Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Mit MS Columbus

auf arktischem Kurs 2011

Mittwoch 24.08.2011

Prins-Christian-Sund und Augpilagtoq

Es wurden in der Nacht schon wieder die Uhren um eine Stunde zurück gestellt. Wir waren ja schon sehr oft in den USA und in Kanada, ja sogar in Alaska, und da werden die Uhren um 10 Stunden verstellt. Man hat dann einen Tag ein kleines Schlafproblem, danach ist aber alles gut. Hier kommt man irgendwie nicht in einen normalen Schlafrhythmus. Ich bin jedenfalls immer viel zu früh wach, weil ich immer eine Stunde mehr schlafen soll und das nicht kann. Ein Blick hinter das Rollo am Kabinenfenster zeigt bereits weitere Eisberge und die müssen natürlich aufgenommen werden. Also wieder im Trainingsanzug auf Deck 6 und eine Tasse Kaffee geschnorrt.
Um kurz vor 8 Uhr gehen wir zur Rezeption und Anja lässt ihre Kreditkarte auf das Bordkonto registrieren. Hier an Bord geht alles bargeldlos. Wenn man etwas einkauft oder kostenpflichtig verzehrt, unterschreibt man einen Bon und der Betrag wird auf das Konto gebucht. Selbstverständlich kann man jederzeit auf Anfrage eine Zwischenrechnung zur Kontrolle bekommen. Danach gehen wir zum Frühstück und dann wieder in die Kabine. Da der Prins-Christian-Sund erst am Mittag erreicht wird, haben wir noch Zeit und überspielen jetzt unsere Kameradaten. Dann sind die Chips wieder frei für die tolle Passage durch den schmalen Fjord an der Südspitze Grönlands.
Um 10.30 Uhr ist in der Lounge der nächste Vortrag von Annie Laszig. Diesmal handelt er von Qaqortoq – Der Perle Südgrönlands. Diesen Ort werden wir morgen erreichen. Der Vortrag ist wie immer hoch interessant und im Anschluss daran haben wir ein kleines Problem, zugegeben, ein Luxusproblem. Der Prins-Christian-Sund, kurz PCS, ist vor dem Bug der Columbus aufgetaucht und unser Schiff steuert geradewegs darauf zu. Das ist natürlich ein großes Highlight dieser Reise und darf nicht verpasst werden. Also werden wir erst einmal auf das Mittgessen verzichten. Auf dem offenen Gang vor dem Palmengarten ist schon viel los, wir bekommen aber noch einen guten Stehplatz mit Sicht auf den Bug und den Sund.
Ich baue mein Stativ auf, denn die Kamera zu halten ist fast nicht möglich. Hier oben auf Deck 6 weht kurz vor dem Festland ein schneidender, eisiger Wind. Handschuhe lassen es aber nicht zu, die filigranen Knöpfe und Schalter moderner Kameras zu bedienen. So schalte ich die Kamera ein, drehe mal am Kinokopf für einen Schwenk und stecke die Finger dann schnell wieder in die Taschen der wetterfesten Jacke. So fahren wir in den beeindruckenden Ikerassuaq, so nennen die Grönländer den PCS, hinein. Von oben können wir sehen, dass die vordere Back, das Vorschiff, geöffnet wurde und bereits Passagiere darauf sind. Der Zugang ist auf unserem Deck 3 und wir gehen mit unserer Ausrüstung hinaus. Von hier gibt es einen noch gewaltigeren Ausblick auf den engen Fjord und die Gletscher an beiden Seiten. Über uns erhebt sich noch das Schiff mit seinen Aufbauten – toll.
Da das Restaurant längere Öffnungszeiten wegen der durchfahrt des PCS hat, gehen wir kurz hin und werfen etwas Essbares ein. Danach geht es sofort wieder auf die vordere Back. Um 15 Uhr kommt die Küchencrew und reicht Glühwein und Punschkrapfen. Das Zeug schmeckt so gut, dass ich dafür hier sogar übernachten würde. Auch Anja ist in einem Fotografierrausch und beachtet die Stufe zwischen zwei Taupollern nicht. Prompt stolpert sie und fällt mit der Kamera hin. Leider ging der Filter der Kamera dabei kaputt, aber nach eingehender Prüfung durch die Bordfotografin war das auch alles – glücklicherweise.
Dann haben Kapitän Gottschalk und unsere Lektorin Annie Laszig eine sehr gute Nachricht für uns Passagiere. Sie haben Kontakt mit den Bewohnern von Augpilagtoq, einem kleinen Fischerdorf ganz hinten im PCS aufgenommen, und die Erlaubnis erhalten, alle Passagiere austendern zu dürfen. Außerdem gibt es noch ein kleines Konzert in der Ortskirche. Man stelle sich vor: Mitten in einem Fjord in Grönland, umgeben von Gletschern, Eisbergen und schroffen Felsen werden wir in kleine Boote steigen, an Land gebracht und mitten unter Inuit (früher Eskimos genannt) ein Kirchenkonzert erleben. Was kann das noch übertreffen?
Um 16.30 Uhr beginnt das Tendern. Von Deck eins aus müssen wir eine Eisentreppe, die außerhalb der Bordwand hängt, betreten und drei Stufen nach unten gehen. Dort stehen zwei Matrosen, einer links und einer rechts, und die helfen uns in die Boote. Sobald ein Boot voll ist, legt es ab und bringt die Passagiere in kurzer Fahrt an Land. Hier gehen wir nur 5 Minuten bis zur Dorfkirche und bekommen in der Mitte einen schönen Platz. Ich lasse während des Konzertes die Kamera einfach laufen, denn von diesem Ereignis möchte ich nichts verpassen. Wir bekommen drei Kirchenlieder in der Sprache der Inuit zu hören und das war sehr ergreifend. Mit großem Applaus haben wir uns verabschiedet und der nächsten Gruppe Platz gemacht. Danach sehen wir uns in dem kleinen Ort um. Leider sind die Einwohner sehr scheu und lassen sich bis auf wenige Ausnahmen auch nicht sehen. Inuit lassen sich überhaupt nicht gern fotografieren oder filmen, hat uns Annie später erzählt. Man sollte auch nicht heimlich filmen sondern um Erlaubnis fragen. Die 2 toten und schon gehäuteten Robben am Hafen habe ich leider nicht entdeckt, ob ich die aber auch gefilmt hätte???
Der Ausflug nach Augpilagtoq ist für uns um 18 Uhr beendet und wir sind wieder auf der Columbus. Es war ein Erlebnis mit bleibendem Eindruck – wirklich. Da wir zu den ersten Rückkehrern gehören, machen wir es uns im Palmengarten mit einer heißen Tasse Kaffee und Tee bequem und warten auf das Abendessen. Um 19.20 Uhr verabschiedet sich unser Schiff mit seinem Horn von diesem freundlichen Ort und fährt mit Südkurs aus dem PCS heraus. Um 19.30 Uhr sind wir dann auch schon im Restaurant zum Abendessen. Stilecht gibt es in jedem Gang Fisch. Von 21 Uhr bis 23 Uhr überspielen wir im Palmengarten unsere diesmal zahlreichen Kameradaten und gehen dann zu Bett. Übrigens bleiben wir heute von einer Zeitumstellung verschont.

nächster Tag

 

 

 

 



Klick für große Bilder:

Prins-Christian-Sund

Gletscheransicht

Prins-Christian-Sund

Fotomotive

 

 

Kirche in Augpilagtoq

 

Der Kirchenchor

 

Fjordpanorama mir Schiff

 

Augpilagtoq im P-C-S