Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Mit MS Columbus

auf arktischem Kurs 2011

Samstag 20.08.2011

Törshavn - Färör Inseln

Wie bereits gestern gemeldet, mussten wir in der Nacht die Uhren eine Stunde zurückstellen. Was mit einer mechanischen Uhr kein Kunststück ist, stellt sich aber bei dem Funkwecker als unmöglich heraus. Der stellt sich nicht um. Und beim Einstellen der Weckzeit mit dem Kopf rechnen kommt auch nicht in Frage. Ich hatte noch einen mechanischen Wecker mitgenommen, aber den hatte ich vorgestern im Koffer gelassen und der ist jetzt irgendwo im tiefen Bauch des Schiffes. Da Anja leicht seekrank ist und nicht mit zum Frühstück möchte, gehe ich allein und mache an der Rezeption halt. Ich schildere der netten jungen Dame mein Missgeschick mit dem Wecker und sie verspricht mir sofort, den Koffer wieder vor die Kabine stellen zu lassen. Danach gehe ich erleichtert ins Restaurant zum Frühstück. Kurze Zeit später kommt Anja nach, der Kaugummi oder die Reisetablette hat wohl eine erste Wirkung gezeigt. Wir frühstücken noch weiter zusammen und um 8.55 Uhr stehe ich dann erneut an der Rezeption, diesmal um die Karten für den Bus abzuholen. Ich bekomme zwei Karten für Bus Nummer 2, mit dem wir eine Rundfahrt über die Hauptinsel Streymoy unternehmen werden.
Danach gehe ich auf Deck 6 zum Filmen und Anja zum Schiffsarzt, um sich dort ein Pflaster gegen ihre Seekrankheit zu holen. Um 10 Uhr beginnt in der Lounge ein Lichtbildvortrag von Annie Laszig über die „Schafsinseln im Nordatlantik“, wie die Färöer auch genannt werden. Der Vortrag ist sehr interessant, aber in diesem abgedunkelten Raum merkt man jetzt doch verstärkt die Bewegungen des Schiffes. Der Seegang hat merklich zugenommen. Nach dem Vortrag, der um 11 Uhr zu Ende ist, verlassen die meisten Gäste sehr schnell die Lounge. Auch wir strömen ein Deck tiefer in unsere Kabine, ziehen das Rollo herunter und legen uns rücklings auf unser Bett und schließen die Augen. Nur nicht hinaussehen.
Das Mittagessen um 12.30 Uhr ist schnell vorbei und da am Horizont schon Land in Sicht ist, gehe ich mit der Kamera auf das oberste Deck. Ich habe Glück, denn das Lotsenboot kommt gerade auf die Columbus zu und ich kann filmen, wie der Lotse bei Seegang mit einem gewagten Sprung von seinem Boot in die offene Tür unseres Schiffes springt. Es dauert noch 35 Minuten und wir legen in Törshavn auf der Hauptinsel Streymoy an. Die Stadt spricht man ungefähr wie „Thorshaun“ aus, jedenfalls bedeutet der Name Hafen von Thor, dem germanischen Gott des Donners. Es dauert 45 Minuten, bis die Hafen- und Einreiseformalitäten erledigt sind und dann dürfen wir das Schiff zum ersten Mal nach 2 Tagen verlassen.
Wir müssen ganz hinunter auf Deck 1 und hier liegt eine Gangway, über die wir an Land dürfen. Bus Nummer 2 steht nicht weit entfernt und da er schon recht voll ist, steigen wir gleich hinten ein. Um 15.15 Uhr fährt der Fahrer los. Ursula, so heißt unsere Reiseleiterin im Bus, nennt auch den Namen des Fahrers, aber den Namen konnten wir uns beim besten Willen weder merken noch aufschreiben. Die Tour beginnt in den Außenbezirken der Hauptstadt und hier gibt es den ersten Stress dieser Reise. Die Straße, die der Bus fahren möchte, ist eigentlich für den heute stattfindenden Damenlauf gesperrt. Der Bus muss aber hier durch, denn es gibt auf den Schafsinseln einfach keine Ausweichstrecken. Also wird mit Sprechfunk und Handy herumpalavert und dann dürfen wir doch ganz vorsichtig weiterfahren. Auf der ganzen Strecke haben wir dann tatsächlich eine oder waren es gar zwei rennende Frauen gesehen. Dafür aber der ganze Zirkus? Aber wehe, wir hätten eine Fähringerin gerammt. Wir säßen wohl heute noch im Knast dafür.
Kurz danach, auf Färöer ist nichts wirklich weit entfernt, sind wir in Kollafjördur. Hier werden wir an einer lutheranischen Kirche mit Grassodendach ausgeladen. Die kleine Kirche hat eine einfache Inneneinrichtung, aber der aus Holz geschnitzte Lettner ist schon sehenswert. Ursula erklärt uns die Geschichte der Christianisierung und der Kirche und die Reiseleiterin einer anderen Gruppe singt für uns ein Lied in fähringischer Sprache. Das handelt von den Sorgen und Nöten der Fischer beim Hinausfahren zum Fang auf die wilde See. Gegen 16.10 Uhr ist Abfahrt nach Kvivik, einem weiteren kleinen Ort auf Streymoy. Dieser 397 Einwohner zählende Ort hat etwas Besonderes, zwei Langhäuser, ein Wohnhaus und einen Stall, aus der Zeit der ersten Wikingerbesiedelung. Da es langsam wettertechnisch gesehen garstig wird, gehen wir schon mal zum Bus zurück. Da hatten wir auch in der Nähe eine Toilette entdeckt. Der Bus fährt nun zurück in Richtung Hauptstadt, hält aber vorher noch an einigen spektakulären Aussichtspunkten. Die hätten wir bei besserem Wetter und ohne Regen auch bestimmt genossen, trotzdem hat Anja kurz den Bus verlassen. Ich verharre bis Törshavn im Bus und wir steigen erst in der Ortsmitte gemeinsam aus. Hier ist es mittlerweile etwas angenehmer und wir nutzen die halbe Stunde Freigang zu einer Ortsbesichtigung. Wir sind aber rechtzeitig am Bus zurück, der uns um 18.45 Uhr wieder vor unserem Schiff absetzt. Noch schnell den Bordausweis durch das Lesegerät gezogen, unser Foto verglichen und wir sind mit einem heißen Tee im Becher wieder in unserer warmen, trockenen Kabine. Wir haben für die 3 ½ Stunden Bustour pro Nase 84 €uro bezahlt, aber auf einer Kreuzfahrt fragt man besser nicht nach der Rechtfertigung solcher Preise.
Wir machen uns kurz frisch und gehen dann zum Abendessen in das Restaurant. Um 20 Uhr legt das Schiff ab und strebt erneut dem offenen Ozean entgegen. Während ich die Entenbrust mit Genuss vertilge, zieht die rote Laterne der Hafeneinfahrt an den Fenstern vorbei. Bereits beim Dessert verlassen plötzlich viele Gäste das Restaurant. Das verstehen wir nun gar nicht, beeilen uns aber ebenfalls mit dem Essen, weil wir auch einen schönen Platz in der Lounge haben möchten.
Um 21.30 Uhr sind wir dann in der Lounge und freuen uns auf das Konzert von Randall Cooper, einem lyrischen Tenor aus Kalifornien. Wir sind erstaunt, ist die Lounge fast menschenleer. Höchstens 10 oder 12 weitere Gäste verteilen sich in dem Raum. Auch die Happyband spielt nicht, die 5 Musiker stehen am Eingang herum. Wir bestellen uns jeder einen Cocktail und warten auf die Show. Da ertönt die Stimme der Kreuzfahrtdirektorin Uta Elsner aus den Lautsprechern. Sie sagt die Show wegen zu hohem Seegang und fehlenden Gästen in der Lounge ab. Dafür haben wir viel Verständnis, denn draußen weht es ordentlich und das Schiff schlingert gewaltig hin und her.
Wir trinken unsere Cocktails aus und gehen zurück in die Kabine. Der Koffer steht immer noch vor der Tür, aber den mechanischen Wecker habe ich ja bereits. Das ist auch gut so, denn in der Nacht wird die Uhrzeit erneut um eine Stunde nach hinten korrigiert. Im TV läuft das Sportstudio mit dem Spiel Bayern gegen den HSV und auf dem Bett liegend lässt sich die tobende See ertragen. Die folgende Nacht wird jedenfalls sehr lustig. Gelegentlich wache ich auf und finde mich an Stellen wieder, an die ich vorher nicht gedacht hatte. Ein blauer Nagel am großen Zeh des rechten Fußes ist noch ein dreiviertel Jahr später ein sichtbares Andenken an diese Nacht.

nächster Tag

 

 

 

 



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Kollafjördur

Reiseleitung

Langhäuser in Kvivik

Steinkirche in Kvivik

 

 

Schafsinseln

 

 

Hafen mit Columbus

 

 

Hafenimpressionen

 

 

Aussenministerium

 

 

Platz mit Denkmal