab. Er führt uns den Gang hinunter und dann stehen wir auf der Brücke der Midnatsol. Man sieht sofort, dass dies eines der neuesten Schiffe ist. Es gibt kein Steuerrad aus Holz mehr und es liegt auch kein Sextant herum. Dafür sehen wir modernste Monitore und für das Fahren des Schiffes Joysticks. Natürlich sehen wir uns um, besonders die beiden Brückennocks haben es mir angetan. Diese dienen zum besseren Überblick, z. B. bei Hafenmanövern. Aus diesem Grund befinden sich dort auch Navigations- oder Bedienelemente für das Schiff. Bei Schiffen, die viel in nördlichen Gewässern fahren, ist die Nock oft integrierter Teil der Brücke, also nicht mehr offen. Und tatsächlich hat man hier einen tollen Blick nach unten und auf die Seite des Schiffes. Wir unterhalten uns auch ein wenig mit dem Kapitän über die Steuerung des Schiffes mit dem Autopiloten, bestaunen die „Kaffeeküche“ und die Fahnen, die das Schiff mitführt. Nach einer halben Stunde müssen wir die Brücke verlassen, da das Ablegemanöver in Sandnessjøen ansteht und die Brückenoffiziere an ihren Arbeitsplatz zurück müssen.
Bei immer noch traumhaftem Wetter verlässt MS Midnatsol diesen Ort um 13.30 Uhr und wir sind jetzt wieder mit den Wintersachen auf dem Umlauf auf Deck 6. Wir erwarten die Vorbeifahrt des Schiffes an der Bergkette der 7 Schwestern, die gleich nach dem Ablegen auf der Backbordseite auftaucht. Es ist bei sonnigem Wetter, klarer Sicht und viel Schnee auf den 902 bis 1106 Meter hohen Bergen ein toller Anblick. Es gibt auch eine Legende zu den Bergen der 7 Schwestern, aber die werden wir erst am Berg Torghatten erklären. Als wir diese Bergkette passiert haben, ruhen wir uns noch in der Kabine etwas aus. Gegen 16.15 Uhr legt das Schiff in Brønnøysund an. Es ist immer noch herrliches Wetter und in der spätnachmittäglichen, warmen Sonne sieht die Landschaft noch besser aus.
Das Schiff liegt hier für 45 Minuten am Pier und wir werden jetzt auch noch einmal die Gelegenheit nutzen, es kurz zu verlassen. Wir schlendern natürlich erst nach rechts, von wo wir die Midnatsol sehr gut fotografieren und filmen können. Sie liegt in voller Pracht und voller Sonne vor uns. Danach schlendern wir noch ein wenig hinter den Hafengebäuden umher und sehen auch ein kleines schnuckeliges Hotel. Aber wie das eben so ist, wir wollen nicht, dass das Schiff ohne uns abfährt und sind deshalb rechtzeitig wieder an Bord und in unserer Kabine.
Um 17 Uhr legt die Midnatsol von Brønnøysund ab und wir stehen wieder, zum letzten Mal, auf Deck 6 am Bug unter der Schiffsbrücke. Mit Lautsprecherdurchsagen wird der Berg Torghatten angekündigt und der muss natürlich als Highlight auch noch gefilmt und fotografiert werden. Glücklicherweise habe ich mich bereits auf der Steuerbordseite postiert, denn hier ist dieser seltsame Berg mit dem Loch gut zu sehen. Und hier die Sage:
Der Sohn des Königs Vågekallen, Hestmannen, lebte in Svolvær. Auf der anderen Seite des Vestfjordes lebte der mächtige König Sulitjelmakongen, der sieben Töchter hatte, die eine wilder als die andere war. Deshalb schickte Sulitjelmakongen seine Töchter zur ehrbaren Jungfrau Lekamøya, um sie zu zähmen. Eines schönen Abends schaute Hestmannen über den Vestfjord und sah Lekamøya ein Bad im Fjord nehmen und sich die Haare kämmen. Sofort begehrte Hestmannen sie. In voller Rüstung preschte er mit seinem Pferd über den Vestfjord. Lekamøya erkannte die Gefahr und sie und die sieben Schwestern begaben sich auf eine wilde Flucht. Sie konnten sich nicht vorstellen, den Hestmannen zum Gatten zu nehmen und hockten sich bei Alstahaug nebeneinander hin. Doch Hestmannen würdigte die Schwestern keines Blickes, da er nur Augen für Lekamøya hatte. Als diese jedoch immer mehr Vorsprung gewann, nahm er seinen Bogen und schoss einen Pfeil auf sie ab. Dies beobachtete jedoch der König der Sømnaberge und warf seinen Hut in die Bahn des Pfeils. Der Hut blieb auf der Insel Torgar vom Pfeil durchschossen liegen. Über die wilde Jagd vergaßen alle wie kurz die Sommernächte im Norden sind und schon ging die Sonne auf und alle versteinerten, wo sie gerade saßen oder standen. So entstanden der Sage nach der Berg Torghatten, die sieben Schwestern und die Insel Lekamøya.
Von der Nordseite aus kann man das Loch im Berg nur ganz kurz sehen, aber die Midnatsol verlässt kurz, nachdem sie den Berg passiert hat, ihre Route und schwenkt nach Steuerbord ein. Jetzt ist das Loch im Berg sehr gut sichtbar. Es soll nach Einschätzung von Forschern nach der letzten Eiszeit entstanden sein. Damals hob sich die Erdkruste durch die verringerte Eislast und das Meer konnte dieses Loch in Jahrtausenden ausspülen. Es hat einen Durchmesser von 35 Meter und ist 160 Meter lang. Sie läuft ein kurzes Stück parallel zum Berg und hupt mit ihrem Nebelhorn. Das Echo und der Anblick sind beeindruckend. Es gibt gerade einen tollen roten Sonnenuntergang und der Berg liegt prächtig in diesem vollen Schein. Es sieht aus als ob es ein glühender Lavafelsen ist. Toll. Beeindruckend. Einfach nur schön. Ich kann noch einige Sonnenuntergangsbilder machen und schon kommt ein weiteres Highlight auf uns zu.
Es gibt sogar auf einem Postschiff der Hurtigruten ein Kapitänsdinner. Wer hätte das gedacht. Deshalb müssen wir uns umziehen und stehen um 18 Uhr im Treppenhaus zum Deck 5 in der Schlange. Das Restaurant hat noch nicht geöffnet und deshalb gibt es hier einen Stau. Mit 10 Minuten Verspätung geht es dann in das Restaurant hinein. Wir bekommen ein Glas Sekt oder Orangensaft und dürfen dem Kapitän, den Offizieren und der Reiseleiterin von Deck 8 zuprosten. Wir gehen aber gleich durch auf unsere schönen Plätze im Heck des Schiffes. Irgendwie ist das Personal noch etwas unsortiert, denn es dauert eine ganze Weile, bis die Vorspeise kommt. Wenigstens gibt es wieder das kostenlose und köstliche Schiffswasser. Dieser Hinweis ist ein „Running Gag“, den ich alle Tage beim Dinner eingebaut habe. Aber wenn wir jeden Abend nur ein Bier getrunken hätten, hätten wir nur für das Bier auf dieser Reise über 250 €uro zahlen müssen und das geht uns eindeutig zu weit.
Aber nun zur Vorspeise. Es gibt Wikinger-Wraps mit mariniertem Räucherlachs, Sauerrahm und Salat. Danach kommt ein Pfeffersteak mit Hasselback-Kartoffeln und Pfeffersauce. Als Nachtisch gibt es die klassische Eisbombe des Schiffes, serviert mit der vom Traumschiff bekannten Parade des Servicepersonals und mit gedimmtem Licht. Zum Eis gibt es noch einen frischen Obstsalat. Aber allzu lange dürfen wir nicht im Restaurant verweilen. Um 20.30 Uhr steht die nächste Sitzung an und da muss das Restaurant wieder neu herausgeputzt sein. So ziehen wir uns erst einmal auf die Kabine zurück und bemerken die Ankunft des Schiffes in Rørvik. Hier gibt es eine weitere Begegnung mit einem Hurtigrutenschiff, der MS Finnmarken.
Genau zu dieser Zeit um 20.30 Uhr haben wir uns noch einmal mit Alexandra und Holger im Panoramasalon auf Deck 8 verabredet. Wir zeigen uns kurz gegenseitig unsere Bilder. Vor allem die von Holger, der die Hundeschlittenfahrt in Kirkenes mitmachte, sind beeindruckend. Anja spendiert noch 3 Glas Bier, mir ist das Gerstengesöff einfach zu teuer hier an Bord. Gegen 21.30 Uhr legt das Schiff in Rørvik ab und wir lösen unsere kleine Gesellschaft auf. Wir müssen zurück in die Kabine und die Koffer packen. Leider ist es fast wieder soweit, die Reise geht morgen zu Ende.
Für die Koffer benötigen wir nur eine halbe Stunde und danach geht Anja zur Rezeption und bezahlt die Bordrechnung auf der Cruiscard. Da wir nicht allzu viel Bier getrunken haben, kommen wir mit fast 100 €uro und einem blauen Auge davon. Um 22.30 Uhr stelle ich die Koffer mit einem grünen Anhänger versehen vor den Fahrstuhl auf unserem Deck. Ich muss zwei Mal gehen, denn mein Koffer hat keine Rollen mehr und muss gezogen oder getragen werden. Da graut es mir schon jetzt vor dem nächsten Tag. Der wird sehr lang werden und deshalb halten wir bereits um 22.30 Uhr Bettruhe.

nächster Tag

 

 

 

 

 


Klick für große Bilder:

Insel mit Polarkreis

Edelstahlglobus

Lebertran gefällig?

Brrr - nie wieder!

 

 

Moltebeerenschnaps

 

 

Brücke mit Kapitän

 

 

Radargerät

 

 

Kaffeepause

 

 

Sieben Schwestern

 

Brønnøysund

 

 

Torghatten 1

 

 

Torghatten 2

 

 

Sonnenuntergang

 

 

Kapitänsdinner