Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Im Westen Kanadas und der USA

vom 14. Juli bis 12. August 2008

Mittwoch 23.07.2008

Glacier Nationalpark

Über den gestrigen Tag gab es viel zu berichten, da wir auch viel Interessantes erlebt haben. Dafür werde ich mich heute etwas knapper fassen. Aber alles der Reihe nach. Um 5.45 Uhr bin ich das erste Mal wach. Ich schaue zum Fenster hinaus und bin sehr enttäuscht. Es regnet und die Wolken hängen fast bis auf unser Niveau herunter. Die Sicht auf das schöne Bergpanorama ist gleich Null. Bei der Planung des Aufenthaltes hier habe ich in einem Reiseführer gelesen, dass man früh starten muss, um alle Schönheiten des Parks genießen zu können. Viel Verkehr und besetzte Parkplätze schon ab 10 Uhr sind der Tribut, den man sonst zahlen muss. Aber wenn man durch die tief hängenden Wolken nichts sieht, braucht man auch nicht früh loszufahren. Ich lege mich wieder ins Bett und stelle den Wecker ab. Bei diesen Bedingungen lohnt die Fahrt in den Park nicht. Anja meldet sich aus ihrer Koje und dreht sich nach meiner Information wieder um.
Gegen 9 Uhr stehen wir auf und machen uns ausgehfertig. Als wir um 9.30 Uhr vor das Zimmer treten, hat der Regen aufgehört und die Wolken sind ein ganzes Stück höher gezogen. Die Berge sieht man aber immer noch nicht. Deshalb trödeln wir noch bis 10.10 Uhr im Zimmer herum. Dann setzen wir uns in Bewegung und fahren quer über die Straße zur Tankstelle. Hier tanken wir für 54,76 US$ das Auto voll. Jetzt haben wir etwas zum Rechnen. Hier in USA wird in Gallonen getankt und abgerechnet. Wir tanken 11,9 Gallonen = 45,01 Liter zu circa 4,40 US$ / Galone. Umgerechnet sind das für die 442 Kilometer von Banff bis hierher nur wenig über 10 Liter pro 100 Kilometer und mit umgerechnet 35 Euro auch weit unter einem Euro pro Liter. Das ist noch akzeptabel. Aber wir dürfen trotzdem nicht an Alaska 2004 denken. Da haben wir im teuersten Staat der USA nur 2 US$ pro Gallone bezahlt. So gewaltig ist der Spritpreis auch hier im sonst so verwöhnten Land der unbegrenzten Möglichkeiten gestiegen.
Um 10.20 Uhr sind wir im Restaurant und Frühstücken. Danach bleiben wir noch sitzen und halten Kriegsrat. Was tun? Hier unten in St. Mary gibt es außer den Hotels nichts zu sehen oder zu unternehmen. Für weite Wanderungen sind wir nicht ausgerüstet. Daher beschließen wir, auf gut Glück in den Park hinein zu fahren und zu sehen, wie weit wir kommen. Gesagt, getan. Wir klettern ins Auto und fahren kurz vor das Zimmer. Hier bewaffnen wir uns mit den Kameras und den Schirmen und Mützen und los geht es.
Kurz vor dem Kontrollhäuschen lasse ich die Scheibe herunter und reiche den Parkpass samt Führerschein hinaus. Den Pass musste ich gestern Abend auf der Rückseite unterschreiben und die junge Lady kontrolliert jetzt meine Unterschrift auf dem Pass mit der auf dem Führerschein. Der Pass könnte ja auch von einer anderen Person weitergegeben worden sein. So schlau sind die hier eben auch. Ich fahre die Scheibe wieder hoch und wir starten in den Park. Wir fahren jetzt auf einer der spektakulärsten und technisch aufwändigsten Straßen der Welt. So will es uns die Touristeninformation weismachen und in ihrem Baujahr 1932 war dies bestimmt auch so. Tatsache ist in jedem Fall, dass die Going-to-the-Sun Road, so heißt sie, zu den herrlichsten Hochgebirgsstraßen der Rocky Mountains zählt. Zumindest ist sie technisch sehr aufwändig gebaut worden. Sie windet sich von St. Mary in 700 Höhenmetern hinauf zum Logan Pass auf über 2000 Meter und dann wieder 1000 Höhenmeter hinunter zum Lake McDonald. Und das durch Tunnels und Serpentinen meist ganz eng am Abgrund vorbei.
Zuerst verläuft die Straße ziemlich flach am Ufer des St. Mary Lake entlang. Nach wenigen Kilometern steigt sie dann langsam an und gewinnt an Höhe. Hinter einer Kurve zeigt ein Schild einen ersten Aussichtspunkt. Es ist der Wild Goose Island Lookout und es gibt sogar einen Parkplatz. Wir halten hier um 11 Uhr an, steigen aus und überqueren die Straße. Wir klettern nur wenige Meter hinab zu einer Lichtung am steilen Abgrund und können eine Insel im St. Mary Lake filmen. Wenn jetzt noch die Sonne scheinen würde, hätten wir schon die ersten schönen Aufnahmen. Aber so sind wir froh, dass es wenigstens nicht regnet. Also schnell wieder ins warme Auto und weiter. Wir halten noch an mehreren unbenannten Orten und warten hier auf die Sonne. Aber der Stern will sich einfach noch nicht zeigen. Dafür sehen wir eine Hirschkuh im Unterholz und andere Tiere. Aber weder das Filmen noch das Fotografieren lohnen sich. Die Berggipfel sind grau verhüllt.
Um 12.35 Uhr sind wir am Logan Pass und bekommen tatsächlich einen Parkplatz. Für diesen Glücksfall, der Platz ist knackvoll,  werden wir aber sofort vom Wettergott bestraft. Es fängt an zu regnen. Nicht stark, aber es ist ein feiner Nieselregen, der von dem unangenehmen Wind auch noch quer über die Landschaft geblasen wird. Wir ziehen die Baseball Mützen auf und laufen etwas gebückt zum Visitor Center. Hier gibt es Restrooms und wir können uns im Windschatten etwas umsehen. Hier oben gibt es viele Parkranger, die den Touristen bereitwillig Auskunft geben. Andere Ranger haben kleinere Gruppen um sich versammelt und erklären Flora und Fauna des Parks. In einer kurzen Regenpause setzen wir uns oberhalb des Info-Centers auf eine Bank und beobachten kleine Erdhörnchen, wie sie auf der Wiese hin- und herlaufen und versuchen, den Touristen am Weg etwas Essbares zu entlocken. Auch an unsere Bank kommen sie ganz nah heran, sind aber bald wieder verschwunden, da wir leider nichts geben können. Ich wandere noch zum Schild mit der Aufschrift Logan Pass und nehme es auf. Von hier sieht man wieder die Straße und sie führt ab hier steil in Serpentinen ins Tal hinab. Ich begebe mich in Richtung Parkplatz und treffe hier Anja. Hinter unserem Fahrzeug steht einer dieser roten Oldtimer Busse, mit denen die Touristen durch den Park gefahren werden. Große Reisebusse und größere Wohnmobile dürfen diese Panoramastraße nicht befahren. Sie sind alle rot und haben eine Holzkonstruktion für das Stoffschiebedach. An dem roten Bus steht ein Ehepaar und die Fahrerin erklärt einiges über ihr Fahrzeug. Wir bekommen mit, das der Bus noch die Originalkarosserie hat, aber erst vor kurzem einen neuen Motor spendiert bekam. Wir nehmen den Bus auf und laufen die wenigen Meter zu unserem Fahrzeug.
Froh, wieder im warmen Auto zu sitzen, fahren wir um 13.05 Uhr weiter. Die letzte halbe Stunde hat fast gereicht, uns hier in 2000 Metern Höhe erfrieren zu lassen. Aber wer hat auf einer Sommerreise mit Flugzeug im Juli und August schon Wintersachen wie Handschuhe oder Schal dabei? Es nieselt weiter und wir verlassen den Parkplatz und den Logan Pass. Keinen Kilometer hinter dem Pass in einer lang gezogenen Kurve gibt es plötzlich einen Verkehrsstau und wir brauchen nach dem Grund nicht lange zu suchen. Eine kleine Herde Mountain Goats, Schneeziegen, halten sich direkt an der Straße auf. Am rechten Fahrbahnrand ist auf dem unbefestigten Bankett zwar wenig Platz für unser Auto, aber die Ziegen sind viel wichtiger. Ich parke nicht gerade verkehrsgerecht und springe mit Kamera aus dem Wagen. Auch Anja hat die Kamera geschnappt und ist hinter mir. Wir filmen und fotografieren was die Apparate hergeben. Andauernd läuft mir jemand ins Bild und die Menschen sind außer Rand und Band. Man muss aber zugeben, dass Schneeziegen sehr selten zu sehen sind und eine kleine Herde sogar mit Zicklein ist ein ganz seltener Glücksfall. Da muss man schon mal nachgeben. Ich weis auch nicht, wem ich mit meinem Körper die Aufnahme verdorben habe. Gut 10 Minuten hält das Spektakel an und wir haben genug schöne Aufnahmen von diesen herrlichen Tieren mit den schwarzen Knopfaugen, dem weißen Fell und den spitzen Hörnern.
Danach fahren wir weiter die Going-to-the-Sun Road bergab. Die Wolken hängen immer noch tief und es ist alles grau in grau. Die meisten der Haltepunkte an sehenswerten Wasserfällen oder tollen Ausblicken sind voll oder es ist das Parken nur in Gegenrichtung möglich. Wir kommen zur „Weeping Wall“, der Tränenwand und fahren durch die Wasserwand. Hier stürzen an der bergabwärts rechten Straßenseite, also unserer, auf einer Strecke von ca. 100 Metern viele Wasserfälle herab und bilden einen Wasserschleier. Da es regnet, sind die kleinen Fälle gut mit Wasser angefüllt. Wir ergattern eine Parkbucht und sehen uns das Schauspiel an. Vor allem die Radfahrer haben teilweise ihre Freude, vor allem bei Gegenverkehr. Kurz vor 14 Uhr haben wir das Wetter satt. Immer wieder die Linsen der Kameras putzen macht keinen Spaß und wir entscheiden uns für den Rückweg. Erstaunlicherweise ist hinter dem Logan Pass jetzt schöneres Wetter. Es ist zwar nicht wolkenlos, aber zumindest kann man einzelne Berggipfel kurzzeitig frei sehen. Deshalb machen wir an schönen Blickpunkten noch kurze Aufnahmestopps, bevor wir wieder im Hotel ankommen.
Um kurz nach 15 Uhr schnappen wir uns die Wäsche und laufen hinüber zum Haupthaus des Hotels. Hier haben wir einen Waschsalon entdeckt und hier ist absolut nichts los. Eine Frau wäscht in einer Maschine aber alle anderen sind frei. Zuerst studieren wir die natürlich englische Anleitung und wechseln danach erst einmal in einem Automat Dollarnoten in Coins – Münzen. Die Waschmaschine möchte 3 US$ für den Waschgang haben und das sind 12 Stück Quarter, also 12 Vierteldollar Münzen. Die stellt man hinter- und nebeneinander in eine Schublade mit Schlitzen und drückt diese hinein. Da unsere Wäsche mit unserem flüssigen Waschpulver schon in der Trommel ist, rumpelt sie auch gleich los. Wir haben keine Ahnung, wie lang der Waschgang sein wird, aber wir geben der profihaft aussehenden Maschine erst einmal 45 Minuten Zeit für die Verrichtung ihrer Arbeit. Um die Ecke ist ein kleines Selbstbedienungsrestaurant und hier gibt es neben den obligatorischen Burgern auch Kaffee und Eis. Genau das wird uns jetzt die Wartezeit versüßen. Ich bestelle einen großen Milchkaffee, Anja nimmt einen kleinen und dazu gibt es einen Becher Blaubeereis. Nur ein Wort dazu: Lecker!
Um 16.10 Uhr sind wir wieder in der Laundry und stellen fest, dass die Maschine bereits fertig ist. Das ging wirklich schnell für die so genannte Kochwäsche, unter 45 Minuten hat sie nur gebraucht. Wir entnehmen die Wäsche und orientieren uns zur anderen Seite des Waschsalons. Hier stehen die Trockner mit riesigen Klappen zum Befüllen. Wir nehmen den erstbesten Trockner und werfen unsere Coins und danach die Wäsche hinein. 40 Minuten soll das Programm dauern und wir setzen uns auf herumstehende Stühle. Die Reinigungskräfte des Hotels haben gerade Feierabend und der Zugang zu ihren Umkleideräumen befindet sich hier im Waschsalon. Getrennt nach Männern und Frauen streben sie in die Räume hinter den Türen. Kaum zu glauben, wie viel Personal so ein Hotel beschäftigt. Nach zwei Kontrollen ist unsere Wäsche fertig und wir gehen zurück ins Zimmer. Hier legen wir die Wäsche zusammen und in die Koffer. Bis 18.15 Uhr relaxen wir. Es ist zwar schöneres Wetter als am Morgen, aber jetzt haben wir keine Lust mehr um noch einmal in den Park zu fahren.
Gegen 18.45 Uhr merken wir, dass wir außer dem Eis und dem Kaffee noch nichts zu uns genommen haben und verspüren Hunger. Also auf mit Computer in den Snow Goose Grill. Unser  gestriger Platz ist leider gerade besetzt, aber die Bar ist groß genug. Das Passwort ist noch das Gleiche wie gestern und die Verbindung klappt einwandfrei. Wir bestellen Golden Grizzly Ale, ein dunkles Bier und jeder einen Angus Burger mit Fries. Das haben wir uns verdient ist unsere Meinung dazu. Fast 3 Stunden verbringen wir hier in der Bar. Als unsere Plätze von gestern frei werden, setzen wir uns wegen des schönen Blickes und der vorhandenen Steckdose schnell um. Gegen 20.30 Uhr fällt dann das Internet aus. Ich schaue aber weiter im Computer die bisher gemachten Bilder an, was meinen Nachbarn vom Tisch gegenüber veranlasst, nach einer halben Stunde bei mir nachzufragen, ob ich denn Zugang zum Netz habe. Ich erkläre ihm, dass ich nur Bilder schaue und auch kein Internet nutzen kann. Er ist zufrieden und setzt sich wieder hin. Da das mit dem Internet scheinbar nichts mehr wird und das zweite dunkle Bier seine Wirkung zeigt, begeben wir uns um 22 Uhr zu unserem Zimmer. Hier schauen wir noch eine Stunde in die viel zu hoch angebrachte Glotze und halten um 23 Uhr Bettruhe.

nächster Tag

 

 

 

 



Klick für große Bilder:


Parkeingang


Wild Goose Isl. Lookout


Bergpanorama


Oldtimer Parkbus 1

 

 


Logan Pass

 

 


Info-Center, Ranger

 

 


Wanderungen

 

 


Oldtimer Parkbus 2

 

 


Schöne Landschaft

 

 


Tränenwand

 

 


Schnee- oder Bergziegen

 

 


Schneeziege

 

 


Erdhörnchen

 

 


Hotel St. Mary Lodge

 

 


Western Cabin