Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Im Westen Kanadas und der USA

vom 14. Juli bis 12. August 2008

Sonntag 27.07.2008

Kalkterrassen + Norris Geyser Becken 1

Heute stehen die nächsten Highlights des Yellowstone Nationalparks auf unserem Programm. Wir wollen im weichen Morgenlicht die Kalkterrassen am Hotel besuchen und dann zum Norris Geyser Basin fahren. Wenn man das ausgiebig machen will ist das mehr als genug für einen Tag. Also meldet sich der Wecker bereits um 5.45 Uhr und wir huschen durch das Badezimmer. Um 6.35 Uhr, bereits 5 Minuten nach Öffnung des Restaurants sind wir dort und bestellen uns das Frühstück. Wir sind nicht die Einzigen hier, es sind noch zwei weitere Frühaufsteher in der großen Halle. Es gibt Eier, Toast und Kaffee, also wie immer das Gleiche zum Frühstück.
Um 7.30 Uhr sind wir mit unseren Kameraausrüstungen fertig bepackt und nur fünf Minuten später an der Liberty Cap. Dieser 15 Meter hohe Sinterkegel einer ehemaligen heißen Quelle steht am Fuß der Minerva Terrasse direkt an der Straße. Daneben gibt es den ersten Parkplatz, der ist natürlich leer und wartet auf uns. Wir stellen das Auto ab und drehen hier am Fuß der Terrassenanlage unsere erste Runde. Natürlich nehmen wir wieder für 50 Cent die Broschüre über die Terrassenanlage mit, damit wir uns anhand der Karte orientieren können und die einzelnen Pools auch finden. Für später ist es auch eine gute Erinnerung, wenn man die vielen Fotos auswerten muss. Die gesamte Anlage hier nennt man die Mammoth Hot Springs und es ist eine Wunderwelt von aktiven und versiegten heißen Quellen. Hier in diesem Areal herrscht der Travertin-Sinter vor, im übrigen Park ist vorwiegend Geiserit-Sinter anzutreffen. Die große Terrassenlandschaft muss man grob in die drei Hauptquellen und Terrassen einteilen. Die Jupiter Terrasse ist bereits vollkommen versiegt und schon blass und grau in den Farben. Vor wenigen Jahren fing auch die Minerva Terrasse an, teilweise zu versiegen und hat nur noch in Teilbereichen ihre Schönheit bewahrt. Ausnahmsweise ist hieran nicht der Mensch schuld, sondern die sich andauernd verändernden geologischen Gegebenheiten. Hoffnung für die nächsten Generationen von Besuchern macht die New Highland Terrasse, die jetzt anfängt zu wachsen und in vielen Jahren bestimmt einmal die Schönheit der versiegten Quellen ersetzen wird. Zum Trost für alle Fans der Terrassen erstrahlt aber die Canary Spring noch in voller Farbenpracht. Und wenn man auch noch bereit ist, am frühen Morgen hier aufzutauchen, wird man zusätzlich mit stimmungsvollen Nebelschwaden in der noch kalten Morgenluft über den heißen Quellen belohnt. Die Canary Spring ist wirklich das Schmuckstück hier in diesem Areal und ihr widmen wir auch die meiste Zeit. Aus einer großen Quelle in der Mitte eines Teiches, aus dem die Nebelschwaden aufsteigen, fließt heißes Wasser an die Ränder und bildet hier durch den hohen Kalkgehalt zart umkrustete Terrassen, die pastellfarben in der milden Morgensonne schimmern. Für die Farbgebung sind winzige Algen und Bakterien verantwortlich. Hell und leicht gelb schimmern heiße Wasserregionen, orange und bräunlich sind sie weiter entfernt von den hohen Temperaturen. Und mitten in diesen zarten Gebilden stehen abgestorbene Baumstümpfe und Reste von anderen Pflanzen, die von den Kalkterrassen im Laufe der Zeit umwachsen wurden. Die ganze Pracht kann man kaum in Worte fassen, schaut Euch einfach die Bilder an oder besser, seht es Euch selbst an. Und der große Tipp: Bringt viel Zeit mit, es lohnt sich.
Um 9.50 Uhr sind wir fertig und stellen fest, dass es schon wieder gewaltig warm ist. Wir starten unser Auto und fahren in Richtung Norris. Unterwegs gibt es natürlich auch weiteres Sehenswertes wie die Orange Spring Mound und die Angel Spring. Das sind gewaltig blubbernde Quellen, die direkt an der Straße die Besucher mit lautem Getöse anlocken. Wenige Kilometer weiter halten wir auch am Roaring Mountain, dem brüllenden Berg. Er liegt noch voll im Schatten, aber ich mache trotzdem einige Videoaufnahmen von denen ich zuerst denke, dass sich dies kaum lohnt. Erst zu Hause sehe ich auf den Aufnahmen, dass sich in dem Schatten der Bergflanke die weißen Dampffahnen der vielen heißen Fumarolen sehr gut und fast gespenstisch abheben. Diese wenigen und kurzen Aufnahmen sehe ich mir immer wieder gerne an. Da diese Fumarolen ununterbrochen zischen und röhrende Geräusche machen, geben sie dem Berghang seinen Namen.
Es ist mittlerweile 11 Uhr geworden und wir sind in Norris angekommen. Müßig zu schreiben, dass wir nur weit entfernt einen Parkplatz bekommen, aber wir haben einen. Andere drehen bereits ihre zweite Runde weil sie hofften, näher an das Geysirbecken heranfahren zu können. Vor den Restrooms hat sich auch eine Schlange gebildet, sogar bei den Männern. Aber was muss das muss und so sind wir erst um 11.25 Uhr mit der obligatorischen Broschüre, die man hier wirklich dringend braucht, hinter der Rangerstation am Museum. Wir entscheiden uns zuerst für das kleinere Porcelain Becken, weil es für unser erstes Geysir Becken überhaupt übersichtlicher erscheint, und wenden uns nach rechts. Bereit von hier hört man das auf- und abschwellende Fauchen und Röhren der Black Growler Steam Vent und hinter den Bäumen steigt eine weiße Dampfsäule in den blauen Himmel empor. Wir widerstehen aber der großen Versuchung, sie direkt anzusteuern und wenden uns zuerst dem Rundweg zum Congress Pool zu. Es ist an dieser Stelle einfach nicht möglich, jeden Geyser, jeden Pool, jede Fumarole oder jede Quelle im Einzelnen zu beschreiben. Hier in Norris gibt es 15 sehenswerte Geysire, 10 schöne Quellen und unzählige Pools. Und auch nur die Namen aufzuzählen wird auch bald langweilig für den Leser. Deshalb beschränken wir uns hier auf die absolut sehens- bzw. beschreibenswerten Highlights und fügen lieber ein paar mehr Fotos in die Bilderseite ein.
Durch das Porcelain Basin führt überwiegend ein Holzbohlenweg, den man auf gar keinen Fall verlassen darf. Die obere Kruste ist stellenweise so dünn, dass ein Mensch einbrechen würde und im heißen Untergrund schweren Schaden nehmen würde. Entsprechende Warntafeln stehen überall hier im Becken. Schwere Bisons laufen zwar auch hier durch um sich an den heißen Quellen zu wärmen, besonders gern im Winter, wenn keine Touristen da sind. Die Tiere scheinen aber einen 7. Sinn für  die gefährlichen Stellen zu haben. Auf einer Plattform im Bohlenweg haben wir ausreichend Platz und einen sehr schönen Blick auf die Black Growler Steam Vent und den Ledge Geyser und sind in unsere Aufnahmen vertieft. Anja schiebt ihre Schirmmütze wie ein bekannter Tennisspieler seitlich nach hinten, um besser durch den Sucher schauen zu können. Tausend mal ging das bisher gut, nur diesmal hatte eine heimtückische Windböe etwas dagegen. Sie trat urplötzlich auf und wehte ihr die schöne und sogar beschriftete Kappe vom Kopf und ließ sie zwei Meter neben dem Bohlenweg in das Geyserbecken fallen. Wir schauten beide verdutzt und Anja war sogar entsetzt. An ein Holen der Kappe war nicht zu denken, viel zu gefährlich. Sie liegt auch zu weit entfernt und wir haben nichts, um sie irgendwie angeln zu können. Der Schock dauert gut fünf Minuten und wir verlassen diesen Ort auch sehr unwillig, aber was sollen wir machen? Ich knipse mit der Videokamera wenigstens noch ein Abschiedsfoto von der Kappe, bevor wir weitergehen.
Gegen 12.30 Uhr haben wir das Porcelain Basin verlassen und gehen vor dem Museum nach rechts auf den Waldweg zum Back Basin. Hier stehen neben dem festen Weg viele Bäume und es ist schön schattig. Darüber sind wir froh, denn die Sonne brennt erneut unerbittlich vom Himmel herab. Idyllisch im Wald liegend finden wir den Minute Geyser, den Fearless Geyser und die Palpitator Spring. Als wir aus dem Waldstück heraustreten, sehen wir die riesige Ausdehnung des Back Basin vor uns. Das schaffen wir bei der Hitze nicht mehr, zumal Anja keine Kappe mehr hat und sie der Sonne ungeschützt ausgesetzt ist. Außerdem ist der Bohlenweg soweit man sehen kann mit Menschen übersät. Also gehen wir am Corporal Geyser nach links und kürzen die Runde ab. Aber wenigstens den berühmtesten Geyser des gesamten Beckens wollen wir noch sehen, den Steamboat Geyser. Er hat mit über 90 Metern die höchste Fontaine der Welt, die zeigt er aber nur unregelmäßig im Abstand von Jahren. Immerhin bringt er hin und wieder drei bis zwölf Meter hohe Ausbrüche zustande. Es ist natürlich auch hier sehr viel los und wir machen nur ein paar Aufnahmen. Wir kommen morgen auf dem Weg zum Old Faithful sowieso hier vorbei und dann können wir das Back Basin am frühen Morgen ausgiebig für uns entdecken.
So sind wir um 13.30 Uhr wieder am Museum und ich sehen eine junge Parkrangerin am Eingang stehen. Kurz entschlossen gehe ich zu ihr hin und erzähle ihr von unserem Missgeschick mit Anjas Kappe. Sie fragt nach der Farbe und ich sage ihr, dass sie einen roten Rand und eine Beschriftung hat. Sie lächelt und bittet uns, einen Moment zu warten. Sie geht nach hinten in einen Raum und kommt mit Anjas Kappe wieder. Die Freude und das Erstaunen ist auf unserer Seite groß und sie berichtet, dass die Ranger lange Stangen haben, mit denen sie die Kappen aus dem Becken holen können. Wahrscheinlich wäre sonst das gesamte Becken mit den Kappen der Touristen übersät. Wir bedanken uns artig und ich will ihr einen Geldschein geben. Diesen lehnt sie ab und bittet mich, ihn in die Spendenbox für den Park zu stecken was ich auch tue. Wir laufen den langen Rundweg an den unzähligen Fahrzeugen vorbei und finden tatsächlich unser Auto wieder. Wir verstauen unsere Kameras, leeren eine ganze Wasserflasche und machen den Parkplatz frei. Es gibt immer noch Leute, die auf den Platz warten. Eine Stunde später sind wir am voll in der Sonne liegenden Roaring Mountain und kurz danach am Sheepeater Cliff. Diese eigentümliche Basaltformation ist eine ehemalige Kultstätte der Shoshonen Indianer und die schauen wir uns noch an ehe wir wieder zum Hotel zurückfahren.
Hier sind wir um 15 Uhr, aber unser Zimmer ist noch nicht fertig. Da wir aber nicht warten wollen, hängen wir das „nicht stören Schild“ von außen an die Klinke und sperren von innen ab. Wir wechseln wieder unsere Kleidung und ruhen uns ein wenig aus. Wir wollen später noch nach Gardiner fahren, einkaufen und tanken. Kurz nach 16.30 Uhr brechen wir auf und fahren los. Die Landschaft hinter Mammoth Hot Springs ist karg und kahl, kaum höherer Baumbewuchs. Nach einigen Serpentinen bergab kommen wir zu dem berühmten Steintor mit den Inschriften über die Gründung des ersten Nationalparks der Welt. Kurz davor steht eines der bekannten Holzschilder mit der Aufschrift „Yellowstone Nationalpark“. Vor so einem Schild lässt sich jeder Tourist gerne fotografieren, aber vorgestern in West Yellowstone stand die Sonne ungünstig und hier ist nur Wüste der Hintergrund im Foto. Also verzichten wir auf die Aufnahmen. Wir durchfahren Gardiner und entdecken einen Supermarkt. Wir kaufen ein weiteres 24er Pack lebenswichtiges Wasser, etwas frisches Obst und ein Roastbeef Sandwich. Danach tanken wir den Edge voll, da wir nicht wissen, ob es am Old Faithful eine Tankstelle gibt. Bisher haben wir im Park noch keine gesehen. Wir fahren zurück und halten noch einmal vor dem Steintor. Von dieser Seite aus sind die Lichtbedingungen für ein schönes Foto viel besser. Auf der Serpentinenstrecke kommt es noch zu einem Verkehrsstau, weil wieder einige Bergziegen in einer Felswand herumturnen und von den Autotouristen fotografiert werden müssen. Um 17.45 Uhr sind wir am Hotel und der nächste Stau ist da. Um das gesamte Hotel herum sind jetzt hunderte (wirklich) Wapiti Hirschkühe mit ihren Jungtieren versammelt. Das ist ein irres Bild. Sie stehen mitten auf der Straße oder liegen in den Grünflächen herum. So viele Tiere auf einmal haben wir noch nicht gesehen und mehrere Parkranger versuchen, das Chaos zu beherrschen und den Verkehr einigermaßen ans Laufen zu bekommen. Ich sehe eine Abkürzung zu unserem Parkplatz am Hinterausgang des Hotels und wir bringen schnell die Einkäufe auf unser Zimmer. Ein Blick durchs Fenster auf die Grünfläche davor zeigt uns, das die Tiere auch diese voll im Griff haben. Ein junges Kitz stupst zwei Meter vor unserem Fenster seiner Mutter immer wieder an deren Euter, um den Milchfluss zu aktivieren. So etwas muss man gesehen haben. Toll.
Gegen 18.15 Uhr brechen wir gut erholt und leicht gestärkt noch zu einer Tiersafari auf. Ich habe die Black Tail Plateau Road auf einer Karte entdeckt und vermute, dass sich dort am Abend kein Tourist mehr aufhält. Eventuell haben wir Glück und sehen einen Bären oder gar Wölfe oder Bisons. Unterwegs wieder ein Stau, diesmal ein kapitaler Wapiti Hirschbulle wiederkäuend im Gras neben der Straße. Bald ist die Black Tail Plateau Road erreicht und wir biegen nach rechts ab. Es ist gespenstig ruhig auf dieser Straße und es ist tatsächlich kein weiteres Fahrzeug zu sehen. Ganz langsam fahren wir weiter und mich beschleicht bald ein komisches Gefühl. Eine Autopanne käme jetzt sehr ungelegen. Aber das Auto ist fast neu, voll betankt und…, egal, wird schon gut gehen. Es zeigt sich aber leider kein Tier weit und breit oder sie gehen alle in Deckung wenn sie uns hören. Auf der Hälfte der Strecke halten wir auf einer mit hohem Gras bewachsenen, aber sonst freien Bergkuppe an und stellen den Motor ab. Die Fenster fahren wir herunter und lauschen in die Natur. Ich habe die kleine Kamera in der Hand und traue nach wenigen Minuten kaum meinen Augen. Kurz unterhalb der Bergkuppe sehe ich ein Tier, das für den ersten Moment wie ein Hund aussieht. Für einen Wolf ist es zu schmal und zu klein. Es muss ein junger Kojote sein, die hier im Park auch vorkommen. Zuerst nehme ich ihn mit der kleinen Kamera auf, die hat aber nur 10fach Zoom. Da der Kojote uns den Gefallen tut, quer hinter dem Auto herzulaufen und hin und wieder stehen zu bleiben, kann ich die große Kamera mit dem 20fach Zoom greifen und noch sehr schöne Aufnahmen von diesem scheuen Tier machen. Der Kojote tut mir sogar den Gefallen, noch einmal kurz stehen zu bleiben. Dann sprintet er plötzlich auf eine Baumgruppe zu und ward nicht mehr gesehen. Der weitere Weg dieser Straße war landschaftlich noch sehr schön, aber weitere Tiere haben wir nicht mehr vor die Linsen bekommen.
Um 20 Uhr sind wir wieder im Hotel und springen noch einmal unter die Dusche. Wir haben ein wenig Hunger, wollen aber nicht ins Restaurant gehen. Neben diesem haben wir gestern die Lounge entdeckt und hier gibt es Kleinigkeiten und Draft Bier. Ich bestelle Hot Buffalo Chicken Wings (sie sind zwar sehr scharf, aber der Büffel fehlte) und helles Bier vom Fass. Wir hatten vorher schon die Steckdosen in der Lounge entdeckt und haben den Computer mitgebracht. Nach den scharfen Flügelchen nehmen wir ihn in Betrieb und schwelgen in den schönen Fotos die wir gemacht haben. Wir erhaschen manchen erstaunten Blick anderer Gäste die fragend schauen, aber Internet gibt es hier wirklich nicht. Gegen 22.20 Uhr ziehen wir uns aufs Zimmer zurück und packen schon einige Sachen in die Koffer. Um 23 Uhr ist dann für heute Schluss.

nächster Tag

 

 

 

 



Klick für große Bilder:


Liberty Cap


Minerva Terrasse


Cleopatra Terrasse


Canary Spring 1

 

 


Canary Spring 2

 

 


Canary Spring 3

 

 


Norris Geyser Basin

 

 


Black Growler Steam Vent

 

 


Ledge Geyser

 

 


Minute Geyser

 

 


Zischende Fumarole

 

 


Algen und Bakterien

 

 


Steamboat Geyser

 

 


Emerald Spring

 

 


Sheepeater Cliff

 

 


Tor in Gardiner

 

 


Wapitis vor dem Hotel

 

 


Junger Kojote