Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Mit MS Columbus

auf arktischem Kurs 2011

Samstag 03.09.2011

Montreal

Da die Stadtrundfahrt heute sehr früh beginnt, haben wir uns den Wecker gestellt. Der lärmt bereits um 6 Uhr und wir huschen durch das Badezimmer. Bereits um 6.50 Uhr haben wir eine Verabredung zum Frühstück mit Alexandra und Holger im Palmengarten. Leider ist dieser Morgen diesig, aber das Olympiastadion für die Spiele von 1976 ist auf der Steuerbordseite gut erkennbar. Unser Schiff manövriert in den Hafen von Montreal und macht an Shed 6 fest. Wir frühstücken ganz in Ruhe zu Ende und genießen die frische Luft und den freien Blick hier oben auf Deck 6.
Zurück in der Kabine können wir die Zöllner direkt vor unserem Fenster beobachten. Das Schiff liegt so, dass Deck 3 genau auf Höhe der Pier liegt. Könnte man unser Kabinenfenster öffnen, genügte ein kleiner Schritt um an Land zu gelangen. Unser Kameraequipment ist bereit und nach der Mitteilung um 8.15 Uhr, dass die Einreiseformalitäten erledigt seien, dürfen wir das Schiff verlassen. Dieses Unterfangen stellt sich aber als schwierig heraus. Der Zugang zum Land erfolgt über unser Deck drei, führt aber auf der Steuerbordseite hinter den Rettungsbooten entlang und dann seitlich über eine Gangway an Land. Es ist bereits ein Stau entstanden, denn der Computer für die Registrierung der Passagiere funktioniert noch nicht und draußen arbeiten noch Matrosen an der Entschärfung von hervorstehenden Kanten an den Booten.
Um 8.30 Uhr betreten wir den Boden von Montreal bereits zum vierten Mal. Erst letztes Jahr 2010 waren wir für mehrere Stunden in dieser Metropole Kanadas. Das Schiffsterminal wirkt stark heruntergekommen, es sieht eher nach alten und bereits jahrelang verlassenen Lagerhallen aus, was sie früher auch bestimmt einmal waren. Wie wir später sehen werden, nennt es sich Alexandra Kai und auf der löchrigen Straße vor der Halle müht sich unser Busfahrer ab, sein Gefährt zwischen den Lagerhallen zu wenden. Für eine Stadt wie Montreal ist das erbärmlich und es bleibt zu hoffen, dass dies hier nur eine Notlösung ist. Schließlich kassiert die Stadt viel Geld als Anlegegebühr.
Wie in Quebec dauert die erste Fahrt nur wenige Minuten. Unterhalb des Place d’Armes, ja, auch in Montreal gab es einen Exerzierplatz, entlässt uns der Bus. Wir traben hinter unserer Stadtführerin den kleinen Berg hinauf zur Basilika Notre Dame. Wir bekommen bereits vor der Kirche die ersten Erläuterungen vermittelt und dürfen danach das Gotteshaus betreten. Glücklicherweise ist es noch früh am Tag und Samstag. Noch ist die Kirche relativ leer, aber wir sind gleich von diesem Anblick erschlagen. Bilder können das Innere der Basilika kaum wiedergeben. Das blaue Licht und die vergoldeten Schnitzereien auf den hölzernen Verkleidungen sind einfach fantastisch anzusehen.
Diese Kirche liegt in der Altstadt Montreals an der Rue Notre Dame, wurde von 1824 bis 1829 im neugotischen Stil erbaut und ersetzte die früher an dieser Stelle stehende, katholische Pfarrkirche. Erstaunlicherweise war der Architekt James O’Donnel ein Protestant irischer Herkunft aus New York. Der Innenraum, so wie wir ihn jetzt bewundern können, wurde erst in den Jahren 1872 bis 1880 neu gestaltet. Davon ist besonders der Altarraum erwähnenswert. Die Szenen stellen den Leidensweg Jesu dar mit dem Abendmahl. An der Spitze des Altars krönt der wieder auferstandene Sohn Gottes seine Mutter Maria. Noch erwähnenswert ist die sich über dem Eingang erhebende Orgel von Casavant Freres. Sie hat vier Manuale, 99 Register und 6500 Pfeifen. Sie stammt aus dem Jahr 1891 und ist weltweit die erste, elektrisch betriebene Orgel. Besonders schön sind auch die Holzarbeiten in der Kapelle Sacré-Cœur hinter dem Altarraum. Der durch einen Brand 1978 zerstörte Raum wurde bis 1982 völlig umgestaltet und erneuert.
Um 9.45 Uhr bringt uns der Bus zur McGill College Avenue und entlässt uns hier. Direkt an der Haltestelle gibt es einen Zugang in die Unterstadt Montreals. Diese besteht aus einem über 32 Kilometer langem Tunnelnetzwerk, das Bahnhöfe, Einkaufszentren, Behörden und Straßen miteinander verbindet. Diese berühmte „Ville Interieure“ erstreckt sich über 12 Quadratkilometer und bietet den Vorteil, in extrem kalten Wintern nicht an die „Oberfläche“ zu müssen. Ein weiteres Tunnelsystem gibt es in Toronto und dort nennt es sich „PATH“. Von unserer Stadtführerin werden wir daher unterirdisch vom Les Cours bis zum Eaton Center geleitet. Da es noch sehr früh ist, sind viele Geschäfte noch geschlossen oder machen gerade erst auf. Hinter dem Eaton Center dürfen wir dann wieder an die frische Luft und setzen die Stadtrundfahrt fort.
Nächster Halt ist das St. Josephs Oratorium in der Nähe des königlichen Berges, des Mont Royale. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde hier aus einer kleinen Kapelle in verschiedenen Bauabschnitten eine römisch-katholische Basilika erbaut. Sie wird heute von über zwei Millionen Menschen und Pilgern besucht und als Wallfahrtskirche genutzt. Einige der Pilger erklimmen die 300 Stufen zur Basilika betend und nur auf ihren Knien. Leider ist die Zeit mal wieder viel zu knapp bemessen und ein Besuch im Innenraum der Kirche ist wegen des Weges hinauf nicht möglich.
Nächster Halt ist der Aussichtspunkt am Hang des königlichen Berges, wie ihn der Seefahrer Jaques Cartier zu Ehren seines Gönners und Königs Franz I, nannte. Von hier hat man einen schönen Blick über einen Teil der Stadt, aber besonders auf das Olympiastadion. Um 12.30 Uhr ist die Rundfahrt vorbei und wir werden am Shed 6 des Alexandra Quai ausgeladen. Ohne Klimaanlage ist es mittlerweile wieder ganz schön warm und wir sind froh, zurück ins Schiff zu dürfen. In der Kabine machen wir uns kurz frisch und gehen dann ins Restaurant zum Mittagessen.
Wir haben keinen weiteren Ausflug gebucht und sind auch froh, an Bord bleiben zu können. Wir nutzen die freie Zeit zum Schlafen, nehmen Kaffee und Kuchen auf dem Oberdeck, setzen E-Mails ab und beobachten um 16.45 Uhr das Auslaufen der Maasdam, die am Nebenpier lag. Das Spektakel gipfelt in einem gigantischen Hupkonzert. Beide Kapitäne lassen ihre Nebelhörner zum Gruß ertönen und das ist hier oben auf Deck 6 richtig laut, zumal sich der Schall an den harten Mauern der ehemaligen Lagerhäuser bricht. Anja bleibt im Palmengarten mit einem Buch sitzen. Es ist immer noch traumhaftes Wetter und die Sonne erzeugt bereits einen goldenen Schimmer, also ideale Voraussetzungen für schöne Aufnahmen.
Gegen 18.30 Uhr verlasse ich das Schiff und gehe mit meinem Bordausweis durch die erste Kontrolle in der Lagerhalle. Gleich zwei kanadische Beamte beäugen meinen Ausweis und gewähren mir dann großzügig den Durchgang. Nach der Lagerhalle muss ich dann noch durch die schwer bewachte Zollkontrolle an der Einfahrt zum Shed 6. Auch hier werde ich gründlich kontrolliert und sehr nachdrücklich darauf hingewiesen, dass ich bitte den Fußweg benutzen muss. Ich war leichtsinnigerweise auf der Fahrbahn gelaufen, da weit und breit kein Fahrzeug zu sehen ist. Nun, wir sind eben auf dem amerikanischen Kontinent und hier ist man in Sicherheitsdingen übervorsichtig.
Die Altstadt, Vieux-Montreal, liegt direkt am Sankt-Lorenz-Strom und ist der älteste Stadtteil. Ein 250 Meter langer Abschnitt am Ufer wurde in die Parkanlage Champ-de-Mars umgestaltet. Der alte Hafen, Vieux-Port, umfasst die ehemaligen Pieranlagen, die Uferpromenade und den Uhrenturm Tour de l’Horloge. Im warmen Licht der Abendsonne macht es nicht nur Freude, die Menschen in ihrer Wochenendfreizeit zu beobachten, es gibt auch schöne Foto- und Filmmotive. Da das Abendessen und das Auslaufen anstehen, mache ich mich bald wieder auf den Rückweg und bin um 19 Uhr wieder an Bord.
Das Abendessen nehmen wir erneut mit Alexandra und Holger im Palmengarten ein und stehen auch genau um 20 Uhr an der Reling. Die Altstadt von Montreal bietet ebenfalls eine sehr schöne, stimmungsvolle Kulisse für die Verabschiedung unseres Kreuzfahrtschiffes. Im Gegensatz zu Quebec stehen diesmal hunderte Menschen an der Pier und winken uns zu, als der Kapitän sein Nebelhorn ertönen lässt und die Vangelis-Hymne ertönt. Allein das Blitzlichtgewitter ist sehenswert. Vorsichtig steuert das Schiff in den Sankt-Lorenz-Stom hinaus und fährt zuerst ein Stück stromaufwärts zur Spitze der Ile Sainte Helene. Hier wendet das Schiff wieder stromabwärts und wir hören das laute Kreischen der Menschen in der Achterbahn aus dem Vergnügungspark auf der Insel. Hier befindet sich das Schiff bereits in einem Kanal zur ersten Schleuse. Hinter der ersten Insel passieren wir dann die berühmte Ile Notre-Dame, auf der sich der Circuit Gilles Villeneuve befindet. Jährlich findet hier der Formel 1 Grand Prix von Kanada statt. Auch die Baustelle des Spielkasinos ist gut erkennbar, da hier mit Beleuchtung sogar nachts mit Hochdruck an der Fertigstellung gearbeitet wird.
Bereits um 21 Uhr fährt die MS Columbus in die erste Schleuse ein. Die Reederei wirbt damit, dass dieses Schiff das einzige deutschsprachige Schiff sei, das alle Schleusen des Seeweges bis hinauf in die großen Seen durchfahren kann. Die erste Schleuse ist die Schleuse St. Lambert direkt nach der Formel 1 Rennstrecke und diese hat für uns eine besondere Bedeutung. Letztes Jahr fuhren wir mit dem „The Ocean“ Zug auf dem Weg von Halifax nach Montreal über die Pont Victoria und damit über den Sankt-Lorenz-Strom. Und genau an dieser Stelle sind wir jetzt wieder, nur diesmal auf einem Schiff und ein Segment der Eisenbahnbrücke schwebt über uns. Fast auf Höhe von Deck 6 blicken wir auf die langsam vorbeiziehenden Gleise der Eisenbahnstrecke, über die wir vor 12 Monaten im Zug gefahren sind.
Nach der ersten Schleuse folgt nach einer Flussbiegung die zweite Schleuse Ste. Catherine, bevor das Schiff den Lake St. Louis erreicht. Wir verweilen noch einige Zeit im Palmengarten und sind gegen 23 Uhr zurück in unserer Kabine.

nächster Tag

 

 

 

 



Klick für große Bilder:

Olympiastadion von 1976

Pont Jacques Cartier

Hafen mit Uhrenturm

Basilika Notre Dame

 

 

Altarraum Notre Dame

 

 

Jesus krönt Maria

 

 

Unterstadt

 

 

St. Josephs Oratorium

 

 

Kabine

 

 

Columbus in Montreal

 

 

Abendliches Auslaufen

 

 

Pont Victoria bei Nacht