Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Polarlicht und Sterne 2013

Freitag 08. März 2013

Hammerfest - Havøysund - Honningsvåg - Nordkap -

Kjøllefjord - Mehamn - Berlevag


Mitten in der Nacht, um 5.15 Uhr, erreicht unser Schiff, die MS Midnatsol, den bekannten Ort Hammerfest. Diese Stadt galt lange als die nördlichste Stadt der Welt, bis Honningsvåg 1998 ebenfalls den Stadt-Status erhielt. Die Bezeichnung „nördlichste Stadt der Welt“ trifft allerdings auf Honningsvåg ebenso wenig zu, da es weitere Städte gibt, die sich noch weiter nördlich befinden, z. B. die Stadt Barrow in Alaska. Obwohl nun Honningsvåg nördlicher liegt, darf Hammerfest aufgrund einer Vereinbarung weiterhin mit dem Slogan „nördlichste Stadt Europas“ für sich werben. Auf der vor Hammerfest gelegenen Insel Melkøya hat ein internationales Konsortium die größte Erdgasverflüssigungsanlage Europas errichtet. Von der Insel wird das Erdgas mit riesigen Tankschiffen nach Südeuropa und in die USA verschifft.
Viel bekommen wir von dieser Stadt nicht mit, denn in der eineinhalbstündigen Liegezeit schlafen wir noch tief und fest. Um 6.45 Uhr legt das Schiff bereits wieder ab und wir stehen erst um 7 Uhr auf. Gegen 7.50 Uhr sind wir im Restaurant und frühstücken wie immer. Es gibt heute viel freien Platz, da einige Passagiere wohl auch von der Schaukelei des Schiffes seekrank sind. Wir passieren eine offene Seestrecke und da gibt es nun mal etwas höhere Wellen. Deshalb gehen wir gleich nach dem Frühstück zurück in die Kabine und machen es uns, da kein Programm anliegt, bequem.
Um 9.30 Uhr legt die Midnatsol in Havøysund an und soll bereits um 9.45 Uhr wieder ablegen. Daraus wird aber nichts, da die große Ladeluke klemmt. Es wird gehämmert und gedrückt, aber es nützt nichts. Die Passagiere dürfen sogar für einige Minuten von Bord gehen, bis der Schaden behoben ist. Da es aber sehr kalt draußen ist, wir haben laut Außenthermometer jetzt immer um die Minus 10 Grad, bleiben wir lieber im warmen Schiff. Aber die Schiffsarbeiter kennen dieses Problem wohl, denn nach einer halben Stunde ist die Ladeluke wieder schließbar und die Midnatsol kann um 10.15 Uhr mit 30 Minuten Verspätung ihre Fahrt fortsetzen.
Bereits um 10.45 Uhr gibt es das Mittagessen in offener Sitzung. Wir schaufeln uns schnell den Teller voll und gehen danach direkt wieder in die Kabine und ziehen uns ganz warm an. Um 11.45 Uhr erfolgt bereits der Aufruf für den Ausflug zum Nordkap. Natürlich folgen wir dem und gehen mit unseren Kameras bewaffnet ins Treppenhaus. Hier steht bereits alles voll. Scheinbar will das komplette Schiff den Ausflug zum Nordkap mitmachen. Wir müssen noch weitere 10 Minuten hier herumstehen und fangen in dem warmen Schiff in unseren Wintersachen an zu schwitzen. Dann endlich legt das Schiff in Honningsvåg an und die Passagierluke öffnet sich. Langsam entleert sich das Schiff, denn jeder Passagier muss erst seine Bordkarte durch den Scanner ziehen. Als wir endlich außerhalb angekommen sind müssen wir feststellen, dass wir zuerst noch etwa 500 Meter zu den Bussen laufen müssen. Diese stehen abseits der Hafengebäude auf einem eigenen Parkplatz. Also stapfen wir durch den hohen Schnee und suchen einen Bus mit der Kennzeichnung unserer Gruppe. Wir haben Glück, der zweite Bus hat unser Schild und ist auch noch fast leer. Die zweite Reihe auf der rechten Seite gehört uns, hier kann ich ganz gut filmen.
Um 12.10 Uhr geht es endlich los. Wir haben eine junge örtliche Reiseleiterin mit sächsischem Akzent, die hier in Honningsvåg mit ihrem Verlobten lebt und diesen Job auch sehr gerne macht. So erzählt sie jedenfalls. Wir können uns das gut vorstellen, denn es kommen ja täglich Schiffe der Hurtigruten in diese Stadt auf der Insel mit dem Nordkap und im Sommer sogar sehr oft große Kreuzfahrtschiffe. Sie erzählt uns einiges über die Stadt Honningsvåg, dass auf Deutsch „Honigbucht“ bedeutet, und, das die rund 2360 Einwohner vom Tourismus zum 40 Kilometer entfernten Nordkap und vom Fischfang leben. Wir fahren zuerst durch den Ort und dann hinaus in die tolle und hoch verschneite Winterlandschaft. An einer Bucht sehen wir die „Copacabana“ wie die Einheimischen ihren Badestrand liebevoll nennen. Leider ist dieser tief verschneit. An der Weggabelung hinauf zum Nordkap muss die Karawane aus 9 großen Reisebussen halten und aufschließen. Ab hier geht es die letzten 12 Kilometer steil hinauf zum Nordkap nur mit einem Schneepflug als Vorausfahrzeug.
Endlich sind wir um 12.45 Uhr am Nordkap angekommen und betreten gespannt dieses Hochplateau. Wir haben jetzt 90 Minuten Zeit für das touristische Highlight der gesamten Reise. Zuerst gehen wir mit Alexandra und Holger zum Denkmal von König Oskar II, der 1873 das Nordkap besuchte. Die eiserne Weltkugel weiter drüben wird geradezu gestürmt und die heben wir uns eben für das Ende der Besichtigung auf. Von hier haben wir einen ganz guten Blick auf den noch 1400 Meter weiter nördlich gelegener Punkt, nämlich die westlich benachbarte Landzunge Knivskjellodden. Diese ist aber touristisch nicht so gut erschließbar, flach und unspektakulär. Bereits 1553 hatte sich der britische Seefahrer Richard Chancellor für den 307 Meter hohen Schieferfelsen entschieden und ihm den Namen Nordkap gegeben. Im Jahr 1958 wurde die Nordkaphalle mit dem Besucherzentrum gebaut und 1978 die eiserne Plastik der Weltkugel aufgestellt.
Wir fotografieren und filmen uns gegenseitig und schlendern langsam durch den Schnee zur eisernen Weltkugel. Hier ist mittlerweile ein wenig Ruhe eingekehrt und wir haben die Chance, uns auch alleine oder mit nur wenigen Mitreisenden auf dem Podest vor der Eisenkugel gegenseitig abzulichten. Mittlerweile ist ganz tolles Wetter, es ist fast wolkenlos. Nur in der weiteren Nachbarschaft zieht spektakulär ein Schneeschauer gut sichtbar vorbei. Die Sonne steht jetzt in der Mittagszeit ganz flach am Himmel und selbst kleinste Steine, die aus dem Schnee nur wenige Zentimeter hervorstehen, werfen meterlange Schatten. Das ist ein fantastischer Anblick.
Wir haben noch gut eine halbe Stunde Zeit und da die Toiletten im Untergeschoss sind, gehen wir danach auch dort in das Kino. Dumm ist nur, der Film ist gerade zu Ende und die Besucher strömen heraus. Wir gehen auch nach oben und sehen uns ein wenig im Souvenirshop um. Auch hier sind die Preise sehr hoch und die Trolle fast unerschwinglich. Wir werden wohl doch diese kleinen Figuren im Shop des Schiffes kaufen. Die sehen einigermaßen lustig aus und sind zudem preiswert. Etwas Günstiges gibt es also doch auf der Midnatsol zu erwerben. Wir haben alles gesehen, was es zu sehen gibt und warten am verschneiten Eingang der Nordkaphalle auf die Abfahrt der Busse. Die stehen wie Spalierobstbäume aufgereiht auf dem Parkplatz und warten auf die Passagiere. Unser Bus ist noch zu und sowohl der Fahrer und die junge Frau aus Sachsen sind noch nicht da. Also vertreten wir uns noch ein wenig die mittlerweile kalt gewordenen Füße und machen noch ein paar Fotos.
Um 14.15 Uhr kommen Fahrer und Reiseleiterin und die Passagiere steigen ein. Wir können uns den Bus gerade noch merken, andere haben da aber wohl so ihre Schwierigkeiten. Eine ebenfalls sächsisch redende, ältere Frau findet ihren Platz nicht oder Fremde haben sich auf ihre Plätze gesetzt. Diese Verwirrung verzögert die Abfahrt, aber dann fährt der Konvoi aus Bussen unter Führung des Schneepfluges endlich los. Gegen 15 Uhr sind wir mit dem kurzen Fußmarsch wieder am Schiff und haben jetzt noch 15 Minuten Zeit bis zum Ablegen. Da immer noch schönes Wetter ist, nutze ich die Gelegenheit, noch ein paar Filmaufnahmen von außen auf das Schiff zu machen. Die Midnatsol verlässt dann um 15.15 Uhr den Ort Honningsvåg und steuert weiter in Richtung Osten. Wir steuern in die Kabine zum Aufwärmen und danach aufs Bett zum relaxen. Den deutschsprachigen Vortrag um 15.50 Uhr über das Volk der Samen sparen wir uns heute.
Gegen 17 Uhr sollen wir die eleganteste und sogar beleuchtete Seeklippe Norwegens passieren, die Finnkjerke. Also stehen wir bereits um 16.50 Uhr mit Kameras bewaffnet an der Reling auf Deck 6. Draußen ist wieder Schneesturm und die sehr nahe Küste ist im Dämmerlicht kaum zu erkennen. Wir schauen uns die Augen nach einer beleuchteten Klippe aus, können aber nichts entdecken. Mit viel Fantasie und gutem Willen erkenne ich eine Felsformation, die wie eine Kirche aussieht, bin mir aber nicht sicher ob sie das auch ist. Was wir aber gut erkennen können ist ein Zodiac mit Außenbordmotor, das zwischen Schiff und Festland mit hoher Geschwindigkeit hin und her fährt. Um 17.10 Uhr sind wir dann auf Deck 9 im Außenbereich. Das Wetter ist wieder besser und so sehen wir uns die riesigen, fast tellergroßen Königskrabben an. Ein Same in seiner Tracht hält die lebenden Tiere an zwei der sechs Beinen hoch und erklärt diese furchterregend aussehenden Meeresbewohner. Eigentlich gehört diese Monsterkrabbe zur Familie der Krebse und stammt ursprünglich aus den Gewässern vor Japan und Alaska. In den 1960er Jahren siedelten die russischen Fischer die Tiere in der Barentssee in der Nähe von Murmansk an und sie vermehrten sich hier explosionsartig. Die Population reicht heute bis zu den Lofoten. Natürlich werden diese Prachtexemplare ausgiebig abgelichtet. Wir sind da etwas vorsichtiger und haben ordentlichen Respekt vor den beiden Scheren, die vor den Beinen sitzen und auf- und zuschnappen.
Um 17.30 Uhr erreicht das Schiff den Ort Kjøllefjord. Der Ort liegt jetzt schön beleuchtet in der Abenddämmerung am Ende einer Bucht. Der Aufenthalt dauert aber nur 15 Minuten und bereits um 17.45 Uhr fährt die Midnatsol weiter und wir sind um 18 Uhr zum Nordkapbuffet im Restaurant. Hurtigruten hat alles aufgeboten, was man sich unter einem skandinavischen Buffet vorstellt. Es gibt Fisch, Austern, Krabbenbeine, Rentierfleisch, andere Fleischsorten und natürlich auch ganz tollen Nachtisch. Wir genießen dazu wieder unser köstliches und kostenloses Schiffswasser. Gegen 19.15 Uhr sollen wir Nordkyn, den nördlichsten Punkt des europäischen Festlandes sehen können, aber durch das Restaurantfenster und in der Dunkelheit ist das unmöglich.
Wir sind sehr gut satt geworden und es hat alles ausgezeichnet geschmeckt. Deshalb ziehen wir uns um 19.30 Uhr in die Kabine zurück und sichten erst einmal unsere Aufnahmen vom Nordkap. Sie sind sehr gut geworden und werden auch gleich auf Computer und Festplatte überspielt. Um 19.30 Uhr sind wir und das Schiff in dem Ort Mehamn angekommen, den wir nach 30 Minuten bereits wieder verlassen. Dann, um 20.30 Uhr erfolgt die Durchsage der Schiffsreiseleitung über Lautsprecher: Es sind Polarlichter zu sehen. Erst Stille, dann Panik. Schnell in die warmen Klamotten. Dabei rennen wir uns in der Kabine fast gegenseitig über den Haufen, obwohl sie doch groß genug ist. Anja schnappt sich ihre Kamera und ich nestele bereits am Stativ herum. Da das Filmen der Polarlichter unmöglich ist, werde ich ihr beim Fotografieren helfen. Natürlich ist auch außerhalb der Kabine die Hölle los. Den Gang zum hinteren Treppenhaus schaffen wir noch, dort aber ist Stau. Es ist voll und es geht die 3 Decks hoch nur langsam voran. Von der Durchsage bis zur Ankunft auf Deck 9 und der Gewöhnung an die Dunkelheit der Augen sind gut 25 lange Minuten vergangen. Von den Polarlichtern ist nur noch ein grauer Schleier übrig geblieben. Oder ist das etwa eine normale Wolke? Auch sehr gut möglich.
Um 22.55 Uhr bin ich noch einmal in Wintermontur auf Deck 6 auf dem Umlauf. Die MS Lofoten, eines der ältesten Schiffe der Hurtigruten passiert uns auf der Backbordseite. Bei dem Seegang hat das kleine Schiff ganz schön mit den Wellen zu kämpfen und die Passagiere brauchen wohl etwas gegen die Seekrankheit. Danach erreichen wir den Ort Berlevag. Hier liegt die Midnatsol von 23.05 Uhr bis 23.25 Uhr am Pier. Der Tag war lang und mit einem schönen Ausflug gesegnet. Deshalb haben wir uns die Bettruhe um 23.50 Uhr verdient.

nächster Tag

 

 

 

 

 


Klick für große Bilder:

Honningsvåg

Copacabana

Zum Nordkap

Denkmal für König Oskar II

 

 

Eiserne Weltkugel 1

 

 

Am Nordkap

 

 

Eiserne Weltkugel 2

 

 

Eiserne Weltkugel 3

 

 

Kunst am Nordkap

 

 

Eingang zur Nordkaphalle

 

 

Schneepflug

 

 

Busparade

 

 

Finnkjerka

 

 

Königskrabbe

 

 

Kjøllefjord