Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Mit MS Columbus

auf arktischem Kurs 2011

Mittwoch 31.08.2011

Norris Point - Neufundland, Kanada

Heute kann ich nicht lange schlafen. Nach drei Seetagen bin ich so ausgeruht wie lange nicht mehr. Ein kurzer Blick hinter das Rollo vor dem Kabinenfenster veranlasst mich, den Trainingsanzug anzuziehen und mich mit Kamera auf Deck 6 zu begeben. Es ist erst 7 Uhr früh, der Kaffee ist im Palmengarten bereits fertig und das Wetter ist eine wahre Pracht. In ganz langsamer Fahrt nähert sich die Columbus ihrem Ziel. Sie ist bereits in dem schmalen Fjord, der Bonne Bay genannt wird, und in der Ferne erkennt man bereits das Gebiet des Gros Morne National Park mit dem markanten Tafelberg. Pünktlich um 8 Uhr sind wir im Restaurant und es ist schon ganz schön Betrieb hier. Da ab 9 Uhr bereits die ersten Tenderboote für die Bustouristen in den Nationalpark fahren, wollen diese natürlich vorher frühstücken.
Wir haben dagegen noch bis 10 Uhr Zeit und gehen nach dem Frühstück erst kurz in unsere Kabine. Hier legen wir die Sachen für unseren Ausflug zurecht und gehen dann hoch auf Deck 6. Hier sitzen der erste Offizier und zwei kanadische Zollbeamte an einem Tisch und führen die Einklarierung für Kanada durch. Auch sie genießen den Kaffee vom Palmengarten. Nachdem alle Formalitäten erledigt sind, darf das Schiff die Passagiere nach Kanada zum Landgang entlassen und es folgt auch bald die Durchsage über die Bordlautsprecher. Wir beobachten von Deck 6 das fleißige Treiben der Tenderboote, die fast unablässig hin- und herfahren.
Um 10.05 Uhr erfolgt der Aufruf für unsere Gruppe 8. Wir schnappen schnell in der Kabine die bereitliegenden Sachen und werden von Deck 1 über die Außenbordleiter in das Tenderboot gehievt. Nur 10 Minuten dauert die Fahrt bis nach Norris Point, einen kleinen Fischerort im Schutz der Bonne Bay. Wir verlassen das Tenderboot und sind bereits am Bonne Bay Marine Center des Ortes. Gleich links neben dem Center liegt das Schiff, mit dem wir den Ausflug unternehmen werden. Es heißt „EMM Cat“ und ist ein Katamaran mit zwei Rümpfen. Wir stehen vorn in der Schlange und da schönes Wetter ist, steigen wir auch gleich die Treppe hinauf und nehmen auf der linken Seite in die Mitte der Sitzbank platz. Von hier hat man einen schönen Blick auf die Bucht, den Nationalpark und unsere malerisch auf Reede liegende Columbus.
Pünktlich um 10.30 Uhr legt der Katamaran ab, fährt einige hundert Meter in die Bucht hinaus und stoppt. Hier begrüßt uns Wayne Parsons und stellt uns den Kapitän, Reginald Williams, vor. Weitere Besatzungsmitglieder sind Angus Steward und Bill Taylor. Mr. Parsons moderiert die ganze Tour und unsere Sportlerin und Bingomoderatorin Saskia wird danach versuchen, es uns ins Deutsche zu übersetzen. Es ist ein wunderbares Filmmotiv bei sehr schönem Wetter. Saskia mit ihrem orangenen Pullover über der Schulter und im Hintergrund in der Bonne Bay unser schönes Kreuzfahrtschiff.
Dann geht die Tour richtig los. Wir fahren den Arm der Bonne Bay hinaus bis zum Leuchtturm an der St.-Lorenz-Straße. Danach dreht das Schiff und fährt unter der gegenüber liegenden Küste zurück. Hier gibt es einige Fischfanganlagen und in den Bäumen und auf den Felsen sitzen jede Menge Weißkopfseeadler, die uns aufmerksam beobachten. Wir sie auch und natürlich ist die Begeisterung rundherum groß. Weißkopfseeadler haben wir in Alaska schon viele gesehen, aber in dieser Anzahl noch nicht.
Die Tour geht weiter mit der Vorbeifahrt an dem Ort Woody Point mit seinem kleinen Leuchtturm und der markanten Kirche am Hang. Anschließend sind wir mit dem Rocky Point noch an einem steilen Felsüberhang, unter den der Kapitän der EMM Cat sein Schiff legt. Der Moderator Parsons zeigt uns eine Grotte, in der ein kauerndes kleines Mädchen aus Stein erkennbar sein soll. Na ja, mit ganz viel Fantasie ist das möglich. Danach fahren wir in den Ostarm der Bonne Bay und hier sehen wir weitere Weißkopfseeadler in den Bäumen am Ufer sitzen. Auf der Rückfahrt dann noch das absolute Highlight dieser Bootstour. Das Ausflugsboot umrundet das kleine Kap mit dem Leuchtturm und dahinter schiebt sich in absoluter Traumkulisse unsere Columbus ins Bild. Ein tolles Kalendermotiv.
Wie so vieles auf dieser Welt ist alles endlich und so geht auch diese Bootstour einmal vorbei. Aber die Crew hat noch eine Überraschung für ihre Passagiere auf Lager. Drei Mitglieder der Mannschaft spielen noch drei Lieder für uns und diese Darbietung ist einfach genial. Tolle Musik zum Abschluss einer schönen Fahrt in eine grandiose Landschaft bei schönstem Wetter. Was will man mehr? Nach dem kalten, verregneten Grönland beginnt hoffentlich jetzt der warme Teil der Urlaubsreise.
Nach über 2 Stunden ist die Fahrt mit dem Katamaran vorbei und wir bummeln noch ein wenig in Norris Point herum. Der Ort verteilt sich auf das Hafengebiet und noch ein Wohngebiet in einer kleinen Bucht dahinter. Wir kaufen im Souvenirshop eine Postkarte, die wir auch abschicken wollen. Der Laden nimmt die Post nicht an, aber im Ort soll es ein Postamt geben. Da wir nichts Besseres vorhaben, machen wir uns auf den Weg. Auf dem Ortsplan, den wir im Schiff erhalten haben, sieht der Weg dahin auch nicht sehr weit aus, aber er zieht sich dennoch. Als wir das Amt dann kurz nach 13 Uhr erreichen, ist gerade Mittagspause bis 15 Uhr. Dumm gelaufen, denn wir haben kein aktuelles Porto, sondern nur eine Briefmarke von 2010, die wir in Montreal gekauft hatten. Egal, wenn das Porto nicht mehr gültig ist, sollen die hier die Karte eben wegwerfen. Also die alte Marke draufgepappt und die Karte in den Briefkasten geworfen (sie kam an).
Auf dem Rückweg zum Hafen fahren jetzt auch die zahlreichen, gelben Schulbusse, mit denen die anderen Passagiere den Ausflug in den Gros Morne National Park gemacht haben, an uns vorbei. Den kostenlosen Besuch im Museum sparen wir uns, die frische Seeluft erinnert uns an den anstehenden Besuch im Schiffsrestaurant. Gegen 13.30 Uhr legt unser Tenderboot in Norris Point ab und bereits um 13.45 Uhr sind wir im Restaurant. Das Essen ist wie immer gut und danach gehe ich bei immer noch herrlichstem Wetter auf Deck 6. Wenigstens heute könnte der Kapitän sein Schiff mit Hupe und Hymne aus Norris Point verabschieden.
Bereits um 14.53 Uhr erfolgt der erste, langgestreckte Hupton. Natürlich ist die Kamera noch nicht eingeschaltet und hier auf dem Außendeck ist das Horn richtig laut. Ich zucke ganz schön zusammen und habe die Kamera erst zum zweiten Hupton bereit. Nach dem dritten Hupen kommt dann die Vangelis-Hymne quäkend aus den Bordlaussprechern und ich bin halbwegs zufrieden mit den Aufnahmen für den späteren Urlaubsfilm.
Kurz nach 15 Uhr bin ich dann zum Relaxen in der Kabine und gemeinsam gehen wir gegen 16.20 Uhr in den Palmengarten. Anja nimmt wieder am Bingospiel mit Saskia teil und ich husche in die Lounge zu Kaffee und Kuchen. Als ich zurück im Palmengarten bin, kann Anja ihr Grinsen kaum unterdrücken. Sie hat den Jackpot geknackt und tatsächlich 35 €uro gewonnen. Danach ziehen wir weiter in die Weinstube und überspielen hier unsere Kameradaten, da im Palmengarten die Plätze mit der Steckdose besetzt sind. Um 18 Uhr ist hier Happy Hour und es gibt einen Cocktail mit Aperol. Das Getränk brauchen wir kein zweites Mal, beschließen wir einstimmig. Aber das ist ja immer auch Geschmackssache.
Die Zeit von 18.20 Uhr bis 19 Uhr verbringen wir noch in der Kabine und gehen dann zum Abendessen. Es gibt wieder sieben Gänge und schon beim Lesen der Speisefolge kann man sich kaum beherrschen. Das Schlimmste an einer Kreuzfahrt sind immer die Entscheidungen, welche der Gänge man weglassen kann oder gar sollte. Entscheidungsunwillige oder unentschlossene Menschen wie ich verlieren diesen Kampf eben (gerne). Anja ist da etwas standhafter und bescheidet sich meist mit nur drei oder höchstens vier Gängen. Den Nachtisch lassen wir nicht aus und wählen meistens das Eis.
Der Höhepunkt des Abends findet erneut in der Lounge statt. Hubert Burghardt, vor kurzem noch unser Neptun bei der Polarkreistaufe, spielt sein aktuelles Programm „Sex in der Krise“. Selten haben wir so viel Spaß bei einer Kabarettaufführung gehabt. Er ist wirklich gut. Anschließend müssen wir schnell in den Palmengarten, denn hier findet noch ein „Late Night Special“ mit Randall Cooper statt. Auch er haut noch einmal alles heraus, was er drauf hat. Kurz vor Ende der Reise geben die Künstler noch einmal ihr Bestes. Da wir bald in Quebec und Montreal sind, werden einige von ihnen vielleicht von dort aus schon abreisen.
In der Kabine trifft es uns dann wirklich hart. Erneut zwingt uns ein Zettel dazu, die Uhr diesmal sogar um 1 ½ Stunden zurückzustellen. Soll heißen, die Nacht ist wieder länger und jetzt trennen uns zeitlich bereits 6 Stunden von der Heimat. Gute Nacht sagen wir diesmal erst um 23.45 Uhr.

nächster Tag

 

 

 

 



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Tenderboote Norris Point

Norris Point Harbour

Wayne Parsons moderiert

Saskia übersetzt

 

 

EMM-Cat in der Bonne Bay

 

 

Weißkopfseeadler

 

 

Bonne Bay

 

 

Woody Point

 

 

Columbus in Norris Point

 

 

MS Columbus

 

 

Die EMM-Cat-Band