Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Kanada in einem Zug

Von der Ostküste zur Westküste nur mit der Eisenbahn

Samstag 14.08.2010

Toronto - "The Canadian" Tag 1 - Abfahrt

Da es gestern doch recht spät geworden war, habe ich gleich nach dem Aufstehen und der Nasszelle die Kameradateien auf den Computer kopiert und Anja hat jetzt das Bad in Beschlag. Meine letzten Kameras hatten allesamt Bandlaufwerke. Da hat man am Ende das Band zurückgespult und es in der Tasche sicher verwahrt. Die neueren Kameras speichern aber nun mal die Filmdaten auf einen internen Festspeicher oder gar auf Speicherkarten und die haben nun mal auch eine begrenzte Kapazität. Außerdem wird es bei der Menge der Dateien leicht unübersichtlich. Zu Bandzeiten hat man sich da keine Gedanken gemacht, aber jetzt erzeugt jeder Druck auf den Auslöser der Videokamera vier Dateien. An einem Tag wie dem gestrigen kamen da 150 Auslösungen zusammen und das macht 600 Dateien. Mir graut jetzt schon vor der Nachbearbeitung und dem Videoschnitt. Insgesamt komme ich in diesem Urlaub auf 1430 Auslösungen und 75 Gigabyte Datenvolumen. Unvorstellbar.
Um 8 Uhr gehen wir in die Lounge zum Frühstück. Heute ist Samstag und die Lounge ist relativ leer. Das Frühstück schmeckt und wir verhandeln mit dem Mann an der Rezeption über unseren „late checkout“. Da unser Zug erst um 22 Uhr startet und wir auch erst gegen 20 Uhr einchecken können, müssten wir uns den ganzen Tag mit unserem Gepäck herumplagen. Zwei große Koffer und das Handgepäck den ganzen Tag, also fast 10 Stunden mit herumzuschleppen ist einfach undenkbar. Wir haben aber Glück. Wir dürfen bis 13 Uhr im Zimmer bleiben und danach unsere Koffer hier in der Lounge in einem Zimmer deponieren. Und wir dürfen uns am Nachmittag in der Lounge bis 20 Uhr aufhalten.
Kurz nach 9 Uhr sind wir wieder im Zimmer und kümmern uns weiter um die Daten. Jetzt überspielt Anja ihre Fotos auf den Computer und die kleine Festplatte. Wir hatten uns vorsichtshalber noch eine kleine externe Festplatte gekauft und können jetzt unsere Daten doppelt sichern. 250 Gigabyte müssten da ja reichen. Nach der Prozedur mit dem Computer rufen wir noch zu Hause an und machen uns jetzt über die Koffer her. Das ist für vier Tage Zugfahrt in einem kleinen Abteil schon eine logistische Herausforderung. Wir haben einen Koffer in der geforderten carry-on-baggage Größe und einen Seesack dabei. In den Koffer kommt die gesamte Kleidung und in den Sack die Toilettenartikel wie Wasch- und Zahnpflegemittel und das Elektroequipment. Ladegeräte und alle möglichen Verbindungskabel brauchen wir ja auch ständig. Die gebrauchte Wäsche und der Nachschub für Vancouver verbleiben im großen Koffer, der in den Gepäckwagen soll. Das haben wir schon vor der Reise alles festgelegt, damit wir dann am Schalter von VIA-Rail keine Umpackorgie erleben müssen.
Um 12.50 Uhr ziehen wir unser Gepäck zur Lounge und checken aus. Wir müssen noch zwei Flaschen Bier bezahlen, die wir uns gestern Abend hier gegönnt haben. Nachdem die Koffer im hinteren Raum untergebracht sind, bummeln wir los. Wir schauen uns erst einmal die große Lobby und die Geschäfte im Untergrund an. Toronto hat ja, wie Montreal auch, eine Stadt im Untergrund. Hier gibt es jede Menge Läden und Verbindungsgänge, damit die Einwohner im kalten Winter nicht immer auf das Straßenniveau müssen. Gegen 13.35 Uhr erreichen wir das 1882 errichtete Gooderham Building an der Wellington Street. Es ist nach dem CN-Tower das vielleicht am meisten fotografierte Gebäude Torontos. Es hat eine typische Bügeleisenform und steht mitten im historischen Kern Torontos. Wellington Street und Front Street stoßen hier stumpf zusammen. Die Front Street verlief zu Gründerzeiten, als Toronto noch York hieß, direkt am See entlang. Da immer mehr Platzmangel herrschte, füllte man im Laufe vieler Jahre immer mehr Land auf, sodass die Uferlinie zum Ontariosee heute viel weiter weg verläuft. Die heutige Uferstraße ist der Queen Quay West an der Harbourfront. Wir fotografieren das Gebäude von der breiteren Rückseite, da hier ein Gemälde von Derek Besant angebracht ist, dass die Fenster des Gebäudes eigentümlich hervorhebt. Auch von vorn ist das rote Backsteingebäude durch seine seltsame Bügeleisenform sehr fotogen, vor allem mit den beeindruckenden Wolkenkratzern dieser Metropole im Hintergrund.
Keine 200 Meter weiter erreichen wir an der Front Street Ecke Lower Jarvis Street den St. Lawrence Market. Bereits 1803 wurde hier eine erste Markthalle aus Holz errichtet. Seither hat dieses Gebäude viel erlebt. Es brannte ab, wurde aus Ziegelsteinen neu erbaut und diente der Stadtverwaltung und der Polizei als Dienstgebäude. Heute findet man auf zwei Etagen viele Einzelhandelsgeschäfte, hauptsächlich Lebensmittelläden und an der Seite zur Lower Jarvis Street viele kleine Restaurants und Fast Food Läden. Wir haben jetzt bereits schon Hunger, widerstehen aber tapfer den zahlreichen Wohlgerüchen die uns umgeben, da wir uns schon auf ein Restaurant festgelegt haben. Gegen 13.45 Uhr betreten wir den Markt durch den Vordereingang und werden fast erschlagen. So etwas haben wir noch nicht gesehen, noch nicht einmal in Berlin im KDW. Zuerst treffen wir auf mehrere Geschäfte, die alle Sorten und Arten von Fleisch anbieten. In den Auslagen liegen die schönsten Stücke Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch zum Verkauf. Besonders Rindfleisch gibt es in einem überbordenden Angebot. Da Kanadier ebenso wie US-Amerikaner gern dieses Fleisch essen, finden wir vom feinsten Filet bis zum T-Bone Steak alles und in rauen Mengen. Sogar die dicken Scheiben Porterhouse liegen in Massen in der Auslage. Die nächsten Stände bieten Unmengen Sorten an Käse feil. Und weiter hinten im Marktgebäude findet man die Obststände mit ihren dekorativ gestapelten Pyramiden aus exotischen Früchten. In den Jahren 2002 und 2006 hatten wir in Nord-Vancouver den Lonsdale Quai Market besucht, aber der kommt lange nicht in Größe und Vielfalt an den St. Lawrence Market heran. Dass es aber noch größer geht, werden wir erst später auf dieser Reise erfahren. Wir gehen über eine Treppe ins Untergeschoss, wo wir noch eine „Deutsche Bäckerei“ sehen und hier die Restrooms finden. Danach verlassen wir über einen Seiteneingang die Markthalle, da unsere Mägen durch den Anblick der vielen Essensreize jetzt rebellieren und ihr Recht einfordern.
Auf der Rückseite der Markthalle verläuft die Straße „The Esplanade“ und in Nummer 54 gibt es die „Old Spaghetti Factory“. Wir werden hier nichts mehr über diese Restaurantkette, die ihren Ursprung in Vancouver hat, schreiben. In fast allen Berichten von uns gibt es Bemerkungen zu unseren Besuchen in diesen Lokalen. Und da wir erneut eines dieser Restaurants aufsuchen, finden wir es auch gut, günstig und besuchenswert. Um 14.40 Uhr sitzen wir auf einem Platz im gut klimatisierten Restaurant. Normalerweise ist eine Reservierung in der Mittags- oder Abendzeit unbedingt notwendig, aber jetzt ist das Lokal nur zur Hälfte besetzt. Die sehr leckeren Nudelgerichte gibt es immer als Menü und „it’s all included“. Die Menüs gibt es mit Suppe oder Salat zur Vorspeise, Spaghetti in vielen Variationen als Hauptgang und gemischtes, italienisches Eis als Nachspeise. Und das alles kostet zwischen 11 und 14 Dollar. Wir bestellen eine Minestrone als Vorspeise, Anja nimmt Spaghetti mit scharfer Tomatensoße und ich bestelle die Spaghetti mit Meatballs. Das ist neben der Lasagne nach dem Geheimrezept von Mama Pulosi hier mein Lieblingsgericht. Aber diese hebe ich mir für den Besuch in Vancouver auf, wo wir auch die Spaghetti Factory in der Altstadt Gastown besuchen werden. Vor der Suppe bekommen wir sogar noch ein großes, heißes Brot mit 2 Sorten Butter gereicht. Die Suppe schmeckt wie immer sehr gut, aber sie könnte ein wenig wärmer sein. Das ist aber auch wirklich das einzige, was es zu Beanstanden gibt. Sogar einen „refill“ für meine Cola bekomme ich. Nach dem Eis laufe ich durch das jetzt nur noch spärlich besetzte Lokal und mache Videoaufnahmen. Dabei komme ich mit einem älteren Ehepaar aus Oklahoma ins Gespräch. Sie freuen sich sehr, dass ich sie auch noch mit ihrem Apparat fotografiere. Da es draußen drückend heiß und schwül ist, bleiben wir noch eine Weile sitzen. Anja macht ebenfalls einige Aufnahmen vom Lokal und um 15.50 Uhr verlangen wir die Rechnung. Für die zwei Mittagessen mit den Getränken beträgt diese nur 33,23 Dollar. Mit Tip sind das dann zwar 38 Dollar, aber für hiesige Verhältnisse immer noch sehr günstig.
Gegen 16 Uhr flüchten wir dann erneut von der Straße in das Gebäude der „Hockey Hall of Fame“ kurz vor unserem Hotel. Es ist mittlerweile unerträglich schwül geworden, der Himmel ist verschleiert und es ist sehr dunstig. Wir erfahren am nächsten Tag im Zug, dass es in Toronto nach unserer Abfahrt ein schweres Unwetter gegeben hat. Wir meiden jedenfalls die Straße und halten uns nur noch in den Gebäuden auf. Hier in dem völlig überdachten Gebäude mit der „Hockey Hall of Fame and Museum“ ist es angenehm und wir wollen noch einmal den Edelstahlbrunnen in der großen Halle und die historische Fassade der Commercial Bank von 1845 fotografieren. Danach gehen wir unterirdisch zum Hotel zurück. Da wir die Lounge im 12. Stock noch nicht so lange beanspruchen wollen, setzten wir uns um 16.30 Uhr in der großen Halle des Royal York in die Bar. Wir bestellen 2 Kaffee Latte, an denen wir uns eine geschlagene Stunde festhalten. Der Kellner kommt jetzt immer öfter, und fragt, ob wir noch einen Wunsch haben. Anja lässt sich beeindrucken und bestellt noch ein Bier. Diese zwei Kaffee und das Bier kosten 23,50 Dollar incl. Trinkgeld. Ganz schön happig, aber wir haben ja selbst Schuld.
Um 18 Uhr brechen wir zur Gold Lounge auf. Der freundliche Herr ist auch wieder da und ich frage nach meinem Koffer. Hier hatte ich ein frisches Unter- und Oberhemd vorne in die Tasche getan, um mich umziehen zu können, denn beide Kleidungsstücke waren völlig durchgeschwitzt. Ich mache mich frisch und setzte mich zu Anja ans Fenster. Die hat uns bereits ein kühles Getränk besorgt und so warten wir in der angenehm temperierten Lounge auf den Abend. Nachdem ich mir noch einen Kaffee geholt habe, wird es auch schon langsam Zeit zum Aufbruch. Es ist 19.45 Uhr und wir holen die Koffer aus dem Büro. Der nette Desk Manager begleitet uns nach unten und ruft uns einen Gepäckboy. Der unterirdische Zugang zum Bahnhof ist leider wegen Renovierung gesperrt. Hierüber hätte man eine direkte Verbindung zum Schalter, aber so müssen wir über die viel befahrene Front Street, und das gleich über zwei Doppelfahrbahnen. Wir nehmen das Angebot dankend an, geben dem Mann aus der Lounge ein gutes Trinkgeld und verabschieden uns freundlich. Vielleicht sehen wir ihn nächstes Jahr wieder, wenn wir erneut für zwei Tage hier sind.
Der ältere Herr lädt unsere Koffer auf eine der typischen Hotelkarren mit den Messingbögen und schiebt diese zu dem Seitenaugsang der Hotelvorfahrt für die Fahrzeuge. Wir überqueren die Front Street, was mit lautem Protestgehupe der genervten Autofahrer quittiert wird, und sind kurz danach im Bahnhof. Hier gibt es eine weitere Überraschung. Der Gepäck-Boy lädt unsere Koffer ab und ruft einen anderen Gepäckträger. Er darf unser Gepäck nicht im Bahnhof transportieren. Das dürfen nur Bedienstete der Bahngesellschaft. Stammen die Kanadier etwa von den Engländern ab und haben deren Gewerkschaftssitten übernommen??? Heizer auf Elektroloks kommt mir da in den Sinn. Aber egal, es kommt gleich eine stämmige und resolute Dame mit einer Stechkarre und schnappt sich unser Gepäck. Der ältere Herr erhält seine 5 Dollar Tip und wir wissen jetzt schon, dass wir weitere 5 Dollar an die stämmige Dame abdrücken müssen. Diese karrt unsere Koffer und den roten Seesack direkt zum Baggage Claim, gibt noch einen nützlichen Hinweis und nimmt ihr Trinkgeld entgegen. Der Hinweis bezog sich auf den großen Koffer. Der ist fünf Pfund zu schwer und würde, da über 23 Kilo schwer, 20 Dollar Beförderungsentgeld kosten. Wenn wir die 5 Pfund Übergewicht in einen Karton umpacken, würden beide Gepäckstücke kostenlos befördert. Wir sind unserem Geld nicht böse und nehmen den sogar kostenlos angebotenen Karton gern entgegen. Etwas abseits sind bereits weitere Paare dabei, ihre Koffer umzupacken. Schnell sind benutzte Wäsche und andere, leicht zu ersetzende Utensilien aus dem Koffer in den Karton gepackt. Am Claim bekommen wir jetzt tatsächlich zwei hellbraune Abschnitte mit Nummern darauf, deren Gegenstücke sich an unserem Gepäck befinden. Hinter dem Claim befindet sich noch ein Souvenirshop. Ich möchte unbedingt noch eine Mütze oder Cap vom Canadian haben. Leider verkauft die chinesische Dame keine Originale der Zugmützen. Sie hat nur eine schwarze Mütze mit einem Sticker „The Canadian“. Angeblich soll es im Zug andere, „echte“ Ingenieurmützen geben. Ich kaufe trotzdem für 15 Dollar eine schwarze Mütze als Andenken und wir wenden uns jetzt, nur noch mit dem kleinen Koffer und dem Seesack bestückt, dem Check-In-Schalter von VIA-Rail zu. Da wir bereits in Halifax unsere Fahrkarten bekommen haben, brauchen wir nur noch die Termine für Frühstück, Mittagessen und Abendessen mit dem Chef der Dining Car zu vereinbaren. Wir nehmen auch hier wieder die letzten, also späteren Termine. Dann dürfen wir endlich die Pre-Boarding-Lounge des Canadian betreten.
Mittlerweile ist es 20.30 Uhr und wir schauen uns um. Die Lounge ist bereits fast voll, aber auf der linken Seite gibt es noch zwei freie Plätze. Wir wenden uns da hin und ich frage höflich, ob wir diese Plätze besetzen dürfen. Auf der linken Seite sitzen 2 Ehepaare, die aber beharrlich schweigen. Die Frau neben dem ersten freien Platz liest angestrengt in ihrem Buch und hebt nicht einmal den Kopf. Dafür ist das ältere Ehepaar sehr freundlich und bestätigt, dass die Plätze frei sind. Wir setzen uns und mein Blick fällt auf die aufgeschlagene Seite des Buches der teilnamslosenen Frau. Das Buch ist in Deutsch geschrieben. Na ja, vielleicht kann sie nicht englisch sprechen oder schämt sich sonst irgendwie. Wir unterhalten uns mit dem älteren Ehepaar und so vergeht die Zeit ein wenig. Die zwei Paare jetzt rechts neben mir unterhalten sich und ich verstehe, warum da eine gewisse Unfreundlichkeit zu spüren ist. Ein sehr ausgeprägter Wiener Dialekt ist zu verstehen und dort gibt es ja immer noch einige Menschen, die gerne ins Ausland reisen, auch nach Übersee, aber so genannte „Piefkes“ wohl aus irgend einem Grund nicht leiden können. Ausgerechnet die sind auch noch in unserem Wagen untergebracht. Die beiden Männer sind freundlich und grüßen uns später, aber die „Damen“ haben es nicht über sich gebracht, in den nächsten 3 Tagen bis Jasper einen freundlichen Blick zu erwidern. Wir haben es überlebt und unsere positive Meinung über unsere südlichen Nachbarn hat sich dadurch auch nicht geändert.
Ich schnappe mir meine Kamera, weil ich noch den Bildschirm mit der Abfahrt des Zuges aufnehmen möchte. Da ich kein Stativ aufbauen will, versuche ich es freihändig. Mitten in den Versuchen, ein ruhiges Bild hinzubekommen, baut sich ein riesiger Farbiger in Polizeiuniform vor mir auf und ich muss mit Engelszungen reden, dass ich Passagier bin, gleich mit dem Zug abfahre und dass die Aufnahmen nur für meinen eigenen privaten Film sind. Seit dem 11 September sind die hier in Nordamerika alle ein wenig übersensibilisiert, was das Filmen in öffentlichen Gebäuden und gerade auf Bahnhöfen und Flughäfen anbelangt. Aber der Hüne lässt sich besänftigen und ich kehre zu meinen „Österreichern“ zurück. Gegen 21.20 Uhr beginnt das Boarding und die Waggonnummern werden aufgerufen. Zuerst sollen die Passagiere der Wagen 110 und 111 zum Gate 17 kommen. Kurz nach 21.30 Uhr wird unsere Coach, Nummer 121, aufgerufen und wir sollen zum Gate 16 kommen. Meine Laune verfinstert sich, da auch die südlichen Nachbarn auf diese Wagennummer reagieren. Über eine Rolltreppe erreichen wir den Bahnsteig, diesmal nach oben, und müssen fast den ganzen Zug entlang laufen. Erst der drittletzte Wagen ist der unsere. Ich habe meine Kamera griffbereit und filme Anja beim Einsteigen. Danach erklimme ich über den obligatorischen Tritt den Wagen und bin gleich um zwei Ecken in Kabine C. Die ist bereits in „Nachtausführung“ und bietet auf den ersten Blick kaum Platz. Wir beschließen, uns später aufzuregen und gehen erst einmal die zwei Wagen nach hinten in die Park-Car. Die ist vollkommen leer und wir besetzen die beiden Plätze in der ersten Reihe auf der rechten Seite, da ich gerne die Abfahrt aus Toronto filmen möchte.
Mittlerweile ist der Dome in der Park-Car voll und genau um 22.03 Uhr fährt der Zug sanft und fast unmerklich an. Ich zücke die Kamera und bin schnell sehr enttäuscht. Draußen ist es dunkel und im Dome ist das Licht eingeschaltet. Dadurch spiegeln die Scheiben derart, dass sinnvolle Aufnahmen von der Skyline der Stadt nicht möglich sind. Später, bei ausgeschalteter Beleuchtung werden wenigstens die Aufnahmen von ein paar roten Signalen etwas. Der Zug ist so lang, dass alle Signale auf rot stehen, bevor unsere Park-Car sie passiert. Gegen 22.30 Uhr überquert der Zug in langsamer Fahrt eine große Autobahn und stoppt. Danach stößt er rückwärts in ein Gleisdreieck und fährt um 22.45 Uhr auf die Strecke in Richtung Pazifik.
Wir bleiben noch eine viertel Stunde bis 23 Uhr und gehen zurück in unsere Kabine. Hier packen wir erst einmal den roten Seesack aus. Leider ist mein Haarshampoo ein wenig ausgelaufen und hat die Tüte etwas versaut. Nachdem ich den seifigen Schleim weggewaschen habe, kümmere ich mich um das übrige Gepäck. Aus dem kleinen Koffer nehmen wir die Kleidung für den nächsten Tag. Der Koffer passt genau in ein Fach über dem Waschplatz und wenn man die Duschbeutel, die vom VIA-Rail gestellt werden, unter die Betten stellt, passt da auch noch der rote Seesack hinein. Vorne kann man dann ein grobes Netz vorschieben, sodass das Gepäck auch sicher verstaut ist. Über dem Waschbecken ist ein Klappbrett, auf das wir unsere Toilettenartikel platzieren können und schon sind wir eingezogen. Jetzt müssen wir uns nur noch für das Bett fertig machen und uns über die obere Schlafgelegenheit einigen. Die ist nur über eine sehr schmale Hühnerleiter erreichbar, die auch noch unglücklich vor der Toilettentür platziert ist. Ja, richtig gelesen. Wir haben eine eigene Toilette in unserem Abteil. Aber die ist nur etwas für echte Spargeltarzane. Ich habe sie nur einmal benutzt und bin danach auf die Sitzgelegenheit in der Park-Car ausgewichen. Das als gut gemeinter Tipp für alle Reisenden mit etwas Fülle an den Hüften. Wir probieren die Hühnerleiter und Anja nimmt fast freiwillig wieder die obere Koje. Die Nachttoilette machen wir jetzt nacheinander und gehen dann in die Schlafkojen. Um 23.40 Uhr löschen wir die Lampen über den Kopfteilen und schlafen wenig später tatsächlich ein.

nächster Tag

 

 

 

 



Klick für große Bilder:

Bay Street in Toronto

Gooderham Building

Eingang Gooderham B.


Rückseite Gooderham B.

 

St. Lawrence Market

 

 

Markthalle von innen

 

 

Fleischauslage

 

 

Saftige Steaks

 

 

Fischstand

 

 

Obststand

 

 

Leckeres Obst

 

 

Fisch und Fleisch

 

 

The Old Spaghetti Factory

 

 

Essen in/an der Bahn

 

 

Essen im Karussell

 

 

Tolle Inneneinrichtung

 

 

Hockey Hall of Fame

 

 

Panorama Lounge

 

 

Abfahrtsbildschirm

 

 

Auf dem Weg zum Zug

 

 

Einsteigen

 

 

Abfahrt aus Toronto