Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Kanada in einem Zug

Von der Ostküste zur Westküste nur mit der Eisenbahn

Mittwoch 11.08.2010

Halifax - Zug "The Ocean"

Heute ist für uns ein besonderer Tag. Wir werden zum ersten Mal in Kanada mit einem Zug fahren und auch darin übernachten. Da gibt es gerade mit unserem Gepäck viel zu beachten, aber alles der Reihe nach. Der Morgen verläuft wie immer und um 8.20 Uhr sind wir vom Frühstück aus der Lounge zurück.
Wir hatten bei der Anreise nach Halifax einen großen und einen kleineren Koffer als Reisegepäck dabei. In der vorderen Tasche des großen Koffers hatten wir einen kleinen Seesack der Reederei Deilmann gefaltet verstaut. Dieser kommt jetzt zu seinem ersten Einsatz. Darin verstauen wir unser Elektro-Equipment für die Kameras, den Laptop sowie unsere Badezimmerartikel. Damit ist der rote Sack schon gut gefüllt. In den kleinen Koffer hatten wir zu Hause schon einige Kleidungsstücke und Unterwäsche für die Übernachtungen in den Zügen vorsortiert eingepackt. Der Rest und die bereits benutzte Wäsche kommen in den großen Koffer. Mit dieser Aktion sind wir um 9.15 Uhr fertig, aber um noch eine Hafenrundfahrt zu unternehmen, haben wir nicht mehr genug Zeit. Also relaxen wir noch im Zimmer, checken die E-Mails und ich befasse mich mit den Regularien für die Bahnfahrt. Mit unserem Gepäck gibt es noch eine Unklarheit wegen der Unterbrechung morgen in Montreal und der Weiterfahrt nach Toronto. Das müssen wir am Schalter noch klären.
Um 10.40 Uhr verlassen wir mit Gepäck unser schönes Zimmer und fahren mit dem Lift nach unten zur Rezeption. Wir checken aus und bezahlen die Rechnungen aus der Bar. Ich bitte die nette Dame, mir von dem Voucher unserer Bahnfahrten noch eine Kopie anzufertigen. Wir haben von allen Vouchern zwei Exemplare bekommen und wenn uns dieses Einzelexemplar abgenommen wird, haben wir nichts mehr in der Hand. Sie ist so freundlich und eine Minute später haben wir unsere Kopie. Sie fragt noch, ob wir ein Taxi benötigen, was wir bejahen, da der Weg zum Bahnhof doch sehr weit ist. Wir ziehen unsere Koffer zum Ausgang und in der schmalen, kurzen Parkbucht vor dem Hotel steht alles voll Autos. Die Leute reisen ab und verstauen ihr Gepäck in den großen Geländewagen. Halb auf der Straße steht bereits ein Taxi, der Fahrer sieht uns und winkt. Das geht aber fix, denken wir und machen uns auf den Weg zum Fahrzeug. Der Fahrer hat schon einen Koffer eingeladen, da hält ein weiteres Taxi auf der Straße und der Fahrer ruft durch das geöffnete Fenster der Beifahrerseite unseren Namen. Es herrscht kurzzeitig Verwirrung, aber der Fahrer des ersten Taxis gibt sehr schnell nach und nimmt unseren Koffer wieder aus seinem Fahrzeug. Ich zucke mit den Schultern, murmele ein leises „sorry“ und wir wenden uns dem anderen Taxi zu. Der Fahrer verstaut nun seinerseits unsere Gepäckstücke im Fahrzeug, wir steigen ein und nennen unser Ziel: VIA-Rail Train Station, 1161 Hollis Street.
Die Fahrt dauert kaum 10 Minuten und das auch nur wegen der vielen Einbahnstraßen zum Bahnhof. Der Fahrer darf auf der Barrington Street nicht wenden und muss uns deshalb um mehrere Ecken zur Hollis Street kutschieren. Er hält direkt vor dem Eingang des Bahnhofs und hilft uns beim Entladen. Mit Trinkgeld war das ein Vergnügen für 10 Dollar. Es ist jetzt genau 11 Uhr und wir haben noch Zeit. Daher zücke ich zuerst meine Kamera und mache meine Aufnahmen vom Bahnhofsgebäude. Anja bewacht unser Gepäck auf dem Gehsteig und nach wenigen Minuten wechseln wir. Danach ziehen wir die Koffer in das Gebäude und zum Schalter. Nach 5 Minuten Wartezeit sind wir dran und ich präsentiere unseren Voucher. Dieser scheint selten zu sein, denn die Dame studiert in eingehend, telefoniert, spricht mit einer anderen Lady am Gepäckschalter und scheint dann aber voll informiert zu sein. Es dauert nun noch eine weitere Minute und ein Drucker rattert los. Der spuckt nun unsere Fahrkarten aus, und zwar gleich für alle Züge. Sie faltet die Fahrkarten und schreibt mit einem Filzstift auf die anhängende Karte unsere Waggon- und die Abteilnummer. Das geht bisher ja reibungslos. Nun müssen wir noch das Gepäck nebenan einchecken. Der große Koffer muss in den Gepäckwagen und die beiden kleineren Gepäckstücke sollen in unser Abteil. Die Dame, die eben ausgeholfen hat, nimmt sich uns nun vollständig an. Wir bekommen jede Menge Vorschläge gemacht, wie wir um die Gebühr für das Übergewicht unseres großen Koffers herumkommen können. Ich hatte mir vorher auch schon einiges überlegt, aber die Schwierigkeit ist der Zugwechsel und der lange Aufenthalt in Montreal. Da kann mit den Gepäckstücken wer weis was passieren und darauf will ich mich nicht einlassen. So zahlen wir die Gebühr von 40 Dollar plus Steuer, also 46 Dollar, für den großen Koffer in zwei Zügen bis Toronto und hoffen, dass wir ihn da auch wiedersehen werden. Die kleinen Gepäckstücke werden uns in die Kabine gebracht.
Das war jetzt ein Akt von fast 15 Minuten und hat hinter uns eine Schlange von mehreren Mitreisenden verursacht. Jetzt um 11.20 Uhr setzen wir uns erst einmal in die Pre-Boarding Lounge und ich studiere die Fahrkarten. Die wurden bereits für die drei Züge bis Vancouver ausgestellt und unsere jeweiligen Kabinen und Sitzplätze sind bereits gebucht. Von Halifax bis Montreal, also im „The Ocean“, sind wir in Wagen 1538 in Abteil Nummer 6 untergebracht. Von Montreal nach Toronto nennt sich der Zug „Corridor“ und hier sitzen wir in Wagen 1 auf den Plätzen C und D in Reihe 9. Im Zug „The Canadian“ steht uns dann in Wagen 121 das Abteil C zur Verfügung. Ich habe mich ein wenig erholt und mache jetzt meine Aufnahmen der Bahnhofshalle von innen. Leider ist der Ausgang zu den Gleisen gesperrt und ich erkenne nur die hinteren 2 Park-Cars von zwei Zügen. Links daneben ragt ein riesiges Kreuzfahrtschiff in den Himmel, das da am Pier des Hafens liegt. Ich setze mich zurück in die Lounge und nun strebt Anja zum Fotografieren. Sie hat entweder Glück oder der weibliche Charme siegt mal wieder. Sie trifft einen Bahnbediensteten und der nimmt sie mit auf den Bahnsteig. Hier darf sie in aller Ruhe die Waggons aufnehmen und sogar den freundlichen Herren fotografieren. Leider hat der Zug an die 20 Wagen und der Weg zu den Maschinen nach vorn ist zu weit.
Anja ist zurück und wir warten jetzt gemeinsam auf das Boarding. Um 11.15 Uhr kommt eine Lady und begrüßt die Fahrgäste in der Lounge. Sie gibt ein paar Verhaltensregeln bekannt, die wir aber in der aufkommenden Hektik des Aufbruchs der anderen Passagiere nicht richtig mitbekommen. Also stehen wir auch auf und stellen uns in den Kreis, der sich um Michelle, so heißt die Lady, gebildet hat. So bekommen wir mit, dass am Schalter der Lounge ein Herr unseren Zeitwunsch für den Lunchgang entgegen nimmt. Wir stellen uns an und ich werfe schon mal einen Blick auf seine Strichliste. Es gibt Termine für 12.30 Uhr und für 14 Uhr. Hinter 12.30 Uhr sind die meisten Striche und da wir noch keinen großen Hunger verspüren und ich auch gerne die Ausfahrt des Zuges filmen möchte, lassen wir uns für 14 Uhr eintragen. Nun wird es langsam ernst und wir dürfen das Bahnhofsgebäude durch den Ausgang verlassen. Wir gehen an der silbernen Park-Car vorbei und direkt der nächste Wagen ist unsere Nummer 1538.
Der obligatorische Tritt vor dem Einstieg fehlt nicht und um 12.10 Uhr besteigen wir den Waggon des Zuges und zwängen uns durch den Gang zu Kabine Nummer 6. Ich öffne die Tür und sehe zuerst, dass unsere Gepäckstücke bereits da sind. Wir sehen aber auch, dass mit dem Gepäck der Platz im Abteil bereits fast ausgereizt ist. Wo sollen wir jetzt noch hin? Wir zwängen uns erst einmal in die Kabine und verarbeiten unseren Schock. Der Blick hinter die Klappen der edlen Holzvertäfelungen und Spiegel bringt auch nur Stauraum für ein Brillenetui oder einen Kulturbeutel ans Licht. Ich entdecke zwei lochkartenartige Plastikschlüssel für die Tür, nehme mir einen und drücke Anja den anderen in die Hand. Wir beschließen, erst einmal in die Park-Car zu gehen, danach am Lunch teilzunehmen und dann das Platzproblem zu lösen.
Wir sind direkt im Waggon vor der Park-Car und der Weg dahin ist kurz. Mein Blick nach oben in den Dome zeigt mir, dass die erste Reihe an den Panoramafenstern frei ist und wir besetzen sie sofort. Fast pünktlich, um 12.20 Uhr, setzt sich der Zug in Bewegung. Er verlässt in langsamer Fahrt das Bahnhofsgelände und biegt in einer Rechtskurve in einen felsigen Taleinschnitt ein. Zuerst fahren wir unter den Brücken der Young Ave und der Tower Road hindurch. Der Zug passiert die auf der rechten Seite liegende, riesige West End Mal mit dem Halifax Shopping Centre und kurz danach fahren wir auch am Fairview Cemetery vorbei. Nach einer Linkskurve sind wir direkt an der Fairview Bucht und nur wenige Meter vom Hafenbecken entfernt. Michelle, unsere Park-Car-Betreuerin ist jetzt auch im Dome und erzählt den Passagieren die Geschichte der riesigen Halifax-Explosion. Es dauert eine ganze Weile bis wir hinter der Bedford Bay das Hafengebiet verlassen und ab hier weiter durch die Vororte der Küstenstadt fahren. Keine Angst, wir werden nicht jeden einzelnen Kilometer dieser Bahnstrecke beschreiben, aber ein paar Highlights werden wir folgen lassen.
Nach einer halben Stunde geht Anja zurück in die Kabine, ihr ist die Klimaanlage, die volle Pulle eingeschaltet ist, zu nervig. Sie bläst kalt genau in unsere Richtung und tönt auch noch sehr laut. Ich bleibe allein in der ersten Reihe zurück und nach kurzer Zeit fällt mit ein Junge von vielleicht 8 bis 10 Jahren auf, der mit seiner Mutter in die Park-Car kommt. Da die erste Reihe auf der anderen Seite noch frei ist, setzen sich die beiden und Usher, so wird der Knabe genannt, kommentiert jedes Signal lautstark. Auch andere Bahneinrichtungen an der Strecke werden lautstark beschrieben und angekündigt. Die Mutter versucht vergeblich, Ushers Enthusiasmus zu bremsen. Nach langen Minuten mit den lautstarken Kommentaren gibt die Mutter auf und zieht sich nach unten zurück. Ich nenne das Verhalten der Mutter antiautoritäre Erziehung. Usher hat nach dem Weggang seiner Mutter augenblicklich die bewegliche Fußstütze an der Wand des Wagens entdeckt und hebt diese jetzt an und lässt sie mit einem lauten Knall nach unten sausen. Das geht unermüdlich gute 10 Minuten lang bis ein Fahrgast aus der dritten Reihe seine Stimme gegen Usher erhebt. Der hält tatsächlich 10 Sekunden inne und spielt dann ungeniert weiter, so als ob nie jemand etwas gesagt hat. Es dauert nun nicht lang, da wird der Mann hinter mir deutlicher und lauter. Das Spiel wiederholt sich mehrmals und der Mann wird so laut, dass der im unteren Teil des Wagens sitzende Vater aufmerksam wird. Er kommt hoch und setzt sich hinter Usher, um diesen jetzt außer Rand und Band geratenen Jungen verbal zu beruhigen. „Usher“: Plang, „Usher“: Plang, „Usher“: Plang usw. Die antiautoritäre Erziehung gipfelt jetzt darin, dass der Vater den Jungen nimmt und durch den Dome nach unten zieht. Endlich ist Ruhe hier oben, aber die Ursache des Problem selbst nicht gelöst, denn der Zug fährt ja noch bis Montreal und die Familie wird bei unserem Glück den Zug nicht vorher verlassen.
Es ist jetzt 13.50 Uhr und ich muss jetzt leider meinen schönen Platz verlassen. Anja wartet bereits in der Kabine und wir gehen gemeinsam los. Wir müssen durch die schmalen Gänge von acht Wagen bis zur Dining Car laufen, was bei den schwankenden und rüttelnden Wagen nicht immer leicht ist. Genau um 14 Uhr haben wir es geschafft und das Restaurant ist glücklicherweise noch fast leer. Wir entscheiden uns für einen Tisch für zwei Personen auf der linken Zugseite. Der Wagen scheint fast neu zu sein oder wurde frisch renoviert und modernisiert. Er hat ein schickes Ambiente und uns gefällt es hier sehr gut, jetzt muss nur noch das Essen stimmen. Unser Kellner heißt Matthew und ist sehr freundlich. Er reicht uns eine gedruckte Speisekarte, aus der wir Vorsuppe, Hauptgericht und Nachspeise wählen können. Wir entscheiden uns für eine Minestrone, die als Soup of the Day angeboten wird. Danach nimmt Anja die „Duck Confit Penne“, Nudeln mit Ente und ich entscheide mich für „Smoked Ham and Brie Sandwich“, Schinken auf einer Käsestulle. Da Anja die Ente mit Nudeln nicht sonderlich schmeckt, gebe ich ihr ein halbes Sandwich ab und esse den Rest ihrer Nudeln. Der Nachtisch nennt sich „Sweet Sensation“ und ist ein Haferflockenkuchen mit einer Fruchtfüllung. Dazu bekommen wir Kaffee wie immer bis zum Abwinken. Das Essen war jetzt keine Sterneküche, aber bis auf Anjas Entennudeln auch nicht schlecht. Dafür, dass es in einem schwankenden Zug und in einer sehr kleinen Küche zubereitet wird, ist es ganz in Ordnung. Wir tragen uns bei Matthew zum Dinner wieder für die zweite Sitzung um 20.15 Uhr ein und hoffen, dass dieser schöne Tisch erneut frei ist.
Für den Rückweg durch die acht Wagen benötigen wir wieder 10 Minuten und sind um 15.10 Uhr zurück in der Kabine. An dieser Stelle möchten wir erst einmal dieses schrecklich kleine Abteil beschreiben. Hinter der geöffneten Tür folgt eine ca. 2 Meter lange Sitzbank mit 3 Sitzmulden. Gegenüber befindet sich in einem Abstand von maximal 50 Zentimetern eine Art Schrank mit einem mittigen Spiegel. Es ist aber kein Schrank, sondern die Verkleidung des Waschabteils der nächsten Kabine. Links davon ist die Tür zu unserem Waschabteil. Hierin sind die eigene Toilette, das Waschbecken und die Dusche untergebracht. Wenn man sich hier duscht, werden Waschbecken, Toilettensitz und alle anderen Utensilien vollkommen nass. Anja hat unsere Waschutensilien in die Nasszelle eingeräumt und da keinerlei weiterer Stauraum vorhanden ist, lassen wir alles in unserem Koffer und im Seesack. Wenn wir etwas brauchen, holen wir es eben aus diesen Behältern heraus und lassen diese vor der Sitzbank stehen. Anders geht es nicht und für die eine Nacht muss es eben sein. Wir hoffen nur, dass der „Canadian“ eine größere Kabine hat.
Nachdem ich mich jetzt etwas frisch gemacht habe gehe ich mit dem gedruckten Route Guide zurück in die Park-Car. Hier haben es sich inzwischen die Passagiere des ersten Lunchdurchganges gemütlich gemacht. Ganz hinten vor den runden Fenstern sitzt ein junges Paar, er mit Gitarre und sie mit einer Geige, und unterhält die Mitreisenden mit zünftiger Countrymusic. Da hier unten kein Platz ist, gehe ich nach oben in den Dome und setzte mich auf einen freien Platz in der dritten Reihe und studiere den Fahrplan. In Moncton soll es einen 20-minütigen Aufenthalt geben, eine gute Gelegenheit, am Zug entlang zu sprinten und die Loks zu fotografieren. Rechtzeitig vorher gehe ich zu Anja ins Abteil und wir laufen jetzt gemeinsam durch den wackeligen Zug bis hinter die Dining Car. Hier haben wir einen guten Ausgangspunkt für unsere Fotoexkursion. Der Zug läuft in Moncton ein und hält. Nachdem der zuständige Wagenbegleiter die Tür geöffnet und den Tritt in Position gestellt hat, steigen wir aus und sprinten los zu den Lokomotiven. Wir müssen noch an etwa 6 oder 7 Wagen vorbei, das klappt aber in weniger als 2 Minuten. An den Loks steht bereits ein Tankwagen und der Fahrer befüllt den Tank der ersten Lok. Es sind gewaltige Maschinen, die ihre Elektromotoren mit Dieselaggregaten antreiben. Elektrische Oberleitungen sucht man hier auf den ländlichen Strecken vergeblich. Nachdem wir unsere Fotos gemacht haben, können wir gemütlich im warmen Sonnenschein am Zug entlang zurück zu unserem Wagen laufen.
Um 17.04 Uhr fährt der Zug aus Moncton ab und wir sitzen wieder gemeinsam im Dome der Park-Car. Usher treibt erneut sein Unwesen, wird aber diesmal von Pappi im Zaum gehalten. Gegen 18 Uhr durchfahren wir Moose-Country, passieren Rogersville und Anja verlässt mich bereits wieder. Der Zug hält mehrmals, um an sogenannten Ausweichstellen lange Güterzüge passieren zu lassen. Diese Monsterzüge mit über 200 Waggons haben bis zu vier Lokomotiven, die diese gewaltigen Lasten über die Schienenstränge bewegen. Der Zug passiert Nelson Junction mit den markanten Stahlgitterbrücken und hält kurz in Miramichi.
Gegen 19.45 Uhr gehe ich auch zurück in das Abteil und setzte mich zu Anja. Ich krame im Elektroequipment nach dem Ladegerät der Videokamera. Der erste Akku ist fast leer und sollte dringend geladen werden. Wir machen uns danach zeitig auf den Weg zur Dining Car, weil uns der kleine Tisch für 2 Personen so gut gefallen hat. Matthew erkennt uns wieder und als wir auf den begehrten Tisch zeigen, nickt er freundlich und zustimmend. Wir studieren die Dinnerkarte und bestellen erst einmal 2 Alexander Keith Indian Pale Ale. Das kommt zwar in der Dose, schmeckt aber trotzdem gut. Als Vorspeise gibt es eine maritime Fish-Chowder, die sogar sehr gut schmeckt. Als Hauptspeise nehmen wir beide die „Pork Medaillons stuffed with Spinach and Brie“. Die Schweinemedaillons sind gefüllt mit Spinat und Käse, dazu gibt es kleine Kartoffeln und Gemüse. Auch das schmeckt entgegen dem Mittagessen sehr gut. Um 20.50 Uhr hält der Zug beim Nachtisch in Bradhurst. Es gibt einen köstlichen Schoko-Kokos-Kuchen mit einer Karamellcremefüllung. Nach dem Kaffee gönnen wir uns noch eine zweite Dose Bier, da wir Bedenken haben, bei den Bewegungen des Zuges überhaupt schlafen zu können. Wir genießen unser zweites Bier und beobachten die Landschaft durch die Fenster. Um 21.10 Uhr hält der Zug in Petit Rocher und bis hierher haben wir bereit 521 Kilometer Bahnreise hinter uns. Ich finde, die Zeit verging bisher wie im „Zuge“. Apropos Zeit: Um 22.30 Uhr verlassen wir die Atlantic-Time-Zeitzone und befinden uns in der Eastern-Time-Zeitzone. Ich schlage Anja vor, unsere Uhren bereits jetzt zurückzustellen, damit wir morgen beim Frühstück keine Überraschung erleben. Wir bezahlen bei Matthew unser Bier, immerhin stolze 6 Dollar für die Dose, und gehen zum Abteil zurück.
Als wir die Tür öffnen, trifft uns fast der Schlag: Die Betten sind gemacht. Das obere Bett ist heruntergeklappt und mit einer schmalen Hühnerleiter versehen. Davor stehen unsere Gepäckstücke und wir sehen kaum eine Chance, in unsere Betten zu kommen. Ich verdränge die Situation erst einmal und überrede Anja, noch einmal mit in die Park-Car zu kommen. Hier ist bereits Stimmung. Wir bekommen die letzten Plätze im Dome und müssen direkt an einer Weinprobe teilnehmen, die Michelle durchführt. Sie hat vor unserer Ankunft bereits mehrere Weine herumgereicht, denn sie ist bereits in bester Laune. Anja nimmt sich einen Plastikbecher mit Rotwein, ich verzichte. Das ist gut so, denn Anja verzieht das Gesicht. Geht trocken trockener als Brut? Heavy Brut vielleicht. So könnte man diesen roten Saft jedenfalls bezeichnen. Als Trost für den entgangenen Tropfen reicht mir Michelle ein Tablett mit kleinen Käsewürfeln. Es soll ein schmackhafter, geräucherter Käse sein, den ich auch probiere. Ich muss unbewusst und von den anderen Reisenden bemerkbar mein Gesicht derart verzogen haben, dass ein lautes Gelächter den Dome erfüllt. Wir bleiben noch fast eine Stunde und da es draußen bereits dunkel ist, ziehen wir uns ins Abteil zurück. An dieser Stelle erspare ich mir die Beschreibung unserer Verrenkungen und der Akrobatik, die wir machen müssen, um uns auszuziehen, zu waschen und dann die Betten zu besteigen. Es war spätestens hier das erhoffte Abenteuer.
Um 22 Uhr mache ich das Licht aus und wir versuchen zu schlafen.

nächster Tag

 

 

 

 



Klick für große Bilder:

Delta Hotel

Schotte am Eingang

Rezeption

Bahnhof in Halifax

 

 

Ticket-Schalter

 

 

Pre-Boarding Lounge

 

 

2 Park-Cars

 

 

Unsere Park-Car

 

 

Ausfahrt aus Halifax

 

 

Hafen von Halifax

 

 

Das Abteil ist voll

 


Eingangsbereich

 


Nasszelle im Waggon

 

Park-Car in Fahrtrichtung

 

 

Park-Car mit Musikern

 

 

The Ocean in Moncton

 

 

Tanken der Loks

 

 

Nova Scotia

 

 

Gang im Zug

 

 

Michelle moderiert

 

 

Dining-Car zum Dinner

 

Weinprobe am Abend