Anjas und Winfrieds Reiseseite
www.wurzelsreisen.de
 

 

Polarlicht und Sterne 2013

Sonntag 10. März 2013

Honningsvåg - Havøysund - Hammerfest - Øksfjord - Skjervøy

Tromsø


Erneut mitten in der Nacht besucht die Midnatsol Honningsvåg von 5.45 Uhr bis 6.15 Uhr. Da schlafen wir noch, denn die durchschaukelte Nacht hatte uns kaum schlafen lassen. Gegen 7 Uhr sind wir nacheinander im Badezimmer und um 7.45 Uhr im Restaurant. Im Hafen von Havøysund liegt das Schiff dann von 8.15 Uhr bis 8.30 Uhr. Nach dem Frühstück sind wir in der Kabine und räumen erst einmal auf. Nicht das wir ein Chaos angerichtet haben, aber nach einer Woche hat sich doch eine Menge von verschiedenen Sachen angesammelt, die eine gewisse Ordnung brauchen. Da sind die Tagesbeschreibungen, die ich jeden Tag von der Reiseleitung auf Deck 8 mitnehme. Es gibt verschiedenste Ortspläne, die an der Rezeption auf Deck 4 ausliegen. Eingekaufte Souvenirs wie die 3 Trolle aus der Schiffsboutique. Und natürlich muss auch mal die Kleidung neu sortiert werden.
Um 9 Uhr sind wir dann bereits auf Deck 8 mit Computer, E-Book und den Thermobechern für Kaffee und Tee. Gegen 9.30 Uhr begegnen wir der nordwärts gehenden Nordnorge und es wird wieder kräftig gehupt. Danach treffen Alexandra und Holger ein und wir schauen gegenseitig unsere bisher gemachten Bilder an. Dann laufen wir bereits wieder auf Hammerfest zu und wir können die ersten riesigen Gastanker erkennen, die vor der Insel Melkøya auf ihre Beladung warten. Sehr gut sind die riesigen runden Flüssiggastanks zu erkennen.
Um 12 Uhr sind wir dann wieder zur offenen Sitzung zum Mittagessen im Restaurant. Gleichzeitig legt unser Schiff auch bereits in Hammerfest an und bleibt hier für 30 Minuten liegen. Wir sind satt und ziehen uns in die Kabine zurück. Es bleibt nicht viel Zeit zum relaxen, denn bereits um 14 Uhr gibt es einen interessanten Vortrag unseres Lektors Michael Risch über die Polarlichter. Gegen 15.15 Uhr ist dieser Vortrag zu Ende und wir gehen auf die Kabine. Draußen ist erneut Sauwetter und so kommen wir nun doch noch zu einer kurzen Mittagsruhe. In dieser Ruhe liegt die Midnatsol für 15 Minuten in Øksfjord. Da für den Nachmittag keine weitere Anlandung ansteht und es auch kein weiteres Programm gibt, verbummeln wir die Zeit im Schiff, auf Deck 8 und mit unseren Thermobechern im Panoramasalon.
Genau um 18.30 Uhr sind wir zusammen mit unseren Mitreisenden im Restaurant zum Abendessen. Heute gibt es eine in Aquavit marinierte Rentier-Oberschale, serviert mit Kräutersalat als Vorspeise. Das Hauptgericht ist ein Eismeer-Saibling mit Spargel, Roswald-Kartoffeln und Sauce Hollandaise. Danach gibt es noch ein norwegisches Heidelbeer-Parfait. Und, wie könnte es auch anders sein, kostenloses Schiffswasser. Dazwischen, um 19.15 Uhr, liegen wir mit dem Schiff in Skjervøy an der Pier. Die Liegezeit ist hier ebenfalls nur eine halbe Stunde. Kurz nach der Abfahrt, gegen 20.10 Uhr, sind wir in der Kabine und bereiten uns auf die Polarlichtnacht vor. Warme Sachen, ausgezogenes Stativ, schussbereite Kamera und natürlich die Spikes und dicke Handschuhe liegen bereit.
Um 21 Uhr stapfen wir voll bepackt auf Deck 9 und suchen uns einen günstigen Platz zum Ausgang auf das Außendeck. Holger schaut kurz vorbei. Er ist, wie man so sagt, geschniegelt und gespornt. Die beiden haben sich für das Mitternachtskonzert in der Eismeerkathedrale in Tromsø angemeldet und warten jetzt bereits auf das Anlegen. Wir wollen nicht mit zum Konzert, wir warten lieber hier auf die Polarlichter. Um 21.30 Uhr begegnet uns die MS Nordnorge, die wir bereits vor unserer Abfahrt als Süd gehendes Schiff in Trondheim gesehen haben. Jetzt sind wir das Süd gehende Schiff und sie fährt nach Norden.
Wir haben jetzt fast 22 Uhr und es passiert nichts. Alle paar Minuten setze ich die Mütze auf, ziehe Handschuhe an und gehe nach draußen. Vom Außendeck ist kaum das Ufer in dem Fjord nach Tromsø zu sehen. Immer wieder gibt es Schneeschauer und die Hoffnung auf Polarlichter zerplatzt langsam. Als ich wieder einmal von draußen hereinkomme, mach Anja den Vorschlag, wir sollten uns ein Bier gönnen. Hier an Bord kostet so ein Gerstensaft im 0,4 Literglas fast 10 €uro pro Glas. Das darf man nun wirklich nicht mehr in die gute alte D-Mark umrechnen. Da bleibt einem ja fast das Gerstengesöff im Halse stecken. Wer kaufte damals schon 2 Bier für 40 Mark? Aber was soll man gegen die Langeweile machen? Anja setzt sich durch und geht ein Deck tiefer an die Bar. Mit den Gläsern voll teurem Gerstensaft kommt sie nach wenigen Minuten zurück und wir gönnen uns einen kräftigen Schluck.
Weitere zwei Mal gehe ich nach draußen, doch dann ist der große Moment endlich da. Um 22.30 Uhr kann ich die Küstenlinien ganz klar und deutlich sehen und am Himmel sind alle Wolken wie weggeblasen. Da sich meine Augen noch nicht richtig an die Dunkelheit gewöhnt haben, ist der leichte Schleier am Himmel auch kaum zu erkennen, er wird aber immer deutlicher. Jetzt oder nie, denke ich und renne zurück in den Panoramasalon so schnell es die Spikes überhaupt erlauben. Ich alarmiere Anja und wir schnappen uns die Ausrüstung. Die wertvollen und noch halb gefüllten Biergläser lassen wir stehen - so what - wenn die weg sind, egal, das Polarlicht hat absoluten Vorrang.
Draußen angekommen stürmen wir direkt nach hinten am Abgaskamin vorbei auf den Hubschrauberlandeplatz. Hier ist es stockdunkel und wir bauen Stativ und Kamera direkt an der Reling auf. Langsam gewöhnen sich unsere Augen an die Dunkelheit und das Polarlicht wird immer deutlicher und heller. Anja macht zu Beginn ein paar Aufnahmen, die nicht so recht gelingen, hat aber nach der dritten Aufnahme den Bogen raus. Jetzt stimmen die manuellen Einstellungen von Blende und Länge der Belichtungszeit exakt. Ein Bild wird schöner als das Andere und ich kann mich an diesem Himmelsspektakel währen der Belichtungszeiten gar nicht satt sehen. Der helle Schleier leuchtet in gelb und grün, nur eine Bewegung ist nicht zu erkennen. Hier werden wir, die wir das Polarlicht zum ersten Mal sehen, von den Aufnahmen im Film stark getäuscht. Das Polarlicht „weht“ nicht. Es sind Einzelbilder, die zu einem Film aneinander gefügt werden und so eine Bewegung erkennen lassen. Ähnlich funktioniert ein Zeichentrickfilm. Das Einzige kleine Manko ist die Bewegung des Schiffes. Da es aber sehr ruhig im Wasser liegt, bringt nur die Vorwärtsbewegung etwas Unschärfe in die tollen Bilder. Gegen 23.30 Uhr verblasst das Polarlicht langsam und wir packen ein. Die Stunde hier draußen haben wir trotz der Kälte gar nicht als so lang empfunden.
Wir sind wieder im Panoramasalon und – oh Wunder – unsere Biergläser stehen, zwar ist der Inhalt inzwischen schal geworden, immer noch an ihren Plätzen. Holger taucht auf und gesellt sich kurz zu uns. Er ist etwas enttäuscht. Er hat die Polarlichter verpasst. Es gab auch keine Durchsage der Reiseleitung. Die ist wohl zu so später Stunde nicht besetzt oder war mit der Vorbereitung des Mitternachtskonzertes beschäftigt. Ganz stolz zeigt Anja die Fotos auf dem Display ihrer Kamera und es sind wirklich sehr schöne Aufnahmen geworden. Um 23.45 Uhr liegt die Midnatsol in Tromsø und langsam entleeren sich das Schiff und unsere Biergläser auch. Wir machen noch einige Aufnahmen von der hell erleuchteten Eismeerkathedrale und gehen um 0.15 Uhr zu Bett. Wir haben endlich unsere Polarlichter gesehen und der eigentliche Zweck dieser Reise hat sich für uns erfüllt. Um 1.15 Uhr sind die Mitreisenden vom Konzert zurück und die Midnatsol verlässt pünktlich um 1.30 Uhr die Stadt Tromsø.

nächster Tag

 

 

 

 

 


Klick für große Bilder:

Hammerfest 1

Hammerfest 2

MS Nordkapp

Gastanker vor Melkøya

 

 

Polarlicht 1

 

 

Polarlicht 2

 

 

Polarlicht 3

 

 

Polarlicht 4

 

 

Eismeerkathedrale