Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Im Westen Kanadas und der USA

vom 14. Juli bis 12. August 2008

Donnerstag 31.07.2008

Yellowstone Nationalpark - Grand Teton Nationalpark

Heute stehen wir ebenfalls wieder um 5.45 Uhr auf.  Wir sind nicht masochistisch veranlagt, es sind auch nur 101 Kilometer Tagesstrecke zu fahren und schließlich haben wir Urlaub. Nein, es gibt heute viel für uns zu sehen und da das Wetter immer noch fantastisch mitspielt, wollen wir auch die Gunst der Stunde nutzen. Nach dem Frühstück sind wir um 7.45 Uhr wieder zurück im Zimmer und wir packen die Koffer fertig. Ich setze das Auto rückwärts an die Veranda und beginne langsam mit dem Einladen der Koffer. Danach putze ich noch die Frontscheibe und verteile kleine Wasserflaschen in die Behälter an der Fahrer- und Beifahrerseite. Ein wenig Wehmut kommt auf, denn wir verlassen den Yellowstone Nationalpark. Wir haben 6 volle Tage hier verbracht, mehr als die meisten Touristen. Aber irgendwie beschleicht uns das Gefühl, doch nicht alles gesehen zu haben. Irgendeinen Grund braucht man eben, um wieder hier her kommen zu wollen, in dieses fantastische und überwältigende Naturwunder.
Um 8.05 Uhr sind wir an der Rezeption und checken aus. Die Rechnung ist saftig, aber wir haben ja 3 Tage auf unsere Zimmerkarte gegessen und getrunken und hier im Park ist sowieso alles viel teuerer als anderswo. Kurz danach sitzen wir im Auto uns steuern den Highway an. Kaum sind wir hier 3 Kilometer gefahren, fällt uns auf, dass wir nicht getankt haben. Am Old Faithful gibt es eine Tankstelle und die wollten wir trotz des hohen Preises für Benzin nutzen. Um zu Tanken extra den Park zu verlassen ist noch teuerer, denn da müssten wir über 100 Kilometer nach West Yellowstone fahren. Das lohnt sich in keinem Fall und bis zum Jackson Lake reicht der Sprit nicht mehr. Also wird an der nächsten Möglichkeit gewendet und wieder zurückgefahren. Bei einem Preis von 4,50 US$ pro Gallone tanken wir nur knapp 6 Gallonen, damit kommen wir auf jeden Fall nach Jackson, wo der Sprit wieder günstiger ist. Um 8.25 Uhr sind wir wieder da, wo wir vor 15 Minuten bereits einmal waren, auf dem Highway nach Süden.
Nach einem kurzen Fotostopp an einem Seerosenteich neben der Straße, der traumhaft schön in der weichen Morgensonne liegt, sind wir um 8.50 Uhr erneut am West Thumb Geyser Basin. Kurz entschlossen fahre ich vom Highway ab, um diesem sehr schönen Becken nochmals einen Besuch abzustatten. Gestern wehte ein starker Wind über den Yellowstone See und die Wasseroberfläche kräuselte sich. Daher gab es keine schönen Spiegelungen auf den Bildern zu sehen. Da jetzt kaum Wind geht, werden wir noch schnell eine Runde um das kleine Becken drehen. Was für ein Glück wir haben, wird uns schon nach wenigen Minuten klar. Wir gehen direkt durch zum Seismograph- und zum Bluebell Pool. Hier machen wir einige schöne Fotos und gehen dann in Richtung See zum Lakeshore Geyser. Kaum sind wir um die Biegung gekommen, trauen wir unseren Augen nicht. Mitten im weißen Sand kurz vor dem Ufer des Sees liegt malerisch ein Bisonbulle und schaut müde in der Gegend herum. Er macht keine Anstalten, sich zu erheben oder sonst irgendwie zu reagieren. Wir sind zurzeit die einzigen Menschen hier im Becken und deshalb besonders vorsichtig, da wir ja das einzige Angriffsziel bieten würden. Aber der mächtige Bulle denkt gar nicht daran, sich für uns zu bewegen. Er döst weiter in der Morgensonne herum und beobachtet uns gelangweilt. Wir gehen vorsichtig den Bohlenweg weiter, der recht nah zwischen dem See und dem Tier hindurch verläuft. Dadurch haben wir die Möglichkeit, fast einzigartig schöne Fotos von einem Bisonbullen machen zu können. Diese Begegnung werden wir so schnell nicht vergessen. Wir gehen ganz langsam weiter, damit wir das Tier nicht doch noch erschrecken. Hinter uns kommen nun doch einige Touristen den Weg entlang und denen überlassen wir jetzt gerne den Bison.
Die Runde ist schnell gemacht und um 9.30 Uhr ist sie zu Ende und wir sitzen wieder im Auto. Natürlich müssen die Fotos angeschaut werden uns wir sind schier überwältigt. Über dieses Glück freuen wir uns mächtig. Ich starte den Motor und wir fahren die kurze Strecke zurück zum Highway. Es sind nur wenige Kilometer nach Süden und wir haben bald den Yellowstone Nationalpark verlassen. Hinter dem Kontrollhäuschen an der Gegenfahrbahn gibt es einen Parkplatz und ich entdecke eines der berühmten Schilder des Yellowstone Nationalparks. Ich nutze eine Lücke und biege in Gegenrichtung auf den Parkplatz ab. Wir schnappen unsere Kameras und bauen uns vor dem Schild auf. Anja kann noch ungestört ihre Aufnahmen machen, sie hat ja keinen Ton. Bei meiner ersten Aufnahme blubbern wieder jede Menge Biker in die Aufnahme. Sie sind zwar nicht im Bild zu sehen, dafür aber um so lauter zu hören. Ich mache noch 5, in Worten fünf, Versuche, das Schild aufzunehmen, aber jetzt kommen die Touristen wie die Wilden angesaust und springen mir vor die Kamera. Es ist ihnen ziemlich egal, ob jemand filmt oder nicht, sie stellen sich neben das Schild und Mammi drückt den Auslöser. Nur ich will die nicht im Bild haben. Ich breche verärgert ab und beschließe, die erste Aufnahme zu nehmen und den Ton auszutauschen. Kurz bevor wir weg wollen, kommt noch eine versöhnliche Situation zu Stande. Ein Tourist bietet uns an, uns vor dem Schild gemeinsam zu fotografieren. Wir nehmen dankend an und revanchieren uns mit seiner Kamera. So ist beiden Parteien geholfen und wir können endlich weiterfahren.
Es ist bereits 10.30 Uhr und wir sind im Grand Teton Nationalpark. Auch hier hilft uns unser Jahrespass weiter und das Schild wird natürlich auch fotografiert. Dieser Park liegt nur wenige Kilometer südlich vom Yellowstone Nationalpark im Nordwesten Wyomings, ist 1255 Quadratkilometer groß und wurde 1929 gegründet. Bekanntester Ort ist die Stadt Jackson. Durch eine Erdverwerfung in erdgeschichtlich jüngerer Zeit hat sich eine 70 Kilometer lange Gebirgskette gebildet. Es gibt mehrere Dutzend 3000er Gipfel. Der höchste aller Berge aber ist der 4197 Meter hohe Grand Teton. Französische Fallensteller entdeckten diese bizarre Gebirgskette und gaben ihr sinnigerweise den Namen Tetons – Brüste. Insgesamt ist man hier wie auch im Yellowstone Park auf 2000 Metern Höhe und empfindet die Gewaltigkeit der Berge nicht so direkt. Im Park findet man mehrere Seen und natürlich den Snake River. Für Urlauber, die länger hier verweilen, gibt es wie in unseren europäischen Alpen unzählige Freizeitaktivitäten wie Wandern, Bergsteigen, Angeln, Kanu fahren usw. Da der Park ganzjährig geöffnet ist, kann man sogar Wintersport betreiben. Und wenn man viel Glück hat, sind auch Tiere wie Bisons, Wapitis, Elche, Bären und Adler zu beobachten.
Wir befahren hier zwar nur eine Straße, die hat aber 3 Nummern. Es sind der Highway 89, 191 und 287 und er nennt sich John D. Rockefeller Jr. Highway. Er verläuft eine ganze Zeit am schönen Jackson Lake entlang und es bietet sich immer wieder zwischen den Bäumen eine schöne Sicht auf die Bergkette der Tetons. Um 11 Uhr sind wir an einer Parkbucht angelangt, von der aus wir einen ersten freien Blick auf die Kette der Grand Tetons haben. Markant sind die 4 höchsten Gipfel in der Gebirgskette, die direkt nebeneinander liegen. Das sind der South Teton mit 3814 Metern, der Middle Teton mit 3901 Metern, der Grand Teton mit 4197 Metern und noch der Mount Owen mit 3940 Metern. Es ist ein wunderschöner Anblick, der sich uns bei wolkenlosem Himmel bietet. Nach diesem Fotostopp fahren wir weiter und passieren die Einfahrt zu unserem heutigen Hotel. Es ist aber erst 11.30 Uhr und wir fahren weiter bis zur Jackson Lake Junction auf die Teton Park Road. Hier biegen wir rechts ab und sind bald am Jackson Lake Damm. Hier gibt es eine kleine Marina und es sind einige Boote auf dem See unterwegs. Ein wirklich sehr schönes Panorama bietet sich uns hier. Wir beobachten die Szenerie einige Minuten und können uns nur sehr schwer trennen. Aber es gibt noch sehr viel, was wir sehen möchten und wir müssen weiter. Wir fahren jetzt durch bis zur erneuten Abzweigung nach rechts auf die Jenny Lake Road. Die ist im unteren Teil Einbahnstraße und am Besten von Norden aus zu befahren. Diese Straße ist nicht sehr lang, landschaftlich aber sehr reizvoll. Besonders der letzte Teil, die Einbahnstraße führt knapp am Jenny Lake entlang. Danach sind wir wieder auf der Hauptstraße und nach wenigen Metern an der Jenny Lake Junction. Hier fahren wir um 12.15 Uhr auf den Parkplatz und zum Jenny Lake Visitor Center. Wir wollen mit einem Boot über den Jenny Lake fahren und dort die Hidden Falls und den Inspiration Point besuchen. Bereits in der Zufahrtsstraße zum Parkplatz stehen auf beiden Seiten geparkte Autos an den unbefestigten Rändern. An manchen Stellen muss man anhalten, um den Gegenverkehr vorbei lassen zu können. Dann sind wir am Parkplatz. Wir drehen Runde um Runde, fahren in Seitenstraßen hinein, bleiben auf dem Hauptplatz minutenlang stehen und lauern darauf, einen frei werdenden Platz zu ergattern. Einmal tut sich was, ein Paar steuert auf einen geparkten Wagen zu. Ehe ich den Motor starten kann, hat sich von hinten ein listiger Mitbewerber herangeschlichen und sich frech hinter dem herausfahrenden Wagen postiert. Das geht uns noch zwei Mal so und wir sind frustriert. Den Wagen draußen auf der Zufahrt hinstellen wollen wir auch nicht. Dort ist es, wie beschrieben, so eng, dass leicht eine Schramme an den Leihwagen kommen könnte und den Ärger wollen wir uns ersparen. Auf der letzten Runde entdecken wir noch ein verdecktes Schild auf dem steht, dass die Bootstouren für die nächsten 3 Stunden ausgebucht sind. Selbst wenn wir einen Platz gefunden hätten, was sollen wir die nächsten 3 Stunden machen? Also geben wir auch hier den Tipp: Wenn möglich, früh anreisen. Wir ziehen leicht frustriert ab und quälen uns mit dem Wagen zurück auf die Hauptstraße.
Wir fahren die gut ausgebaute Straße weiter und sind um 13.30 Uhr am Moose Visitor Center. Auch hier das gleiche Bild. Kein Parkplatz ist frei, aber die Fluktuation ist wesentlich größer. Nach nur wenigen Minuten bekomme ich einen geeigneten Platz und wir strömen zum Visitor Center. Wir haben jetzt auch etwas Hunger bekommen und freuen uns auf eine Kleinigkeit zu essen. Wir müssen das große Gebäude komplett umrunden, denn der Eingang ist auf der hinteren Seite. Wer plant so was? Jedenfalls ist die Enttäuschung bei uns groß. Es ist tatsächlich nur eine Ausstellung in einem modernen, aber irgendwie kalt und schmucklos wirkenden Gebäude. Es gibt nur wenig Exponate und die vielen Leute verlaufen sich hier drin. Aber die absolute Härte ist, Es gibt zwar Restrooms, aber keine Restauration. Nichts zu Essen und nichts zu Trinken. Das der Rest für uns weniger interessant ist, gehen wir zum Fahrzeug zurück. Kurz vor unserem Auto entdecke ich plötzlich ein Bat-Mobil. Nein, nicht das Auto von Batman, sondern einen GMC Pickup, in dessen Kühlergrill eine tote Fledermaus hängt. Das muss natürlich fotografiert werden und hebt unsere Stimmung ein wenig. Wir verlassen den Parkplatz und irren noch im Park Headquarter herum. Hier gibt es absolut keine Restauration.
Also fahre ich zurück zur Parkstraße und fahre weiter zur Moose Junction. Hinter der Stahlbrücke über den Snake River biegt nach links eine Straße ab. Fast hätten wir das Hinweisschild auf die Tankstelle und die Restauration übersehen, können aber noch abbiegen. Nach nur einem Kilometer gibt es tatsächlich eine Tankstelle und ein paar armselige Hütten, in denen man neben Souvenirs auch Kleinigkeiten zu essen bekommen kann. Wir suchen uns die Grocery aus. Wir suchen uns 2 Roastbeef-Baguette und 2 gekühlte Säfte aus. Doch der Kaufvorgang gestaltet sich etwas kompliziert. Man muss bei einem jungen Mann das Brot und den Belag genau bestellen und bereits bezahlen. Dieser kreuzt dann auf einem langen Zettel das von uns Gewünschte an und hängt es an eine Leiste über dem Zubereitungsbereich. Hier nimmt ihn eine junge Lady wieder ab und gibt sich an die Arbeit. Bei viel Betrieb hätten wir für diese Prozedur Verständnis, in einem Restaurant wird das teilweise ja auch so praktiziert, aber wir sind die einzigen Gäste weit und breit. Nach 10 Minuten akribischer Arbeit bekommen wir unsere Baguette  und verschleppen die Beute ins Auto, weil es uns an den Stehtischen in der Grocery nicht gut gefällt. Hier erleben wir dann unser Waterloo. Das Baguette ist nicht nur mit Roastbeef belegt, sonder auch noch mit viel Remoulade getränkt. Beim Zubeißen drängt die natürlich mit vollem Elan nach außen und auf unsere Kleidung. Wir fluchen und behängen uns mit Papiertaschentüchern, um die Angelegenheit nicht noch schrecklicher enden zu lassen. Nach dem Mahl suchen wir nach Restrooms, wo wir die fettige Hinterlassenschaft auswaschen können. Trocknen wird es bei der Wärme und geringen Luftfeuchte ja schnell.
Um 14.30 Uhr sind wir dann zurück auf der Parkstraße und nur einen Kilometer weiter an der Moose Junction. Hier geht es rechts weiter nach Jackson und links zurück nach Norden in Richtung Hotel. Also biegen wir nach links ab und fahren bis zum Snake River Overlook. Dieser Parkplatz ist wenig besucht und wir haben freie Auswahl. Der Blick auf den Fluss, der tief eingegraben vor uns liegt, ist sehr schön. Wir sehen auch drei rote Raftingboote mit vielen fröhlichen Passagieren, deren Gesprächslärm bis hier herauf schallt. Fotos in Richtung Teton Bergkette lohnen sich kaum noch. Die Sicht ist zwar unverstellt und wunderbar, aber jetzt am Nachmittag steht die Sonne schon fast über den westlich von uns gelegenen Bergen. So fahren wir weiter durch eine hochtalartige Landschaft. Rechts weite, karge Weideflächen, links hin und wieder kleine Baumgruppen und der tief liegende Snake River. Bald sind wir an der Moran Junction und biegen nach links ab. Hinter der Straßengabelung müssen wir nach nur einem Kilometer plötzlich wieder unseren Parkpass vorzeigen. Wir hatten zuvor gar nicht bemerkt, dass wir den Grand Teton Nationalpark überhaupt irgendwo verlassen hatten. Ein Blick auf unsere Karte verrät uns später, es muss vor dem Moose Visitor Center mit dem Bat-Mobil gewesen sein. Wir fahren noch ein paar Kilometer bis zum Oxbow Bend. Hier macht der Snake River nach seinem Austritt aus dem Jackson Lake eine große Biegung und verzweigt sich in viele kleine Arme. Am Turnout bleiben wir mit der Motorhaube in Richtung Fluss stehen und machen es uns in den Sitzen bequem. An dieser wunderschönen Stelle soll man Tiere beobachten können. Allerdings nur in den Abendstunden. Das ist uns aber egal, wir haben noch Zeit bis zum Einchecken im Hotel. Wir beobachten zahlreiche Wasservögel und es gibt hier sogar Pelikane zu sehen. Das ist doch auch etwas. An den Ufern stehen auf beiden Seiten Angler und versuchen ihn Glück. Was für ein idyllischer Ort, und das meine ich wirklich so.
Um 15.30 Uhr verlassen wir den Oxbow Bend Turnout und fahren zum Hotel. Wir hoffen, schon unser Zimmer zu bekommen und halten vor der großen Vorfahrt der Jackson Lake Lodge. Hier darf man aber nur Ein- oder Aussteigen und lasse ich Anja mit dem Voucherheft raus und fahre weiter zum nahen Parkplatz. Wir treffen uns in der großen Halle und gehen zum Einchecken. Unser Cottage ist fertig und wir bekommen einen Wegeplan und die Schlüssel. Den Plan brauchen wir auch, denn die Tafeln mit den Nummern, die auf die kleinen Häuser hinweisen, sind teilweise zugewachsen. Die ringförmige Straße verlassen wir an der dritten Abzweigung nach rechts und sind gleich bei unserem Haus. Fast davor bekommen wir einen Parkplatz und beginnen sofort mit dem Ausladen der Koffer. Das Classic Cottage liegt herrlich unter riesigen Douglasien im Schatten und ist gut ausgestattet. Es hat einen großen Schlafraum mit einem großen Bereich vor den Betten, in dem Platz für Sessel und Tisch ist. Hinter einer niedrigen Trennwand gibt es eine kleine Küche mit einem Mikrowellengerät und einer Kaffeemaschine.
Durch die Hitze draußen sind wir etwas geschafft und uns ist nach Ausruhen. Das tun wir auch und ich stelle vorsichtshalber den Wecker auf kurz vor 17 Uhr. Das war auch gut so. Fit wie ein Turnschuh stehe ich auf und koche eine Kanne Kaffee. Während die Maschine vor sich hin tröpfelt, versorge ich mein Equipment. Der Kaffee ist etwas dünn geraten, jedenfalls schmeckt er nicht besonders. Um 18 Uhr machen wir uns zu Fuß auf und besuchen die Lodge. Hinter der Rezeption führt eine gewaltige Treppe hinauf in die erste Etage. Hier gibt es geradeaus einen riesigen Raum, der zur Bergseite hin bis unter die Decke verglast ist. Zahlreiche Tische mit gemütlichen Sitzgruppen füllen den Raum um den großen Kamin an der linken Seite herum. An der Bergseite rechts befindet sich der Zugang zur Bar und auf der linken Seite gelangt man ins Restaurant. Beide Räume verfügen auch über voll verglaste Seiten zu den Bergen. Wir wenden uns nach einer kurzen Runde durch den Saal zunächst  dem hinteren Teil der oberen Etage zu. Hier gibt es kleinere Geschäfte. Eines davon erregt meine Aufmerksamkeit. Es gibt hier viel Handarbeit von First Nation zu kaufen, und für die interessiere ich mich. Natürlich kann ich keinen großen Bogen oder einen Kopfschmuck kaufen, die würden im Gepäck die Rückreise nicht überstehen, aber ein Halsschmuck steht schon sehr lange auf meiner Wunschliste. Ich hatte in einigen Orten auch auf früheren Reisen schon mal etwas gesehen, aber das entsprach nie dem, was ich mir vorstellte. Hier durchzuckte es mich wie ein Blitz. Auf einem Ständer hingen einige wunderschöne Stücke. Handgefertigte Riemen aus schwarzem Leder, mit echtem Stein besetzt und aus Silber. Zuerst konnte ich mich nicht für ein Stück entscheiden denn fast 130 US$ sind viel Geld, aber das Verlangen siegte dann doch. Wenn man den günstigen Dollarkurs 2008 noch berücksichtigt, liegt der Preis dann bei knapp 90 €uro und das ist vertretbar. Da es auch ein Zertifikat über echte indianische Handarbeit dazugibt, bin ich restlos überzeugt.
Wir kaufen noch Postkarten und ein großes gelb-schwarzes Bison-Xing Schild aus Kunststoff. So was kaufen fast alle Touristen, manche mit Elchen, Bären oder anderen Tieren als Symbol darauf. Danach gehen wir in die große Halle und setzen uns an einen freien Tisch. Wir haben unseren Computer mit und möchten nach einer Woche Wildnis im Yellowstone Park unsere E-Mails abrufen. Das klappt auch sehr gut und wir wollen die ein- oder andere Mail auch gerne noch beantworten. Aber eine Gruppe Menschen gesellt sich an unseren Tisch, setzt sich und fängt an, sehr laut Gespräche zu führen. Wir verstehen unsere eigenen Worte nicht mehr. Wir sind überzeugt davon, die wollen uns mit voller Absicht vergraulen. Ich fahre den Rechner runter und wir bleiben noch ein wenig sitzen. Dann wird uns das Gehabe der Anderen aber doch zu viel und wir gehen zu unserem Cottage zurück.
Es ist jetzt kurz nach 19 Uhr und wir beschließen, noch eine Tiersafari zu unternehmen. Bisher waren wir damit ja einigermaßen erfolgreich und so brechen wir auf in Richtung Oxbow Bend. Hier halten wir kurz, sehen aber keine Tiere. Auch die Vögel haben sich bereits zurückgezogen. Wir fahren weiter und biegen kurz vor der Kontrollstation an der Moran Junction nach links in eine unbefestigte Straße ab. Die fahren wir ganz gespannt langsam ab, aber obwohl es schon stark dämmert, zeigt sich kein Wild. Enttäuscht kehren wir um und stellen uns noch ein wenig an Oxbow Bend auf den Parkplatz. Jetzt ist einiges los. Die Parkbuchten sind fast voll und die Leute trauen sich aus den Autos. Wir haben uns auch mit Mückenschutz eingerieben, lassen aber die Fenster oben. Und das aus gutem Grund. Sobald die Leute ihre Autos verlassen, stürzen sich Schwärme von Mücken auf die willkommenen Opfer. Viele flüchten sich in ihre Autos zurück und reiben sich ein. Danach wagen sie mutig einen weiteren Versuch, rechnen aber nicht mit der Dummheit der Mücken. Die kennen die Mückenschutzmittel nämlich nicht und starten erneut ihre Angriffe. Da sich kein Tier sehen lässt, was bestimmt an den mückenumschwärmten Anglern am Flussufer liegt, fahren wir um 20.55 Uhr zum Cottage zurück.
Gegen 21.15 Uhr sind wir dann in der Bar  der Lodge. Hier ist viel los und wir bekommen mit Glück einen Platz in einer Ecke. Es gibt kühles und gezapftes Bier vom Fass und live Countrymusic. Der Sänger kommt herum und gibt den Gästen eine Liste seiner Lieder und einen Wunschzettel. Den dürfen wir ausfüllen und bei ihm abgeben. Ich habe meine kleine Kamera nicht dabei, was sonst nicht der Fall ist und so laufe ich zurück zum Cottage, um sie zu holen. Aber die Enttäuschung ist groß. In der Bar ist es zu dunkel für gute Aufnahmen und da wir in einer Ecke sitzen, habe ich keine gute Sicht auf den Musiker. Aber dafür spielt er wenigstens das von mir gewünschte Lied von John Denver – Country Roads. Das nehme ich zwar auf Video auf, es ist aber wenig zu sehen und das Gemurmel der Gäste ist stark zu hören. Wir trinken noch jeder ein Bier und um 23 Uhr sind wir wieder im Zimmer. Wir schlafen auch direkt, denn morgen steht mit 630 Kilometern die zweitlängste Tagesetappe an.

nächster Tag

 

 

 

 



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Bison 1


Bison 2


Bison 3


Yellowstone Lake

 


Big Cone

 

 


Abyss Pool 1

 

 


Abyss Pool 2

 

 


Yellowstone NP

 

 


Park-Eingangsschild

 

 


Grand Teton NP-Schild

 

 


Bergkette 1

 

 


Blumenwiese

 

 


Bergkette 2

 

 


Mount Moran

 

 


Hinweisschild

 

 


Bergkette 3

 

 


Wassersport

 

 


Grand Teton Bergkette

 

 


Toter Batman

 

 


Snake River

 

 


Pelikan

 

 


Oxbow Bend

 

 


Bergkette mit Spiegelung

 

 


Abendstimmung