Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Mit MS Columbus

auf arktischem Kurs 2011

Freitag 26.08.2011

Nuuk (Gothhab)

Heute steht der Besuch von Nuuk, das früher Godthab genannt wurde und die Hauptstadt von Grönland ist, auf dem Programm unserer Kreuzfahrt. Grönland ist kein Kontinent, sondern die größte Insel der Erde und zählt geologisch zu Nordamerika. In der Landessprache heißt es Kalaallit Nunaat – Land der Menschen – und wird von der Volksgruppe der Kalaallit bewohnt, die von den Inuit abstammen. Die Insel verwaltet sich selbst und gilt aus politischer Sicht als autonomer Bestandteil Dänemarks. Ungefähr 88% der Bevölkerung sind Kalaallit und 12% sind europäische Einwanderer. Mit der Missionierung des dänisch-norwegischen Pfarrers Hans Egede ab 1721 sind 98% der Einwohner dem evangelischen Glauben beigetreten.
Da wir die Hauptstadt erst am Mittag erreichen werden, haben wir den ganzen Vormittag Zeit für uns. Wir gehen wie immer um 8 Uhr zum Frühstück ins Restaurant und nehmen uns danach den Computer mit in die Weinstube. Hier gibt es Sitzgruppen mit einer Steckdose, an die wir unsere Geräte anschließen können. Der Internetraum ist ebenfalls frei und ich setze schnell ein paar Mails an die Lieben zu Hause ab. Anja hat in der Zwischenzeit bereits alle Fotos überspielt und jetzt bin ich an der Reihe. Neben den Fotos habe ich auch noch Videostreams zu kopieren und das dauert immer eine ganze Zeit. Leider ist draußen immer noch schlechtes Wetter und deshalb bleiben wir auch bis 11.30 Uhr in der Weinstube hocken und gehen dann zum Mittagessen.
Den Lunch gibt es heute früher als sonst, da ab 12 Uhr die Tenderboote zum Festland fahren. Deshalb machen wir beim Essen auch kurzen Prozess und nehmen nur den Hauptgang. Dann gehen wir in die Kabine, ziehen unsere wetterfeste Kleidung an und entern um 12.20 Uhr ein Tenderboot. 10 Minuten später stehen wir vor dem Postamt des Weihnachtsmannes, das direkt an der Anlegestelle liegt. Hier ist mächtig was los. Es scheint fast so, als sei das ganze Schiff in dem kleinen Laden versammelt. Es herrscht ein Schieben und Drängeln und das ist sehr nervig. Aber wir möchten auch gern vom Weihnachtsmann eine Postkarte zu Weihnachten mit einem Gruß bekommen und so stellen wir uns eben an. Wir müssen eine Postkarte mit Porto kaufen und unsere eigene Adresse darauf schreiben. Dann kommt diese in den großen Briefkasten, der Einwurf ist hinten vom Postamt aus, und wenn wir Glück haben, erhalten wir die Karte dann vor dem Fest. Das ganze Vergnügen kostet wieder 7 €uro, aber ein Teil des Betrages kommt den Kindern der Insel zu Gute. Der junge Mann hinter dem Schalter nimmt sogar unsere geschriebenen und frankierten Postkarten in die Heimat, die wir gestern gekauft und heute früh in der Weinstube geschrieben haben, ab und gibt sie in die Briefbeförderung. So brauchen wir keinen „normalen“ Briefkasten zu suchen.
Die ganze Operation hat fast 30 Minuten gedauert und jetzt müssen wir noch das Postamt, den riesigen Briefkasten und den hölzernen Weihnachtsbaum ablichten. Leider regnet es mittlerweile, aber wie. Wir warten kurz, aber es lässt nicht nach. So machen wir eben im Regen unsere Bilder, die dadurch leider nicht besonders schön werden.
Wir flüchten in das naheliegende Museum von Nuuk, in das wir auch dank des ADAC freien Eintritt haben. Es ist Grönlands Nationalmuseum und wurde in der Mitte der 1960er Jahre gegründet. In der ersten Abteilung sieht man viele der kunstvoll verarbeiteten Robbenfelle aus Qaqortoq. Wir sehen Mäntel, Umhänge und viele weitere, toll aussehende Kleidungsstücke. Eine weitere, eigene Abteilung zeigt kunstvoll gestaltete Köpfe der Ureinwohner aus Granit und anderen Werkstoffen. Wieder einen Raum weiter sehen wir erneut Kajaks, Jagdwaffen und den Schädel eines Narwales mit zwei Hörnern. Eine wirkliche Rarität. Die spektakulärste Abteilung ist aber der Mumienraum. Hier sind drei Frauen und ein Kleinkind ausgestellt, die 1972 zufällig in einer Grotte gefunden wurden. Die Mumien sind nahezu 500 Jahre alt und sehr gut erhalten. Sie liegen klimatisiert und abgedunkelt in einem Spezialraum.
Leider müssen wir dann doch das Museum verlassen und wieder hinaus in den Regen. Der Weg zur nächsten „Attraktion“ ist auch nicht weit – es ist die Bronzeskulptur der Mutter des Meeres ganz unten an der Wasserlinie. Sie verkörpert den Mythos von Vergangenheit und Zukunft. Da ihr von einem Inuit die Haare gekämmt werden, glauben die Einheimischen daran, dass sie ihnen den Reichtum und die Tiere des Meeres schicken wird. Die Figur ist so angebracht, dass sie bei Ebbe frei zu sehen ist und bei Flut bedeckt ist. Dadurch kann sie immer wieder neu aus dem Meer auftauchen. Der Weg hinunter ist schwierig. Es ist nass und rutschig und unser Schuhwerk ist völlig ungeeignet für die Kletterpartie hinunter. Ich möchte die Skulptur dennoch aufnehmen, vor allem wegen des tollen Motivs mit unserem Schiff im Hintergrund. Die Kletterei war schwierig, aber trotz Regen hat es sich dennoch gelohnt.
Danach machen wir noch einen kurzen Abstecher in die Domkirche von 1849. Den Weg zum großen Standbild von Hans Egede (1686 bis 1758), der auch als Apostel Grönlands bezeichnet wird, sparen wir uns. Es regnet in Strömen und der Weg hinauf lohnt nur, wenn man von oben auch schöne Aufnahmen machen kann. Das aber verhindert der Regen nun einmal. Deshalb laufen wir den kurzen Weg zum Anleger zurück und nehmen um 13.50 Uhr ein Tenderboot zur Columbus.
Mit einer heißen Tasse Tee von Deck 1 gehen wir in die Kabine, machen einen kurzen Mittagsschlaf und um 16 Uhr sind wir erneut in der Lounge am Kuchenbuffet. Danach ziehe ich mich erneut wetterfest an und harre fast 45 Minuten auf Deck 6 aus. Wieder legt die Columbus ohne hupen und Hymne ab. Ich hätte dieses Spektakel doch gerne wenigstens akustisch aufgenommen, um es später im fertigen Film verwenden zu können. Nun bleiben nur noch die Orte in Kanada für diese Tonaufnahme.
Kaum hat unser Schiff wieder die offene See vor der Westküste Grönlands erreicht, gibt es auch schon wieder Seegang. Deshalb legen wir uns bis 19 Uhr noch auf die Betten und wanken nicht im Schiff umher. Dann müssen wir aber in das Restaurant, denn es gibt heute das Neptun’s-Dinner. Es ist gepflegte Freizeitkleidung gefordert und wir sind gespannt, denn die in der Rezeption ausgelegte Speisekarte verspricht ein interessantes Abendessen. „Wehe dem, der spottet über den Fraß der Meerestiefen. Der Klabautermann hat seine Ohren mit dem Wasser aller Weltmeere gewaschen“. Bei dieser Ankündigung sind wir natürlich auf den Abend im Restaurant und auf die Speisen gespannt. Hier nur einige Auszüge aus der Karte: Gaumengluster mit Wampenfüller, Meergaumenkratzschmakofatz, Aquarius Pfützen und Donnerblitzmützen, Meeresgrundwürmchen und Seekuhtunke, Piratenfraß, der letzte räudige Fang, Rentierfetzen mit giftigen Pilzen und Gemüse vom Bahndamm 3. Ernte. Es ist ein großer Spaß für den gesamten Tisch und wir langen nach dem kalten und nassen Tag auch kräftig zu.
Bereits um 20.35 Uhr mache ich mich auf den Weg in die Lounge. Nicht das ich zu den Handtuchlegern gezählt werden möchte, aber wir haben uns am Tisch alle zur anschließenden Polartaufe an einen Tisch verabredet und für 6 Personen ist das schwierig. Es wird aber auch Zeit, denn einige gute Plätze sind schon belegt. Nicht etwa mit Personen, da ist dann doch die Handtuchlegefraktion schon am Werk gewesen. Es liegen Bücher und andere Gegenstände auf den besten Plätzen. Aber unser Tisch an der Seite direkt an der Bühne ist auch sehr gut und stellt sich später als mit der Beste heraus. Anja kommt mit den Anderen kurz nach 21 Uhr und jetzt warten wir gespannt auf Neptuns Einzug.
Schon die Durchsage um 21.15 Uhr lässt Schönes ahnen: Neptun, der Herrscher aller Meere, hat das Schiff übernommen und erwartet alle Täuflinge in der Lounge. Dann bricht die Hölle los. Allen voran zieht die Happyband trommelnd und falsch in die Instrumente trötend in die Lounge ein. Ihr folgen Neptun (Hubert Burghardt), Thetis (Uta Elsner) und Nostradamus (Randall Cooper) in tollen Kostümen. Danach folgt noch ein Heer von Besatzungsmitgliedern in bunten Kostümen, die laut „Jubel“ schreien und mit Kochlöffeln auf Metalldeckeln herumhämmern.
Neptun hält seine Ansprache und fordert den Kapitän auf, ihm den Schlüssel zum Polarkreis abzukaufen. Der Kapitän Jörn Gottschalk erscheint auch und trennt sich stilecht von zwei Flaschen Linie. Daraufhin bekommt er einen großen Schlüssel überreicht und darf mit seinem Schiff den Polarkreis überqueren. Natürlich müssen die Passagiere noch getauft werden. Mit viel Musik und lautem Getrommel holen die zahlreichen Nixen die Passagiere von ihren Sitzen ab und bringen sie zuerst zu Nostradamus. Hier müssen sie einen Schnaps trinken. Die nächste Station ist bei Thetis. Hier hat man die Wahl, entweder einen Fisch (aus Kunststoff) oder den nackten Fuß der Obernixe zu küssen. Danach wird man mit einer grünen Pampe im Gesicht eingeschmiert und zum guten Schluss gibt es noch ein Stück Hering zu Essen. Als Anja geholt wird stehe ich auch auf, laufe hinter ihr und der Nixe her und filme alle Stationen ihrer Taufe. Das ist wirklich ein toller Abend und die Taufe war auch eher harmlos. Von anderen Schiffen hatten wir da schon Schrecklicheres gehört.
Nach über 2 Stunden ist das Spektakel vorbei und wir gehen bei ordentlichem Seegang noch in den Palmengarten. Hier spielt bereits Rick Ventura auf seinem Synthesizer und es gibt am Buffet Frankfurter Würstchen mit Kartoffelsalat. Hier oben macht sich der Seegang auch unangenehm bemerkbar und deshalb gehen wir bald zurück in die Kabine. Der nächste Zettel wartet hier auf uns. Die Uhren werden diesmal nur eine halbe Stunde zurück gestellt. Das verstehe ich nun gar nicht, werde es aber trotzdem tun. Gegen 23 Uhr ist dann schaukelnde Nachtruhe.

nächster Tag

 

 

 

 



Klick für große Bilder:

Briefkasten

Postamt von Santa Claus

Robbenfelle

Museum in Nuuk

 

 

500 Jahre alte Mumien

 

 

Blick auf Nuuk

 

 

Mutter des Meeres

 

 

Mutter mit Schiff

 

 

Einzug Neptuns

 

 

Ansprache Neptuns

 

 

Schlüsselübergabe

 

 

Anja und Thetis