Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Kanada in einem Zug

Von der Ostküste zur Westküste nur mit der Eisenbahn

Freitag 20.08.2010

Vancouver Tag 2

Es war spät gestern Abend und wir stehen deshalb erst um 7.30 Uhr auf. Während Anja im Bad ist, schaue ich auf dem Computer erst einmal nach den neuesten Nachrichten aus der Heimat. Danach gehen wir zum Frühstück in die Lounge, die fast leer ist und werden von Gina herzlich begrüßt. Danach geht Anja zum Zimmer und ich fahre mit dem Lift in die Lobby, um an der Rezeption einen Zwanziger in Münzen zu wechseln. Für das übliche Trinkgeld auf dem Kopfkissen für die Zimmermädchen fehlt es uns mittlerweile am notwendigen „Change“. Dann telefonieren wir mit unserer Prepaid-Karte kurz mit der Heimat und den Lieben daheim. Diese Telefonkarte ist ein Segen. Von Kanada aus kann man ziemlich lang nach Deutschland telefonieren. Wir haben sie vor der Reise über das Internet mit 20 €uro aufgeladen und haben schon oft damit nach Deutschland telefoniert. Das funktioniert mit jedem Telefon im Hotel und als Ortsgespräch, die fast immer kostenlos sind.
Um 9.20 Uhr laufen wir wieder los zum Canada Place. Heute ist die rote Tour mit dem Vancouver Trolley dran. Das ist die Route, die durch die Innenstadt und dann zum Stanley Park führt. Im Gegensatz zu gestern ist heute tolles Wetter. Keine Wolke ist am stahlblauen Himmel zu sehen und es ist bereits jetzt mächtig warm. Der Bus der roten Linie ist schon da und wir steigen auch gleich ein. Ich halte den Fahrschein hoch, aber der Fahrer würdigt ihn keines Blickes. Da wir den Bus mehrfach verlassen wollen, zeigt vielleicht der nächste Fahrer mehr Interesse an dem länglichen grünen Zettel. Wir setzen uns nach hinten und nach fünf Minuten Wartezeit geht es auch schon los.
Zuerst fährt der Bus die Burrard Street hoch und biegt an der Robson Street nach rechts ab. Die Robson Street ist die Einkaufsstraße von Vancouver. Vergleichbar mit der Mönckebergstraße in Hamburg und evtl. der Königsallee in Düsseldorf. Viele Nobelmarken und Designer haben hier ihre Ladenlokale. Aber auch Billigläden sind anzutreffen. An der Cardero Street biegt der Bus erneut rechts ab und fährt zu einer Haltestelle am Westin Bayshore Hotel. Glücklicherweise habe ich mir die gemerkt, denn die werden wir später noch brauchen. Nach diesem Abstecher geht es aber jetzt direkt in den Stanley Park. Erster Halt ist hier der Rosengarten, wo wir schon zu früher Stunde das erste Hochzeitspaar sehen. Da dies hier ein sehr schöner Platz ist, fahren viele Brautpaare hier her, um ihre Hochzeitsfotos zu machen. Und bei diesem Wetter hat das anwesende Paar großes Glück. Nach unserer Beobachtung gibt es mehr Fotografen als Hochzeitsgäste oder die Hochzeitsgäste trauen dem Profi nicht und machen auch noch zusätzlich ihre privaten Aufnahmen. Nach diesem Gewusel um das glückliche Paar fährt der Bus zu den Totem Poles. Wir bleiben diesmal sitzen, denn die Pfähle stehen so früh am Morgen im Gegenlicht. 2006 sind wir hier ausgestiegen, aber die Bilder, die wir machten, waren nicht sehr gut. Dafür beginnt hier aber ein sehr schöner Weg entlang am Burrard Inlet, vorbei an der 9 O’Clock Gun, zum Leuchtturm Brockton Point und weiter zur Lions Gate Brücke.
Das hatten wir bereits 2006 bei brüllender Hitze gemacht und das werden wir heute bei gleichen Wetterbedingungen auf gar keinen Fall noch einmal tun. Haltestelle 7 ist direkt an einem Aussichtspunkt zur Lions Gate Brücke und die dort vorhandenen Restrooms sind ebenfalls willkommen. Danach laufen wir auf der Parkstraße ca. 100 Meter zurück zur Brücke über den Highway 99 und die 1A. Das ist die Straße, die unmittelbar unter uns auf die Lions Gate Brücke führt. Der offizielle Name der Lions Gate Brücke lautet First Narrows Bridge und sie ist eine Hängebrücke über die Engstelle des Fjords Burrard Inlet. Sie verbindet Vancouver vom Stanley Park aus mit Nord Vancouver. Die gesamte Länge der Brücke beträgt 1823 Meter inklusive des nördlichen Viaduktes. Die Pylone sind 111 Meter hoch und die Fahrbahn befindet sich auf einer Höhe von 61 Metern über dem Wasser. Bezahlt wurde die Brücke, die im Jahr 1937 gebaut wurde, von der irischen Brauereifamilie Guinnes. Sie mussten damals 5,8 Millionen Dollar aufwenden, kassierten aber pro Auto 25 Cent Maut. 1955 verkaufte die Brauerei die Brücke an die Provinz B.C. und ab 1963 war die Brücke dann sogar mautfrei. Von der kleinen Steinbrücke über die Rampe der großen Brücke hat man einen tollen Blick. Genau vor uns stehen die beiden Löwenstatuen, die der Brücke ihren Namen geben, und wir blicken genau auf die Fahrbahn und die Pylone der Brücke. Diesen schönen Anblick halten wir auf Film und Foto fest und laufen zum Prospect Point zurück.
Es ist jetzt erst 10.30 Uhr und noch verhältnismäßig früh. Daher fahren wir mit dem nächsten Bus weiter. Das klappt hier am Prospect Point sehr gut, da viele Passagiere hier an der Brücke aussteigen. Dadurch ist immer Platz für neue Touristen. Da wir die Tour vorbei an der English Bay und den noblen Vororten bereits kennen, fahren wir bis zur Endstation am Canada Place. Hier steigen wir um 11.30 Uhr aus und laufen in Richtung neuer Hafen. Es ist ein weiter Weg und wir kommen am Westin Hotel vorbei. Da hätten wir auch die eine Station noch mit dem Bus fahren können. Der Weg am Ufer entlang schlängelt sich doch um viele Hafenbecken herum. Gerade noch rechtzeitig erreichen wir das Büro der Vancouver Harbour Cruise. Ich buche die Hafenrundfahrt mit dem Schaufelraddampfer Constitution. Da wir Senior angeben, bezahlen wir nur 49,90 Dollar, das sind immerhin 10 Dollar weniger als der normale Fahrpreis. Nach drei Minuten Wartezeit beginnt das Boarding und um 12.15 Uhr legt das Schiff bereits ab.
In gemütlicher Fahrt bei schönstem Wetter geht es zunächst das langgestreckte Hafenbecken entlang bis zum Canada Place. Hier vom Schiff aus hat man einen fantastischen Blick auf die neuen Gebäude der Innenstadt und auf die ganze Wasserfront. Langsam tuckert die Constitution weiter und biegt hinter dem Canada Place nach Norden ab. Sie überquert den Vancouver Harbour und die Salish Sea. Dabei fährt sie auch ganz dicht an großen Frachtern vorbei, die hier auf Reede liegen und auf Be- oder Entladung warten. In Nordvancouver kreuzt das Schiff am Lonsdale Quai vorbei und nimmt dann wieder Kurs auf den Stanley Park. Es ist eine sehr gemütliche Schifffahrt und bei diesem Wetter bleiben wir auf dem obersten Deck in der Sonne sitzen. Nach einer Stunde ist die Fahrt vorbei und wir verlassen das Schiff. An der Anlegestelle warten bereits erneut viele Passagiere auf die nächste Fahrt. Wir wenden uns zum Westin Hotel und warten dort auf den Trolley.
Eigentlich kann man bis zu den Totem Poles im Stanley Park auch laufen. Es ist nur eine Haltestelle mit dem Trolley, aber der Weg ist ohne jeden Schatten und da es jetzt 13.15 Uhr ist, brennt die Sonne mit voller Kraft vom Firmament. Es dauert eine Weile bis der Trolley überhaupt kommt und so sind wir erst um 14 Uhr an den Totem Poles. Hier braucht man zum Fotografieren eine Menge Geduld. Andauernd stellen sich Japaner, Chinesen und andere Touristen an die Absperrung und ein freier Blick auf mehrere der Pfähle ist fast unmöglich. Ab und zu müssen wir auf uns und unsere Kameras aufmerksam machen, und dann klappt es auch meistens mit den Fotos. Das Licht ist jetzt am frühen Nachmittag ideal und wir machen schöne Bilder von dieser beeindruckenden Sammlung an Wappenpfählen der Urbevölkerung First Nations. Fälschlicherweise werden sie auch als Marterpfähle bezeichnet. Das ist aber falsch, denn die Wappenpfähle tragen oben das Wappentier der Familien, die den Pfahl als Zeichen in ihrer Siedlung einsetzten. Bei dieser Hitze sind wir jetzt richtig fertig und gönnen uns am Kiosk erst einmal ein kaltes Getränk. Danach warten wir an der Haltestelle auf den nächsten Trolley.
Das wird in der prallen Hitze zu einem unerwarteten Geduldsspiel und hier muss man höllisch aufpassen. Es gibt auch noch einen Stanley Park Shuttle und dieser Bus sieht genau so aus wie der Vancouver Trolley. Man kann sie nur am vorne und seitlich aufgemalten Zeichen identifizieren. Sie haben auch noch unterschiedliche, aber sehr nah beieinander liegende Haltestellen. Natürlich achten wir nicht auf die Schrift und erst der Fahrer macht uns beim Einsteigen auf unseren Fehler aufmerksam. Wir gehen die paar Meter zur nächsten Haltestelle und hier ist das Zeichen vom Trolley gut zu sehen. Das nützt aber nichts, denn es kommen mehrere Shuttles, aber kein Trolley. Jedes Mal, wenn um die erste Biegung so ein Holzbus kommt, keimt etwas Hoffnung auf, es ist aber dann doch nur ein Shuttle. Die Haltestelle können wir auch nicht verlassen, denn es kommen immer mehr Menschen hier an, die auf den Bus warten. Viele von ihnen haben unser Schicksal auch hinter sich und wurden vom Fahrer des Shuttles zurückgewiesen. Endlich, nach langen 30 Minuten in praller Sonne, kommt der Trolley. Er hat mächtig Verspätung nach nur 5 Haltestellen angesammelt. Da einige Personen aussteigen und wir unseren ersten Platz verteidigt haben, dürfen wir mit und bekommen auch einen Sitzplatz.
Um 15.30 Uhr ist die Fahrt am Canada Place zu Ende und wir laufen zurück zum Hotel. Vorher kaufen wir im Harbour Center bei Tim Hortons ein paar Donuts, da wir bis jetzt nur unser Frühstück zu uns genommen haben. Ich fahre durch bis zur Lounge und besorge aus dem Kühlschrank kalten Apfel- und Cranberrysaft. Damit stillen wir im Zimmer erst einmal den enormen Durst und Hunger. Nach einem kurzen Nickerchen duschen wir uns und gehen um 18 Uhr in die Lounge. Mit kleinen Häppchen gut versorgt setzen wir uns auf den Balkon und schauen zwei Frauen zu, die sich mit Herrmann der Möwe amüsieren. Danach gehen wir zurück ins Zimmer, checken mal kurz die E-Mails und werfen uns dann in Schale. Ermutigt durch die Reservierungen mit Open Table haben wir eine Verabredung in Gotham.
Nein, nicht mit Batman oder gar Cat Woman, obwohl…? Es ist das Gotham Steakhouse an der Seymour Street, nur 2 Blocks vom Hotel entfernt. Es hat sehr gute Kritiken und wir sind sehr gespannt, ob auch diese Reservierung klappt.
Genau um 19.30 Uhr sind wir am Restaurant und die Reservierung klappt. Ich brauche weder die Reservierungsnummer zu nenne noch den Ausdruck vorzuzeigen. Unser guter Name genügt. Toll. Wir werden gefragt, ob wir einen Tisch im Freien nehmen, was bei diesem Wetter gut passt. Eine nette Dame führt uns zu unserem Tisch im Außenbereich des Restaurants und stellt uns unseren Kellner vor, der uns betreuen wird. Wir nehmen Platz und schauen uns um. Wir sind sehr positiv überrascht. Der Außenbereich des Restaurants hat ca. 8 Tische für jeweils 4 Personen und liegt mitten in einer Häuserschlucht von Wolkenkratzern. Der Blick an den Fassaden nach oben führt fast ins Unendliche. Die Wände sind bewachsen und in der Mitte an der Wand gibt es einen offenen Kamin, der sogar brennt. Er wird zwar jetzt nicht zum Heizen benötigt, fördert aber das Flair des ganzen Ambientes des Restaurants.
Wir entscheiden uns beide für das Filetsteak Mignon, Anja mit Zwiebelringen, ich mit Rahmspinat und eine Art Pommes, von denen Anja auch welche mit abbekommen soll. Zuerst erhalten wir ein halbes, warmes Brot mit Kräutercreme. Es ist kein kleines, halbes Brot sondern tatsächlich ein halbes großes Brot. Wer das essen soll und dann noch zur Hauptspeise in der Lage ist, ist uns schleierhaft. Dennoch säbeln wir uns einen Teil ab und es schmeckt, da frisch und warm aus dem Ofen, sensationell gut. Wir beherrschen uns und bald kommen auch schon die Steaks. Das Fleisch ist auf Spitzenniveau gebraten. Es ist das beste Steak, was wir bisher jemals gegessen haben und auch die Beilagen sind sehr gut. Zum Nachtisch nehmen wir noch Espresso und Milchkaffee und dann die Rechnung. Es ist nicht nur das beste Fleisch bisher, auch die höchste Rechnung, die wir je hatten. Aber da der Urlaub fast zu Ende ist: So what?
Um 21.10 Uhr sind wir in der Hotelbar und verspüren noch Lust, nicht Durst, auf einen Absacker. Anja gönnt sich Campari Orange und ich nehme ein Bier. Allerdings bin ich so voll vom Abendessen, dass das Bier auch nach über 35 Minuten nicht mehr passt. Ich lasse es daher halb stehen und wir verkrümeln uns aufs Zimmer. Hier mache ich mit Stativ noch einige Nachtaufnahmen von Gastown, dem Hafen und dem Harbour Center. Eine weitere Stunde geht erneut mit dem Überspielen der Kameradaten drauf und um 23.15 Uhr ist dann Bettruhe.

nächster Tag

 

 

 

 



Klick für große Bilder:

Vancouver Trolley

Prospect Point

Lions Gate Bridge

Schaufelradschiff

 

 

Yachthafen

 

 

Downtown Vancouver

 

 

Chinesischer Frachter

 

 

Nord-Vancouver

 

 

Totem Poles 1

 

 

Totem Poles 2

 

 

Harbour Center

 

 

Gotham 1

 

 

Appetizer?

 

 

Kamin im Garten

 

 

Hafen bei Nacht