Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Kanada in einem Zug

Von der Ostküste zur Westküste nur mit der Eisenbahn

Montag 09.08.2010

Düsseldorf - Frankfurt - Halifax

Wir fliegen von Frankfurt und deshalb heißt es früh aufstehen. Bereits um 3 Uhr früh meldet sich der erste Wecker und wird furchtbar verflucht. Trotz der Vorfreude auf unseren bevorstehenden Abenteuerurlaub fällt das Aufstehen um diese Zeit eben schwer. Auch der Ersatzwecker wird abgestellt und die Rallye durch das Badezimmer beginnt. Nach dem Frühstück sind wir reisefertig und um 4.40 Uhr steht Sohn Martin in der Haustür. Die Männer bringen die Koffer zum Auto und kurz vor 5 Uhr verlassen wir unser Haus, wie immer mit dem unguten Gefühl, auch an Alles gedacht zu haben. Die Fahrt nach Frankfurt klappt reibungslos. Kurz vor Wiesbaden und dem Mönchhof-Dreieck wird der Verkehr plötzlich dichter. Aber das ist um diese Zeit, besonders an einem Montag, wohl immer so. Nach der Autobahnabfahrt zum Flughafen sind wir um 6.45 Uhr auch schnell in einem der Parkhäuser und wundern uns nicht mehr über die Unübersichtlichkeit, die hier herrscht. Vielfliegern mag das System der Einfahrten geläufig sein, aber wir finden uns nach vier Jahren nur schwer zurecht. Das Wichtigste ist, das man sich die Nummer des Stellplatzes merkt, besser aufschreibt, damit man sein Auto auch wiederfindet. Es dauert eine gute viertel Stunde, bis wir vom Labyrinth des Parkhauses mit Aufzügen und Rolltreppen in der ersten großen Halle C des Terminal 1 angelangt sind. Wir sind schon mehrfach von Frankfurt aus abgeflogen und angekommen, aber immer mussten wir uns durch Baustellen und Umleitungen zu unserem Ziel quälen. So auch diesmal. Wann ist dieser Airport mal wirklich fertig?
Wir müssen zum Schalter 759 der Fluggesellschaft Condor und der ist natürlich ganz am Ende der riesigen Halle C. Da wir in der Comfort Class gebucht haben, ist der Schalter leer und bereits um 7.15 Uhr sind wir die Koffer los und im Besitz der Bordkarten. Wir fliegen gern in der Comfort Class der Condor oder in der Relax Class mit Air Berlin, wenn unser Reiseziel von diesen Fluggesellschaften angeflogen wird. Für mich sind die Sitzreihen mit dem geringen Abstand in der Economy Class bei Flugzeiten von 7½ Stunden und mehr eine wirkliche Quälerei. Der Mehrpreis für diese Klasse ist bei rechtzeitiger Buchung auch gut zu bewältigen. Mit der Lufthansa oder Air Canada in der Business Class würde der Flug fast das Vierfache kosten. Martin hat noch nicht gefrühstückt und so gehen wir zurück in den Mittelteil der Halle C in ein kleines Cafe. Hier verbringen wir noch 20 Minuten gemeinsam, bis er gegen 7.35 Uhr doch Hummeln im Hintern bekommt und wieder zurück nach Düsseldorf möchte. Dafür haben wir Verständnis und verabschieden uns. Beim Einchecken haben wir Eintrittskarten für die Lufthansa Lounge bekommen. Diese Karten sind aber auch gleichzeitig Gutscheine im Wert von je 20 €uro, die wir im Bordverkauf einlösen können. Da das Boarding bereits um 8.45 Uhr beginnen soll und wir auch noch den Sicherheitscheck über uns ergehen lassen müssen, bleiben wir in dem kleinen Cafe noch 30 Minuten sitzen und heben die Gutscheine auf.
Um 8 Uhr brechen wir auf und schlendern wieder am Schalter von Condor vorbei in Richtung Gate C 17. Zuerst passieren wir eine Art Ausreisekontrolle, jedenfalls lässt man uns erst nach Durchsicht unseres Reisepasses und unserer Bordkarten passieren. Dann folgt ein langer Gang, an dessen Ende schon von Weitem eine lange Schlange zu sehen ist. Anja stellt sich erst einmal an und ich gehe an der Schlange vorbei bis zur nächste Biegung nach rechts. Hier trifft mich fast der Schlag. Sechs Sicherheitsschleusen führen zu den Gates und davor Schlangen aus Menschen wie in einem Freizeitpark vor der Wildwasserbahn. Ich gehe zurück und berichte Anja von meiner Beobachtung. Panik kommt zwar nicht auf, aber wenn um 8.45 Uhr Boarding sein soll, könnte es knapp werden. Langsam rücken wir auf und 5 Minuten später sind wir an der Biegung nach rechts. Weitere 5 Minuten dauert es bis zum Eingang in die Verteilung auf die sechs Schleusen. Jetzt haben wir aber Glück. Eine resolute Frau in Flughafenuniform verteilt die Menschen in der Schlange auf die Eingänge, denn wie immer steht die Menge an den nahen Eingängen und die weiter entfernten werden kaum beachtet. Wir werden an einen dieser Eingänge geschickt und sind schon bald am Band und legen unsere Sachen in die Plastikwannen. Ich lege gleich die ganze Jacke und die Armbanduhr hinein, dazu Kameratasche und will den Laptop auspacken. Aber das ist hier wohl nicht mehr nötig wie zuletzt in Vancouver, als er da in Betrieb genommen werden musste. Anja ist vor mir durch die Schleuse, steht aber jetzt, nachdem ich ohne Beanstandung auch durch bin, noch in einer kleinen Box und wird nochmals von einer Frau abgetastet. Ich habe meine Jacke bereits wieder an und die Taschen um, da ist Anja immer noch nicht fertig. Irgendetwas piept an ihr immer noch. Es ist der Reisverschluss ihres Geldgürtels, den sie unter der Kleidung trägt. Wenn die Kontrolleurin den nicht so schnell findet, ist dieser Teil der Reisekasse bestimmt sicher.
Nach dieser gewaltigen Kontrolle sind wir um 8.40 Uhr wieder in Richtung Gate C 17 unterwegs, wo wir pünktlich eintreffen. Es ist schon einiges los und nur noch wenige Sitzplätze sind frei. Wir nehmen Platz und ich melde uns am Schalter an. Danach tut sich erst einmal nichts. Nur eine Frau in Condoruniform rennt zwischen den Passagieren herum und lässt einige Handgepäckstücke wiegen und bittet danach die Passagiere wegen des Mehrgewichtes zur Kasse. Seltsam ist, dass es hier keine Fenster auf das Flugfeld gibt und keine angedockte Maschine zu sehen ist. Ich mache gerne vor dem Boarding einige Aufnahmen von dem Flugzeug, aber das ist hier nicht möglich. Eine lange halbe Stunde müssen wir warten und werden dann endlich um 9.15 aufgefordert, uns zum Ausgang zu begeben. Schon wieder kommt uns etwas seltsam vor, denn bisher werden immer die Passagiere reihenweise aufgerufen, die Maschine zu betreten, damit kein Stau entsteht. Da wir günstig sitzen, gehen wir auch gleich los. Zuerst müssen wir eine Rolltreppe hinab in einen sehr dunklen Raum. Wieder seltsam, denn normalerweise geht man doch einen hell erleuchteten, langen Fluggastarm entlang, an dessen Ende die offene Tür eines Flugzeuges wartet. Nicht so hier. Hinter einer offenen Glastür steht ein Bus in der Dunkelheit unter dem Gebäude. Da müssen wir rein und bekommen tatsächlich noch einen Sitzplatz.
Wir sind schon mehrfach wegen Verspätungen mit einem Bus vom Flugfeld zum Terminal gebracht worden, aber umgekehrt? Kann sich Condor kein Gate mehr leisten und müssen deshalb die Passagiere mit dem Bus auf das Flugfeld gekarrt werden? In den Jahren 2004 und 2006 sind wir mit Condor nach Anchorage in Alaska geflogen und da gab es jedes Mal ein normales Gate. Es werden immer mehr Passagiere in den Bus gedrückt. Da ich am Gang sitze, bekomme ich immer wieder umgehängte Taschen an den Kopf gedrückt, wofür sich auch niemand entschuldigt, weil diese Leute das selbst auch nicht merken. Nach langen, quälenden 20 Minuten in dem nunmehr fast sauerstofflosen Bus fährt der endlich los. Die Fahrt ist der blanke Horror. Das der Frankfurter Flughafen groß ist, wissen wir, aber nach der Länge der Fahrt erscheint er uns mehrfach so groß zu sein. Immer wieder muss der Fahrer halten, weil andere Fahrzeuge wichtiger sind und die Kurven nimmt er in der Manier eines Formel 1 Fahrers. Ich bekomme immer wieder die Tasche des im Gang stehenden Passagiers an den Kopf und drücke diese dann zur Seite, was dieser aber nicht bemerkt oder bemerken will. Nach weiteren 10 Minuten Fahrzeit in dem Höllenbus stehen wir endlich auf dem Flugfeld an Position F 219 vor der Maschine. Wir müssen aber noch weitere 5 Minuten im Bus aushalten, weil da noch irgendwelche Arbeiten an der Maschine zu erledigen sind.
Um 9.50 Uhr haben wir dieses Martyrium endlich hinter uns. Mit Comfort Class und Priority Check-In hat das jedenfalls nichts zu tun, dafür ist es eben im wahrsten Sinn billig. Wir klettern die Treppe hinauf und betreten die Boeing 767-300 ER, setzen uns auf unsere Plätze in Reihe 2 auf der rechten Seite und halten um 9.55 Uhr bereits ein Glas Prosecco in der Hand. Doch die Freude dauert nur 5 Minuten. Der Kapitän teilt uns mit, dass die Gangway kaputt ist und sich nicht verschieben lässt. Dadurch wird sich der Start um mehr als 15 Minuten verzögern. Nach über 20 Minuten ist die Treppe endlich weg, die Tür zu und der Pushback beginnt. Die Maschine wird rückwärts auf die Rollbahn gedrückt und bewegt sich danach mit ihren eigenen Motoren vorwärts. Nun rollt der Flieger wieder an allen Flughafengebäuden vorbei zur Startbahn. Er muss öfters anhalten, weil gelandete Maschinen zu ihren Gates unsere Rollbahn kreuzen. Dafür haben wir aber eine Lücke an der Startposition erwischt. Direkt nach dem Einschwenken auf die Startbahn 25 R brüllen die Motoren auf und die tonnenschwere Maschine rollt los. Genau um 10.57 Uhr sind wir in der Luft und die Landschaft unter uns wird immer kleiner. Bereits nach kurzer Zeit sehen wir nichts mehr, denn eine geschlossene Wolkendecke verhindert den freien Blick nach unten. Die Navigation auf den Bildschirmen ist eingeschaltet und wir erfahren, das wir 7 Stunden und 20 Minuten hier sitzen werden.
Kaum sind die Anschnallzeichen erloschen, beginnen die Flugbegleiterinnen mit dem ersten Service und spendieren einen Aperitif. Anja nimmt ihren Campari-Orange und ich nehme meinen Bailey’s mit Eis, dazu gibt es einen Beutel Cashew Kerne. Um 11.20 Uhr wird der Essenservice vorbereitet. Dazu müsen wir die Tische aus der Armlehne klappen und bekommen Stofftischdecken aufgelegt. Ein Blick aus dem Fenster zeigt eine Wolkenlücke und unter uns die Insel Texel und den langen Strand vor Holland. Gegen 11.30 Uhr bekommen wir bereits die Vorspeise. Ob die Damen im Flugzeug wissen, dass wir bereits um 4 Uhr gefrühstückt haben und deshalb jetzt schon ein leichtes Hungergefühl haben oder wird um diese Zeit einfach das Mittagessen serviert, weil es so besser in den Flugplan passt? Egal, ein weiterer Blick nach unten zeigt schönes Wetter und wenig Wolken. Die Maschine befindet sich jetzt genau über der Küste Englands in der Mündung der Bucht nach Hull. Ein Blick auf die Navigation zeigt, dass wir 10350 Meter Flughöhe erreicht haben und bei 787 Km/h Geschwindigkeit eine Außentemperatur von -52° Celsius herrscht. Und wir haben noch 4103 Kilometer Flugstrecke vor uns. Um 11.15 gibt es das Mittagessen und wir haben Irland bei Lisburn, südöstlich von Belfast, erreicht.
Kurz nach 13 Uhr ist der Service zu Ende und es bleibt eine Restflugzeit von 5 Stunden und 10 Minuten. Da die Navigation zeigt, dass wir sehr weit südlich von Grönland über den Atlantik fliegen werden, ist es Zeit für einen Mittagsschlaf. Anja kann im Flugzeug nicht schlafen und erwischt die undankbare Aufgabe, die kanadischen Einreiseformulare auszufüllen. Ich schlafe bis 14 Uhr und kurz danach beginnt der Bordverkauf. Wir lösen die Gutscheine ein, immerhin können wir 40 €uro verprassen. Anja nimmt ein Schminkset von Loreal und 2 Toblerone. Das ist allemal besser als 2 Kaffee in der Lufthansa-Lounge. Danach schauen wir den Film Sherlock Holmes und um 17 Uhr beginnt der zweite Service. Jetzt ist es Zeit, die Uhren umzustellen. Da Halifax Atlantikzeit hat, müssen unsere Chronometer um 5 Stunden zurück gestellt werden. Somit haben wir jetzt 12 Uhr Ortszeit und nur noch eine Stunde bis zur Landung. Der Service ist recht schnell vorbei und die Kabinencrew bereitet sich kurz vor 13 Uhr auch schon auf die Landung vor. Um 12.50 leitet der Kapitän den Sinkflug. Erst kurz vor der Landung kann man unter der Wolkendecke ein wenig Landschaft erkennen, sieht aber nur niedrigen Bewuchs und kleine Wälder und keinerlei Siedlungen. Um 13.08 Uhr setzt die Boeing 767 auf dem Stanfield International Airport von Halifax auf. Wir haben genau 50 Minuten Verspätung, was auch der defekten Treppe zugerechnet werden muss. Ich schaue aus dem Fenster und sehe einige niedrige Gebäude und Hallen. Trotz des Namens „International“ scheint es ein sehr kleiner Provinzflughafen zu sein.
Die Flugzeugtür schwingt auf und immerhin gibt es hier in Halifax eine Passagierbrücke. Bald sind wir aus der Maschine heraus und stehen kurz danach an der Einreisekontrolle. Es gibt mehrere Schalter und es sieht so aus, als hätten die Beamten nur auf uns gewartet. Wir gehen direkt zu einem freien Schalter und zeigen der Dame in Uniform unsere Pässe. Die schaut uns nur kurz an und blättert danach diese durch. Sie muss die vielen Kanadastempel entdeckt haben, fragt aber dennoch nach dem Zweck unserer Reise, wohl eher eine Routinefrage. Ich will gerade mit einer Lobeshymne auf das schöne Kanada ansetzen, da habe ich bereits nach wenigen Worten die Dokumente wieder in der Hand. Wir gehen den ebenfalls eingereisten Mitreisenden hinterher und stehen kurze Zeit später am Gepäckband. Hier offenbart sich noch einmal der Charakter eines Provinzflughafens. Es gibt 3 sehr kurze Gepäckbänder und keines ist bereits in Betrieb. Auch die Monitore sind „stumm“. Keine Anzeige des Fluges, der jetzt gleich ausgeladen werden soll. Nach fast 10 Minuten, die ganze Meute aus der Maschine steht jetzt in Dreierreihe am Band, setzt es sich knarrend in Bewegung und spuckt tatsächlich die ersten Koffer aus. Nun haben wir in Frankfurt gesehen, dass die Dame am Check-In unsere Koffer mit einem Priority-Anhänger versehen hat und hoffen, dass unsere Gepäckstücke auch mit als Erste kommen. Aber das erweist sich als Trugschluss. Das Band läuft bereits 20 Minuten und es stehen jetzt nur noch die knapp 18 Passagiere der Comfort Class hier am Band. Das war uns mit Air Berlin 2006 in Vancouver auch schon passiert. Die Anhänger mit dem Label Priority kommen als Letzte auf das Band. Da sollten die Fluggesellschaften mal was tun. Entweder sie schaffen den Mist ab, zumindest bei Flügen ins Ausland, oder sprechen mal mit den Leuten bei der Ausladung. Aber um 14.10 Uhr sind wir durch die noch anstehende Zollkontrolle durch und stehen in der Halle des internationalen Flughafens von Halifax.
Wir haben diesmal keinen Leihwagen geordert und lassen uns also jede Menge Zeit. Ich mache noch ein paar Aufnahmen vom Flughafen und dann gehen wir durch die Drehtür nach draußen. Hier warten einige Taxis und wir steuern direkt auf den ersten Wagen zu. Es ist ein Lincoln und die Fahrerin heißt Gloria. Ich helfe der armen Frau beim Verladen unseres Gepäcks und da der Vordersitz mit allerlei Papierkram belegt ist, setze ich mich mit meiner Kamera zu Anja auf die Rückbank. Die Fahrt geht los und Gloria erweist sich als sehr kommunikativ. Wir erhalten während der knapp halbstündigen Fahrt eine komplette Beschreibung von Halifax und dem Vorort Dartmouth. Zuerst fahren wir auf den Veteran’s Memorial Highway 102 und danach auf die Schnellstraße 118 bis nach Dartmouth. Der Highway endet hier und wird zur Woodland Ave, an deren Ende wir links in die Victoria Street abbiegen. Nach 650 Metern biegt unsere Fahrerin nach recht auf die Nantucket Ave ab und von hier geht es direkt zur Rampe auf die McDonald Bridge Road. Vor der Brücke gibt es eine breite Mautstation, aber die rechten Spuren sind für die Besitzer einer „Dauerkarte“ eingerichtet. Gloria hält eine Karte an einen Automaten und die Schranke schwingt nach oben. Die McDonald Brücke ist eine von zwei Brücken in Halifax und man erreicht über sie auf direktem Weg die Innenstadt und die Barrington Street. An dieser Straße liegt unser Hotel und das erreichen wir genau um 14.30 Uhr.
Sofort ist ein Bellboy zur Stelle und hilft Gloria beim Ausladen. Wir gehen an die Rezeption und präsentieren unseren Voucher. Natürlich ist unser Zimmer noch nicht fertig, aber die Dame hinter dem Schalter erkennt wohl unsere lange Anreise und gibt uns schon mal eine Schlüsselkarte für die Club Lounge, damit wir uns dort erholen und stärken können bis das Zimmer fertig ist. Das Gepäck bleibt hier und wir fahren mit dem Lift in den zweiten Stock zur Lounge. Ich stecke die Karte in den dafür vorgesehenen Schlitz, aber die Tür will auch nach mehreren Versuchen nicht aufgehen. Also zurück an die Rezeption und das Problem vorgetragen. Die nette Dame begleitet mich nach oben und öffnet mit ihrer Karte die Tür. Wir betreten die leere Lounge und sehen uns erst einmal um. Ich mache mir einen Kaffee-Latte an der Maschine und setze mich an den Schreibtisch mit dem Telefon. Schnell wird der Local Call gewählt und dann unsere Prepaid-Telefonkarte gezückt. Es sind zwar viele Nummern einzugeben, aber diese Art, nach Europa zu telefonieren, ist konkurrenzlos günstig. Für 15 €uro haben wir im gesamten Urlaub von Kanada nach Deutschland fast eine ganze Stunde angerufen. Mutter ist da und lauert schon auf ein Lebenszeichen von uns. Nach diesem Anruf gebe ich Anja die Karte mit den Nummern und sie will gerade Martin anrufen, da steht der Boy mit unseren Koffern und zwei neuen Schlüsselkarten für unser Zimmer in der Tür der Lounge. Wir folgen ihm und dürfen direkt unsere neuen Karten testen. Der Trakt mit den Signatur Zimmern ist durch eine weitere Tür gesichert und diesmal funktioniert die Karte. Auch danach können wir ohne Probleme unser Zimmer 273 problemlos betreten. Der Boy bekommt seinen Tip und wir lassen uns erst einmal auf die Betten fallen. Es ist jetzt immerhin 15 Uhr Ortszeit, also 20 Uhr in Deutschland und wir sind bereits 17 Stunden auf den Beinen. Aber schlafen dürfen wir jetzt nicht, auch wenn ein kurzes Nickerchen verlockend wäre. Die Nacht wäre grausam schlaflos nach der Zeitumstellung. Nachdem Anja mit Martin telefoniert hat und wir uns frisch gemacht haben, werden wir jetzt Halifax unsicher machen.
Das Wetter draußen ist nicht besonders schön, aber es regnet wenigstens nicht. Um 15.30 erreichen wir die Historic Properties, die sehr schön restaurierten Hafenanlagen, von Halifax und sind wirklich erstaunt, was hier an einem normalen Montag los ist. Menschenmassen schieben sich durch die schmalen Gassen an den Kaianlagen, Gaukler zeigen ihre Künste und verhinderte Musiker quälen ihre Instrumente, um ihnen seltsam klingende Töne zu entlocken. In den ehemaligen Warenspeichern hat man viele kleine Geschäfte mit Souvenirs und Kunst eingebaut und es gibt zahlreiche Imbissläden mit jeder Menge Seafood im Angebot. Wir entdecken die Verkaufsstelle einer Harbour Hopper Tour. Die nächste Fahrt soll um 16.30 Uhr los gehen und kostet für 2 Senioren knapp 60 kanadische Dollar. An der Abfahrtsstelle stehen bereits einige Leute und so stellen wir uns auch eine viertel Stunde vor Abfahrt an. Kurz vor halb Fünf kommt der Bus. Es ist eine Art Amphibienfahrzeug mit großen Rädern, das auch im Wasser fahren kann. Am Heck des Busses klappt hydraulisch eine Leiter herunter und die Passagiere steigen aus. Jetzt dürfen wir das seltsame Gefährt erklimmen und bekommen nur noch ganz vorne einen Platz nebeneinander. Der ist nicht ganz so günstig, weil wir das klobige Führerhaus und den nervigen Moderator direkt vor der Nase haben. Der brüllt in sein Mikrofon und die Lautsprecher direkt vor uns an der Wand brüllen noch lauter zurück. Das nächste Mal setzen wir uns eher in die Mitte oder ganz nach hinten. Die Tour startet pünktlich und zuerst werden wir kreuz und quer durch die Stadt gefahren. Zuerst geht es durch die Altstadt und über die Barrington Street, danach umrunden wir den Hügel mit der Zitadelle und werden dann noch über die Einkaufsstraße von Halifax, die Spring Garden Road, gefahren. Hier flippt unser Tour-Guide völlig aus. An jeder roten Ampel, und es ist jede Ampel rot, brüllt er die Menschen auf der Straße und an den normalen Bushaltestellen an und ruft ihnen witzige Worte zu. Viele dieser angebrüllten Leute beachten ihn entweder nicht oder grinsen nur unmerklich. Die kennen den Typ anscheinend schon. Dann fährt der Bus zurück zum Hafen und biegt hinter dem Spielkasino rechts ab. Hier wurde mit grobem Schotter eine Rampe in das Hafenbecken angelegt und mit großem Geschrei unseres Moderators fährt der Bus in das Hafenbecken. Zunächst drehen wir eine Runde im militärischen Teil des Hafens und die kanadische Flotte wird hoch gepriesen. Ich kann nur hoffen, dass alle guten Schiffe auf See sind, denn was man uns hier im größten Atlantikhafen Kanadas zeigt ist jämmerlich. Danach fahren wir an der Hafenfront von Halifax vorbei und wir sind erstaunt, wie schön die Stadt vom Wasser auf uns wirkt. Das ist jetzt wirklich das erste Highlight auf unserer Reise. Zusammen mit den Eindrücken der Historic Properties und dieser Hafenansicht gefällt uns Halifax jetzt schon sehr gut. Der Bus wendet, fährt zurück an Land und nach 55 Minuten ist die Tour zu Ende.
Wir gehen wieder zurück in die Altstadt und suchen den Eisladen, den der nervige Moderator vom schwimmenden Bus aus angepriesen hat. Hier soll es das beste Eis Kanadas geben. Um 17.45 Uhr haben wir den Laden gefunden und stehen vor der Theke mit der riesigen Auswahl von 4 Sorten Eis. Einen Preis suchen wir vergeblich und so entscheiden wir uns für je 2 Kugeln. Anja nimmt Schokolade und ich Vanille. Der Preis von 8 Dollar weist auf ein wirklich sehr gutes Eis hin, aber nach der ersten Geschmacksprobe handelt es sich eher um ein durchschnittliches Produkt. Werbung ist auch in Kanada alles.
Um 18 Uhr sind wir zurück im Hotel und gehen erst einmal unter die Dusche und ziehen uns um. Danach bleiben wir im Hotel und gehen um 19 Uhr in die Traders Bar. Hier bestellen wir uns jeder ein Alexander Keith’s Indian Pale Ale on Tap. Das ist ein gewaltiger Name für ein gezapftes Bier vom Fass von einer lokalen Brauerei. Aber der erste Schluck zischt ordentlich und langsam fällt der Reisestress von uns ab. Wir sind am Urlaubsort angekommen und dieses schöne Gefühl kennt wohl jeder, der sich auf den Urlaub freut und endlich angekommen ist. Ich montiere ein kleines Stativ an meiner Videokamera, stelle auf Fotomodus und mache mit dem Selbstauslöser ein Foto von uns. Da wir einen leichten Hunger verspüren, aber so spät für unser Zeitempfinden nichts Schweres mehr essen möchten, bestellen wir eine Clam Chowder, eine Muschelsuppe aus Venus- oder Jakobsmuscheln. Die Suppe schmeckt sehr gut, besonders hier am Atlantik. Das Bier entfaltet bald seine Wirkung. Anja ist sehr müde und möchte gehen. Wir schreiben die Rechnung aufs Zimmer und geben der Bedienung den Tip in bar.
Um 19.45 Uhr sind wir zurück im Zimmer und ich klappe den Laptop auf. Da beide neuen Videokameras bandlos sind, müssen die Streams auf dem Computer gespeichert werden und zusätzlich noch auf eine kleine, externe Festplatte. Zur Sicherheit. Das dauert seine Zeit und ich bearbeite inzwischen das Bild von uns aus der Bar. Dann hänge ich es an eine E-Mail und sende diese an alle Freunde nach Deutschland: Ja, wir sind wieder in Kanada angekommen. Seit 20.15 Uhr schläft Anja bereits tief und fest und ich folge auch um 21.30 Uhr. Der erste, harte Tag der Anreise ist geschafft.

nächster Tag

 

 

 

 



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Check-In Condor


Gate C 17 Condor


Gangway Flugfeld

 

 

Kurz vor dem Start

 

 

Kurz nach dem Start

 

 

Comfort Class

 

 

Irland von oben

 

 

Navigationsschirm

 

 

Gepäckband Halifax

 

 

Flughafen Halifax

 

 

Granville Street

 

 

Historic Properties

 

 

Salty's

 

 

Ballonkünstler

 

 

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Harbour Hopper 1

 

 

Harbour Hopper 2

 

 

Uhrenturm Halifax

 

 

Moderator - Tourguide

 

 

Harbour Hopper 3

 

 

Dartmouth Fähre

 

 

Seeseite von Halifax

 

 

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Getuntes Bike

 

 

Abspann in der Bar