Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Mit MS Columbus

auf arktischem Kurs 2011

Samstag 27.08.2011

Kreuzen in der Disko-Bucht

Um 3 Uhr in der Nacht wurden im Schiff erneut die Uhren umgestellt. Diesmal um 30 Minuten zurück. Also dürfen wir erneut länger schlafen, wenn auch nur eine halbe Stunde. Ansonsten machen wir den gleichen Ablauf wie an den vergangenen Tagen. Aufstehen, waschen, frühstücken und dann überlegen, was wir anstellen.
Um 10 Uhr sehen wir in der Lounge einen Film von Annie Laszig über „Leben in der Kälte“, eine Einführung in die Disko Bucht. Die Filme werden zwei Mal gezeigt, wir entscheiden uns für die erste Vorführung. Der Film dauert knapp 50 Minuten und ist in englischer Sprache. Anschließend gehen wir mit dem Computer-Equipment in den Palmengarten. Diesmal dauert es sehr lange, bis die Videostreams heruntergeladen sind. Ich habe gestern Abend die Kamera bei der Polarkreistaufe teilweise sehr lange laufen lassen. Entsprechend sind die Filmdateien sehr groß geworden. Die größte hat 2,7 Gigabyte und ist fast 30 Minuten lang. Die Zeit während des Überspielens vertreiben wir uns mit Kaffee, Tee und leckeren Keksen.
Um 12.30 Uhr wird das Mittagessen auch im Palmengarten serviert. Es gibt ein Pastabuffet mit ganz vielen leckeren Nudelvariationen und man isst natürlich wieder mehr als einem gut tut. Aber der Tiramisu-Nachtisch übertrifft alles. Da ärgert man sich, so viel von den Nudeln gegessen zu haben. Eigentlich hätte ich am liebsten nur Tiramisu gegessen, aber das ist den anderen Gästen gegenüber unfair.
Um 13.45 Uhr sind wir in der Kabine zum Mittagsschlaf, können aber wegen unserem vollen Bauch nicht so recht schlafen. Kurz nachdem wir dann doch weggeduselt sind, ertönt die Stimme des Kapitäns aus allen Lautsprechern. Wir sind in der Disko Bucht angekommen und die ersten Eisberge ziehen auch schon ganz nah am Schiff vorbei. Die Disko Bucht hat ihren Namen nicht von einem Tanzlokal, wie man meinen könnte, sondern von der scheibenförmigen Insel in ihrer Mitte. Auch die vordere Back ist wieder geöffnet. Also ziehen wir uns an und strömen über Deck 3 nach draußen. Erst einmal erleben wir einen Schock. Es sind nur 3,2 Grad Celsius hier auf dem Vorschiff. Aber der Blick auf die Eisberge rundherum ist gewaltig und wohl auch einmalig auf der nördlichen Halbkugel. Es ist zwar kein schönes Wetter, aber die Kälte produziert einen Nebel, der halbhoch zwischen den gigantischen Eisbergen wabert. Oben schauen die Spitzen der riesigen Eisklötze aus dem Nebel hervor und unten breiten sie sich mächtig im kalten Wasser der Bucht aus.
Mir respektvollem Abstand manövriert uns unser Kapitän zwischen den Kolossen hindurch. Diese Aktion ist nicht ganz ungefährlich, denn die riesigen Eisberge können sich unvermittelt und ohne vorherige Warnung im Wasser drehen und zu nahe vorbeifahrende Schiffe zermalmen. Auch sind die Wellen, die bei diesem Vorgang entstehen, nicht zu unterschätzen und können so ein kleines Schiff wie unseres in Schwierigkeiten bringen. Natürlich verlassen wir trotz der Kälte nicht die Back, die wechselnden Szenarien sind immer wieder ein Foto und eine Aufnahme wert.
Um 16 Uhr hat die Küche eine Überraschung für uns. Auf der Back wird ein Tisch aufgebaut und es gibt Berliner Krapfen mit und ohne Schokoladenüberzug und dazu Lumumba. Das ist Kakao mit Rum – sehr lecker und man trinkt mehr als einem bekommt. Ich kann auch noch filmen, wie der Sicherheitsoffizier und zwei seiner Matrosen in einem Schlauchboot auf Eisbrockenfang gehen. Annie Laszig kommentiert dies von der Brücke aus über Lautsprecher und dass es dieses Eis heute Nacht im Palmengarten in den Whisky geben wird.
Jetzt, um 16.45 Uhr sind wir aber trotz Lumumba ordentlich durchgefroren und gehen erst einmal in unsere Kabine zum Aufwärmen. Schließlich haben wir eine Kabine mit Fenster und von hier lassen sich die Eisriesen auch gut beobachten. Dennoch gehen wir gegen 18 Uhr noch einmal auf Deck 6 und nach einem warmen Kaffee dann weiter auf die immer noch geöffnete vordere Back. Jetzt, gegen Abend, ist eine besondere Stimmung in der Disko Bucht. Die Nebelschwaden sind dichter und kompakter um die Eisberge herum. Es sieht jedenfalls gespenstig aus. Um 19 Uhr ist das Vergnügen vorbei und die Columbus setzt Kurs auf Neufundland in Kanada. Wir sind jetzt im Restaurant und ich vertilge noch ein Stück von der leckeren Kalbshaxe. Irgendwie macht diese kalte Seeluft doch sehr hungrig.
Um 21 Uhr haben wir uns mit Alexandra und Holger im Palmengarten verabredet. Wir wollen das schmelzende Eis im Whisky erleben. Wir nehmen einen schönen Tisch für vier Personen und bestellen Canadian Club Whiskey. Als das Getränk vor uns steht, halte ich mein Ohr an die Öffnung und hoffe, dass ich die Stimme der Jahrtausende hören kann. Die Enttäuschung ist groß, kein noch so leiser Ton ist zu vernehmen. Eigentlich müssten die Eiswürfel aus dem Gletschereis kleine Knacktöne von sich geben, wenn sich die darin eingeschlossene Luft nach tausenden von Jahren befreit. Aber es befreit sich eben nichts aus dem Eis. Entweder ist das alles ein Fake oder doch nur ein ganz gewöhnlicher Eiswürfel aus dem Froster. Aber die 3,50 €uro pro Schnaps war uns der Spaß wert.
Da es im Palmengarten gemütlich ist und uns Vieren der Gesprächsstoff auch nicht so schnell ausgeht, bleiben wir noch bis nach 23 Uhr sitzen. Dann gehen wir wegen der vielen frischen Luft tagsüber zu Bett. Die nächsten drei Tage verbringen wir nur an Bord – es sind Seetage.

nächster Tag

 

 

 

 



Klick für große Bilder:

Disko Bucht mit Back

Eisberg 1

Eisberg 2

Buckelwal mit Blas

 

 

Nebelstimmung

 

 

Eis für den Whisky -

 

 

- das Eis im Whisky