Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Polarlicht und Sterne 2013

Montag 11. März 2013

Harstad - Risøyrenna - Risøyhamn - Raftsund - Svolvær -

Stamsund


Wir schlafen heute bis 7 Uhr und sind dann um 8 Uhr im Restaurant und frühstücken wie jeden Tag. Genau um diese Uhrzeit liegt unser Schiff in Harstad und diesmal begegnen wir kurz vor dem Anlegen der MS Polarlys. Von hier in Harstad kann man einen Busausflug zum Ort Sortland auf der Insel Langøya unternehmen und dort wieder an Bord der Midnatsol gehen. Aber dann würde man vor Risøyhamn die Risøyrenna verpassen und das wollen wir nicht. Nach 30 Minuten Liegezeit verlässt das Schiff die Ortschaft Harstad und fährt hinaus in die Bucht. Wir gehen in unsere Kabine und bereiten unsere Kameraausrüstungen und die warmen Wintersachen vor. Heute wird es eine Herausforderung geben. Bei dieser Kälte eine lange Zeit am Bug verbringen, heißt die Devise. Die Anfahrt auf den Kanal vor Risøyhamn und später noch den Raftsund werden eine Herausforderung.
Kurz vor 10.15 Uhr ist es fast soweit. Wir stehen am Bug des Schiffes unter der Brücke und haben gerade noch so einen Platz in der ersten Reihe ergattert. Dieser Kanal wurde im Jahr 1922 von König Haakon VII in Auftrag gegeben und ist 4,5 Kilometer lang. Dadurch verkürzt sich die Fahrzeit um mehrere Stunden und die Inselgruppe der Vesterålen mit den Orten Sortland und Stokmarknes sind besser in die Hurtigruten eingebunden. Die Einfahrt in die zum Teil heraus gesprengte Fahrrinne beginnt mit weit auseinander stehenden Tonnen, die auch mit Blinklichtern für die Nachtfahrt ausgerüstet sind. Diese Tonnen stehen mit zunehmender Annäherung an den Ort Risøyhamn immer enger zusammen. Mit ganz langsamer Fahrt nähert sich das Schiff der Ortschaft und muss dann noch eine Wende vollziehen, um auch mit der Seite mit den Ladeluken anlegen zu können. Die komplette Anfahrt dauert fast 45 Minuten und uns werden langsam die Finger in den Handschuhen steif. Auch die Füße fangen langsam an, nach Bewegung zu schmerzen und wir stampfen auf der Stelle.
Das Anlegen in Risøyhamn dauert nur 15 Minuten und in dieser Zeit öffnet auch das warme Restaurant. Also stürmen wir direkt hinein und wärmen uns erst einmal auf, während die Midnatsol den Ort bereits wieder verlässt. Um 12.30 Uhr ist das Schiff bereits in Sortland angekommen und die wenigen Busausflügler kehren auf das Schiff zurück. Wir machen um 12.35 Uhr unseren Platz für sie frei und begeben uns in die Kabine. Die ist natürlich noch nicht fertig und wir hängen von außen das „Nicht stören Schild“ an die Türklinke. Das Ablegen in Sortland um 13 Uhr und das Anlegen um 14.15 Uhr in Stokmarknes bekommen wir nicht mehr mit. Dabei hätte man sich hier in der Liegezeit von einer Stunde das Hurtigrutenmuseum ansehen können. In diesem Ort hatte 1893 der Lotse Richard With die Idee, eine Postschifflinie zu gründen.
Um 15 Uhr ziehen wir uns erneut winterfest an, denn bald geht es in den Raftsund. Den Ort Stokmarknes verlässt die Midnatsol um 15.15 Uhr und 30 Minuten später gehen wir zum Bug unter die Brücke. Keine Minute zu spät, es ist erneut schon ganz schön besetzt hier vorne. Die Passage durch den Raftsund ist eben bekannt und bei den Reisenden ein beliebtes Foto- und Filmmotiv. So eben auch bei uns. Gegen 16.10 Uhr ist es dann soweit. Die Midnatsol biegt hinter der Insel Brottøya nach Steuerbord in den Raftsund ein und durchfährt eine große Brücke. Der Raftsund ist eine natürliche Wasserstraße, die die Inselgruppen der Vesterålen und die der Lofoten voneinander trennt. Am 6. November 1998 wurde die 711 Meter lange Raftsundbrücke eröffnet, so dass es eine Straßenverbindung zwischen den Inselgruppen gibt. Leider wurden dadurch viele Fährarbeiter arbeitslos.
Weiter geht es unter der Brücke hindurch in den berüchtigten Raftsund. Berüchtigt deshalb, weil hier bereits 3 Hurtigrutenschiffe verunglückt sind. In der Nacht zum 22. September 1954 ging das nordwärts fahrende Hurtigrutenschiff Nordstjernen bei Hanøy auf Grund, wobei fünf Menschen ihr Leben verloren. Die Wasserstraße wird immer enger, öffnet sich wieder und wird erneut enger. Leider kann die Midnatsol im Winter nicht in den Trollfjord einfahren, weil der leider vereist ist. Auch bei dieser für uns abartigen Kälte lohnt sich jede Minute der Fahrt hier am Bug. Es zieht eine grandiose Winterlandschaft an uns vorbei und wir können uns nicht satt sehen. Nach einer Stunde Fahrtzeit ist der Raftsund zu Ende und wir sind ordentlich durchgefroren. Daher gehen wir um 17.10 Uhr in die Kabine, ziehen die dicken Wintersachen aus und holen mit den Thermobechern auf Deck 8 wieder Kaffee und Tee. Den Computer habe ich gleich mitgenommen und schreibe einige E-Mails.
Um 18.30 Uhr legt die Midnatsol in Svolvær an und gleichzeitig ist die Abendsitzung im Restaurant eröffnet. Als Vorspeise gibt es eine Kartoffel-Lauch-Suppe mit Croutons und Trüffelöl. Danach eine im Ofen gedünstete Schellfisch-Roulade mit Gemüse, Tomatenjus und gebackenen Mandelkartoffeln. Zum Nachtisch wird noch eine Rhabarber-Erdbeersuppe mit Blätterteig und Sauerrahm serviert. Das kostenlose Schiffswasser brauche ich ja nun nicht mehr zu erwähnen. Gegen 19.45 Uhr sind wir wieder in der Kabine und ziehen uns für einen weiteren Vortrag um.
Um 20 Uhr legt das Schiff von Svolvær ab und wir sind erneut im AMFI-Theater zu einem Vortrag von Michael Risch. Das Hupen beim passieren der MS Nordlys um 20.30 Uhr können wir bis in das Theater hören. Um 21.30 Uhr ist der Vortrag zu Ende und wir legen in Stamsund an. Der Aufenthalt ist hier auch nur eine halbe Stunde lang und wir gehen noch in den großen Panoramasalon auf Deck 8. Hier treffen wir auf Alexandra und Holger und Anja spendiert eine Runde Bier. Um 23 Uhr ist Alexandra müde und möchte gern in ihre Kabine.
Wir gehen noch einmal hinaus auf das Außendeck auf Deck 9 und wollen das Polarlicht sehen. Unser Schiff überquert zur Zeit die offene Seestrecke Vestfjord und trotz wolkenfreiem Himmel ist das Himmelsphänomen nicht zu sehen. Michael Risch ist mit einigen Mitreisenden auch hier draußen und erklärt den tollen Sternenhimmel. Da wir aber keine dicken Sachen anhaben, gehen wir lieber wieder in unsere Kabine und überspielen die vielen schönen Daten des heutigen Tages auf Computer und Festplatte. Nachdem auch die Akkus an den Ladegeräten hängen, gehen wir um 23.55 Uhr zu Bett.

nächster Tag

 

 

 

 

 


Klick für große Bilder:

MS Polarlys in Harstad

Risøyrennakanal

Leuchtzeichen

Stokmarknes

 

 

Einfahrt in den Raftsund

 

 

Raftsundbrücke

 

 

Raftsundkanal

 

 

Landschaft am Trollfjord