Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Im Westen Kanadas und der USA

vom 14. Juli bis 12. August 2008

Mittwoch 06.08.2008

Seaside - Lake Quinault

Die Tagesetappen bleiben erfreulich kurz. Nach den Gewalttouren der letzten Tage tut uns dies auch sehr gut. Schließlich haben wir ja Urlaub und die 218 Kilometer am heutigen Tag werden bestimmt entspannt bewältigt werden. Deshalb beginnen wir den Tag auch erst um 7.15 Uhr. Auf der Broadway Street gibt es einen Coffeeshop, aber der ist schon sehr voll. Deshalb gehen wir im Restaurant unseres Hotels zum Frühstück. Wir können von unserem Fensterplatz aus den Bauarbeiten am Strand zusehen. Hier findet am Wochenende ein großes Beachvolleyballturnier statt. Eine motorisierte Bohrmaschine bohrt Löcher in den Sand, in die dann Arbeiter die Netzstangen einstellen. Die Anzahl der Stangen und Löcher lässt auf ein großes Turnier mit vielen Teilnehmern schließen.
Um 9.30 Uhr sind wir wieder im Zimmer und wir lassen uns noch Zeit. Ich setze zwei E-Mails ab, aber dann müssen wir so langsam abreisen. Ich besorge eine der Kofferkarren und belade sie mit unserem Gepäck. Wir fahren mit den Koffern nach unten und während Anja auscheckt, hole ich das Auto aus der Garage. Um 10.20 Uhr verlassen wir das Shilo Inn und fahren über die Broadway Street zurück zum Highway 101. Das Wetter zeigt sich wieder von seiner schlechten Seite. War es unten am Strand noch einigermaßen freundlich, ist hier am Highway wieder Nebel.
Wir sind 20 Minuten gefahren und biegen nach links vom hier vierspurigen Highway ab. Am Strand nördlich von Seaside soll seit über 100 Jahren ein altes Schiffswrack, die Peter Iredale, malerisch nur noch als Gerippe herumliegen. Wir fahren eine schmale Straße parallel zwischen Highway und Strand entlang und suchen einen Weg hinunter ans Wasser. Es gibt einzelne schmale Wege hinunter, aber die bestehen nur aus Sand. Da man zum Wasser hin auch nichts sehen kann, müssten wir hinunter fahren. Das traue ich mich aber nicht, denn die Gegend ist einsam und ich kenne die Geländetauglichkeit unseres SUV’s nicht. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Wir verzichten auf das olle Schiffsgerippe, wenden und fahren zurück zum Highway. Hier müssen wir wieder nach links abbiegen, was aber nach einer ganzen Weile nur mit einem Vollgassprint zwischen den anderen Verkehrsteilnehmern hindurch gelingt, so viel Verkehr ist hier.
Wir fahren fast eine dreiviertel Stunde weiter ohne weitere Highlights zu sehen. Um 11.15 Uhr sind wir kurz vor Astoria. Zunächst fahren wir in einem Vorort dieser größeren Stadt über eine lange Brücke. Danach sind wir wieder auf festem Boden und müssen gewaltig aufpassen. Wir dürfen die spiralförmige Auffahrt zur großen Brücke nicht verpassen. Wir fahren extrem langsam und wechseln auch mehrmals sehr vorsichtig die Spur. Glücklicherweise sind die Einheimischen sehr rücksichtsvoll und wir schaffen die Auffahrt zur Astoria Brücke. Die ist ein gewaltiges Bauwerk und beeindruckt uns ordentlich. Die 1966 gebaute Brücke ist mittlerweile mautfrei zu befahren. Wir müssen die beschriebene 360° Wendel hinauffahren und dann eine steile Rampe hinauf bis auf die Durchfahrtshöhe für große Ozeanfrachter. Unter uns ist jetzt die Fahrrinne des Columbia River, den wir schon vor drei Wochen in Kanada überquert haben. Hinter diesem frei schwebenden Teilstück führt die Straße wieder steil bergab und läuft auf der Grenze zwischen Oregon und Washington State sanft aus. Vier Meilen Brücke sind geschafft. Direkt hinter dem letzten Gitterstück der Brücke stoppt uns eine rote Ampel. Hier müssen wir weiter nach links der 101 folgen. Bei schönem Wetter hätten wir uns Astoria angesehen, es soll einige sehr schöne alte Häuser im viktorianischen Baustil geben.
Unser Highway wendet sich wieder westlich auf den Pazifik zu und kommt ihm in Ilwaco sehr nahe. Leider haben wir keine Zeit für den Umweg hinauf zum Long Beach und folgen der 101 wieder ins Hinterland. Auch hier wird das Wetter nicht besser, dauernder Dunst begleitet uns. Ab und zu sehen wir zwischen den Bäumen hindurch den Pazifik. Mal führt die Straße direkt an seinem Strand entlang, mal zieht sie sich ins Hinterland zurück. Trotz des Nebels fahren wir seit Oregon und auch jetzt hier im Bundesstaat Washington durch eine traumhafte Landschaft. Diese abwechslungsreiche Küstenregion ist ein wahr gewordener Traum. Sollte es eine zukünftige Urlaubsplanung zulassen, werden wir diesen Abschnitt garantiert noch einmal fahren, hoffentlich dann bei schönem Wetter.
Eine gelbe Lampe am Armaturenbrett leuchtet auf und signalisiert, dass unser Edge Durst hat. Wir brauchen dringend eine Tankstelle, es ist aber weit und breit keine in Sicht. Zwischen Ilwaco und Raymond gibt es kaum Ansiedlungen und somit auch keine Tankstellen. Wir werden immer nervöser, erreichen dann aber South Bend, eine Art Vorort von Raymond. Insgesamt ist dieser Ort sehr lang gezogen und immer noch ist keine Tanke in Sicht. Sprichwörtlich mit dem letzten Tropfen erreichen wir eine Tankstelle. Hier müssen wir jetzt rechnen. Die nächste Tagesetappe hat 168 Kilometer und dann sind es bis Vancouver nur noch zwei mal kurze 70 Kilometer. Da wir eine Tankfüllung bei Hertz gut haben, müssen wir den Wagen nicht voll getankt zurückgeben. Deshalb befüllen wir das Fahrzeug erst einmal mit 10 Gallonen, damit kommen wir in jedem Fall mindestens bis Victoria und können da noch einmal 2 oder 3 Gallonen nachtanken. Ich kaufe noch eine Straßenkarte vom Staat Washington, da wir für eventuelle und spontane Abstecher dann entsprechendes Material haben.
Um 13.20 Uhr stehen wir wieder vor einer Baustelle. Diesmal wird nicht die Straße repariert, es finden Baumfäll- und pflegearbeiten statt. Da dicke Äste auf die Straße fallen könnten, wird immer wieder sporadisch die Straße gesperrt. Danach erreichen wir die Doppelstadt Aberdeen und Hoquiam. Dies sind die ersten Städte, die ihre Entstehung dem Holzboom verdanken, der seit ca. 1900 in dieser Region anhält. Der Ortsname Hoquiam kommt aus der Indianersprache und bedeutet so viel wie „Hunger auf Holz“. Der alte Stadtkern von Aberdeen ist schnell durchquert und wir fahren auf der doppelspurigen Sumner Ave. Da es bereits 14 Uhr ist, wird es Zeit für ein kleines Mittagessen. Viel soll es nicht sein, denn abends wollen wir in unserer sehr schönen Unterkunft und deren gutem Restaurant essen. Die Einfahrten zu den Fastfood Ketten sind aber auf der parallel liegenden Einbahnstraße, auf der Simpson Ave. Deshalb biegen wir zwei Mal links ab und fahren auf einen Parkplatz vor Diary Queen. Wir begnügen uns auch mit einem einfachen Cheeseburger mit French Fries und Cola und fahren um 14.25 Uhr bereits weiter.
Der Highway führt weiter durch den Wald, und die Holzmarken an der Straße zeigen, wann hier Holz geschlagen und auch wieder aufgeforstet wurde. Das spielt sich aber glücklicherweise hinter den am Straßenrand stehenden Bäumen ab. Vom Highway aus sieht man bis auf einige kahle, unschöne Stellen nichts davon. In diesem Landstrich gab es einmal den dichtesten Douglasienbestand des gesamten Nordwestens. Er muss so dicht gewesen sein, dass die Bäume nach dem Fällen nicht von allein umgefallen sind, hätte man sie nicht nur in eine Richtung gefällt. Gegen 14.40 Uhr sind wir in Humptulips. Sorry, aber dieser Ort heißt tatsächlich so. Hier soll es laut unserem Reisebuch die Oxbow Taverne geben. Eine ziemlich schräge Holzfällertaverne mit offener Küche und urigen Einheimischen. Für eine Tasse Kaffee und eine kurze Pause hätte die Zeit auch gereicht, aber wir sind durch den Ort und die beiden Nebenstraßen gefahren, haben aber diese Taverne nicht entdeckt.
Der Highway 101 ist jetzt ziemlich weit vom Pazifik entfernt und wir fahren weiter nur durch Wald. Abwechslung bieten nur ein paar Baustellen und der Ort Neilton. Hinter diesem Ort beginnt bereits der Olympic National Forest und bereits um 15.40 Uhr sind wir an der Abzweigung zum Lake Quinault. Hier biegen wir rechts ab, fahren noch 10 Minuten durch einen dichten Regenwald und stehen vor unserer heutigen Unterkunft.
Da die Parkmöglichkeiten vor der Lodge erschöpft sind, muss ich im Auto bleiben. Anja schnappt sich den Voucher und marschiert zur Rezeption, die sich in einem kleinen Souvenirshop befindet. Nach 10 Minuten ist Anja noch nicht zurück, ich kann aber in eine frei werdende Lücke fahren. Ich gehe ebenfalls zur Rezeption und hier steht Anja vor einer etwas hilflosen jungen Lady. Sie findet unsere Reservierung nicht. Wenn hier etwas schief liefe, währe das tragisch. Wir müssten sehr weit fahren, um ein Ersatzquartier außerhalb des Parks zu finden. Die Lady nimmt sich jetzt jede Reservierung einzeln vor und zieht schließlich ein Papier hervor. Man hat in der Reservierung unseren Namen vorn mit „H“ geschrieben, statt mit „W“ und daher hat sie uns zuerst nicht gefunden. Jetzt ist die Erleichterung groß und wir erhalten den Schlüssel für die Lakeside Unit 401 und einen Anfahrplan. Neben den Zimmern in der Main Lodge, die aber keine Nasszellen haben, gibt es noch die Gebäude Fireplace Rooms mit Kamin, die Boat House Rooms und unsere Lakeside Units. Wir müssen zurück auf die Straße und hinter der Main Lodge links die Zufahrt benutzen. Zweihundert Meter weiter gibt es einen Parkplatz und tatsächlich auch noch einen Stellplatz. Was für ein Glück, die anderen Buchten sind alle voll.
Um 15.50 Uhr haben wir die Koffer in unserem Zimmer. Glücklicherweise ist es im Erdgeschoss, denn über uns gibt es noch zwei weiter Etagen, aber die haben keinen Aufzug. Unglücklicherweise ist es das erste Zimmer direkt neben der Holztreppe, was natürlich Lärm durch andere Gäste bedeuten könnte. Wiederum glücklicherweise haben wir dann doch nicht so viel vom Lärm mitbekommen. Das Zimmer ist ein Traum. Sehr schön eingerichtet und durch die großzügige Fensterfront haben wir einen schönen Blick durch die Schatten spendenden Bäume auf den Lake Quinault. Wir machen uns ein wenig frisch und starten einen ersten Rundgang um die Lodge und zum nur wenige Meter entfernten See. Das Wetter hier im Hinterland ist traumhaft wie in den Tagen vor der Küste. Purer Sonnenschein und sehr warm. Zuerst laufen wir am See entlang und genießen das wunderschöne Panorama. Der Lake Quinault liegt eingebettet zwischen saftiggrünen Wäldern und vor einer schönen Bergkulisse. Das Wasser ist tiefblau und kristallklar. Ein wunderbares Fleckchen Erde. Neben einem Bootssteg haben sich einige Halbwüchsige versammelt, die hier von einer Badeinsel aus im See schwimmen. Wir laufen eine Weile am See entlang. Leider gibt es hier keinen befestigten Weg und wir stehen bald vor einem Schilfgürtel. Wir drehen um und gehen zurück zur Main Lodge.
Das alte Haupthaus liegt wunderschön und malerisch in der Sonne. An der Wand vor der Terrasse ist eine Art Pegel angebracht, der historische Hochwasserstände anzeigt. Das muss damals ziemlich dramatisch für dieses Hotel gewesen sein. In der Lodge gibt es im Haupthaus einen großen Raum mit Kamin. Dieser erinnert uns ein wenig an den großen Raum der Crater Lake Lodge. Auch hier gibt es Jagdtrophäen und Ledersitzgruppen. Wir gehen zum Desk des Restaurants, das sich „The Roosevelt Room“ nennt, und bestellen einen Tisch für den Abend. Das ist erstaunlicherweise schwierig, denn die früheren Termine sind alle schon weg. Erst um 20 Uhr können wir einen Tisch bekommen. Klar, hier gibt es weit und breit kein weiteres Restaurant und die Lodge ist ausgebucht. Wo sollen die Urlauber essen? Die Zimmer haben keine Küchen.
Gegen 17 Uhr sind wir wieder in unserem Raum und ich packe den Computer aus. Hier gibt es laut Auskunft nur im Haupthaus W-Lan, aber erstaunlicherweise reicht das Signal bis in unser Zimmer. Wir haben aber auch Sichtverbindung zur Lodge. Nachdem ich ein wenig gesurft habe, überlasse ich Anja den Computer. Sie überspielt und sichtet ihre heutigen Bilder. Danach relaxen wir etwas und sind um 19.50 Uhr frisch geduscht und abmarschbereit.
Auf der Wiese der Seeseite der Lodge sitzt eine größere Gruppe Menschen. Groß und klein, alt und jung hören einer alten Hexe mit Besen gespannt zu, die scheinbar eine gruselige Geschichte mit viel Gestik zum Besten gibt. Um 20 Uhr sind wir im Restaurant und wir bekommen erst 10 Minuten später unseren Tisch zugewiesen. Dieser musste erst neu eingedeckt werden. Er liegt aber derart ungünstig, so dass ich halb in der Türöffnung sitze, durch die die Kellner die Speisen und Getränke servieren müssen. Das sieht auch unsere Bedienung ein und bald wird ein anderer Tisch für uns frei. So spät kommen wohl keine neuen Gäste mehr. Dieser Tisch ist besser und wir können unser Dinner bestellen. Anja ist nicht gar so hungrig und mit Crab Cake und House Salad zufrieden. Ich gönne mir ein Tenderloin Steak mit Mashed Potatoes, Mushrooms und einer Gorgonzola Sauce. Dazu trinken wir natürlich ein frisches Bier.
Nach dem guten Essen verlassen wir um 21.15 Uhr das Restaurant. Bezahlen müssen wir am Desk und danach finden wir in der großen Halle auch noch 2 freie Ledersessel. Da es hier keine Bedienung gibt, müssen wir uns das Bier an einem Tresen neben der Kasse besorgen. Wir haben seit wir hier in den USA sind immer wieder Probleme mit dem Bestellen von Bier. Wir möchten gerne ein ganz normales helles Bier, wenn möglich gezapft und nicht aus der Flasche. Unsere Wörterbücher lassen uns da im Stich. Nachdem wir auch hier durch einen Wortfehler unsererseits ein alkoholfreies (light statt hell) Bier bekommen, was wir eigentlich nicht wollen, habe ich es wirklich satt. Zurück im Zimmer klappe ich den Computer auf und bemühe eine bekannte Internetseite für deutsch – englische Übersetzungen. Und siehe da, der Begriff, nach dem wir schon fast drei Wochen suchen ist: pale ale oder lager und draft beer bzw. on tap. Seitdem klappen unsere Bierbestellungen. Leider ist der Urlaub schon fast vorbei.
Seit 22 Uhr sind wir wieder in unserem Zimmer und Anja computert noch etwas. Ich schaue eine Cliffhangerfolge von CSI: New York an und die hat wieder sehr viel Werbung. Um 23 Uhr ist der Tag für uns zu Ende.

nächster Tag

 

 

 

 



Klick für große Bilder:


Astoria Brücke 1


Astoria Brücke 2


Astoria Brücke 3


Aberdeen

 

 


Olympic Forest

 

 


Schild Olympic Forest

 

 


Quinault Lodge Schild

 

 


Quinault Lodge Seeseite

 

 


Liegewiese der Lodge

 

 


Badefreuden

 

 


Bootfahren auf dem See

 

 


Lake Quinault

 

 


Lakeside Unit

 

 


Zimmer Lakeside Unit

 

 


Seeblick mit Computer

 

 


Lodgeroom

 

 


Dinner am See