Anjas und Winfrieds Reiseseite
www.wurzelsreisen.de
 

 

Im Westen Kanadas und der USA

vom 14. Juli bis 12. August 2008

Montag 04.08.2008

Crater Lake NP - Newport

Über das Ziel der nächsten Tagesetappe muss ein kleines Vorwort geschrieben werden. Im Fernsehen hatten wir vor einiger Zeit einen Reisebericht über den Highway 101 gesehen. Nicht über die berühmte Strecke zwischen Los Angeles und San Fransisco, sondern über die Straße in Oregon und Washington State. Wir sahen Beiträge über den Olympic Nationalpark, den Hoh Rainforest, die wilde Pazifikküste und die tollen Sandstrände in Oregon. Diese tollen Beiträge haben uns sehr neugierig auf diese Landschaft gemacht. Da wir vom Crater Lake Nationalpark zum Rückflug in genau einer Woche nach Vancouver müssen, bietet es sich an, von hier bis zur Pazifikküste zu fahren und dann die komplette 101 bis hinauf nach Port Angeles zu bereisen.
Die heutigen 440 Kilometer führen bis auf wenige Kilometer Interstate wieder nur über Highways. Deshalb wollen wir früh starten und der Wecker meldet sich bereits um 6.15 Uhr. Ich stürme wie immer als erster durchs Bad und bringe danach bereits die ersten Taschen und einen Koffer zum Auto. Weg ist weg ist mein Motto in diesem Fall. Da das Auto sehr günstig steht, bedeutet dies auch kein großes Problem. Anja ist gerade aus dem Bad, da muss ich mich noch einmal frisch machen. Der Koffertransport hat doch einige Schweißtropfen produziert. Um 7.10 Uhr sind wir bereits im Restaurant. Wieder sind wir zu dieser sehr frühen Zeit nicht die Ersten und müssen mit der zweiten Tischreihe vorlieb nehmen. Aber wir haben Glück, unsere Bedienung ist eine rumänische Studentin, die in den USA studiert und hier in den Ferien arbeitet. Sie spricht sehr gut deutsch und hat auch Spaß an der Unterhaltung mit uns. Wir frühstücken wie immer und geben der jungen Studentin ein schönes Trinkgeld.
Um 8 Uhr sind wir zurück im Zimmer und machen den letzten Koffer fertig. Dann gehen wir zur Rezeption und checken aus. Wir bekommen eine sehr komplizierte Rechnung ausgehändigt. Da werden die beiden Tage in vier Posten berechnet und dann wieder in vier anderen Posten zu einem anderen Preis gutgeschrieben. Heraus kommt die Summe Null. Soweit so schlecht. Es tauchen noch 2 US$ Donation Park Foundation auf. Die sollen wir bezahlen, obwohl die Rechnung auf Null steht. Ich gebe knurrig die zwei Dollar, obwohl es dem Wortlaut nach eine Spende für die Parkstiftung ist. Ich gebe auch gern 10 Dollar für einen guten Zweck, aber diese plumpe Art ausländische Touristen abzuziehen, stört mich doch gewaltig.
Um 8.30 Uhr sitzen wir im gepackten Auto und verabschieden uns von diesem schönen Nationalpark. Es war eine gute Entscheidung, zwei Nächte hier zu verbringen. Dadurch hatten wir gestern einen sehr schönen Tag und hier wirklich sehr viel gesehen. Bei nur einer Nacht hätten wir durch die späte Ankunft überhaupt nichts vom Park gehabt. Um 9.13 Uhr verlassen wir den Park wieder am nördlichen Gate und biegen nach links auf den Highway 138 ein. Wir wollen ohne großen Aufenthalt bis zur Pazifikküste durchfahren, um uns dort einige Highlights anzusehen. Zunächst fahren wir am Diamond Lake vorbei. Leider liegt der See etwas abseits vom Highway und ist nur selten einmal zwischen dem dichten Baumbestand zu sehen. Nach dem See fahren wir weiter durch den sehr schönen Umpqua National Forest. Man könnte fast einen Vergleich zu unserem Schwarzwald anstellen. So haben wir uns die Landschaft in diesem schönen Bundesstaat Oregon vorgestellt. Leider sehen wir an diesem Highway keinerlei Rest Areas. Die Flüssigkeit vom Frühstück meldet sich aber und so schauen wir nach einem Camp Ground. Vor der Ortschaft Clearwater entdecken wir direkt neben der Straße am jungen Umpqua River einen Campingplatz. Hier stehen nur zwei Fahrzeuge und es ist sehr ruhig. Die Toilettenhäuschen sind sauber und wir zufrieden. Diesen Tipp wollen wir hier nochmals geben. Wenn kein Parkplatz mit sanitären Anlagen zu sehen ist, kann man ohne Probleme zu bekommen auch auf die Campingplätze ausweichen. Die Toiletten sind in vielen Fällen frei zugänglich.
Bis Roseburg zieht sich der Highway ganz schön. Trotz der wunderbaren Landschaft sind wir froh, endlich um 11.10 Uhr auf der Interstate 5 nach Norden zu fahren. Die Autobahn und der Highway 138 verlaufen hier zusammen in einer Straße. Von hier bis zum Ort Sutherlin sind es nur 20 Kilometer und wir fahren hier wieder ab auf den Highway 138. Die Tanknadel zeigt uns, dass wir dringend tanken müssen. Deshalb fahren wir nicht nach links, wo wir eigentlich hin müssten, sondern nach rechts, wo wir Tankstellen und Geschäfte sehen. Bei Union 76 machen wir für stolze, aber dennoch vom Gallonenpreis her gesehen, günstige 57 US$ den Tank voll. Unser Leihwagen hat zwar seit der letzten Wäsche in Missoula vor zwei Wochen keinen Regentropfen mehr abbekommen, ist aber trotzdem vom Dreck und Staub sehr unansehnlich geworden. An der Tankstelle gibt es eine Waschanlage, die ist nach Auskunft des Kassierers aber leider defekt.
Gegen 11.42 Uhr fahren wir nach Elkton weiter. Die Landschaft ist nach wie vor sehr schön. Zwar nicht mehr so dicht bewaldet wie noch im Umpqua National Forest, aber dennoch gibt es saftiges Grün beidseits der Straße. In Elkton endet der Highway 138 und wir biegen nach links auf den Highway 38 ab. Nach Reedsport und zur Pazifikküste sind es von hier nur noch knapp 60 Kilometer. Der Highway folgt ab hier parallel dem Umpqua River, der bis Reedsport immer breiter wird. Bei Scottsburg überquert der Highway über eine schöne Brücke den Fluss und verläuft ab hier bis Reedsport am linken Ufer entlang. Bis hierher haben wir immer noch traumhafte Wetterbedingungen. Es ist sehr warm und am Himmel ist keine Wolke zu sehen. Aber kurz vor Reedsport und damit der Pazifikküste sehen wir eine graue Wand über der Landschaft stehen. Und je näher wir der Ortschaft und der Küste kommen, desto größer wird diese Wand.
Wir können uns eigentlich keinen Reim auf dieses Phänomen machen, stecken aber genau mit Erreichen von Reedsport in einer dichten Nebelsuppe. Diese Szenerie kennt man eigentlich nur von San Francisco und der Bucht. Hier treffen kalte Luft vom kalten Pazifikwasser und warme Luft über der Bucht aufeinander und erzeugen den berühmten Nebel. Das ist hier an der Küste wohl genauso. Ein riesiges Hochdruckgebiet liegt seit Wochen über den nordwestlichen Bundesstaaten der USA. Die kalte Strömung im Pazifik, die von Alaska herunter kommt, erzeugt nun einen dichten Nebelstreifen, der nur einen, maximal zwei Kilometer ins Landesinnere hineinreicht. Und dieser Nebelstreifen verdirbt uns die nächsten vier Tage.
Im Ort Reedsport treffen wir dann endlich auf den Highway 101 und biegen rechts ab. Es ist bereits 12.55 Uhr und wir haben etwas Hunger. Läden gibt es an der Straße keine mehr, der Ort ist nach der Abzweigung fast zu Ende. Daher fahren wir durch die dichte Nebelsuppe weiter bis Florence. Eigentlich wollten wir in Dunes City die berühmten weißen Sandstrände sehen, aber wir fahren weiter, es hat wenig Sinn. In Florence entdecken wir einen Subway und steuern ihn an. Wir werden in Newport abends etwas Vernünftiges essen und teilen uns hier ein Baguette mit Roastbeef. Nach diesem Mahl fahren wir ein kleines Stück zurück bis zu einem Parkplatz, von dem aus man die historische Florence Bridge fotografieren kann. Wir fahren um 14.10 Uhr weiter bis zu den Sea Lion Caves. Auch hier herrscht dichter Nebel, aber wir stellen unser Auto trotzdem auf den großen Parkplatz. Unter Lebensgefahr überqueren wir den Highway und betreten das große Gebäude. Oben gibt es einen Souvenirladen und ein kleines Stehrestaurant. Der Eintritt zu den Caves mit Klettereinlage und einem Fahrstuhl, der die 60 Meter nach unten spielend überwindet, kostet 10 US$. Es sind aber keine Seelöwen da, die sind jetzt am Tag auf Futtersuche im Pazifik unterwegs und wir sparen uns den Eintritt.
Danach fahren wir vom Highway kurz ab und parken am Heceta Lighthouse. Es ist eine sehr schöne Bucht mit einem steinigen Strand. Der Leuchtturm liegt malerisch auf einem Felsen an der Flanke der Küste. Jetzt ein Bild mit dem Leuchtturm in der Sonne, aber leider. Ich stehe auf runden Kieselsteinen direkt am Pazifik und filme die Brücke über die Bucht, den Leuchtturm und das viele Treibholz am Strand. Plötzlich bemerke ich ein feuchtes Gefühl an meinen Füßen. Daraus wird im nächsten Moment ein furchtbar nasses Gefühl. Ich habe so intensiv durch den Sucher der Kamera gesehen, dass ich eine größere Welle nicht bemerkte, die es tatsächlich bis zu meinem Standpunkt geschafft hat. Anja kann sich kaum vor Lachen halten und ich laufe mit quietschenden Schuhen zum Auto zurück. Hier kramen wir nach den Ersatzschuhen und trockenen Strümpfen. Auch ein Handtuch haben wir dabei, aber wo und wie drankommen? Über dieses Missgeschick müssen wir noch lange schmunzeln.
Vor uns liegen noch die Touristenanlaufpunkte Cape Perpetua und Devils Churn, die wir auch noch auf unserem Besichtigungsprogramm haben und an denen wir um 15.40 Uhr eintreffen. Auch hier verdirbt uns der dichte Nebel die Lust auf einen längeren Aufenthalt. Beeindruckend ist die leicht aufgebrachte See, die ihre Wellen gischtend durch die Felsentore schwappen lässt.
Wir machen ein paar Fotos und verlassen bald wieder den Rührtopf des Teufels. Langsam nähern wir uns dem heutigen Tagesziel, Newport. Vorher passieren wir noch um 16.10 Uhr den Ort Waldport und überqueren die große Alsea Bay Bridge. Überhaupt ermöglichten es erst die zahlreichen, gewagten Brückenbauten über die vielen Flussmündungen, diese Küstenstraße immer so nah am Pazifik zu bauen.
Weitere 15 Minuten später sind wir bereits in Newport, unserem heutigen Ziel. Wir müssen den kompletten Ort durchfahren, denn unser Hotel ist nur von der nördlichen Seite aus zu erreichen. Aber Dank meines detaillierten Stadtplanes ist das kein Problem. So sind wir um 16.35 Uhr am Elizabeth Street Inn. Das Hotel liegt auf einer Klippe direkt über dem Strand. In der unteren Etage befindet sich vor der Rezeption eine offene Parkgarage. Ich parke das Auto und wir werfen einen ersten Blick in Richtung Ozean. Daraus wird aber nichts, denn hier ist der Nebel so dicht, dass wir noch nicht einmal das Ufer erkennen können. Das Rauschen der Wellen ist zwar beeindruckend, aber was nützt uns das? Wir nehmen den Voucher und checken ein. Unser Zimmer ist in der vierten Etage und hat Meerblick. Ein weiterer Kommentar ist hier überflüssig. Ich besorge eine Kofferkarre und befördere die Gepäckstücke mit einem sehr kleinen Aufzug nach oben. Der ist zudem noch so lahm, das diese Aktion ziemlich lange dauert. Danach koche ich erst einmal Kaffee und bin über das gut funktionierende W-Lan glücklich. Es sind einige E-Mails angekommen und es müssen natürlich wieder welche versendet werden.
Nachdem wir geduscht und uns ein wenig ausgeruht haben, gehen wir jetzt sehr hungrig zur Rezeption. Das Hotel hat kein Restaurant und wir fragen die nette Dame hinter dem Tresen nach einem guten, einheimischen Fischrestaurant. Sie gibt uns eine gute Empfehlung, einen Ortsplan und wir fahren los. Es ist bereits 19.30 Uhr und der Hunger ist gewaltig. Das Restaurant heißt Local Ocean Seafoods und befindet sich im Hafen von Newport direkt am Anleger der Fischtrawler. Ein Parkplatz ist schnell gefunden, aber mit einem Sitzplatz sieht es düster aus. Trotzdem melden wir uns bei einer jungen Lady an und fragen nach einem Tisch für zwei Personen. Wir haben Glück, gerade wird an einem Zweiertisch bezahlt und wir warten nur wenige Minuten, bis dieser neu eingedeckt ist. Wir dürfen uns setzten und bestellen erst einmal die Getränke. Da Anja zurückfährt, nimmt sie einen Softdrink und ich bestelle ein Open Season Bier aus Alaska. Leider ist es nicht gezapft, sondern aus der Flasche. Geschmeckt hat es trotzdem. Danach entscheidet sich Anja für Fish and Chips, ich wähle eine Krabbensuppe und danach Lachs auf Linguine mit Gemüse und einer Soße. Die junge Kellnerin warnt mich bei meiner Bestellung vor der Krabbensuppe, sie sei scharf. Das habe ich aber irgendwie nicht richtig mitbekommen und muss es bitter büßen. Die Krabbensuppe ist wirklich sehr, sehr lecker, aber tatsächlich höllisch scharf. Da Anja mir nicht helfen will, esse ich sie dennoch tapfer auf, natürlich mit tränenden Augen. Das Restaurant hat sogar eine offene Küche und wir können beim Zubereiten unserer Speisen zusehen. Beide Fischgerichte sind sehr gut und ausgesprochen lecker. Sollten wir jemals im Leben wieder nach Newport kommen, werden wir hier wieder einkehren. Wir begleichen die Rechnung und können leider nicht noch etwas sitzen bleiben. Es warten jetzt um 20.45 Uhr immer noch Leute auf freie Plätze.
Um 21 Uhr sind wir zurück im Hotel. Zum Fahrstuhl müssen wir an der Rezeption vorbei. Es liegt ein toller Duft in der Halle und die Dame von vorhin ist auch noch da. Sie fragt, ob wir mit dem Seafood Restaurant zufrieden waren, was wir natürlich bejahen. Daraufhin gibt sie uns noch ein paar gerade frisch gebackene Kekse mit aufs Zimmer. Hier angekommen öffne ich die Balkontüre und trete auf den Balkon hinaus. Außer dem Rauschen des Meeres ist da nichts. Hier hatte ich mich auf einen fantastischen Sonnenuntergang gefreut. Wir trösten uns mit Tofino. Hier hatten wir vor zwei Jahren auf Vancouver Island einen schönen Sonnenuntergang im Pazifik erleben dürfen. Man kann eben nicht immer alles haben.
Die Kekse sind mittlerweile etwas kälter geworden und schmecken fantastisch. Ich öffne mir noch eine Dose Bier, lege mich aufs Bett vor den Fernseher und schaue den Film Galaxie Quest. Anja spielt erst noch mit dem Computer, sieht sich dann aber den Rest des Filmes noch mit mir zusammen an. Um 23.15 Uhr ist dann das Programm für uns zu Ende.

nächster Tag

 

 

 

 



Klick für große Bilder:


Umpqua Forest 1


Umpqua Forest 2


Umpqua River


Umpqua River Brücke

 

 


Kurz vor Reedsport

 

 


Florence Brücke

 

 


Florence Hafen

 

 


Pazifikküste

 

 


Heceta Lighthouse

 

 


Brücke am Devil's Elbow

 

 


Devil's Churn 1

 

 


Devil's Churn 2

 

 


Devil's Churn 3

 

 


Waldport Brücke

 

 


Newport Brücke

 

 


Elizabeth Street Inn