Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Polarlicht und Sterne 2013

Donnerstag 07. März 2013

Harstad - Finnsnes - Tromsø - Skjervøy


Ich bin heute auch ohne einen falsch gestellten Wecker bereits um 5 Uhr wach. Das Schiff schaukelt ganz schön und krängt trotz der Stabilisatoren ein wenig. Wir befinden uns jetzt hinter den Lofoten und dem Raftsund auf dem Weg zu den Vesteralen und haben wohl eine kurze Strecke mit offener See zu passieren. Um 6.45 Uhr erreicht die Midnatsol den ruhigen Hafen in Harstad und ich gehe ins Bad. Danach mache ich mich mit den Wintersachen und den Spikes bereit zu einem kurzen Ausflug auf das Außendeck. Ich hatte durch das Kabinenfenster gesehen, dass es draußen wunderbares Licht zum Filmen gibt. Und ich werde nicht enttäuscht. Der ganze Ort ist von der gerade erst aufgegangenen Sonne in ein wunderbares, weiches Morgenlicht getaucht. Man kann sich gar nicht satt sehen an der Kulisse mit den tief verschneiten Bergen im Hintergrund. Ich kann auch gar nicht genug davon mit der Kamera aufnehmen, obwohl später im Film nur eine kurze Sequenz zu sehen sein wird.
Wir stehen am Bug unter der Schiffsbrücke und beobachten, wie um 7.50 Uhr die Finnmarken auf Harstad zuläuft. Natürlich verharren wir noch so lange, bis sich beide Schiffe mit ihren lauten Nebelhörnern begrüßt haben. Während die Finnmarken an uns vorbei fährt, legt unser Schiff genau um 8 Uhr ab, um ihr den Pier freizumachen. Es ist kalt hier draußen und wir freuen uns jetzt auf das Frühstück im Restaurant. Da treffen wir nur 10 Minuten später ein und genießen erst einmal den heißen Kaffee und den Tee. Da ich die Kamera mithabe, kann ich auch noch schnell auf der Backbordseite die Tondenes Kirche filmen. Dieses Bauwerk stammt aus dem Jahr 1250 und sie ist die nördlichste mittelalterliche Steinkirche Norwegens.
Nach dem Frühstück sind wir wieder in unserer Kabine und warten, bis im Mane Amfi Theater im Bugbereich der Vortrag über „Tromsø – das Tor zum Eismeer“ beginnt. Pünktlich um 10 Uhr sind wir in dem Kino und sehen uns den ca. 20 Minuten dauernden Lichtbildvortrag an. Wir sind enttäuscht, denn wir erfahren nichts über die Stadt Tromsø selbst, sondern es wird nur über uns völlig unbekannte Polarforscher referiert. Um 10.30 Uhr gehen wir deshalb zurück in die Kabine und Anja macht sich die Haare. Ich bin mit dem Ultrabook wieder auf Deck 8 und nutze ein wenig das freie Internet.
Genau um 11 Uhr stehe ich wieder vorne am Bug und filme die Ankunft in Finnsnes. Es ist bei fast wolkenlosem Himmel eine tolle Anfahrt auf den Hafen dieser relativ kleinen Stadt. Links passieren wir eine felsige Landzunge mit einem Leuchtzeichen und die Midnatsol lässt ihr Horn laut ertönen. Kurz danach ist bereits wieder Mittagessen, aber das muss ich wieder wegen der Ausfahrt aus Finnsnes unterbrechen. Anja bleibt am Tisch und ich filme nicht nur die Ausfahrt, sondern auch die Durchfahrt durch die Gisund Brücke hinter Finnsnes. Diese Brücke verbindet die zweitgrößte Insel Senja mit dem norwegischen Festland. Leider ist in der letzten Stunde das Wetter wieder schlechter geworden und der Himmel ist jetzt stark bewölkt. Ich sichere mir im Restaurant noch etwas vom Nachtisch und dann ziehen wir uns in unsere Kabine zurück. Um 13 Uhr gibt es im Panoramasalon auf Deck 8 und 9 ein Konzert der nordnorwegischen Militärkapelle. Aber wir sind doch schon ganz schön geschafft und wollen unsere Energie für die nachmittägliche Rundfahrt in Tromsø aufheben.
Wir haben tatsächlich wenige Minuten geruht und stehen pünktlich um 14.45 Uhr in unseren Wintersachen vor dem Schiff am Bus. Die Rundfahrt durch Tromsø beginnt gleich mit dichtem Schneetreiben und führt zuerst zum Erlebniszentrum Polaria, einer Ausstellung mit Aquarium und einem Kino. Hier sehen wir zuerst einen Film über Svalbard – wie Spitzbergen in der Landessprache heißt. Dort werden wir bereits in 3 Monaten sein und schauen ganz interessiert zu. Es gibt in dem sehr guten Film herrliche Landschaftsaufnahmen und eine tolle Tierwelt zu sehen. Danach schlendern wir durch die Ausstellung und sehen Eisbären aus Pappe und eine Darstellung des Lebens der Polarforscher im Eis. Was diese Menschen unter den hier gezeigten Lebensumständen alles auf sich genommen haben ist unvorstellbar. Weiter geht es zu einem großen Wasserbecken, in dem sich ein paar Robben oder Seehunde tummeln. Leider ist gerade keine Show und da die Zeit auch schon knapp ist, gehen wir zurück zum Bus.
Nach dem Besuch im Polaria werden wir bei immer dichter werdendem Schneetreiben weiter über die Insel gefahren. Auch dieser Bus hat Spikes, sonst hätten wir nicht gerne direkt auf den ersten Plätzen gesessen. Unsere Reiseleiterin hier im Fahrzeug erklärt uns sehr ausführlich die Umstände der Versenkung des deutschen Schlachtschiffes Tirpitz. Dieses Schlachtschiff der Bismarck-Klasse lag zum Schutz des Nachschubs an Eisenerz und der Bedrohung der Geleitzüge nach Murmansk hier vor der Insel Hakøya und wurde am 12. November 1944 bei einem Luftangriff der Royal Air Force durch einen Volltreffer in den Munitionsbunker versenkt. Dabei kamen 1204 Mann Besatzung ums Leben. Viele Männer ertranken jämmerlich im Rumpf des gekenterten Schlachtschiffes. Die Tirpitz war, durch das höhere Verdrängungsgewicht, das größte jemals in Deutschland gebaute Kriegsschiff und das Wrack wurde erst in den 1950er Jahren verschrottet.
Danach fährt der Bus weiter, vorbei am Flughafen, an einem großen Krankenhaus und dann über die große Brücke zur bekanntesten Sehenswürdigkeit der Stadt Tromsø, der Eismeerkathedrale. Hier bekommen wir 30 Minuten Zeit, um uns dieses architektonische Kleinod ansehen zu können. Leider schneit es draußen immer noch, aber drinnen ist es schön warm. Diese evangelisch-lutherische Kirche wurde 1965 von Jan Inge Hovig gestaltet und soll aufgeschichtete Eisplatten darstellen. Die Chorseite schmückt heute ein 140 Quadratmeter großes Buntglasfenster, das 1972 von Victor Sparre geschaffen wurde und die Wiederkehr Jesu zeigt. Es ist eines der größten Glasgemälde Europas. Die Reiseführerin erzählt zu dem Fenster noch eine tolle Geschichte: Ursprünglich hatte die Chorseite auch ein Fenster aus klarem Glas, das den Innenraum hell erscheinen lassen sollte. Da das Fenster aber nach Osten ausgerichtet ist, hatten die Besucher des morgendlichen Gottesdienstes an den sonnigen Tagen immer Sonnenbrillen auf. Das sollte nicht sein und so wurde das Fenster in Auftrag gegeben. Jetzt ist es manchen Verantwortlichen für diese Kirche aber zu dunkel und man wäre das Fenster gerne wieder los.
Um 17 Uhr sitzen wir wieder im Bus und sind 10 Minuten später in der Stadt vor dem Schiff. Wir haben noch Zeit bis zum Ablegen und bummeln noch ein wenig durch die Fußgängerzone. Wir wollen uns zum Andenken an diese Reise noch einen kleinen Troll kaufen, finden zunächst aber kein Geschäft, das die kleinen Figuren verkauft. Erst im Hafen kurz vor dem Schiff gibt es einen großen Souvenirladen. Aber die Preise verschlagen uns wieder einmal den Atem. Da sind die kleinen Trolle, die es im Schiff zu kaufen gibt wesentlich günstiger. So lassen wir unser Geld im Portemonnaie und betreten um 17.40 Uhr recht durchgefroren das Schiff. Ich ziehe mir kurz die dicken Wintersachen aus und hole mit den Thermobechern erst einmal einen heißen Kaffee in die Kabine.
MS Midnatsol verlässt um 18.30 Uhr die selbst ernannte Hauptstadt des Polarlichtes und steuert wieder in Richtung Norden. Das Wetter war bisher gegen uns und wir haben noch kein Polarlicht gesehen. Da es Zeit zum Abendessen ist, gehen wir ins Restaurant. Heute gibt es wieder regionale Spezialitäten wie eine grüne Erbsensuppe mit Speckwürfeln und Sahneschaum als Vorspeise. Danach wird ein gegrillter Stockfisch mit Kartoffelpüree, Porto-Sauce und Speck serviert. Zum Nachtisch gibt es dann einen Käsekuchen mit Waldbeeren-Kompott. Natürlich darf das kostenlose Schiffswasser nicht unerwähnt bleiben.
Auf dem Tagesprogramm steht um 20.30 Uhr ein Vortrag des Kapitäns über Stockfisch mit Verkostung auf Deck 9 im Außenbereich. Es ist aber derart schlechtes Wetter mit dichtem Schneetreiben, das dieses Event wohl ausfällt. Wir gehen gar nicht erst hoch und hinaus um nachzusehen. Gegen 21 Uhr versuche ich noch auf dem Umlauf auf Deck 6 die Begegnung mit der MS Trollfjord aufzunehmen. Aber es ist stockdunkel, immer noch starker Schneefall und darum verzichte ich nach wenigen Minuten auf die Begegnung. Ich hole noch einen Earl Grey Tee in unseren Bechern und überspiele weitere Daten auf das Ultrabook und die mobile Festplatte. Dann erreicht um 22.30 Uhr die Midnatsol den Ort Skjervøy. Da sich das Wetter gebessert hat, bin ich kurz mit den Spikes und der Kamera draußen auf dem Umlauf. Ich kann das Anlegen und das Ein- und Aussteigen von Passagieren beobachten. Es wird eifrig mit Gabelstaplern Fracht Be- und auch Entladen. Einige der Passagiere werden erwartet und begrüßen die Abholer herzlich. Vor der Midnatsol kreuzt ein Fischtrawler in dunkelblauer Beleuchtung nach steuerbord den Bug und fährt hinaus in die Nacht zum Fischfang.
Nach nur 15 Minuten Liegezeit legt unser Schiff bereits wieder ab und hat jetzt die offene Seestrecke Loppa vor dem Bug. Um 23.15 Uhr sind wir im kuschelig warmen Bett und löschen das Licht.

nächster Tag

 

 

 




Klick für große Bilder:

Harstad

MS Finnmarken

Finnsnes

Gisundbrücke

 

 

Brücke zum Festland

 

 

Ishavskatedralen

 

 

Innenraum

 

 

Glasgemälde

 

 

Kerzenleuchter

 

 

Westfassade

 

 

Skjervøy 1

 

 

Skjervøy 2