Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Kanada in einem Zug

Von der Ostküste zur Westküste nur mit der Eisenbahn

Samstag 21.08.2010

Vancouver Tag 3

Es ist schon fast 8 Uhr, als wir wach werden. Das gute Essen, das Bier und der lange Abend haben uns etwas länger als üblich im Bett gelassen. Das ist auch nicht schlimm, denn heute haben wir absolut nichts vor. Wir wollen nach dem Frühstück in die Stadt gehen, uns ohne Ziel umsehen und uns noch mit fehlenden Souvenirs oder Mitbringseln eindecken.
Um 8.45 Uhr sind wir in der Lounge und frühstücken. Kaffee gibt es leider nur aus Kannen, da die gute Maschine defekt ist. Schade, denn der Kaffee war sehr gut. Dafür gibt es runde Brötchen, Schinken, Braten und sogar gekochte Eier. Nach dem guten Frühstück gehen wir zurück ins Zimmer und marschieren gegen 10 Uhr los. Der erste Weg führt uns die Seymour Street hoch bis zur Robson Street, auf die wir nach rechts abbiegen. Hier bummeln wir durch die Pacific Center Mall, aber das richtige Geschäft finden wir nicht. Anja entdeckt etwas weiter auf der Robson Street einen Aveda-Laden. Diese Pflegeprodukte sind hier in Kanada preiswerter als bei uns und können daher auch bedenkenlos mitgenommen werden. Eine Ecke weiter kommt ein alter VW-Käfer um die Ecke gebogen und hält vor einem Deli. Der Fahrer steigt aus und setzt sich im Außenbereich an einen Tisch. Sofort ist das Fahrzeug von einer Traube aus Menschen umringt. Warum werden die Fotos zeigen, denn alle Teile und den Nippes zu beschreiben würde Seiten in Anspruch nehmen. Wir gesellen uns auch zu den staunenden Menschen und fotografieren und filmen den Käfer. Was man auf einem Foto nicht sehen kann, soll hier noch erwähnt werden. Auf der Motorhaube rieselt ein Springbrunnen mit echtem Wasser – verrückt!
An der Ecke Robson Street / Burrard Street entdecken wir einen kleinen Kofferladen. Vor der Tür auf dem Gehweg stehen mehrere Delsey Koffer in verschiedenen Größen. Eine Reihe der Koffer ist exakt die Produktserie, von der ich mir aus Not 2006 in einem Geschäft in der Pacific Mall für sehr viel Geld einen gekauft hatte. Hier wird er für die Hälfte des damaligen Preises angeboten. Wir untersuchen das gute Stück genau, können aber keinen Unterschied feststellen, immerhin könnte es ja eine Fälschung sein. Innenausstattung, Reißverschlüsse, Fächer, Griffe, alles ist Original. Einzig die Räder sind bei meinem Koffer aus chromfarbenem Plastik und an diesem aus grauem Plastik. Da Anja sich auch noch einen Koffer in dieser Größe und in dieser Qualität wünscht, wird er gleich gekauft. Vorher fragen wir noch, ob wir den Koffer zurücklegen lassen können, weil wir das Teil nicht die ganze Zeit durch die Stadt ziehen wollen. Wir bekommen die Abholnummer 84 und verlassen zufrieden den Laden. Immerhin haben wir fast 50 % gespart.
Mittlerweile ist es 11 Uhr und es wird wieder sehr warm. Wir bummeln weiter und besuchen noch einige Geschäfte, finden aber nirgends das passende Mitbringsel. Nach weiteren 2 Stunden Schaufensterschauen sind wir es satt. Auch ein Besuch der Christ Church Cathedral Kirche an der Georgia Street bringt nur kurzfristig Erholung. Daher holen wir unseren Koffer aus dem Geschäft und laufen zur Granville Street. Die hat man jetzt zur Fußgängerzone gemacht und wir können mitten auf der ehemals sehr belebten Straße herumlaufen. Zwischen Howe Street und Robson Street findet ein brasilianisches Straßenfest statt. Es gibt viele Verkaufsstände mit Handarbeiten und dem üblichen Kleinkunsthandwerk. Die Geschäfte sind an ihren Fassaden mit gelben und grünen Luftballons geschmückt, den Nationalfarben von Brasilien. Ich drücke Anja den Koffer in die Hand und nehme die Videokamera. Vor einer kleinen Bühne, auf der eine Musikgruppe brasilianische Rhythmen spielt, tanzen kleine Kinder frei nach der Musik. Besonders nett ist ein kleines Mädchen anzusehen, dass auch noch beim Tanzen nach einem Luftballon schnappt.
Um 13.20 Uhr sind wir im Hotel, bringen den neuen Koffer aufs Zimmer und machen uns ein wenig frisch. Dann gehen wir noch einmal um die Ecke zur Water Street. Hier in Gastown gibt es sehr viele Läden, die Andenken auf kleinstem Raum verkaufen. Irgendwas werden wir doch noch finden, aber Touristenware wollen wir ja auch nicht kaufen, der landet meist doch nach ein paar Monaten im Müll oder bestenfalls im Trödel. Auf der Water Street gibt es auch einen Aveda-Laden und Anja kauft noch ein Shampoo. Man hat ja nie genug davon. Um 14 Uhr sind wir wieder an der Dampfuhr. In den Jahren 2002 und 2006 hatte ich die Dampfuhr zufällig auch um 14 Uhr gefilmt. Leider war sie ja 2008 kaputt oder in Reparatur. Die Gelegenheit ist günstig und deshalb nehme ich die Uhr noch einmal um genau 14 Uhr auf.
Danach laufen wir noch zum Ende der Water Street und zu Gassy Jack. Da das Licht jetzt besser ist, wird auch diese Skulptur noch einmal aufgenommen. Das mit der elektronischen Filmerei ist einfach schrecklich. Eigentlich hat man ja alles schon einmal gefilmt. 2002 hatte ich eine einfache, aber damals eben übliche, DV-Kamera. Im Jahr 2006 war es schon eine bessere Dreichip-DV-Kamera und 2008 kam eine Dreichip-HDV-Kamera zum Einsatz. In diesem Jahr habe ich eine Full-HD Kamera und mache viele Aufnahmen deshalb noch einmal. Die Aufnahmen von 2002 mit denen von 2010 zu mischen sähe jedenfalls schrecklich aus und das geht gar nicht. Da sind Fotos schon viel besser, da sich der Pixelwahnsinn nicht gar so krass bemerkbar macht, wenn man gedruckte Bilder zeigt.
Auf dem Rückweg zum Hotel werden wir doch noch fündig. Wir kaufen eine sehr schöne Baseballkappe mit Vancouvermotiv, eine US-Fahne für den Hobbykeller und ergattern tatsächlich noch ein echtes Nummernschild von Nova Scotia. Damit haben wir bis auf die Nord-West Territorien alle Schilder der kanadischen Provinzen zusammen. Echte Schilder dieser Nord-Provinz sind sehr teuer, bis zu 80 Dollar werden verlangt, weil sie sehr selten sind. Aber wir haben den Ehrgeiz, die Schilder aller Provinzen, durch die wir gefahren sind, an die Wand zu nageln. Und zwar nur echte, soll heißen mit Versicherungs- und Steuernummer.
Um kurz vor 15 Uhr sind wir dann am Harbour Center und fahren mit dem Lift nach oben. 2002 hatten wir 8 Dollar pro Person bezahlt. Jetzt kostet es bereits 15 Dollar. Die Fahrkarte ist aber den ganzen Tag gültig und man kann fahren so oft man möchte. Mit dem Gutschein vom Trolley und der Senioroption bezahlen wir aber nur 10 Dollar pro Person und sind ruckzuck auf dem Observation-Deck. Hier drehen wir im angenehm gekühlten Raum unsere Runde. Leider ist eine Schulklasse oder so etwas Ähnliches unterwegs, denn die Kiddies machen einen Höllenlärm und der stört natürlich wieder auf dem Video. Also muss da später beim Schnitt wieder ein Ersatzton her.
30 Minuten später sind wir im Zimmer und hängen das „Bitte nicht stören“-Schild an die Klinke. Nach einer Ruhepause von einer Stunde sind wir dann frisch geduscht in der Lounge und mit einem Teller kleiner Frühlingsrollen auf dem Balkon. Herrmann und andere Gäste sind auch da und wir setzen uns. Ich baue mit dem kleinen Stativ meine Kamera auf, um die diebische Möwe auf frischer Tat abzufilmen. Aber Herrmann denkt im Traum nicht daran, an unseren Tisch zu kommen. Entweder haben die Nachbarn bessere Häppchen oder aber die Kamera stört ihn. Es ist noch wunderbar warm hier oben, 22 Stockwerke über dem hektischen Vancouver. Anja geht zum Zimmer, weil sie noch ihre Fotos auf den Computer sichern möchte. Ich bleibe noch etwas und genieße den letzten Aufenthalt in der schönen Lounge.
Aber um 18 Uhr ist auch meine Zeit gekommen und Gina bekommt noch ein schönes Trinkgeld für die nette Betreuung. Das Essen und die Getränke sind hier zwar im Zimmerpreis enthalten, aber man kann seine Dankbarkeit dem Personal trotzdem zeigen. Im Zimmer ist Anja fertig und ich schaue mir noch die ersten Bundesligaergebnisse der Samstagsspiele im Internet an. Wir trödeln ein wenig herum, machen uns dann aber langsam fertig. Um 19.45 Uhr verlassen wir unser Zimmer und betreten die Straße. Wir brauchen diese nur zu überqueren, um unser Ziel zu erreichen. Dazu müssen wir aber zur Ampel. Das sind nur wenige Meter, da uns aber mehrere Personen entgegenkommen, müssen wir auf dem Gehweg ausweichen. Da passiert mir ein Missgeschick. Ich trete mit dem rechten Fuß auf die Kante einer Gehwegplatte zu einer Baumscheibe, knicke um und komme ins straucheln. Irgendwie kann ich mich, wild mit den Armen rudernd, abfangen und falle nicht hin. Nur der rechte Fuß tut etwas weh. Das hätte sehr dumm ausgehen können, wenn ich hingefallen wäre, ausgerechnet am letzten Tag. Ich bleibe noch eine Minute stehen und dann gehen wir weiter. Wir überqueren jetzt die West Hastings Street und betreten erneut das Harbour Center. An der Theke zwischen den Aufzügen zeigen wir unsere Karten vor. Das erscheint mir weniger aufwendig als die Reservierung zu zeigen und nennen als Ziel das Restaurant. Wir müssen einen Augenblick warten und dann fahren wir mit dem Lift eine Etage höher als am Nachmittag. Wir betreten das Top of Vancouver Revolving Restaurant des Harbour Lookout und zeigen den Damen am Empfang unsere Reservierung.
Ich hatte zu Hause als krönenden Abschluss dieser Reise einen Tisch bestellt. Das Lokal hat sehr gute Kritiken und sich mehrmals über diese schöne Stadt bei einem guten Essen zu drehen, soll der Höhepunkt werden. Eine der jungen Ladies prüft unsere Reservierungsnummer und geleitet uns dann zu einem Tisch am Fenster. Den hatte ich auch vorher bestellt, bzw. den Wunsch in die Reservierung geschrieben. Dass es geklappt hat, ist umso schöner. Wir nehmen Platz und gleich darauf kommt Erika, eine Asiatin, scheinbar Japanerin. Sie stellt sich vor und fragt zuerst nach den Getränken. Anja wählt ihren Campari und ich ein Bier. Dann bestellen wir den Hauptgang. Anja nimmt Mozarella-Tomaten und frittierte Calamari, ich gebe mich mit einem Bison-Steak mit Tiger Prawns zufrieden. Das Essen ist sehr gut und entspricht den Kritiken, die ich vorher gelesen hatte. Zwischen den Gängen frage ich unsere freundliche Erika, woher sie ihren sehr deutsch klingenden Namen hat. Ihre Eltern waren wohl in Deutschland, vielleicht sogar bei uns in Düsseldorf. Wir haben ja die größte japanische Kolonie in Deutschland und feiern das sogar jedes Jahr im Sommer mit einem sehr schönen, japanischen Feuerwerk. Es ist mittlerweile 21 Uhr, der Hauptgang ist vorbei und wir haben uns bereits ein Mal gedreht.
Zum Nachtisch gönnt sich Anja noch einen Remi Napoleon und ich kann einem Kaffee und einem Vanilleeis mit Karamellsoße nicht widerstehen. Für den Kaffee bekomme ich noch einen refill und so geht auch die zweite Runde, jetzt bereits im Dunklen, zu Ende. Wir bitten Erika um die Rechnung und sind erstaunt, dass wir trotz Nachspeise und teurerer Getränke, weniger bezahlen müssen als im Gotham’s. Uns soll es recht sein.
Gegen 22 Uhr sind wir wieder im Hotel, verzichten aber auf das Bier in der Bar. Es passt nun wirklich nichts mehr in uns hinein. Auf dem Zimmer werden noch die Kameradaten überspielt, was aber heute nicht so lange dauert, da wir wenig aufgenommen haben. Der letzte ganze Tag in Vancouver ist vorbei. Morgen geht es bereits wieder nach Hause.

nächster Tag

 

 

 

 



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Robson Square

Vancouver Trolleybus

Käfer 1

Käfer 2

 

 

Käfer 3

 

 

Käfer 4

 

 

West Georgia Street

 

 

Nobelviertel

 

 

Christ Church Cathedral

 

 

Brasilien in Vancouver

 

 

Downtown Vancouver

 

 

Lookout Harbour Center

 

 

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