Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Mit MS Columbus

auf arktischem Kurs 2011

Donnerstag 25.08.2011

Qaqortoq

Nach dem tollen Erlebnis gestern in dem kleinen Inuitdorf Augpilagtoq im Prins-Christian-Sund an der Südspitze Grönlands steht heute bereits der nächste Besuch in einem Ort in Grönland an. Es ist Qaqortoq, der größte Ort Südgrönlands. Das ehemalige Julianehab wurde 1775 von Anders Olsen gegründet und hat heute knapp 3300 Einwohner. Diese leben von einer kleinen Werft und der einzigen Gerberei Grönlands. Hier werden hauptsächlich Robbenfelle gegerbt und in einem weiteren Betriebsteil zu Bekleidung verarbeitet.
Die MS Columbus liegt bereits auf Reede und wir können den Ort von unserem Fenster aus sehen. Da es erst 7.30 Uhr ist, gehen wir zunächst zum Frühstück. Gegen 7.50 Uhr meldet sich die Kreuzfahrtdirektorin und gibt über Lautsprecher bekannt, dass ab 8 Uhr die Tenderboote an Land fahren und wir bis ca. 12.30 Uhr für den Landgang Zeit haben. Nach dem Frühstück lassen wir uns Zeit, denn das Wetter ist nicht einladend genug und wir haben ja viel Zeit für den Landgang. Von Deck 6 aus filme ich den Tendervorgang. Es ist immer wieder spannend, wie die Besatzung sich redlich bemüht, auch die gehbehinderten Passagiere von der Außenbordtreppe in die Boote zu bekommen. Aber es geht alles gut, hier sind eben Profis am Werk.
Uta Elsner, unsere Kreuzfahrtdirektorin, meldet über Bordlautsprecher die Ankunft von drei einheimischen Kajakfahrern, die vom Ort aus zum Kreuzfahrtschiff unterwegs sind, um den Passagieren auf dem Schiff Eskimorollen (das Wort Inuitrollen kenne ich nicht) vorzuführen. Die drei jungen Männer sind auch bald da und zeigen knapp vor dem Schiff ihre Kunststücke. Mit einer ausgefeilten Technik klappt bei einem der drei die Rolle in knapp einer Sekunde. Das ist schon beeindruckend. Er sticht sein Paddel über Kopf weit hinten neben dem Kajak ins Wasser ein und sekundenschnell hat er seine Rolle gemacht. Ich filme ein paar dieser Kunststücke und dann gehen wir in unsere Kabine. Hier ziehen wir uns die wetterfeste Kleidung an und nehmen einen Regenschirm mit. Es sieht draußen immer noch nicht einladend aus, aber den Ort muss man einfach besuchen, wenn man schon mal in Grönland ist.
Um 9.30 Uhr lassen wir uns in ein Tenderboot helfen und an Land bringen. Das erreichen wir 7 Minuten später und betreten zum zweiten Mal grönländischen Boden. Gleich an der Anlegestelle ist die Touristeninformation. Hier soll es Postkarten und auch Briefmarken geben. Es ist ordentlich voll in dem kleinen Laden und wir müssen uns erst einmal orientieren. Neben viel Nippes und Touristenkram gibt es auch wenige handgearbeitete Figuren aus Walknochen und Holz. Die sind aber sehr teuer und stehen dann zu Hause doch nur herum. Wir finden den Ständer mit den Postkarten und suchen 12 schöne Exemplare heraus. Natürlich wiederholen sich einige Motive, aber die Karten gehen an verschiedene Personen. Das schockierende an den Karten ist der Preis und da merkt man dann doch die abgeschiedene Lage des Landes. Mit den entsprechenden Briefmarken bezahlen wir 24 €uro für die 12 Karten. In D-Mark darf man das nicht mehr umrechnen.
Nach der Touristen-Information gelangen wir zu einem runden Platz. Hier steht der älteste Springbrunnen Grönlands und direkt daneben gibt es eine Polizeistation. Vor dieser stehen zwei Streifenwagen mit laufendem Motor, aber ohne jegliche Besatzung. Im tiefsten Winter hätte man wegen des Einfrierens der Motoren noch Verständnis, aber im Sommer? Vielleicht ist das Benzin hier oben viel zu billig?
Um 10.30 Uhr erreichen wir die Erlöserkirche mit ihrer rot gestrichenen Holzfassade. Der Innenraum der Kirche ist in den Farben weiß, gold und hellblau gestaltet. Das soll die Nationalfarben Grönlands symbolisieren. An der rechten Wand ist eine Gedenktafel installiert und ein Rettungsring angebracht. Hier wird der Besatzung und den Passagieren der Hans Hedtoft, einem Schiff der grönländischen Flotte, gedacht. Das Schiff war am 30. Januar 1959 südlich von Kap Farvel in einem Orkan mit einem Eisberg kollidiert, leck geschlagen und mit 95 Menschen an Bord gesunken. Niemand hat das Unglück überlebt. Nur der Rettungsring, der jetzt an der Wand der Kirche hängt, erinnert noch an das Schiff und an diese Katastrophe.
Nach der Kirche gehen wir zu einem kleinen „Marktstand“. Hier liegen einige Tierteile zum Verkauf aus. Wir sehen neben großen Steinbeißerfischen auch ein zerteiltes Rentier und Robbenteile. Einige ältere Kalaallit, wie sich die Untergruppe der Inuit selbst nennt, stehen herum und warten auf Kundschaft. Leider können wir ihnen nichts abkaufen, denn wir haben keine Küche in der Kabine.
Nach dem Besuch beim Schlachter sehen wir uns noch einige Skulpturen des Projektes „Sten og Menneske“ (Stein und Mensch) der Künstlerin Aka Hoegh an. 18 ganz unterschiedliche Künstler aus verschiedenen nordischen Ländern haben in der Ortschaft an den Straßenrändern vorhandene Granitblöcke bearbeitet und darauf Skulpturen gestaltet. Einige davon entdecken wir und lichten diese ab. Danach bleibt nur noch ein Besuch im örtlichen Museum übrig, zu dem uns der ADAC eingeladen hat. Das ist in einem 200 Jahre alten Haus untergebracht und zeigt zahlreiche Exponate aus dem Leben der Ureinwohner. Kleidung, Handwerksgeräte, Jagdwaffen und alte Kajaks, die noch mit gegerbten Häuten bespannt sind, gibt es zu sehen. Da es zwischendurch immer mal wieder leicht regnet und die Temperaturen nicht zu langen Spaziergängen einladen, gehen wir um 11 Uhr zum Anleger zurück.
Bereits um 11.10 Uhr legt unser Tenderboot ab und kurz danach betreten wir wieder Deck 1 der Columbus. Wir nehmen wieder einen heißen Tee mit in die Kabine und relaxen kurz. Da die Betten noch nicht gemacht sind, verziehen wir uns in den Palmengarten zu einer leckeren Tasse Kaffee und Anja nimmt wieder einen Tee. Hier sitzen und entspannen wir bis kurz vor 13 Uhr. Anja geht ins Restaurant, ich bleibe aber noch hier oben, weil ich das Auslaufen aufnehmen will. Leider hupt der Kapitän nicht und die Hymne wird auch nicht gespielt. So bin ich 15 Minuten später auch im Restaurant und wir lassen es uns schmecken. Es gibt Heringsroulade, Schnitzel Wiener Art und rote Grütze mit Vanillesoße.
Gut gestärkt sind wir um 14.05 Uhr in der Kabine und der Mittagsschlaf kann beginnen. Der dauert aber nur knapp 50 Minuten, denn wir müssen erst duschen und dann zum Kuchenbuffet. Purer Stress. Unsere Tischnachbarn Alex und Holger gesellen sich auch dazu und es wird eine lustige Runde. Wir bleiben wieder sitzen, denn um 17.30 Uhr ist erneut Vortragszeit. Annie Laszig spricht über Nuuk, das ehemalige Godthab. Vom Iglu ins Internet – Die Hauptstadt Grönlands. Auch dieser Vortrag ist sehr interessant, haben wir doch morgen die Möglichkeit, uns diese Metropole auf Grönland selbst anzusehen. Na, Metropole ist wohl etwas hoch gegriffen.
Gegen 18.30 Uhr sind wir an der Fotogalerie und bestellen erneut 2 Bilder, die von uns auf den Landgängen gemacht wurden. Das Internet geht nicht und so müssen die elektronischen Nachrichten eben bis morgen warten. Dafür funktioniert der Seegang wieder. Das Schiff schaukelt erneut ganz ordentlich vor der Westküste Grönlands. Danach sind wir pünktlich zu King Salmon im Restaurant. Auch das Filet Stroganoff mit der anschließenden Eisschale sind nicht zu verachten. So gesättigt gehe ich nach dem Dinner wieder in die Lounge. Hier gibt es um 21.15 Uhr eine Kabarettvorstellung von und mit Hubert Burghardt. Der Kabarettist bietet einen Querschnitt aus seinem aktuellen und auch aus vorherigen Programmen. Er entschuldigte sich bereits vor seinem Auftritt, dass er leicht seekrank sei. Dafür hat er uns und alle Passagiere in der vollen Lounge über 1 ½ Stunden begeistert und sehr gut unterhalten. Erst um 22.45 Uhr ist die Show zu Ende und da auch der Seegang leicht zugenommen hat, ziehen wir uns um 23 Uhr in die Kabine und in die horizontale Lage zurück.

nächster Tag

 

 

 

 



Klick für große Bilder:

Eisberge bei Qaqortoq

Kajakfahrer

Touristeninformation

ältester Brunnen

 

Erlöserkirche

 

Rettungsring der Hedtoft

 

zerteilte Robbe

 

Steinskulptur

 

Steinskulptur

 

Museumsstücke

 

Kajakboote im Museum