Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Im Westen Kanadas und der USA

vom 14. Juli bis 12. August 2008

Dienstag 29.07.2008

Upper Geyser Basin

Es ist erneut 5.45 Uhr und wir möchten gern wieder früh raus. Wir haben festgestellt, dass man früh am morgen wirklich schöne Fotos und Filme machen kann. Deshalb sind wir auch mit die Ersten, die bereits um 6.35 Uhr im Restaurant sind. Das Frühstück ist um Längen besser als das Essen, dass man uns gestern Abend zugemutet hat. Bereits um 7.25 Uhr sind wir wieder in der Western Cabin und bewaffnen uns mit den Kameras. Anja braucht wegen ihrem Akku noch etwas, aber ich laufe strammen Schrittes schon mal vor zum Old Faithful. Die Eruption soll um 8 Uhr stattfinden und ich will uns einen schönen Platz suchen. Ich bin schnell über den riesigen Parkplatz gelaufen und suche mir in der ersten Reihe schön zentral einen Platz. Hier baue ich mein Stativ auf und montiere die Kamera. Nachdem ich alles schön ausgerichtet habe, setzt sich eine Familie mit drei kleinen Kindern hinter mich. Vielleicht finden sie den Mann mit der Videokamera besonders lustig. Ich jedoch denke: Das darf doch nicht wahr sein! Ich habe schon den ganzen Urlaub ein Problem mit dröhnenden Motorrädern und laut plappernden Chinesenhorden, aber jetzt auch noch lärmende Kinderstimmen im Ausbruch des Old Faithful. Nein, so nicht. Ich schnappe meine Kamera samt Stativ und ziehe grimmig zwei Segmente weiter an den Rand der Arena. Hier sitzen noch weniger Leute und es wird ja bald der Ausbruch erfolgen. Anja ist mittlerweile da und sie setzt sich zu mir. Noch mal: Ich habe nichts gegen laute Kinder, aber ich möchte später einen schönen, stimmungsvollen Videofilm erstellen und da bekomme ich die Kinderstimmen nicht mehr aus dem O-Ton heraus.
Heute ist der Old Faithful, der alte Getreue, wirklich pünktlich und zieht voll seine tolle Show ab. Erst plätschert er unten ein bisschen herum steigert sich ganz kurz um dann mit voller Wucht seine Wassermassen volle sechzig Meter in die Luft zu schleudern. Die volle Eruption dauert an die eineinhalb bis zwei Minuten und dann wird die Wassersäule immer niedriger bis sie ganz versiegt. Nach fünf Minuten ist der ganze Spaß bereits vorbei. Die Menschen in der Arena klatschen tosend Beifall und der Geyser verspricht, pünktlich in ca. 76 Minuten wieder auszubrechen.
Um 8.10 Uhr brechen wir ebenfalls auf und wenden uns in Richtung Geyser Hill. Dieser Hügel liegt direkt gegenüber der Arena, wir brauchen nur eine Holzbrücke über den Firehole River zu überqueren. Am Anfang des Bohlenweges verspürt Anja noch eine Regung und sie muss zurück zum Visitor Center. Ich bleibe hier auf dem Geyser Hill und setze mich am Plume Geyser auf eine Bank. Hier hat man einen fantastischen Überblick über die gesamte Old Faithful Arena, die Hotelanlagen und über das ganze Geyser Areal. Plötzlich höre ich komische Geräusche hinter mir. Der Plume Geyser bereitet seinen Ausbruch vor. So eine Eruption habe ich bisher noch von keinem Geyser gesehen. Er sprudelt oder spritzt nicht kontinuierlich, sonder wirft kurz hintereinander Wasserblasen aus, pausiert kurz und macht das Ganze dann erneut. Das passiert so an die 10-mal und ist wirklich a-typisch für einen Geyser. Kurz darauf ist Anja wieder da und bringt die Information mit, dass der Daisy Geyser um 10 Uhr ausbrechen soll. Er gehört wie der Great Fountain Geyser zu den am höchsten speienden Geysiren im Park. Mit 50 Metern ist er dann nur 10 Metern niedriger als der Alte Getreue.
Es ist jetzt erst 9 Uhr und wir haben noch etwas Zeit. Am Bohlenweg entdecken wir ein Kamerateam der BBC mit einer Parkrangerin. Es gehören eine Kamerafrau, ein Tonmann und ein Moderator zu der kleinen Gruppe. Sie warten auf den Ausbruch des Beehive Geyser, der ihnen aber scheinbar den Gefallen versagt. Durch das Beobachten des Teams verpassen wir aber den Ausbruch der Lion Group, einer Ansammlung mehrer Geysiröffnungen, die besonders spektakulär in der Gegend umher spritzen. Der Geyser Hill Bohlenweg ist ein kleiner kurzer Rundweg, vielleicht nur 750 Meter lang, aber gespickt mit vielen kleinen Geysiren, sehr prächtigen Pools und einigen Springs. Wir nehmen uns noch die Zeit und laufen den Rundweg entlang. Besonders erwähnenswert sind hier der Anemone Geyser, die Heart Spring Giantess Geyser.
Danach wenden wir uns aber dem Daisy Geyser zu. Ich bemerke plötzlich, dass ich die Lage des Daisy Geysirs im Becken mit einem anderen Geyser verwechselt habe. Zum Daisy Geyser ist es doppelt so weit wie von mir angenommen. Die Eruption wollen wir uns aber nicht entgehen lassen und so nehmen wir die Beine in die Hand. Am schönen Castle Geyser sind wir auf der asphaltierten Straße und spurten weiter, ohne ihn zu beachten. Hier ist das Fortkommen angenehmer, aber Anja bleibt schon ein wenig zurück. Ich laufe trotzdem schnell weiter, weil ich mit der Videokamera Fotos während der Videoaufnahme machen kann, und das in HD-Auflösung. Natürlich nur, wenn ich rechtzeitig ankomme.
Um 10.05 Uhr bin ich am Daisy Geyser und bekomme tatsächlich auch noch einen Sitzplatz. Die Kamera ist blitzschnell im Anschlag und Anja kommt kurz nach mir auf ihren Sitzplatz neben mir. Es ist keine Minute zu spät. Erst hört man ein leichtes grummeln, dann ein Rauschen und plötzlich spritzt eine riesige Fontaine in die Höhe. Wir sitzen hier näher als am Old Faithful am Daisy Geyser und der Ausbruch ist gigantisch. Er spritzt an die 5 bis 6 Minuten mit voller Kraft seine Wassermassen 50 Meter in die Luft. Gigantisch. Langsam fährt die Fontaine zurück und die Wassersäule bricht in sich zusammen. Noch ein kurzes Röcheln und Glucksen und der Ausbruch ist zu Ende.  Nach diesem Ereignis kommen wir noch mit einem Amerikaner in ein Gespräch. Er erkundigt sich nach meiner Kamera und so entsteht ein ca. 5minütiger Smalltalk mit Fachsimpelei. Hier gibt es ebenfalls einen Rundweg und wir sehen uns noch die Punch Bowl Spring, den Splendit und den Comet Geyser an.
Es ist erst 10.30 Uhr und wir haben schon wieder eine Menge gesehen. Wir merken aber auch die Hitze, die sich heute besonders früh bemerkbar macht, weil der Wind der letzten Tage fehlt. Außerdem spüren wir die anstrengenden letzten Tage schon ein wenig. Aber wir haben noch ein volles Programm vor uns und so ziehen wir weiter. Wir laufen die asphaltierte Straße bis zum Ende weiter, denn hier befindet sich das Schmuckstück und das meistfotografierte Objekt des Upper Geyser Basins nach dem Alten Getreuen, der Morning Glory Pool. Dieser Pool zeigt mit seinen vielen Farben die unterschiedlichen Temperaturzonen seines Wassers, die durch die Algen und Bakterien entstehen. Leider ist der Pool in seiner Existenz sehr gefährdet und hat schon einiges von seiner einstmaligen Pracht eingebüßt. Völlig verblödete Touristen werfen Geldstücke und andere Gegenstände hinein, als ob sie in Rom an einem bekannten Brunnen sind. Auf uns hat der Pool jedenfalls noch seine Wirkung. Die kann man einfach nicht beschreiben, seht euch die Bilder an.
Um 11 Uhr wandern wir zurück zum Upper Geyser Basin. Geradeaus führt der Weg zwar weiter zum Biscuit Basin oder zum Black Sand Basin, aber die stehen erst morgen auf dem Programm und sind auch gut mit dem Auto zu erreichen. Die Kameraausrüstungen sind schwer und hängen sich mit der Zeit ganz schön ran, wie man so sagt. Das Wechseln der Taschen von der linken auf die rechte Schulter wird immer häufiger nötig. Auf dem Rückweg sehen wir noch die Highlights des Beckens an, die wie auf einer Perlenschnur aufgezogen am Rand des Firehole Rivers liegen. Riverside, Grotto, Giant und Grand Geyser liegen alle hintereinander am Weg. Aber keiner bricht in absehbarer Zeit aus. Der nächste wäre der Grand Geyser am Nachmittag um 15 Uhr (+- 3 Stunden). So wenden wir uns nach rechts auf die asphaltierte Straße und bestaunen noch den Castle Geyser, an dem wir vorhin auf dem Weg zum Daisy Geyser vorbeigehetzt sind. Auch der lässt sich in seiner eigentümlichen Form kaum beschreiben, seht die Bilder. Es ist kurz vor halb eins und wir sind in der Nähe des Post Office des Parks. Wir brauchen noch Briefmarken für unsere Ansichtskarten die wir vorgestern in der Snow Lodge gekauft haben. Die wollen wir von hier mit dem Old Faithful Stempel verschicken. Das Postamt schließt um 12.30 Uhr. Wir haben Glück und huschen noch gerade hinein. Wir kaufen 7 Briefmarken für 6,70 US$. Die Marken sind Sondermarken zu einem Elvis Presley Gedenkanlass. Fünfzehn Minuten später sind wir in der Grocery an der Snow Lodge und kaufen zwei Thunfisch Sandwichs, Cranberry- und Apfelsaft von Minute Maid. Dazu noch einen Schoko- und einen Erdbeertrunk. Alles zusammen schön gekühlt für 14 US$. Das sind umgerechnet an die 10 €uro und da kann man nicht meckern. Wir schlurfen geradewegs zu unserem Zimmer und lassen die durchgeschwitzte Kleidung fallen. Im Freizeitanzug fühlen wir uns schon etwas leichter und genießen unser karges Mahl, was aber durchaus schmeckt. Nach dem Essen und der kurzen Ruhe merken wir doch recht stark die Anstrengung der letzten Tage. Wir sind keine großartigen Sportsleute mit Pferdekondition und auch schon etwas älteren Semesters. So beschließen wir gegen 13.30 Uhr, dass wir auf die anstehenden Geysirausbrüche in der brütenden Mittagshitze verzichten werden und lieber später noch eine Tiersafari unternehmen werden.
Um 15.30 Uhr piept der Wecker, aber wir sind noch richtig kaputt und bleiben bis 16 Uhr liegen. Dann koche ich einen Kaffee und wir essen die letzte Sandwichhälfte. Ich ziehe noch ein paar verschwitzte, bügelfreie Hemden durch das Wasser und hänge sie an die Garderobe im Zimmer. Hier ist eine so geringe Luftfeuchtigkeit, dass die Hemden bereits nach 90 Minuten pulvertrocken sind.
Um 17.45 Uhr brechen wir zum Hayden Valley auf. Dort soll man in den Abendstunden besonders gut Tiere, vor allem Bisons in großen Herden, beobachten können. Wir kommen ganz gut voran. Die meisten Touristen verlassen jetzt den Park nach West Yellowstone und das ist in die andere Richtung. Um 18.10 Uhr biegen wir am West Thumb Geyser Basin nach Lake Village ab. Es ist jetzt eine wunderschöne Fahrstrecke immer am Ufer des Yellowstone Lake entlang. Die Sonne ist auch schon langsam hinter den Bäumen verschwunden und die Fahrt gestaltet sich recht angenehm. Hinter Lake Village fahren wir an Fishing Bridge vorbei weiter nach Norden. Nach wenigen Kilometern stoßen wir auf die Mud Vulkano Area. Dieses relativ kleine Areal hat aber ein paar spektakuläre Besonderheiten zu bieten. Es ist nichts los, nur fünf oder sechs Fahrzeuge stehen auf dem Parkplatz. Es ist erst 19 Uhr und wir haben noch Zeit. Deshalb halte ich und wir schlendern kurz zur Dragon’s Mouth Spring. Die haben wir ausgesucht, weil sie schon von weitem zu hören ist. Ein andauerndes dumpfes Grollen und Glucksen ist zu vernehmen. Die Quelle ist in einer Höhle am Grund eines Abhanges und aus dem Loch kommen diese markanten Geräusche. Im Rhythmus des Grollens und Glucksens schwappt jedes Mal eine Menge Wasser aus der Höhle. Aber das Licht. Die Sonne ist hier schon hinter dem Hügel verschwunden und das Licht für schöne Aufnahmen ungeeignet. Morgen, nach dem West Thumb Geyser Basin, fahren wir bei hoffentlich besseren Bedingungen wieder hier vorbei. Ein paar hundert Meter die Straße weiter hinauf gibt es noch die Sulphur Caldron zu bestaunen. Dieser Schwefelteich liegt etwas unterhalb der Straße und blubbert aus einigen Blasen, die vom Grund aufsteigen. Auch hier ist das Lichtproblem vorhanden. Wir sind ja auch nicht für die Parkattraktionen hier her gefahren, sondern weil wir Tiere sehen wollen, und zwar wenn es geht, etwas Besonderes. Dafür sind nun doch noch zu viele Autos unterwegs. Die Leute haben eben die gleiche Idee wie wir. Nach der Sulphur Caldron steigt die Straße leicht an und tritt urplötzlich aus dem Wald heraus. Es liegt eine leicht hügelige Hochebene vor uns, durch die sich die Straße hindurchschlängelt. Immer wieder stehen Autos am Straßenrand und die Insassen beobachten mit Ferngläsern einzelne Büffel oder kleine Gruppen dieser Tiere in respektabler Entfernung. Dafür halten wir nicht an, wir haben diese tollen Tiere ja schon in der National Bison Range ganz von Nahem gesehen.
Aber wir haben wieder einmal unverschämtes Glück. Kurz vor uns halten einige Autos plötzlich an und die Leute starren alle nach links auf einen kleinen, leicht bewaldeten Hügel. Hier stehen drei Bisons zwischen den Bäumen, vielleicht 20 Meter von unserer Straße entfernt. Und ihre Laufrichtung zielt eindeutig bergab und in Richtung Straße auf uns zu. Mittlerweile haben es auch noch andere Autofahrer mitbekommen, aber wir sind ganz vorne dran. Die Autos vor uns ziehen noch ein wenig vor, so dass sich niemand vorpfuschen kann. Wir haben die Bisons ganz für uns. Und sie tun uns den Gefallen und kommen ganz gemächlich zu unserer Position an der Straße. Nach fast 10 Minuten sind sie alle drei auf der Straße und stehen in voller Pracht vor unseren Kameras. Natürlich bricht jetzt verkehrstechnisch das Chaos aus. Autofahrer, die nicht warten wollten, kommen jetzt in der Mitte auch nicht mehr durch und stehen den entgegenkommenden Fahrzeugen im Weg. Ausweichen geht auch nicht, da stehen wir und die anderen parkenden Tierbeobachter. Die Bisons stört das überhaupt nicht. Sie sind die einzig Coolen in der ganzen Angelegenheit und trotten mit gesenkten Köpfen an den Autos vorbei am Straßenrand entlang. Nach ca. 300 Metern verschwinden die ersten beiden Tiere wieder links im Wald, aber der dritte Bison macht kehrt und kommt zurück. Ich verscheuche einen neben mir in der Mitte der Fahrbahn stehenden Camper, der sich tatsächlich auch trollt und wir haben jetzt freie Schussbahn. Der Bison läuft tatsächlich keine zwei Meter an unserem Auto vorbei nach hinten weg. Das war ein Erlebnis. Bison ohne Zaun und doppelten Boden. Toll.
Mittlerweile ist es bereits 20 Uhr und es gibt immer noch den Verkehrsstau, obwohl die Bisons schon lange weg sind. Die Autoknäuel müssen sich erst langsam entwirren. Dann aber können wir weiter nach Canyon und links ab nach Norris fahren. Von hier ist es nicht mehr weit zum Hotel am Old Faithful. Hier sind wir erst um 21.20 Uhr und parken unser Auto an der Cabin. Dann gehen wir noch zur Firehole Bar und bestellen erst einmal ein kühles Bier vom Fass. Die kleine Speisekarte verhilft uns auch noch zu einer Portion Pommes Frites mit Ketchup. Ich bin von den mehr als 200 Kilometern doch ganz schön geschafft und bestelle noch ein weiters Bier. Nach einer Stunde reicht es uns aber für heute. Anja duscht noch einmal und ich versorge wieder einmal das Kameraequipment. Gegen 23 Uhr ist das Licht aus.

nächster Tag

 

 

 

 



Klick für große Bilder:


Old Faithful Arena


Old Faithful


Firehole River


Old Faithful Inn

 

 


Beehive Geyser

 

 


BBC Kamerateam

 

 


Lion Group

 

 


Beach Spring

 

 


Daisy Geyser

 

 


Grotto Geyser

 

 


Morning Glory Pool

 

 


Giant Geyser

 

 


Castle Geyser

 

 


Mud Volcano Area

 

 


Dragon's Mouth Spring

 

 


Bison auf der Straße

 

 


Firehole Bar