Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Im Westen Kanadas und der USA

vom 14. Juli bis 12. August 2008

Samstag 02.08.2008

Boise - Crater Lake NP

Heute steht uns mit 675 Kilometern die längste Tagesetappe bevor. Aber wir müssen zurück an die Küste und deshalb haben wir den Weg über das Craters of the Moon Monument und den Crater Lake Nationalpark, unser heutiges Ziel, gewählt. Da wir nur Fahren, haben wir den Wecker auch erst auf 7 Uhr gestellt. Wir hatten gestern an der Rezeption einen Gutschein für ein kostenloses Frühstück erhalten und mit diesem begeben wir uns per Aufzug in das Kellergeschoss. Hier befindet sich das Restaurant, welches gestern schon geschlossen hatte. Es ist sehr wenig los, überhaupt scheint dieses Hotel nur gering belegt zu sein, da uns im Haus keine Menschen begegnet sind. Wir wählen einen Platz und wenden uns dem Frühstücksbuffet zu. Kaffee und andere Getränke dürfen wir uns selbst nehmen, das Essen können wir aber erst nach Abgabe unserer Gutscheine an der Theke bestellen. Das bekommen wir dann sogar an den Tisch gebracht. Das Frühstück ist sehr gut und wir könnten sogar noch nachbestellen, aber das späte und reichliche Abendessen verhindert das. Dafür trinken wir eine Tasse Kaffee mehr, denn der ist für amerikanische Verhältnisse wirklich sehr gut.
Um 8.40 Uhr sind wir zurück im Zimmer. Anja packt unsere Kleinigkeiten zurück in den Koffer und ich lade unsere Telefonkarte mit 20 US$ auf. Mit der können wir überwiegend kostenfrei als „local call“ aus den meisten Hotelzimmern preiswert nach Deutschland telefonieren. So viel wie in den vergangenen Urlauben hier in Nordamerika telefonieren wir nicht mehr, wir haben jetzt ein kleines Notebook mit und versenden stattdessen fleißig E-Mails. Zudem können wir mit dem Computer unsere Bilder betrachten und die Speicherkarten darauf entleeren. Und dann brennen wir die Bilder noch vorsichtshalber auf DVD’s.
Nach dem Auschecken und dem Verladen des Koffers überqueren wir die Entertainment Avenue, denn genau gegenüber befindet sich Flying J., eine Tankstelle und wir tanken erneut für 69 US$ unseren Edge voll. Das funktioniert hier wieder nur mit der Kreditkarte an der Zapfsäule und ich stelle mich ein wenig blöd an. Diese Säule unterscheidet sich von allen Säulen vorhergegangener Tankvorgänge. Aber ein aufmerksamer und sehr hilfsbereiter Amerikaner an der Nachbarsäule erkennt meine momentane Hilflosigkeit und zeigt mir, was ich machen muss. Ich bedanke mich artig und es entwickelt sich ein kurzes Gespräch. Leider habe ich den Inhalt vergessen. Wir besteigen unser Fahrzeug und Anja fährt los. Zurück auf die Interstate 84 ist es verwinkelter als gestern herunter, aber auch das schaffen wir dank exakter Computerausdrucke meiner Routenplanung.
Auf der Interstate angekommen fädeln wir uns in den morgendlichen Verkehr ein. Es ist nicht so schlimm wie vermutet, aber das kann daran liegen, dass heute Samstag ist. Wir müssen auf der Autobahn 86 Kilometer bis nach Ontario, so heißt der Ort, fahren. Kurz vor dieser Ausfahrt ist die Bundesstaatsgrenze zwischen Idaho und Oregon. Wir sehen ein großes Schild mit dem Hinweis auf einen Parkplatz und ein Info-Center. Wir verlassen die Interstate und parken. Anja besucht die Restrooms und ich betrete das Info-Center. Zwei ältere Personen, ein Mann und eine Frau, geben bereitwillig und freundlich Auskunft und ich erhalte neben Infomaterialien auch eine kostenlose und heiß begehrte Straßenkarte von Oregon. Ich bedanke mich freundlich und wir fahren weiter. Kurz nachdem wir wieder auf der Interstate sind, müssen wir schon wieder abfahren. Hier ein kurzer Schock, eine Baustelle, und was für eine. Natürlich sind die Wegweiser abgebaut und nicht neu aufgestellt worden. Wir müssten nach links, also in westliche Richtung fahren, aber es geht nur rechts ab. Wir folgen notgedrungen dieser Fahrspur und wenden etwas abenteuerlich nach gut einem Kilometer. Wenn wir weiterfahren würden, könnten wir eventuell die Orientierung verlieren. Kein Sheriff lauert glücklicherweise hier und nach diesem Schreck sind wir auch wieder in der richtigen Spur.
Wir folgen jetzt wieder dem Highway 20, dem wir gestern schon am Craters of the Moon Monument gefahren sind. Hinter Ontario biegen wir nach rechts ab in Richtung Vale. Die Landschaft ist jetzt so, wie man sie aus zahlreichen US-Filmproduktionen kennt. Endlos geradeaus führende Straßen, die durch gelbliche Weideflächen verlaufen. Ab und an steht am Straßenrand ein Tor aus Holzstangen, an dem an der oberen Stange ein Holzschild mit dem Namen der Ranch befestigt ist. Der Weg durch das Tor führt dann zu einem abseits gelegenen Ranchhaus. Direkt an der Straße gibt es dann noch den modernen, silbernen Briefkasten mit dem roten Winkarm zu bestaunen.
Gegen 11.15 Uhr haben wir die Ortsdurchfahrt durch Vale vor uns. Sie sah auf der Karte recht einfach aus, aber da sich der Highway hier teilt, müssen wir höllisch auf unsere Schilder achten. Hinter Vale tauchen dann beidseits der Straße seltsame Vulkankegel auf. Sie liegen einzeln in der Ebene und es müssen vor Urzeiten tatsächlich einmal Vulkane gewesen sein. Im Laufe der Jahrmillionen wurde das Land um die Kegel abgeschliffen und jetzt stehen nur noch die Kegel in der Landschaft herum. Ein langes Stück hinter Vale wird der Highway interessanter. Wir nähern uns dem Burdon Distrikt. Irgendwo hier in dieser Gegend müssen wir wieder die Zeitzone wechseln und unsere Uhren um eine Stunde zurückstellen. Um 12.15 Uhr passieren wir die Ortschaft Juntura und hier drehen wir bei einer Pause an unseren Uhren. Die Fahrt geht weiter, aber erst am Drinkwaterpass stehen die entsprechenden Hinweisschilder auf die Zeitverschiebung. Wir sind in jedem Fall froh, dass wir auf dieser langen Etappe die zusätzliche Stunde bekommen.
Der Highway wird hinter dem Pass landschaftlich wieder eintöniger und wir warten dringend auf eine Rest Area. Da gibt es Restrooms, aber diese Areas sind auf den kleineren Highways eine Seltenheit. Da es gar nicht mehr anders geht, fahren wir an den Straßenrand und erledigen mehr schlecht als recht unsere Geschäfte. Wieder im Fahrzeug und nur drei Meilen weiter steht dann wie zum Hohn ein Hinweisschild auf eine Rest Area am Straßenrand. Wir fluchen laut, fahren aber dennoch auf den Rastplatz. Wir waschen uns die Hände und verdrücken jeder einen Apfel, den wir im Hotel erbeutet haben.
Dank der Zeitumstellung erreichen wir erst um 11.55 Uhr die größere Ortschaft Burns. An einer Gabelung des Highways müssen wir rechts abbiegen und entdecken kurz danach einen Safeway Supermarkt mit Parkplatz. Wir halten und schauen uns um. Mittagessen währe jetzt nicht schlecht, aber die Pizzeria neben dem Supermarkt macht keinen einladenden Eindruck. So schnappen wir uns einen Einkaufswagen und stürmen in den Safeway. Wir brauchen dringen wieder kleine Wasserflaschen, der Durchsatz während der Fahrt und auch in den Hotelzimmern ist enorm. 24er Großpackungen gibt es hier nicht und so nehmen wir erst einmal 3 Stück 6er Packs mit. Die werden bis zur Küste in jedem Fall reichen. Dann entdecken wir noch ein großes Glas Erdnüsse und Bananen. Damit machen wir uns auf den Weg und fahren weiter. Das tun wir ganz langsam, um eine Möglichkeit zum Lunch zu erspähen. Burns ist schon fast zu Ende und der Ort Hines nicht mehr weit, da entdeckt Anja die Reklametafel eines Truck Stopps, die mit Speisen wie "hausgemacht" wirbt.
Der Parkplatz davor ist fast voll und das ist immer ein gutes Zeichen. Leider haben wir den Namen vergessen und Anja hat die Rechnung nicht mitgenommen, obwohl wir das eigentlich wegen des Namens immer so machen. Wir betreten den Laden und der ist auch tatsächlich voll. Da gerade ein Ehepaar mit dem Essen fertig ist, bekommen wir den Platz und studieren die Speisekarte. Die Gerichte haben alle seltsame Namen, wahrscheinlich spezielle Hausmannskost mit den typischen Bezeichnungen der Einheimischen. Anja entscheidet sich recht schnell für Fish and Chips (Fisch mit Pommes – für die Neulinge) als Senior Portion. Ich kann und mag mich nicht so richtig entscheiden, finde nicht das Richtige auf der Karte. Als die Bedienung kommt, frage ich sie nach dem Essen, welches die Dame am Nachbartisch gerade bekommen hat. Das sieht zumindest gut aus. Es ist ein Meatloaf (Hackbraten) mit Mashed Potatoes (Kartoffelpüree) und einer braunen Soße. Das bestelle ich auch und bereue es nicht. Es schmeckt wie bei Muttern. Wir bleiben noch etwas sitzen, obwohl erneut Leute auf einen Sitzplatz anstehen. Dann aber müssen wir uns zum Bezahlen selbst anstellen. Wir haben einen Zettel bekommen, den wir an einer Kasse vor dem Ausgang zwecks Rechnungsbegleichung abgeben müssen. Die hier tätige sehr stabile Frau ist nicht die schnellste und es dauert fast 15 Minuten, bis wir unser Geld los sind. Vor lauter Ärger darüber hat Anja dann den Kassenzettel vergessen.
Um 13.45 Uhr sind wir zurück auf dem Highway. Wir haben erst ungefähr die Hälfte der Strecke zum Crater Lake geschafft und jetzt 206 Kilometer bis nach Bend vor uns. Das Teilstück ist für uns nicht einfach. Es ist das langweiligste Stück Straße, was wir hier in Nordamerika je gefahren sind und wir kämpfen ständig gegen die Müdigkeit, die sich durch die Eintönigkeit einstellt. Dennoch schaffen wir die Strecke und sind um 16.40 Uhr in Bend. Ich lotse Anja wieder nach meinen Ausdrucken durch diesen Ort. Ich habe eine geniale Abkürzung um den Ort herum gefunden, die uns auch etliche Kilometer durch die Stadt erspart. Leider darf man am Ende der Abkürzung, wo wir eigentlich nach links auf den Highway 97 abbiegen müssten, nur rechts abbiegen. Das ist Pech, war aber auf der Karte nicht zu sehen. Wir entdecken eine Tankstelle und machen den Edge noch einmal mit 4,13 Gallonen Benzin glücklich. Danach drehen wir und jetzt endlich fahren wir südlich in Richtung Nationalpark.
Es sind bis zur Abzweigung in den Park aber immer noch 120 Kilometer und uns beschleicht eine gewisse Unlust auf das Weiterfahren. Wieder benötigen wir eine Rest Area und es lässt sich nichts dergleichen erspähen. Wenigstens ist es hier sehr waldig und ein kleiner Abstecher in den Baumbestand löst unser dringendes Problem. Kaum zurück auf dem Highway, wir trauen unseren Augen nicht, ein Schild: Next Rest Area 2 Miles. Nicht zu fassen.
Es ist jetzt 18.05 Uhr und wir nähern uns der Diamond Lake Junction. Hier wechseln wir auf den Highway 138 zur nördlichen Einfahrt in den Crater Lake Nationalpark. Bis dahin sind es nur noch 30 Kilometer und die schaffen wir auch noch. Nach weiteren 23 Minuten stehen wir vor dem Einfahrtshäuschen des Parks und ich zeige den Pass und den Führerschein vor. Wir dürfen passieren und haben durch den Jahrespass wieder etwas gespart.
Jetzt ist es bereits 18.30 Uhr und zwischen den hohen Bäumen gibt es bereits viel Schatten. Ich fotografiere dennoch das Parkschild, damit ich es ja nicht wieder vergesse. Wir fahren weiter und ignorieren einfach die Bimswüste, die wir durchqueren müssen, und den spektakulären Blick vom Rand der Kaldera in den Krater. Dafür ist morgen noch genug Zeit. Endlich, um 19 Uhr haben wir es geschafft, wir sind an der Crater Lake Lodge angekommen. Die Parkplätze sind alle voll und ich stelle das Auto vor den Eingang. Wir schnappen uns die Vouchers und marschieren zur Rezeption. Hier bekommen wir die Schlüssel für Zimmer 306 ausgehändigt. Das Zimmer ist leider nach hinten heraus und hat nur ein großes Bett. Ursprünglich hatten wir ein Zimmer mit Kraterblick auf den See und mit 2 Betten gebucht und auch bekommen. Durch die Änderung des Flugplanes der Airline hatte sich aber die beschriebene Verschiebung ergeben und es uns so ermöglicht, hier einen ganzen, zusätzlichen Tag verbringen zu können. Es war überhaupt großes Glück, nachträglich ein Zimmer für 2 Nächte zu bekommen. Was für ein Glück erleben wir dann am nächsten Tag.
Wir lassen die Koffer von einem Angestellten mit einer Karre auf unser Zimmer bringen. Anja begleitet den Mann und ich suche einen Parkplatz für das Auto. Nach 3 langsamen Runden fährt endlich jemand weg und ich besetze die frei werdende Lücke. Um 19.15 Uhr brechen wir zu einem Spaziergang um das Hotel auf, kommen aber nicht sehr weit. Wir sind durch die lange Fahrt fertig, lustlos und wollen nur noch abhängen. Dazu steuern wir die große Halle vor dem Restaurant an. Im Restaurant selbst gibt es Wartezeiten bis zu einer Stunde, aber wir hatten ja mittags gut in Burns gegessen. Wir setzen uns in eine der Ledersitzgruppen am Kamin und entdecken eine Speisekarte mit Kleinigkeiten. Wir bestellen erst einmal ein kühles Bier und später noch eine Clam Chowder. Dazu gibt es noch Brot und Butter und wir werden tatsächlich satt.
Da wir den Computer mithaben, vertreiben wir uns die Zeit damit, unsere Bildausbeute der letzten Tage zu überspielen. In dieser Lodge gibt es natürlich kein Internet, aber wir ernten doch den einen oder anderen fragenden Blick vorbeigehender Gäste. Ein älteres Ehepaar traut sich dennoch zu fragen. Wir erzählen ihnen, was wir machen und nach und nach entwickelt sich ein langes Gespräch. Sie sind aus Phoenix, Arizona und reiche Republikaner. Das finde ich dadurch heraus, weil unser Kellner ein junger Farbiger ist und tatsächlich wie ein junger Barak Obama aussieht. Ich sage zu der Frau: He looks like Barak Obama! Sie hat wohl nur die letzten 3 Worte verstanden und schon haben wir eine angeregte, politische Diskussion am Hals. Als ich die Richtung merke, ändere ich sehr schnell das Thema. Mit Republikanern und Bushanhängern möchte ich 3 Monate vor der Wahl in den USA nicht gern über Politik diskutieren. Die beiden haben dennoch so viel Spaß an der Unterhaltung mit uns, so dass wir erst sehr spät mitbekommen, dass sie ihren Restauranttermin schon mehrmals nach hinten verschoben haben. Nach mehr als einer Stunde müssen sie aber ins Restaurant und die Lady aus Phoenix, Arizona nimmt mich zum Abschied tatsächlich in den Arm und drückt mich herzlich zum Abschied. Von dieser Begegnung sind wir noch eine ganze Weile beeindruckt.
Um 22.10 Uhr sind wir auf unserem Zimmer und versorgen noch unsere Akkus. Danach steuern wir das Kingbett an und fragen uns insgeheim, wie die Nacht wohl ausgehen wird?

nächster Tag

 

 

 

 



Klick für große Bilder:


Interstate 84


Vulkan bei Vale


Vulkankegel


Rastplatz am Highway

 

 


Hinter Vale

 

 


Am Drinkwater Pass

 

 


Weites Oregon

 

 


Armaturenbrett

 

 


Blick nach vorn

 

 


Überholvorgang

 

 


Mount Jefferson

 

 


Highway 138 zum Park

 

 


Parkeinfahrt

 

 


Erster Blick zum Kratersee

 

 


Crater Lake Lodge

 

 


Große Halle

 

 


Am Kamin