Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Im Westen Kanadas und der USA

vom 14. Juli bis 12. August 2008

Donnerstag 24.07.2008

St. Mary - Missoula

Wir sind ganz im Norden von Montana, nur wenige Kilometer von der kanadischen Grenze entfernt. Heute fahren wir noch einmal durch den Glacier Nationalpark am Lake McDonald vorbei nach West Glacier. Wir hoffen natürlich diesmal auf besseres Wetter mit besserer Sicht.
Der Wecker steht auf 6.30 Uhr. Nachdem ich ihn abgestellt habe, riskiere ich einen Blick hinter die dunklen Vorhänge. Es ist reiner Frust dieses Wetter anzusehen. Die Wolken hängen genau so tief wie gestern. Da wir aber im Nationalpark auf der anderen Seite des Logan Passes noch einige sehenswerte Punkte ansteuern möchten und heute noch 370 Kilometer fahren müssen, sind wir bereits um 8 Uhr im Restaurant. Es ist mehr los als gestern, allerdings auch viel früher am Tag. Wir Frühstücken bis 9 Uhr und packen danach im Zimmer unsere Koffer. Da mein Koffer direkt unter dem Metallgestell des hängenden Fernsehers steht, stoße ich mich beim Aufstehen gewaltig am Hinterkopf. Ich habe wirklich Sterne gesehen und musste mich erst einmal für einige Minuten auf das Bett setzen. In Deutschland wäre diese Konstruktion schön längst verboten worden. Um 9.20 Uhr sind die Koffer im Auto und wir fahren zum Haupthaus. Es ist zwar nicht weit, aber hier haben wir das Auto mit dem gesamten Gepäck in Sichtweite. Wir checken aus und da es hier keine Zusatzleistungen für das Zimmer gibt und wir in der Bar auch alles direkt bezahlt haben, kommen wir diesmal kostenfrei weg. Vor der Tür auf dem Parkplatz steht ein Hot Rod, ein aufgemotzter Oldtimer, der natürlich fotografiert werden muss.
Nur wenige Minuten später sitzen wir im Auto, haben die Pläne für den Tag griffbereit und fahren los. Der eine Kilometer bis zum Kontrollhäuschen ist schnell geschafft und wir sind wieder im Glacier Nationalpark und auf der Going-to-the-Sun Road. Da das Wetter heute ebenfalls keine besseren Ausblicke zulässt als gestern, fahren wir  bis zum Logan Pass durch.
Jetzt um 10 Uhr bekommen wir auch sofort einen Parkplatz, es ist ja noch recht früh. Es regnet leicht. Es ist so ein feiner Nieselregen, der durch den Wind auch noch fast waagerecht geweht wird. Der Schirm nützt fast nichts, und so beeilen wir uns, in das Informationszentrum zu kommen. Hier schauen wir uns ein wenig um. Da wir nicht wirklich viele schöne Bilder haben, kaufen wir eine Foto-DVD mit digitalen Bildern für 9,95 US$ und eine Video-DVD mit einem Film über den Park für 19,95 US$. Die Ausgaben haben sich gelohnt, es sind wirklich schöne Aufnahmen. Leider haben wir dank des Wetters solche Bilder nicht machen können. Aber wir trösten uns damit, die sensationellen Aufnahmen der Schneeziegen gestern gemacht haben zu können. Nach 20 Minuten sind wir fertig und draußen steckt der Pass voll in den Wolken. Kaum 50 Meter Sicht und so fahren wir weiter. Ein Paar hundert Höhenmeter weiter wird die Sicht glücklicherweise wieder normal.
Um 10.40 Uhr sind wir wieder hinter der „Weeping Wall“ und bekommen auf der anderen Straßenseite einen Parkplatz. Hier haben wir eine schöne Sicht auf die Wasserfälle der „Tränenwand“, die Bergkette Garden Wall und den Bird Woman Fall. Wir machen ein paar Aufnahmen, klettern wieder in unser Auto und fahren weiter. Was für ein glücklicher Umstand das ist, zeigt sich schon hinter den nächsten Kurven. Eine Baustelle. Nach uns werden noch zwei Autos durch gewunken und dann dreht der Mann mit dem Slow Schild seine Anzeige auf Stop. Was für ein Glück wir haben, erkennen wir viel später. Es folgt eine kilometerlange Baustelle. Hier wird heftig an der Talseite der Straße gearbeitet, und zwar in kleineren Abschnitten. Wir fahren an der Bergseite eine halbe Stunde durch die Baustelle. Wenn man das auf Hin- und Rückweg hochrechnet, hätten wir mehr als eine Stunde warten müssen, wenn wir uns an der Tränenwand nicht beeilt hätten. Trotzdem verlieren wir viel Zeit wegen einiger Stopps in der Baustelle durch rangierende Lastkraftwagen.
Wenige Kilometer hinter der Baustelle sind wir jetzt am Red Cedar Loop Trail. Es ist zwar schon 11.15 Uhr, aber den wollen wir mitnehmen. Auch ist das Wetter auf dieser Seite des Parks plötzlich besser und die Sonne ist hinter den Wolken hervorgekommen. Auch die Touristen von der Westseite des Parks sind bereits hier und wir bekommen durch Zufall einen Parkplatz. Das Parkareal, zugleich für einen Campingplatz gedacht, ist hoffnungslos überfüllt. Wir schnappen unsere Kameras und überqueren die Going-to-the-Sun Road. Am Beginn des Rundweges gibt es eine Hinweistafel. Nach deren Studium  entscheiden wir uns, den Weg im Uhrzeigersinn zu gehen. Da müssen wir zwar hundert Meter parallel zur Straße laufen, tauchen dann hinter einer Holzbrücke über den Avalanche Creek direkt in den dichten Wald ein. Dieser Wald ist sehr üppig und dicht. Überall von den Bäumen hängen Moose und Flechten lang herunter. Am Boden liegen meterdicke Baumstämme kreuz und quer und über einander herum, auch dick mit Moosen bewachsen. Mitten hindurch führt der Weg über Holzplanken immer tiefer in den Wald. Nach bereits hundert Metern ist es so dunkel, dass die Automatiken der Kameras ordentlich arbeiten und leicht verstärken müssen. Immer wieder gibt es Ausweichzonen mit erklärenden Hinweistafeln. Leider fehlt uns die Zeit, um uns alles durchlesen zu können. Erstaunlicherweise ist es sehr ruhig in diesem Teil des Waldes. Der Verkehrslärm ist weg und nur noch das leise Murmeln des Avalanche Creeks dringt bis zu uns herüber. Es ist uns keiner gefolgt und es kommt uns auch niemand entgegen. Wir genießen für wenige Minuten diese einmalige Stille. Wir nähern uns dem Abfluss des Avalanche Creek aus dem höher gelegenen, gleichnamigen See, der hier eine Schlucht ausgespült hat. Von der hölzernen Brücke hat man eine sehr schöne Sicht auf die ausgewaschenen Töpfe, in denen das schäumende Wasser strudelnd zu Tal strömt. Hier ist es wieder laut. Nicht nur das tobende Wasser, auch die Touristen mit Kinderhorden machen sich bemerkbar. Sie alle gehen wohl den kürzeren Weg direkt vom Parkplatz durch lichten Wald hier her und wieder zurück. Uns soll das recht sein. Kurz nach der Schlucht zweigt ein weiterer Weg zum Avalanche Lake ab, der ausschließlich von Wasserfällen gespeist wird. Weg und See sollen wirklich sehr schön sein, aber ein Blick auf die Uhr verneint unser Vorhaben. Da wir auf dem Weg getrödelt und viele Aufnahmen gemacht haben, sind wir in zeitlicher Not.
Es ist bereits 12.25 Uhr und wir sind immer noch im Glacier Nationalpark und noch nicht am Lake McDonald vorbei. Deshalb streben wir zurück zum Auto und machen den nächsten Besucher des Trails mit unserem Parkplatz glücklich. Die Fahrt am See entlang ist wunderschön. Er liegt auf der Beifahrerseite und blinzelt immer wieder durch die am Ufer stehenden Nadelbäume hindurch. Wie zum Hohn ist jetzt perfektes Wetter. Blauer Himmel durchsetzt mit wenigen weißen Schönwetterwolken. Glücklicherweise wissen wir nicht, wie das Wetter weiter hinten im Park ist. Um 13 Uhr sind wir am Apgar Visitor Center vorbei und aus dem Park heraus. Wir biegen rechts ab und befinden uns nun auf dem US Highway Nr. 2, der außerhalb des Parks verläuft. Den hätten wir auch nehmen können, es sind aber über 80 Kilometer Umweg und er bietet landschaftlich nicht die Highlights des Parks. Nach cirka 10 Kilometern sehen wir ein Schild mit der Aufschrift Cherrys. Ich fahre rechts in einen kleinen Weg hinein und halte vor dem Verkaufsstand. Der ist aber nicht besetzt und ich will gerade weiterfahren, als ich im Rückspiegel eine Person kommen sehe. Anja steigt aus und kauft ihre heiß geliebten Kirschen. So frisch vom Erzeuger schmecken sie auch wirklich am besten. Weiter geht es auf dem Highway durch die wunderschöne Natur von Montana. Ja, so haben wir uns diesen Bundesstaat vorgestellt. Die Straße führt meist durch dicht bewaldete Täler neben einem Fluss. Manchmal sehen wir auch eine parallel zur Straße verlaufende Eisenbahnlinie, leider aber keinen Zug. Vor Columbia Falls biegen wir links auf die Straße 206 ab. Der uns direkt über Creston nach Bigfork bringen soll. Die Berge sind gewichen und wir durchfahren flaches Farmland. Nach 20 Kilometern ein großer Schreck. Detour – Umleitung. Zurück ist es zu weit, also folgen wir der Umleitung und uns wird Angst und Bang. Ganz schmale Straßen, immer wieder müssen wir nach links und nach rechts und keine anderen Fahrzeuge begegnen uns. Meine Ausdrucke der Straßenkarten helfen jetzt auch nicht weiter und so folgen wir todesmutig den hoffentlich richtigen Schildern. So vergehen endlose 20 Minuten Fahrzeit, bis wir auf den nächsten Highway treffen. Die Straßenbauer haben nicht mit Touristen in dieser Gegend gerechnet und sich voll auf die Ortskenntnis der einheimischen Bevölkerung verlassen, jedenfalls fehlt das letzte Schild. Links oder rechts und was ist das für ein Highway? Intuitiv biege ich links ab, da die Umleitung mit einer Rechtsabbiegung begann. Nach cirka einem Kilometer dann ein Hinweisschild auf den Highway 35. Hurra, wir sind richtig und nach weiteren zwei Kilometern ist dann links die Sperrung der Straße 206 zu sehen. Hier hätten wir herauskommen sollen. Der Highway verläuft nun in einigen Biegungen immer weiter südlich bis zur Ortschaft Bigfork.
Mittlerweile ist es 14 Uhr und es wird Zeit, eine Kleinigkeit zu sich zu nehmen. Wir halten fieberhaft nach einem Schnellimbiss Ausschau, sehen aber zunächst die üblichen Verdächtigen nur auf der gegenüber liegenden Straßenseite. Kurz vor Ende der Ortschaft, der See ist bereits zu sehen, entdecken wir auf unserer Seite hinter einer Ampel einen Subway. Ich setze den Blinker, wir fahren auf den Parkplatz und steigen aus. Wahnsinn, im klimatisierten Auto hatten wir die Hitze hier draußen nicht bemerkt. Es ist richtig warm und die Sonne brennt gnadenlos vom Himmel herab. Anja entdeckt neben dem Subway eine kleine Pizzeria, die auch Sitzplätze bietet. Wir sehen uns an und entscheiden uns spontan für eine leckere Pizza. Nach Betreten des Ladens sind wir erst einmal von der in den USA üblichen, sehr üppigen Speisekarte erschlagen. Zwei mal fragt uns die junge Lady nach unseren Wünschen. Es ist aber auch sehr schwer bei dieser Vielfalt. Es gibt Slices, große Stücke, und wir entscheiden uns endlich für die Käsepizza für Anja und ich nehme ein großes Stück Mountain Pizza. Dazu nehmen wir Zitronenlimonade und Cola. Das Stück Mountain Pizza war so lecker, das ich, ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen, noch ein weiteres Stück geholt habe. Leider haben wir den Kassenzettel mit dem Namen des Ladens nicht aufgehoben, was wir eigentlich immer tun, um die Reise nachvollziehen zu können. Sonst würden wir ihn hier weiterempfehlen.
Gut gestärkt fahren wir um 14.30 Uhr weiter. Ich habe die Straße am östlichen Ufer des Flathead Lake entlang wegen ihres Verlaufes gewählt. Sie verläuft immer am Ufer des Sees entlang, ist landschaftlich schön und zudem auch etwas kürzer. Hinter dem See erreichen wir die Ortschaft Polson und hier biegen wir um 15.05 Uhr links ab auf den Highway 93. Jetzt fahren wir zum ersten mal eine dieser typischen, amerikanischen Straßen. Zig Kilometer geht es geradeaus ohne jede Kurve und ohne Hügel. So durchfahren wir gegen 15.30 Uhr den Ort Ronan, ohne ihn überhaupt wahrzunehmen. Hinter diesem Ort müssen wir wachsam sein. An der Abzweigung Kicking Horse zur Landstraße 212 biegen wir rechts ab und fahren durch Charlo bis zur Ortschaft Moiese. Ein Ort ist von der Straße nicht zu sehen, aber es gibt ein großes Hinweisschild zum Visitor Center der National Bison Range, unserem Ziel. Wir biegen um 16 Uhr links ab und sind wenige hundert Meter später auf dem fast leeren Parkplatz. Nur ein weiteres Fahrzeug steht hier. Wir steigen aus und laufen die fünfzig Meter bergan zum Visitor Center. Hier zeigen wir unseren Jahrespass für die Nationalparks vor und wir dürfen kostenlos den Park besuchen. Die National Bison Range ist zwar kein Nationalpark, gehört aber zum „US National Wildlife Refuge System“ und wird vom „US Fish and Wildlife Service“ verwaltet. Der Park wurde bereits 1908 gegründet und ist stolze 7504 Hektar groß. Eine freundliche Dame fragt uns nach unserer Nationalität und gibt uns daraufhin sogar eine deutschsprachige Broschüre über den Park, die auf rosa Papier gedruckt ist. Ansonsten gibt es außer einer kleinen Ausstellung nicht viel spektakuläres in dem wohltuend klimatisierten Gebäude zu sehen. Nach 10 Minuten sind wir wieder im Auto und fahren los. Die „Red Sleep“ Bergstraße ist 30 Kilometer lang und direkt hinter dem Einfahrgatter nur noch mit Schotter belegt. Sie beschreibt zuerst eine lange Rechtskurve und führt dann stetig bergan durch steppenartiges Gelände. Auf den ersten 6 Kilometern sehen wir außer der Landschaft nichts. Aber dann stoppe ich das Auto abrupt. Auf der rechten Seite am Hang bewegt sich etwas langsam durch die einzeln stehenden Büsche. Ich fingere nach meiner Videokamera und schaue bei zwanzigfachem Zoom in den Sucher. Es ist ein mächtiger Schwarzbär, der da am Hang entlang schleicht. Leider viel zu weit weg für Fotos und verwacklungsfreie Videoaufnahmen. Aber es fängt ja gut hier an und unser Jagdfieber ist erwacht. Leicht zerknirscht steigen wir wieder ein und fahren weiter. Hinter den nächsten Kurven werden wir aber wieder versöhnt. Direkt hinter einem Zaun hält sich eine Herde Bisons auf. Einige der Tiere wandern grasend herum, andere liegen faul in der Sonne und wunderschön fotogen direkt hinter dem Zaun im Gras. Die Verschlüsse der Kameras qualmen, so viele Aufnahmen machen wir. In den Zeiten von Speicherchips und Videoband macht das auch nichts. Wir schauen uns abends im Hotel die Aufnahmen an, überspielen die gelungenen auf das Notebook und der Speicherchip ist wieder frei. Es ist einmalig, diese riesigen Tiere in nur 10 Metern Entfernung beobachten zu können. Sie leben hier zwar hinter einem Zaun, aber dennoch in einem riesigen Areal, wo sie kilometerweite Wanderungen unternehmen können. Wir beobachten die Bisons noch eine Weile und fahren dann weiter. Die Straße steigt jetzt steil und serpentinenartig an und nähert sich der Stelle, an der sich vorhin noch der Schwarzbär befunden hatte. Von Meister Petz ist aber weit und breit nichts mehr zu sehen. Kurz vor dem fast 1500 Meter hohen Pass gibt es im Wald eine Parkmöglichkeit. Wir halten kurz und können vom Auto aus eine Hirschkuh beobachten. Sie scheint nervös zu sein, vielleicht wittert sie den Bär. Deshalb sind wir auch lieber vorsichtig und bleiben im Fahrzeug. Dann hoppelt sie tiefer in den Wald hinein und wir fahren weiter. Von der Passhöhe führt die Straße jetzt immer langsam bergab und Tiere wie Wapitis oder Bisons sind nur in weiter Ferne zu beobachten. Wir sind fast wieder im Tal, da streicht plötzlich ein riesiger, dunkelbrauner Greifvogel sehr niedrig von links nach rechts über die Straße. Es ist ein „Golden Eagle“, ein Steinadler und ein mächtiges Tier. Wir haben schon vielfach in Kanada und Alaska „Bald Eagles“ – Weißkopfadler gesehen, aber dieser Kamerad war eine gewaltige Nummer größer. Schade, unvorbereitet ist so ein Tier, das in wenigen Sekunden an einem vorbei streicht, nicht zu fotografieren oder gar zu filmen. Sehr, sehr schade. Wir fahren weiter und sind bald wieder im Tal. Hier führt die Straße meist am Grenzzaun des Parks entlang. Wir fahren jetzt etwas langsamer, denn auf der linken, mit Weizengras bedeckten Wiese befinden sich Gabelhornantilopen. Ein Muttertier steht sehr nahe an der Straße und blökt nach ihrem Kitz. Das befindet sich auf der rechten Seite der Straße hinter dem Absperrzaun. Es muss durch irgendeine kleine Lücke geschlüpft sein und findet jetzt nicht mehr zu seiner Mutter zurück. Auch das kleine Kitz blökt herzerweichend nach seiner Mutter. Deshalb bleiben wir stehen und beobachten die Szene eine Weile, können aber nicht helfen. Dann fahren wir ganz vorsichtig weiter, sollte das Muttertier auf die blöde Idee kommen, ausgerechnet jetzt vor uns die Straße überqueren zu wollen. Auf dem Gelände gibt es noch weitere Antilopen zu sehen, aber meist fast hundert Meter von der Straße entfernt. Da die Zeit unerbittlich voran schreitet, fahren wir jetzt zügig zum Ausgang. Wir besuchen im Visitor Center noch die Restrooms, machen Aufnahmen von einem riesigen Stapel abgeworfener Wapiti Hirschgeweihe und fahren zurück auf die Landstraße 212.
Es ist bereits 17.50 Uhr und die Sonne steht schon recht tief. Wir fahren wenige Kilometer auf der Landstraße 212 und biegen dann links auf die Straße 200 ab. Wieder nach einigen Kilometern vereinigt sich die 200 mit Highway 93, von dem wir bei Kicking Horse abgebogen sind. Wir passieren die Orte Arlee, Schley und Nagos, bevor wir die Interstate 90 erreichen. Wir fahren auf unsere erste amerikanische Autobahn. Zwei breite Fahrspuren pro Seite mit einem sehr breiten Mittelstreifen, der V-förmig vertieft ist und über keine Leitplanke verfügt. Anja fährt nach der Bison Range und ich krame nach den Stadtplänen für Missoula. Wir müssen Abfahrt Nr. 104 ausfahren und dann rechts auf die Orange Street. Hier bis zur großen Kreuzung mit dem East Broadway und links abbiegen. Vier Querstraßen weiter biegen wir rechts auf die Pattee Street ab und sind wieder zwei Querstraßen weiter am Holiday Inn Downtown at the Park, unserem heutigen Hotel für eine Nacht. Die überdachte Vorfahrt steht voller Fahrzeuge und Anja parkt ein Stück weiter auf dem Parkplatz. Der ist sehr voll, das kann aber an der Lage direkt am Clark Fork River und dem Park liegen.
Um 18.50 Uhr stehen wir an der Rezeption und bekommen die Schlüsselkarten für Raum 407. Es liegt nur zwei Stockwerke höher, da die untere Ebene mit Restaurant und Konferenzräumen und der Lobbybereich mit großem Atrium und Ladenstraße mitzählen. Anja besorgt eine der Messingkarren zum Koffertransport und ich hole den geparkten Wagen vor den Eingang. Da dieser an einer Rampe liegt, möchte ich mir die Plackerei des Berganschiebens der Karre bei der immer noch großen Hitze nicht antun. Anja wartet mit der Karre im klimatisierten Foyer und ich springe ins Auto. Leider steht schon ein anderes Auto in unserer Parklücke und die Fahrerin steigt aus. Was für ein Pech und ich suche eine neue Lücke. Nach mehreren Runden verfluche ich meine Entscheidung, das Auto vor den Eingang geholt zu haben, finde dann aber doch eine frei werdende Lücke. Anja schaut etwas komisch, aber ich konnte auch nichts dafür. Der Aufzug ist sehr langsam, aber dennoch ist unser Gepäck bald im Zimmer. Die Klimaanlage funktioniert und das Wireless LAN ist ein Gedicht. So eine schnelle Verbindung hatten wir bisher nur in Hotels mit einem Kabel. Da wir noch zum Shopping in den Ort wollen, machen wir uns kurz frisch und stiefeln los. Aber 200 Meter hinter dem Hotel stört uns die gewaltige Hitze und der lange Tag mit einigen Besichtigungen und vielen Kilometern Landstraße machen uns für große Spaziergänge unlustig. Wir kehren zum Hotel zurück und betreten das Restaurant. Es ist ein Tisch unter einem Sonnenschirm auf der Terrasse frei. Hier werden wir auf eigenen Wunsch platziert und genießen die schöne Aussicht auf den Park, die Brücke über den Fluss und die vielen Spaziergänger. Rund um die Bäume tummeln sich in respektvollem Abstand zu den Menschen viele Eichhörnchen. Zuerst bestellen wir ein „Lokal Ale“ und für Anja Nudeln mit Lachs und für mich ein T-Bone Steak. Es dauert fast eine halbe Stunde, bis wir unser Essen bekommen. Anjas Gericht ist gut, aber mein Steak ist fast kalt und das Gemüse schmeckt nach nichts. Unser englisch ist nicht so perfekt, dass ich mich auf eine Diskussion mit dem Kellner einlassen kann, und so drücke ich eben wenigstens einige Bissen Fleisch hinunter. Den Rest lasse ich liegen. Da bekommt der Gast am Nachbartisch das gleiche Gericht wie ich. Ich bin gespannt und beobachte ihn. Er macht zwei Bissen, einen vom Fleisch und einen vom Gemüse und ruft sofort den Kellner. Der arme Kerl, er hat ja nicht gekocht, bekommt die ganze Schimpfkanonade des Gastes ab. Der lässt sein Essen zurück gehen und ist auch nicht mit einer Ersatzportion zufrieden. Verstanden habe ich jedes Wort, aber selbst so ein Streitgespräch führen??? Danach kommt der Kellner zum Abräumen an unseren Tisch. Er sieht meinen angegessenen Teller und fragt wohl aus Gewohnheit, ob es geschmeckt hat. Ein peinliches Versehen von ihm, denn jetzt muss er sich die eben vom Nachbartisch aufgeschnappten Ausdrücke von mir anhören. Da ich dummerweise mehr als der Nachbar gegessen habe, ist ein großer Eisbecher der einzige Trost, den er mir geben kann. Mit besseren Sprachkenntnissen wären wir beim Manager vorstellig geworden.
Um 21 Uhr sind wir wieder im Zimmer und stellen fest, dass wir keine Waschlappen haben. Da ich mich schon meiner durchschwitzten Sachen entledigt habe, geht Anja grummelnd zur Rezeption. Es dauert fast 10 Minuten, aber wir bekommen die Waschlappen zum Zimmer gebracht. Jetzt können wir duschen und danach bei einer Dose kalten, kanadischen Biers, die wir bei der Ankunft schon in den Eisbehälter gelegt haben, noch einige E-Mails versenden. Um 22.50 Uhr ist für heute Schluss.

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