Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Mit MS Columbus

auf arktischem Kurs 2011

Sonntag 04.09.2011

Fahrt durch den St.-Lorenz-Strom

In der vorletzten Nacht an Bord des Schiffes passieren wir weitere zwei Schleusen. Diese liegen im Beauharnois Kanal, der den Lake St. Louis mit dem Lake St. Francis verbindet. Die Namen dieser Schleusen waren leider nicht herauszufinden.
Kurz vor 7 Uhr sind wir wach und auf dem Weg zum Frühstück in den Palmengarten entdecken wir unsere Koffer, die gute Geister in der Nacht vor die Kabinentür gestellt haben. Zuerst setzen wir uns auf Deck 6 in den Außenbereich, denn es ist wie am Vortag in Montreal wunderschönes Wetter und warm. Das Frühstück vom Buffet ist wie immer gut und reichhaltig und Alexandra und Holger leisten uns auch diesmal wieder Gesellschaft. Wir passieren um 7.30 Uhr die erste Schleuse des Wiley-Dondero-Kanals. Sie nennt sich Snell-Schleuse und unser Schiff passt so gerade hinein. Die Durchfahrt dauert eine gute dreiviertel Stunde.
Gegen 8 Uhr verziehen wir uns dann in den Innenbereich des Oberdecks. Es wird immer dunkler und ein Gewitter zieht auf. Das dauert eine knappe halbe Stunde und beschert uns Regen und ein paar weit entfernte Blitze.
Die Durchfahrt durch den Sankt-Lorenz-Strom ist trotzdem traumhaft schön. Links und rechts eine wunderbare Landschaft, die hin und wieder mit kleineren Inseln aufwartet. Ab und zu begegnet uns ein Frachtschiff auf seinem Weg in den Atlantik und weiter die Küste Nordamerikas entlang. Oder gar über den Atlantik bis nach Europa.
Um 10 Uhr gehen wir hinunter in die Lounge. Videograph Albin Kiechle möchte den Passagieren seinen Videofilm, den er von dieser Reise erstellt hat, vorführen. Der Film dauert knapp eine Stunde und ist ganz gut gemacht. Leider filmt Herr Kiechle im Format 4:3 und niedriger DV-Qualität. Leider muss er darauf Rücksicht nehmen, dass viele der Gäste noch einfache DVD-Spieler und einfache Fernsehgeräte zu Hause haben. Nach der ersten Vorführung des Filmes geht Anja nach oben und sichert unsere schönen Plätze, auf die bisher Alexandra und Holger aufgepasst haben. Die beiden lösen mich in der Lounge ab und haben dadurch hier auch schöne Plätze in der ersten Reihe.
Gegen 11.30 Uhr sehen wir vor dem Bug die zweite Schleuse des Kanals. Es ist die Dwight-D.-Eisenhower-Schleuse und es gibt sogar eine beachtliche Anzahl von Zuschauern. Von einem nahegelegenen Camp-Ground strömen die Menschen herbei, um das Durchfahren des Kreuzfahrtschiffes zu beobachten. Beide Schleusen des Wiley-Dondero-Kanals liegen auf der amerikanischen Seite des Sankt-Lorenz-Stromes. Auch hier dauert die Einfahrt, das Anheben des Schiffes und die Ausfahrt fast 45 Minuten. Jetzt sind wir im Lake St. Lawrence und können erst einmal die Fahrt unbehelligt weiter fortsetzen.
Um 12.30 Uhr gibt es im Palmengarten das Mittagessen und gegen 13.45 Uhr erreicht unser Schiff den Iroquois Kanal. Dieser ist zwar wie eine Schleuse gebaut, also mit je einem Tor an seinen Enden, aber der Wasserstand hat kein unterschiedlich hohes Niveau. Der Kanal dient deshalb ausschließlich der Regulierung des Wasserstandes der nachfolgenden Seen und dem Betrieb von Wasserkraftwerken.
Nach 14 Uhr gibt es den ersehnten Mittagsschlaf, der aber abrupt um 15 Uhr endet.
Annie Laszigs Stimme tönt aus den Bordlautsprechern und, vermutlich versehentlich, auch aus den Lautsprechern in der Kabine. Wir sind kurz vor dem Gebiet der „Thousand Islands“ und dazu müssen natürlich viele Informationen an das Schiff fahrende Volk weitergegeben werden. Wir stehen auf und gehen gegen 15.30 Uhr in den Palmengarten. Nachdem wir gefilmt und fotografiert haben, spielt Anja wieder Bingo. Es ist das letzte Bingo der Reise und ein besonderes Spiel. Für jede gezogene Schnapszahl auf dem Spielbrett gibt es tatsächlich einen Schnaps. Nicht nur, dass Anja wieder den Jackpott holt, sie hat auch noch 7 der Schnapszahlen erwischt.
Um 17.25 Uhr passieren wir im Gebiet der „Tausend Inseln“ Dark Island mit dem darauf erbauten Singer Castle. Dieses schlossartige Wochenendhaus hat sich um 1900 der Präsident der Nähmaschinenfabrik, ein gewisser Frederick Gilbert Bourne, bauen lassen. Kurz danach liegt ebenfalls auf der amerikanischen Seite des Stromes Heart Island mit dem Boldt Castle. George C. Boldt wurde 1853 auf Rügen geboren und schaffte es, Hotelmanager des berühmten Waldorf Astoria Hotels in New York zu werden. Eigentlich sollte das Castle der Familiensitz der Boldts werden, aber kurz vor der Fertigstellung verstarb plötzlich die Ehefrau des Bauherrn. Dieser betrat danach nie wieder die Insel und das Haus. Alle Arbeiter wurden auf einen Schlag arbeitslos und mussten die Baustelle verlassen. Bis 1977 kümmerte sich niemand mehr um das Gebäude und es stand kurz vor dem Abriss. Erst eine Stiftung kümmerte sich um das verlassene und baufällige Gebäude und steckte mehrere Millionen US Dollar hinein. Heute ist es ein beliebtes Ausflugsziel in dem Gebiet der „Thousand Islands“.
Und dann gibt es noch die Legende des gleichnamigen Dressings. Als wahrscheinlichste Erfinderin des Thousand-Island-Dressings gilt Sophia LaLonde aus einer kleinen Ortschaft im Gebiet der „Thousand Islands“. Sie soll das Rezept für ihre Salatsauce an den legendären Maître d' hôtel Oscar Tschirky weitergegeben haben, der das Dressing ins Repertoire des Waldorf-Astoria-Hotels in New York aufgenommen hat.
Genau um 18 Uhr sind wir erneut in der Lounge. Hier findet der Abschiedscocktail des Kapitäns statt. Es gibt Abschiedsreden der Kreuzfahrtdirektorin Uta Elsner, des Hotelmanagers Stefan Drevlak und des Sicherheitsoffiziers. Als dieser gerade zu seiner Rede ansetzen will, ertönt der Schiffsgong und Kapitän Gottschalk meldet sich von der Brücke. Da ein Lotse an Bord ist, kann er seinen Arbeitsplatz nicht verlassen und verabschiedet sich auf diese Weise von seinen Gästen. Nach der Rede des Kapitäns ist dann endlich der Sicherheitsoffizier an der Reihe und stellt den Columbus Crew Chor vor, der nach einem Toast auf die schöne Reise auch ein Liedchen trällert. Da im Chor viele Besatzungsmitglieder aus asiatischen Ländern stammen, hört sich das Lied „Wir lieben die Stürme“ doch sehr seltsam an. Aber an der Melodie ist es leicht identifizierbar.
Nach dem Fest in der Lounge müssen wir uns schnell in der Kabine umziehen, denn das Abschiedsabendessen beginnt um 19.30 Uhr. Serviert wird Erdbeercocktail, Geflügelleber, Sorbet, Steinbutt mit Champagner-Risotto, Filet Wellington im Brotteig und danach folgen wieder sehr lange Reden der Führungscrew. Die Damen und Herren werden einzeln vorgestellt und ihr beruflicher Werdegang ausführlich erläutert.
Um 21.30 Uhr, nach quälenden fast 30 Minuten Redezeit, spielt die Happyband dann endlich den Marsch für das von allen Passagieren so heftig herbeigesehnte Ereignis. Das Licht geht aus und die Schlange der Kellnerinnen und Kellner betritt das Restaurant. Jeder hat eine Eisbombe auf der Hand in Schulterhöhe und in seiner anderen ein Funken sprühendes Feuerwerk. Genau so wie auf dem Traumschiff.
Nach dem Verteilen der süßen Nachspeise bekommen unsere Tischmädchen ihre Umschläge mit dem Trinkgeld und wir bekommen die Menükarten der Reise mit den persönlichen Unterschriften unserer Mädels. Das ist eine sehr schöne Geste. Dann kommt der unvermeidliche Abschied von unseren Mitreisenden und Tischnachbarn. Wir verabschieden uns von Alexandra und Holger und von Mutter und Sohn Zahn.
Gegen 22 Uhr sind wir in der Kabine. Es steht noch ein letzter Kraftakt bevor - wir müssen die Koffer packen. Es dauert auch über eine Stunde bis unsere Sachen sortiert und in dem jeweiligen Koffer untergebracht sind. Wir sind noch vier Tage in Toronto und wollen nicht zwei Koffer durchwühlen müssen. Deshalb kommt die gesamte gebrauchte Wäsche in einen Koffer, der dann bis nach Hause nicht mehr geöffnet werden muss. Völlig durchgeschwitzt platziere ich die fertig gepackten Koffer vor der Kabinentüre und stelle mich danach unter die wohltuende Dusche. Erst 15 Minuten vor Mitternacht ist Bettruhe.

nächster Tag

 

 

 

 



Klick für große Bilder:

Sonnenaufgang

Schiffsbegegnung

Eisenhower Schleuse

Iroquoise Schleuse

 

 

Annie und der Crew Chor

 

 

Wassersport

 

 

Boldt Castle

 

 

Einmarsch der Tischcrew

 

 

Eisbombe

 

 

Ulrike, Cindy, Stephanie