Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Polarlicht und Sterne 2013

Mittwoch 06. März 2013

Ørnes - Bodø - Stamsund - Svolvær


Der heutige Morgen beginnt für mich nicht gut. Ich stehe auf und mache mich im Bad für den Tag fertig. Zurück im Schlafzimmer fällt mir auf, das ich die Uhr falsch abgelesen habe. Ich bin bereits um 5 Uhr aufgestanden, wollte aber eigentlich bis 7 Uhr schlafen. Macht nichts, denke ich und lege mich noch einmal ins Bett. Um 7.15 Uhr jage ich dann Anja ins Bad und ich gehe selbst zum Filmen mal kurz raus auf Deck 6. Das heißt, ich versuche, auf Deck 6 zu gehen. Das ist aber nahezu unmöglich, denn mir zieht es fast die Beine weg. Es ist spiegelglatt draußen. Der Regen von gestern Abend ist über Nacht gefroren und bildet eine Zentimeter dicke Eisschicht auf dem Deck und auf den hölzernen Handläufen. Jetzt sind wir im Winter angekommen. Ich kehre sofort zurück in die Kabine und krame unsere Spikes hervor. Die hatten wir uns vor der Reise besorgt und können dank der Gummiriemen ganz leicht über die normalen Schuhe gezogen werden. Ich ziehe die Dinger über und mache einen weiteren Versuch. Das Balancieren mit den Spikes ist sehr gewöhnungsbedürftig und entsprechend kurz werden die Aufnahmen nur am Heck mit der Videokamera.
Nach einem kurzen Blick auf den Hurtigrutenfahrplan gehen wir mit den Kameras bewaffnet auf Deck 8 in den Panoramasalon. Der ist ganz vorne über der Brücke und ist sogar noch hoch bis Deck 9 mit zwei geschwungenen Treppen verbunden. Von beiden Decks aus hat man eine tolle Sicht auf die Landschaft vor dem Schiff. Wir sehen eine aufgewühlte See und kurz danach das Objekt unserer Begierde. Es ist das südwärts gehende Schiff, die Nordlys. Sie passiert in geringem Abstand unsere Midnatsol und hupt kräftig drei Mal und unser Schiff antwortet auf gleiche Weise. Durch die raue und diesige See werden die Aufnahmen aber nicht besonders gut, wie ich später feststellen werde.
Mit unseren Kameras sind wir um 8.20 Uhr im Restaurant zum Frühstück. Das ist wie immer reichhaltig und gut und auch der Kaffee aus der Maschine schmeckt mir. Anja hat sich mit dem heißen Wasser und den verschiedenen Teebeuteln angefreundet. Nach dem Frühstück gehen wir in die Kabine und streifen uns wieder die Spikes über die Schuhe. Wir wollen um 9.15 Uhr das Anlegen in Ørnes aufnehmen. Das Schiff wird hier planmäßig für 15 Minuten Halt machen.
Um 10.30 Uhr sind wir dann in voller Wintermontur und mit Spikes auf Deck 9 im Außenbereich. Das Schiff hupt laut als es die Edelstahlkugel am Polarkreis passiert. Neptun, Tetis und Nostradamus haben sich mit Gefolge angekündigt. Es ist Polarkreistaufe. Zuerst werden die Gewinner des Ratespiels verkündet. Mein Zettel mit der von mir geschätzten Uhrzeit scheint entweder verloren gegangen zu sein oder wurde nicht berücksichtigt. Ich habe bis auf 3 Minuten die genaue Uhrzeit geraten, aber 3 andere Passagiere haben die ausgelobten Preise bekommen. Was soll`s. Wir beobachten noch, wie sich verrückte Passagiere bei diesen Temperaturen Eiswasser und Eiswürfel in den Nacken schütten lassen und kehren um 11 Uhr zurück in die Kabine. Hier ist es jedenfalls kuschelig warm und ich kann meinen Ärger abrauchen lassen.
Nachdem wir uns ein wenig aufgewärmt haben, schnappen wir uns die Thermobecher und gehen mit Ultrabook auf Deck 8. Hier gibt es in einem der Salons sogar freies W-Lan und damit Internetzugang. Da wir jetzt bereits ein paar Tage unterwegs sind, wollen natürlich die Freunde zu Hause wissen wie es uns geht. Ich schreibe eine neutrale E-Mail und versende diese an einige uns wichtige Personen. Danach nutze ich noch die freie Zeit und überspiele einige Kameradaten auf die Festplatten. Kurz vor Bodoe packen wir den Eletronikkram ein, gehen hinunter in unsere Kabine und ziehen uns wieder die warmen Wintersachen an.
Um 12 Uhr erreicht die Midnatsol Bodø und sie hat hier bis 15.30 Uhr Aufenthalt. Es ist tolles Wetter mit einem fast wolkenlosen Himmel, aber es ist sehr kalt und der Schnee liegt recht hoch. Zudem ist es noch genau die Mittagszeit, in der das Restaurant zu Tisch bittet. Im Sommer wären wir in den über 3 Stunden gern einmal durch die Stadt gebummelt, wissen aber nicht, wie wir das jetzt hier hinbekommen sollen. Nach kurzem Überlegen entscheiden wir uns für das Schiff und kehren nach tollen Aufnahmen zurück. Gegen 12.30 Uhr sind wir im Restaurant und es gibt erstaunlich viel Platz. Es sind also doch einige Menschen in Bodø unterwegs. Mitten während des Essens gibt es eine Durchsage: Das Schiff wird zum Treibstoff bunkern kurz verlegt. Da hätten wir im Ort aber dumm geschaut, wenn das Schiff plötzlich abgehauen wäre. Da hätte es bestimmt Panik ausgelöst. Was die an Land befindlichen Passagiere wohl denken werden?
Um 13.30 Uhr sind wir mit dem Buffet fertig und zurück in der Kabine. Ob wir diesmal einen ungestörten Mittagsschlaf haben werden? Die Vorhänge sind schnell zugezogen und wir legen uns in die noch nicht gemachten Betten. Die Mädels kommen immer erst am späten Nachmittag, kurz vor dem Abendessen. Es klappt. Wir schaffen es tatsächlich bis 15 Uhr zu schlafen. Wir müssten sowieso jetzt aufstehen, weil der nächste Lektorenvortrag um 15.30 Uhr ansteht. Auch die Midnatsol kehrt gerade vom Bunkern nach Bodø zurück und wir sind heilfroh, nicht auf Landgang gewesen zu sein. Wir hätten fast eineinhalb Stunden in der Kälte oder in einem Restaurant verbringen müssen. Glück gehabt. Gegen 15.20 Uhr legt die Midnatsol ab und macht sich auf den Weg über die Vestfjorden auf die Lofoten. Michael Risch hält erneut einen Vortrag im Kino auf Deck 5 über das Universum und hat auch diesmal wieder tolle Bilder auf dem Beamer mitgebracht. Wir sitzen diesmal in der ersten Reihe mit Alexandra und Holger. Eine Schweizerin aus der Gruppe setzt sich vor dem Vortrag, genau als das Licht abgedunkelt wurde, genau vor Anjas Füße. Ob das wohl so sein muss und auch noch ohne zu fragen? Bei mir hätte die Dame schlechte Karten gehabt. Ich kann während eines solchen Vortrages sehr unruhig auf meinem Sitz werden. Anja ärgert sich natürlich auch, lässt die Frau aber gewähren.
Der Vortrag dauert bis fast 17 Uhr und wir gehen zurück in die Kabine. Ich versuche mit Spikes und Kamera noch einmal ein paar Aufnahmen auf dem Außendeck, aber der Wind bläst mich fast weg. Also bleiben uns nur Deck 8 und das Internet mit unserem Rechner. So bekommt man auch die Zeit bis zum Abendessen herum.
Genau um 18.30 Uhr sitzen wir wieder mit Alexandra und Holger an unserem Tisch und bestellen das kostenlose Schiffswasser. Als Vorspeise gibt es Selbu Bla°, einen Blauschimmelkäse aus der Region. Danach wird ein geschmortes Rinderbrustfilet auf Gemüselabskaus und einer Rotweinsoße gereicht. Zum Nachtisch bekommen wir dann noch einen Apfelstreusel mit Karamellsoße. Davon hätte ich gerne zwei gehabt und den Selba Bla° weggelassen. Da das Wasser auf Dauer nicht schmeckt, geben wir an unserem Tisch noch einen Beerenwein aus.
Genau um 19.20 Uhr erreicht unser Schiff den Ort Stamsund  auf den Lofoten. Natürlich ist es draußen dunkel und wir sehen leider nur die Lichter der Straßenlaternen und die erleuchteten Fenster der Häuser des Ortes. Ganze 45 Minuten Liegezeit hat das Schiff und nach der Abfahrt, kurz hinter der Hafenausfahrt begegnen wir dem Hurtigschiff Richard With. In der Nacht blinken die Schiffe mit ihren zwei starken Scheinwerfen am Bug drei Mal und zwar das Süd gehende Schiff zuerst. Danach steuert die Midnatsol auf Svolvær zu. Um 21.20 Uhr erreichen wir die größte Stadt der Lofoten, die gleichzeitig auch das Verwaltungszentrum ist. Die 4000 Einwohner leben hauptsächlich vom Fischfang, genauer vom Fang des Kabeljau und der Erzeugung von Stockfisch. Schon in der Hafeneinfahrt stehen auf der Steuerbordseite die beleuchteten Holzgestelle mit den zum Trocknen aufgehängten Fischen. Auch hier hat unser Schiff 45 Minuten Aufenthalt und wir können beobachten, das hier einige Passagiere aussteigen und auch einige in der glasüberdachten Halle auf das Schiff warten, um zusteigen zu können. Nach dem Zustieg legt das Schiff um genau 22.10 Uhr wieder ab.
Um 23 Uhr steuert die Midnatsol auf den Raftsund zu. Es ist stockdunkle Nacht und wir sehen vom Bug aus nur rote und grüne Lichter blinken. Dafür gibt es aber für die Passagiere im Außenbereich auf Deck 9 noch Fischfrikadellen zu ergattern. Wir sind auch auf Deck 9 angekommen, können aber keine der Köstlichkeiten erkennen. Entweder sind diese schon alle, was unwahrscheinlich ist, oder sie werden im hinteren Bereich auf dem Hubschrauberlandeplatz gereicht. Da wollen wir aber bei diesem mittlerweile dichten Schneetreiben nicht hin und so lassen wir die Fischfrikadellen eben sausen.
Um 23.40 Uhr sind wir nach einem kurzen Rundgang über das Schiff zurück in unserer Kabine und beginnen die verdiente Bettruhe.

nächster Tag

 

 

 




Klick für große Bilder:

MS Midnatsol in Ørnes

MS Midnatsol in Bodø

Hurtigrutenfähre nach Stamsund und Svolvær

Midnatsol in Bodø

 

 

Polarkreistaufe 1

 

 

Polarkreistaufe 2

 

 

Kübel mit Eiswürfeln

 

 

Winterlandschaft

 

 

Stamsund

 

 

Stockfisch in Svolvær

 

 

Hafen von Svolvær