Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Mit MS Columbus

auf arktischem Kurs 2011

Freitag 02.09.2011

Quebec

Heute dürfen wir das erste Mal auf dieser Reise kanadisches Festland betreten. Deshalb schaue ich schon mal gespannt hinter das Rollo des Kabinenfensters. Das Land ist bereits sehr nahe, fast zum Anfassen nahe. Also kann die Stadt Quebec nicht mehr sehr weit sein. Also schnell durchs Bad gehuscht und auf Deck 6 an die frische Luft zum Frühstück. Bereits um 7.40 Uhr sind wir im Palmengarten und treffen auf Alexandra und Holger. Wir nehmen gemeinsam einen Tisch im Freien und frühstücken zusammen vor einer grandiosen Kulisse. Unsere Columbus steuert ganz langsam auf ihre Anlegestelle zu. Vor ihr liegt bereits die Maasdam, ein Kreuzfahrtschiff der Holland Amerika Linie. Und über uns auf dem Berg thront das Hotel Chateau Frontenac wie ein mittelalterliches Schloss. So kann man sein Frühstück richtig genießen. Das finden auch viele andere Passagiere und bald ist Deck 6 rappelvoll.
Für unseren Landgang, soll heißen die Stadtrundfahrt, ist diesmal nur leichtes Gepäck nötig. Wir brauchen keinen Schirm, keine dicke Jacke, eigentlich nur unsere Kameras. Da wir Geld und Ausweispapiere brauchen, ziehen wir die leichten Westen an, die wir vorsichtshalber mitgenommen haben. Gegen 8.40 Uhr gehen wir von Bord und müssen durch ein Zollgebäude und noch ein weiteres Gebäude hindurchgehen. Dann stehen wir auf einem Platz, der einem Busbahnhof ähnelt. Es stehen jede Menge Busse herum und die Nummern der Fahrzeuge sind nicht gleich erkennbar. Wir finden unseren Bus Nummer 6 sofort und sind erstaunt, diesmal die ersten zu sein. Wir besetzen gleich die erste Reihe auf der rechten Seite und sind froh, dieses eine Mal diese Reihe ergattert zu haben.
Um 9.10 Uhr fährt der Bus los und Dorle, eine gebürtige Badenerin aus dem Schwarzwald, stellt sich als unsere Reiseführerin durch Quebec vor. Die Fahrt dauert nur ganze 5 Minuten und der Bus hält schon in der Unterstadt. Wir steigen aus und gehen hinter Dorle her in das historische Quebec. Das alte Quebec ist nach St. Johns die zweitälteste europäische Kolonie in Kanada und wurde im Juli 1608 von Samuel de Champlain gegründet. Der Name der Stadt kommt aus der Algonquin-Indianer Sprache und bezieht sich auf die Engstelle im St.-Lorenz-Strom, an der sie liegt. Das heutige Quebec hat eine halbe Million Einwohner und ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Dorle beginnt den Stadtrundgang in der „Basse Ville“, der Unterstadt, am Place Royale, der Keimzelle Quebecs. Da jetzt am frühen Morgen die Gebäude im Schatten liegen, wollen wir unsere Aufnahmen erst nach der Stadtrundfahrt machen. Es ist unser zweiter Besuch in dieser Stadt, der erste im Jahr 2002 war leider verregnet und es war kalt, aber dafür kennen wir uns ein wenig aus.
Gegen 10 Uhr sind wir wieder am Bus und fahren direkt zum Parlamentsgebäude. Hier steigen wir aus und beobachten eine Kuriosität. Jedes Fahrzeug, das hier hält, wird von Hilfspolizisten aufgeschrieben. Nach einer Höchstparkdauer von 10 Minuten bekommt es ein Knöllchen, sollte es noch hier stehen. Busfahrer mit Touristen bringt das in gewisse Nöte. Unser Fahrer dringt deshalb auf zügiges Aussteigen und hofft, dass später alle Passagiere vollzählig und pünktlich wieder zurück sind.
Das von 1877 bis 1886 erbaute Parlamentsgebäude mit seinem 53 Meter hohen Turm ist der Sitz der Provinzregierung von Quebec. Eigentlich ist es ein Parlamentsgebäude wie es viele in Kanada gibt und ähnelt ein wenig dem in Ottawa, dem Nationalparlament mit seinem hohen Glockenturm, der sogar den Big Ben Schlag läutet. Das besondere hier in Quebec sind die vielen Figuren und Statuen am Gebäude, die allesamt berühmte Menschen in der Geschichte der Provinz darstellen. Besonders die Skulptur der Ureinwohner gefällt uns, zeigt sie doch, wem früher einmal dieses Land gehört hat. Pünktlich zur vereinbarten Zeit sind wir wieder an der Bushaltestelle. Erst als alle Passagiere da sind, fährt der Bus vor und wir setzen uns wieder auf unsere Plätze.
Jetzt geht es weiter zur Zitadelle von Quebec. Auf der Fahrt dahin sehen wir ein altes Schlachtfeld, auf dem die Franzosen einst eine wichtige Schlacht gegen die Engländer verloren und eine Bronzefigur der Jungfrau von Orleans. Nach der Durchquerung eines Parkes sind wir an der Zitadelle. Dieses Fort wurde zwischen 1820 und 1832 sternförmig gebaut und erinnert uns sehr stark an die Zitadelle in Halifax, die wir 2010 besichtigt haben. Die Zitadelle von Québec Stadt dagegen wird heute noch militärisch von einem Regiment der kanadischen Streitkräfte genutzt. Hier befindet sich auch der Sommersitz des Gouverneur Generals von Kanada, dem Repräsentanten der englischen Königin. Auch im Sommer findet hier täglich eine Wachablösung statt und mit einer Führung kann man die Zitadelle sogar besichtigen. Nach 30 Minuten Aufenthalt sind wir erneut im Bus und fahren in die Stadt zurück.
Jetzt lotst Dorle den Fahrer durch einige der historischen Straßen der Oberstadt, der „Haute Ville“. Sie erklärt viel und wir erfahren Interessantes und Neues von dieser Stadt am St.-Lorenz-Strom. An der Kathedrale Notre-Dame de Québec hält der Bus und lässt uns zu einer weiteren Besichtigung aussteigen. Die Kirche Notre-Dame de Québec ist der älteste Sitz einer Diözese nördlich von Mexiko sowie die älteste Pfarrkirche Nordamerikas. 1874 wurde sie als erste Kirche in den Rang einer Basilika erhoben. Das erste Kirchengebäude stammt aus dem Jahr 1674. Es wurde 1759 bei der Belagerung von Québec durch die Engländer zerstört. Der wenige Jahre später errichtete Neubau brannte im Dezember 1922 ab, wurde aber bereits von 1923 bis 1930 zu der heute zu besichtigenden Kathedrale wieder aufgebaut. Die Kirche hat einen beeindruckenden Innenraum, aber da die Zeit mit der Gruppe knapp bemessen ist, werden wir am Nachmittag noch einmal hier her kommen und in Ruhe unsere Aufnahmen machen.
Der Bus fährt jetzt zum Hotel Chateau Frontenac und Dorle lässt den Bus direkt davor stoppen. Das ist für uns die Gelegenheit, sich von der Gruppe abzusetzen. Wir geben der Stadtführerin Bescheid und gehen erst einmal in das Hotel. Es hat sich seit unserem letzten Besuch im Jahr 2002 innen kaum geändert und wir machen jetzt mit den neuen Kameras auch wieder schöne Aufnahmen. Einige der Motive, die ich noch vom letzten Film her gut kenne, müssen natürlich wiederholt und erneut aufgenommen werden. Leider ist das Hotel eine Baustelle. Die Außenfassade und das Dach werden erneuert. Damit das nicht so krass auffällt, hat man das Gerüst vor der Fassade und dem Dach mit einer Plane bespannt, auf der das Hotel in seiner Erscheinung gemalt oder gedruckt ist. Mit einigem Abstand ist diese Täuschung nicht zu erkennen – toll gemacht.
Vom Hotel aus schlendern wir über den ehemaligen Exerzierplatz und setzen uns in ein Restaurant direkt am Place d’Armes. Es ist die Auberge du Tresor und das Restaurant nennt sich Le Relais. Wir haben das Glück, einen Platz auf der Terrasse zu bekommen. Anja bestellt einen Burger, ich nehme ein Steaksandwich und dazu bekommen wir eine Cola. Es ist ein schönes Restaurant und es macht wirklich Spaß, bei schönem und warmem Wetter an der frischen Luft essen zu können. Dieser Spaß kostet zwar 47 kanadische Dollar, aber der ist es uns Wert, zumal die Dollar noch von der Reise 2010 übrig waren.
Nach dem Essen schlendern wir durch die Künstlergasse Rue de Tresor. Ob die hier angebotenen Malereien wirklich Kunst oder nur Touristennepp sind, können wir nicht beurteilen. Hinter der kurzen Gasse wenden wir uns nach links und sind erneut an der Kathedrale Notre Dame de Québec. Jetzt können wir ohne den Gruppenstress unsere Aufnahmen machen. Nach dem Besuch in der Kirche kaufen wir einige Postkarten und gehen wieder zurück ins Hotel Chateau Frontenac. Hier gibt es an der Terrasse Dufferin ein Starbucks. Das ist zwar nicht unsere erste Wahl, aber in dem Laden gibt es Schatten, er ist klimatisiert, er hat Tische und Stühle zum Setzen und nebenbei gibt es auch noch einen Kaffee, der jetzt bestimmt gut tut. Wir nehmen uns einen Kaffee, den gab es tatsächlich auch ohne hundert Zutaten, und setzen uns an einen freien Tisch. Dann schreiben wir einige Postkarten und nach einer kleinen Erholungspause werfen wir sie in den Hotelbriefkasten.
Es ist bereits 14 Uhr und wir sind schon 2 Stunden von der Gruppe getrennt. Wir nehmen die Genickbruchtreppe, die heißt tatsächlich so, weil im Winter bei Eis hier schon solche Unfälle geschehen sind, und gehen erneut in die Unterstadt. Hinter dem Place Royal steht ein Haus mit einer beeindruckend bemalten Fassade. Das Gemälde ist dreidimensional gezeichnet und wenn man davor steht, ist man fast versucht, in die Szene hineinzulaufen. Danach gehen wir zurück zum Place Royal und besichtigen die Kirche Notre-Dame-des-Victoires. Die Kirche wurde zu Ehren des einzigen Sieges der Franzosen über die Engländer 1723 fertig gestellt und geweiht. 1759 siegten dann die Engländer in einer weiteren Schlacht und brannten die Kirche nieder. Erst 1816 wurde die Kirche erneut wieder aufgebaut.
Danach bummeln wir noch einmal über die Rue du Petit Champlain und bestaunen die schönen Geschäfte in den sehr gut restaurierten Häusern der Altstadt. Vom Boulevard Champlain aus treten wir den Rückmarsch zur Columbus an. Es ist nicht sehr weit und an den riesigen Aufbauten der Maasdam, die über die Häuser der Altstadt hinausragen, haben wir eine gute Orientierung. Wir schlendern noch die Rue Dalhousie entlang und biegen an der Rue de la Barricade recht ab. Hier ist gleich der Zugang zu den Schiffen und nachdem wir unsere Ausweise vorgezeigt haben, dürfen wir die Sperre der kanadischen Grenzpolizei passieren.
Um 15 Uhr sind wir an der Columbus und mit dem Durchziehen unseres Bordausweises durch das Lesegerät sind wir auch offiziell wieder auf deutschem Boden. Da bei der Hitze der Rundgang ganz schön anstrengend war, haben wir uns jetzt auch einen schönen Mittagsschlaf in der klimatisierten Kabine verdient. Die Lounge ist aus irgendeinem Grund gesperrt und so gehen wir auf Deck 6 in den Palmengarten. Hier ist heute das Kuchenbuffet aufgebaut und es gibt auch den leckeren Kaffee dazu.
Ab 18 Uhr gibt es an der Rezeption die Karten für die Stadtrundfahrt in Montreal und ich stelle mich ein letztes Mal an. Diesmal habe ich Glück und ergattere Karten für Bus Nummer 1. Um 18.30 Uhr geht Anja mit einem Buch in den Palmengarten und hält hier für uns und Alexandra und Holger Plätze für das Abendessen frei. Bei diesem Wetter wird das Auslaufen aus Quebec bestimmt ein tolles Spektakel. Ich bestelle noch an der Fotogalerie ein Bild aus Norris Point und gehe dann zur Verstärkung ebenfalls in den Palmengarten.
Ab 19 Uhr gibt es das Abendessen als Buffet und es ist genau so gut wie im Restaurant drei Decks tiefer. Während des Dinners ertönt plötzlich ein lautes Hupen. Fast alle Mitreisenden springen auf und denken, unser Schiff legt unplanmäßig eher ab. Es dauert ein paar Minuten bis wir mitbekommen, dass es die Maasdam ist, die ablegt und dabei ebenfalls ihr Horn ertönen lässt. Gemächlich entfernt sich das große Schiff von der Pier und steuert auf den St.-Lorenz-Strom hinaus.
Genau um 20 Uhr stehen alle Passagiere an der Reling unseres Schiffes und blicken in der Dämmerung auf die fantastische Kulisse Quebecs. Fast hat man den Eindruck, auf eine liebevoll gestaltete Modellbahnanlage zu schauen. Genau um 20 Uhr ertönt das erste der drei Signale zum Auslaufen aus dem Nebelhorn der Columbus. Und wieder schrecke ich zusammen, denn es ist erneut lauter als vermutet. Nach dem dritten Signalton legt das Schiff ganz langsam ab und aus den Bordlautsprechern ertönt die Melodie „Conquest of Paradise“. Dieses Lied ist die Filmmusik zu Ridley Scotts 1492: Die Eroberung des Paradieses. Komponiert hat es der Grieche Vangelis im Jahr 1992. Den Text fügte später der Engländer Guy Protheroe hinzu und vertonte es mit dem „English Chamber Choir“. Der Gesang erinnert schwach an Latein, ist aber in einer Kunstsprache verfasst.
Jedenfalls kann man schon eine Gänsehaut bei dieser Kulisse mit dieser musikalischen Untermalung bekommen. Da der Abend noch sehr warm ist, bleiben wir auch noch lange hier oben auf Deck 6. Mittlerweile ist es dunkel und wir haben uns in den Palmengarten zurückgezogen. Ab und zu gehe ich durch die Seitentür nach draußen, um ein vorbeifahrendes Schiff mit all seinen Lichtern aufzunehmen. Nachdem die Kameradaten gesichert sind, ein Tequila Sunrise und eine Pina Colada vernichtet wurden, sind wir um Mitternacht in unseren Kojen.

nächster Tag

 

 

 

 



Klick für große Bilder:

Quebec - Kanada

Die Maasdam in Quebec

Frühstück auf Deck 6

Altstadt von Quebec

 

 

Provinzparlament

 

 

Huronenstandbild

 

 

Springbrunnen

 

 

Zitadelle über dem Strom

 

 

Hotel Chateau Frontenac

 

 

Hoteleingang mit Kutsche

 

 

Exerzierplatz d'Armes

 

 

Rue du Tresor

 

 

Genickbruchtreppe

 

 

MS Columbus in Quebec

 

 

Modellbahnatmosphäre