Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Im Westen Kanadas und der USA

vom 14. Juli bis 12. August 2008

Donnerstag 17.07.2008

Kamloops - Revelstoke

Die heutige Fahrstrecke ist mit 214 Kilometern eine der kürzeren dieser langen Rundfahrt. Das ist gut, denn es gibt einiges was wir uns unterwegs und in Revelstoke ansehen möchten. Trotzdem drehen wir uns nach dem Weckerklingeln noch ein paar Minuten um und dösen weiter. Um 7.50 Uhr stehen wir trotzdem auf und nach den morgendlichen Pflichtübungen im Nassbereich haben wir um 9.20 Uhr die Koffer bereits im Auto. Frühstück im Hotel gibt es nicht, da das Restaurant ja umgebaut wird. Wir betreten die Victoria Street und bemerken, dass hier bereits für das Wochenende ein Stadtfest aufgebaut wird. Auf der Straße stehen schon jede Menge Sperrschilder herum und es wird an Buden gezimmert. An der Ecke 4th Ave und Victoria gibt es eine Art Coffeeshop mit starkem nostalgischen Touch. Es stehen viele altertümliche Kaffeemaschinen und –mühlen in den Regalen und alte Kaffeedosen herum. Wir treten an einen Tresen, an dem wir Cheese-Bagels mit Ham and Eggs bestellen und dazu 2 große Becher Kaffee. Wir suchen uns einen Tisch in der Mitte des Lokals, denn an der Fensterfront werden eben diese erneuert. Zwei starke Männer mit Saugnäpfen wuchten die alten Scheiben aus den Rahmen und heben neue vorsichtig hinein. Da ist es gesünder, etwas weiter weg zu frühstücken. Ich filme nach dem Essen noch den Laden und dann schlurfen wir zu unserem gepackten Auto. Zuerst entferne ich die Parklizenz, die wir am Vortag an der Hotelrezeption bekommen hatten und auf dem Armaturenbrett liegt. Der Tankinhalt ist auch noch nicht besorgniserregend und so starten wir bei wunderschönem Wetter unsere heutige Tagestour.
Es ist bereits 10.10 Uhr als wir vom Parkplatz des Hotels rollen und wieder in Richtung Highway Nr. 1 steuern. Einmal auf dem Highway sind wir auch schon fast aus Kamloops heraus. Nach der Stadt wird die breite Autobahn mit Mittelstreifen bald wieder zu einer fast normalen, gut ausgebauten Landstraße. So fahren wir 1 ½ Stunden durch eine schöne, abwechslungsreiche Landschaft. Hin und wieder können wir einen Blick auf die Ufer des Shuswap Lake werfen, in dessen schönen Buchten tolle Boote ankern.
Um 11.50 Uhr sind wir in Salmon Arm, einem größeren Ort an diesem schönen See und die Nadel der Tankanzeige signalisiert, dass da etwas geschehen muss. Wir verlassen den Highway und fahren auf eine schmale Straße, die parallel zum Highway verläuft, denn nur hier sind Tankstellen und Geschäfte anzutreffen. Der Ford Edge schlürft sich 65 Liter Normalbenzin (Regular) in den Tank und dafür müssen wir 92 Can$ berappen. Da wir günstig getauscht haben, sind das für uns etwa 60 Euro, also knapp weniger als einen Euro pro Liter. Und da wir bis hierher über 533 Kilometer gefahren sind, ist der Verbrauch um die 12 Liter pro 100 Kilometer für so ein Auto plus Gepäck noch akzeptabel. Der Edge hat immerhin eine 3,5 Liter Maschine mit 6 Zylindern, die 195 kW bzw. 265 Pferdestärken entwickeln. Anja hat noch etwas in der Tankstelle entdeckt. Einen Karton mit 12 Flaschen Mineralwasser zu je 0,5 Liter für günstige 3 Can$. Die laden wir hinter die Sitze und die ersten Flaschen müssen bereits dran glauben. Es ist sehr warm und die Klimaanlage im Fahrzeug hinterlässt in Bezug auf den Durst ihre Spuren. Abseits des Highways lenken wir das Auto jetzt durch die Ortschaft Salmon Arm und finden den Weg zu einer Art Uferpromenade. Hier parken wir und setzen uns auf eine Bank am See. Es ist eine wohltuende Stille hier in diesem Park. Im Schilfgürtel des Sees direkt vor der Bank paddelt eine Entenmutter mit ihrer zahlreichen Kinderschar vorbei und weiter entfernt in Richtung Ortschaft tutet eine Lokomotive vor einem Bahnübergang. Wir hätten stundenlang hier in der Sonne sitzen können.
Was soll’s, um 12.30 Uhr müssen wir los. Wir fahren weiter am See entlang und verlassen diesen bei Sicamous. Die Berge rücken jetzt auch schon immer näher an die Straße heran. Knappe 50 Kilometer und 30 Minuten später sind wir auch schon in Craigellachie. Dies ist eisenbahntechnisch gesehen ein historischer Ort in Kanada. Hier wurde am 7. November 1885 um 9:22 Uhr der letzte Nagel von Donald Smith in das Schienenbett der Canadian Pacific Railway eingeschlagen. So bestand eine durchgehende Eisenbahnverbindung von den Ostprovinzen bis an die Westküste Kanadas. Dafür hat man hier in diesem Ort eine Gedenkstätte direkt zwischen der Straße und dem Schienenstrang gebaut. Wir waren bereits 2002 mit dem Auto und 2006 mit dem Zug hier durchgekommen. Aber ich wollte mir diesmal etwas mehr Zeit hier nehmen. Ich filme ausgiebig das Steinmonument, erklimme todesmutig die Caboose, den Begleit- oder Dienstwagen, der hier als Denkmal ausgestellt ist. Die größte Aufmerksamkeit erhält natürlich der berühmte letzte und damit goldene Nagel. Er ist hinter dem hohen Zaun in einer Schwelle gut sichtbar angebracht. Jede Wette, er ist nur mit Goldbronze angemalt und nicht echt, denn dann wäre er schon längst nicht mehr hier zu sehen. Danach besuchen wir den Souvenirshop und gönnen uns ein Eis. Aber ich will noch mehr. Ich will einen Zug. Im Jahr 2002 kam gerade, als ich den goldenen Nagel filmte, einer vorbeigerattert. Da war er so nahe, dass die Aufnahmen nicht besonders aussagekräftig waren. Hinter der Bahnstation mit dem Shop befindet sich eine Plattform mit Geländer. Die hat man etwas erhöht für Filmer hier hingebaut und sie ist leer. Ich hole das Stativ aus dem Auto und besetze die Plattform. Gespannt richte ich die Kamera in die Richtung des zu erwartenden Zuges aus. Sollte der Zug von hinten, also aus Richtung Bahngebäude kommen, so habe ich eben Pech gehabt. Ich habe trotzdem Pech, nämlich großes Pech. Es kommt 1 ½ Stunden gar kein Zug. Meine Mütze ist schweißnass und meine Schnauze randvoll. Ich gebe frustriert auf und ziehe grummelnd in Richtung Auto ab. Anja hat es sich mit einem Buch im Schatten auf einer Bank gemütlich gemacht und bummelt grinsend hinter mir her.
So enttäuscht starte ich das Auto und um 14.50 Uhr rollen wir weiter nach Revelstoke. Es sind nur noch 42 Kilometer und wir haben es nicht eilig. Für das Hotel ist es noch etwas früh und wir lassen uns Zeit. Kurz vor dem Ort und der Brücke über den See müssen wir links abbiegen, aber ein LKW versperrt uns die Sicht auf das Hinweisschild und so fahren wir an der Abzweigung vorbei. Dadurch müssen wir über die Brücke, drehen und wieder zurück. Aber um 15.30 Uhr sind wir dann hoch über dem Ort im Glacier House Resort Hotel, unserem heutigen Tagesziel. Wir bekommen Zimmer 211 und fragen direkt nach dem Bar-B-Que, dass auf der Internetseite für Donnerstags beworben wird. Enttäuschung, es gibt kein Grillfest mehr, aber dafür können wir uns für ein Buffet um 19 Uhr anmelden, was wir auch tun. Nachdem die Koffer im Zimmer sind, machen wir uns um 16 Uhr direkt auf zum Eisenbahnmuseum nach Revelstoke.
Wer sich nicht für historische Eisenbahn interessiert, kann jetzt getrost die nächsten Kapitel überspringen. Ich will es hier auch nicht zu breit auswalzen, aber ein paar Sätze ist das Eisenbahnmuseum schon wert.
Das Gebäude wurde 1993 aus einer alten Werkstatt für Zugreparaturen umgebaut. Bereits der Eingangsbereich mit dem Kassenhäuschen ist im Stil der 50er Jahre gehalten und mit Originalteilen anderer Bahnhöfe bestückt. Der Eintritt kostet pro Person 8 Can$ und wir betreten den ersten Raum, die Galerie 1. Hier gibt es Exponate über die Themen Lawinenschutz, Vermessung, die schwierige, geographische Lage mit dem Brückenbau, eine Draisine, die Tunnelkonstruktionen, den Frachtbereich und als Höhepunkt eine für die damalige Zeit sehr genaue Uhr. Eine genaue Uhrzeit war damals enorm wichtig, denn die Bahn wollte immer pünktlich sein. Die Eisenbahner mussten allerdings ihre Uhren selbst kaufen, instand halten und spätestens alle 14 Tage mit einer Genauigkeit von 30 Sekunden stellen.
In der Galerie 2 sind schon größere Exponate zu sehen. Zuerst besteigen wir den Dienstwagen #4 von 1929, der mehrmals umgebaut und dann einer anderen Bestimmung zugeführt wurde. Man kann den Wagen von hinten bis nach vorne durchlaufen und sich dabei die einzelnen Kabinen und Abteile genau ansehen. Wir verlassen den Wagen #4 über eine Holztreppe und stehen direkt vor den mächtigen Zylindern der Hauptattraktion des Museums. Es ist die gewaltige Dampflok #5468, eine Mikado Lok der P-2k Klasse mit der Radklassifizierung 2-8-2. Sie wurde im September 1948 in Montreal gebaut und hat einen mächtigen Ölbrenner für den Antrieb. Bereits nach 6 Dienstjahren wurde sie 1954 endgültig außer Dienst gestellt und in der Provinz Quebec gelagert. Nach fast 40 Jahren steht sie nun seit 1993 als Ausstellungsstück hier in Revelstoke und sie ist für 25 Jahre gepachtet. Sie ist übrigens eine der letzten 3 Exemplare ihrer Baureihe. Wir klettern die Treppe zum Führerstand hoch und stellen erfreut fest, dass heute ein echter Lokführer Auskunft gibt. Der Führerstand ist voller Besucher und wir warten fast 15 Minuten bis wir dran sind. Leider reicht unser englisch nicht für die vielen, hochtechnischen Fragen die mir auf der Zunge liegen, aber allein der Blick in die gewaltige Feuerbüchse entschädigt uns dafür. Weiterhin gibt es noch eine Spendentafel, einen Dienstplan und Teile der alten Ziegelfassade des Bahnhofs von Revelstoke an einer langen Wand dieser Galerie zu sehen.
Die Galerie 3 beherbergt ein altes Betriebsbüro eines Bahnhofsvorstehers mit Teetasse und Telegraph. Ein weiterer Bereich ist dem Speisen im eleganten Stil in den Zügen der CP Rail gewidmet und für die ganz enthusiastischen Besucher steht noch ein Fahrsimulator zur Verfügung. Er steht in dem echten Führerstand einer 1500er Diesellok, die nach einem Unfall ausgemustert wurde. Und dann gibt es noch die Kid’s Caboose, einen Wagen für die Kleinen zum spielen.
Im ersten Stock ist eine H0 Eisenbahnanlage im Bau, die aber zum Teil noch abgedeckt ist. Anschließend besichtigen wir noch den Außenbereich des Museums mit einigen sehenswerten Waggons und einem beeindruckenden Schneepflug mit Dampfantrieb.
Jetzt ist es aber an der Zeit, den Souvenirshop zu plündern. Ich hatte vor der Reise auf der Internetseite des Shops einige Exponate ausgewählt, die ich gerne als schöne und seltene Erinnerung mitnehmen möchte. Die erste Enttäuschung ist das T-Shirt mit dem Motiv der Spiraltunnels. Das Motiv ist ausverkauft und nicht mehr erhältlich. Nach einigen Mühen finde ich aber noch die gestreifte Eisenbahnermütze mit dem Dampfloklogo in meiner Größe. Dann stehe ich vor einer Unmenge an DVD’s. Eine interessanter als die andere. Aber was ist mit der Fernsehnorm? Hier in Nordamerika haben sie NTSC und wir haben PAL. Laufen die DVD’s bei uns überhaupt? Ich nehme eine und frage die Lady an der Kasse. Die hat keine Ahnung und fragt eine Kollegin die auch keine hat. Diese wiederum ruft aber jemand an, der evtl. Ahnung haben könnte und der meint, dass ich morgen früh nochmals kommen soll, dann wüsste er es. Was für ein Aufstand, aber die Bemühung muss man wenigstens anerkennen. Da die DVD’s fast alle an die 33 Can$ bis zu 40 Can$ kosten, ist mir das Risiko mit der Unverträglichkeit der Fernsehnorm einfach zu groß und ich nehme nur eine DVD mit. Sie handelt von der ersten Fahrt der CPR 2816 nach ihrer Restaurierung von Vancouver nach Calgary. Und was soll ich hier schreiben: Die DVD läuft prima und der Film ist einsame Spitze. Aber soll man sich ärgern? Vielleicht kommen wir ja noch einmal nach Revelstoke und dann wird richtig eingekauft.
Gegen 17.45 Uhr sind wir wieder im Hotel und Anja macht sich fein für das Buffet. Nachdem ich mein Kameraequipment versorgt habe, folge ich ihr ins Bad. Frisch gestylt sind wir pünktlich im Restaurant am Buffet. Eine nette junge Lady bietet uns die Plätze an. Auf der Terrasse sitzen schon viele Gäste und wir müssten uns irgendwo dazusetzen. Da aber einige Personen mit Servietten herumwedeln gibt es draußen Mücken oder Wespen. Also bleiben wir lieber drin und nehmen einen schönen Fensterplatz. Die Sonne ist bereits hinter den Bergen und die ersten Damen ziehen draußen ihre Jacken an. Wir sitzen dagegen warm und mit direktem Blick auf das noch leere Buffet. Wir bestellen erst einmal ein Pint helles Bier, welches auch nach dem Zuprosten zischend die Kehle herunter läuft. Nach und nach kommt das Küchenpersonal aus der tiefer liegenden Küche die Treppen hoch und bestückt mit glänzenden Behältern das Buffet. Zuerst kommen die Vorspeisen. Es gibt warme, selbstgebackene Brötchen mit verschiedenen Belägen, Kartoffel- und Nudelsalat und mehrere Gemüsesalate. Natürlich hat sich sofort eine Schlange vor den Tellerstapeln gebildet, aber wir halten uns noch zurück, es ist genug für alle da. Nach dem ersten Ansturm bedienen wir uns auch und ich nehme von allem nur ein wenig, um die ungewohnt aussehenden Salate erst einmal zu kosten. Es schmeckt fantastisch und ich muss mich zurückhalten, denn es gibt noch den Hauptgang und den Nachtisch. Ich bestelle noch ein Bier, denn das Glas war plötzlich auf seltsame Weise leer geworden. Die junge Lady stellt das Blonde vor mich hin und erklärt uns plötzlich ohne ersichtlichen Grund den Hauptgang. Es gibt Spaghetti mit bologneser Soße, Schnitzel mit Gypsi- oder Mushroomsoße und Hühnerbrust, ebenfalls in einer weißen Soße ertränkt. Bei dem Wort „Schnitzel“ zucken wir zusammen. Sie hat wirklich „Schnitzel“ gesagt und wenn eine Nordamerikanerin in englisch „Schnitzel“ sagt, hört sich das für uns sehr lustig an. Wir unterdrücken unsere Belustigung, bedanken uns brav und erstürmen nun erneut das Buffet. Die Nudeln mit der Soße sind sehr gut und das riesige „Schnitzel“ mit der Zigeunersoße ebenfalls. Nur das Huhn mit der hellen Soße wollte bei mir nicht mehr so recht passen, aber es musste doch wenigstens für ein kleines Stück noch ein Platz da sein. Mit einem dritten Bier spüle ich für den Nachtisch noch ein wenig Platz frei, aber den Schokoladenkuchen kriege ich nicht mehr herunter. Dafür lege ich mir ein Stück Möhrenkuchen mit heller Glasur zurecht, was aber nach einer halben Stunde immer noch vorhanden ist. Zwischendurch filme ich noch die Terrasse mit den nach Mücken wedelnden Gästen und muss dabei auch selbst noch welche vertreiben, die nach meinem Blut geifern. Nachdem das dritte Bier und der Möhrenkuchen weg und wir um 87 Can$ ärmer sind, gehen wir nach einem kleinen Rundgang um das Hotel auf unser Zimmer. Es ist 20.40 Uhr und ich probiere noch das Internet. Es gibt W-LAN und es sind drei E-Mails angekommen. Wir gammeln noch bis 21.30 Uhr herum und die drei Bier fordern jetzt ihren Tribut. Es ist Bettruhe.

nächster Tag

 

 

 

 



Klick für große Bilder:


Coffeeshop 1


Coffeeshop 2


Idylle am Shuswap Lake


Der letzte Nagel

 

 


Steinernes Denkmal

 

 


Bronzetafeln

 

 


Opulentes Gemälde

 

 

Der goldene Nagel

 

 

Das Eisenbahnmuseum

 

 

Die genaue Uhr

 

 

Waggon #4

 


Dampflok 5468

 

 

Dampflok 5468

 

 

Führerstand der Lok

 

 

Feuerraum der Lok

 

 

Ingenieur

 

 

Freigelände